mini|Nach drei Tagen im Kältetest wird das Starten des Motors getestet. (Automobilfabrik in Großbritannien 1945) Winterdiesel ist ein Dieselkraftstoff, dem Additive zugemischt sind, die das Ausflocken von Paraffinen bei niedrigeren Temperaturen reduzieren. Ohne diese Zusätze bilden sich in den Kraftstoffleitungen Paraffinkristalle, die durch Verstopfen des Kraftstofffilters ein Durchfließen des Dieselkraftstoffs vom Tank zum Motor verhindern. Die Filtrierbarkeitsgrenze (engl.: Cold Filter Plugging Point, CFPP), bei dem ein Prüffilter unter definierten Bedingungen verstopft, ist im Winterdiesel gegenüber dem Sommerdiesel deutlich herabgesetzt.

Ein weiterer Grund für das Einfrieren des normalen Dieselkraftstoffs ist, dass dieser bis zu 8 Prozent Wasser aufnehmen kann, das dann im Winter gefriert. Viele Diesel-Pkw sind mit einer Filter-Vorwärmung ausgestattet, die den Betrieb mit Winterdiesel über den beim CFPP angegebenen Temperaturwert hinaus sicherstellen.

Winterdiesel hat tendenziell eine niedrigere Cetanzahl als Sommerdiesel, da beim Winterkraftstoff wegen der notwendigen Kälteeigenschaften auf höhersiedende Komponenten teilweise verzichtet werden muss.

Handelssorten Winterdiesel Die Filtrierbarkeitsgrenze (Nutzbarkeit) des Dieselkraftstoffes ist über den CFPP-Wert jahreszeitabhängig in der EN 590 geregelt – der Winterdiesel erhält bereits in der Raffinerie spezielle Additive für die Wintersaison von 15. November bis 28. Februar und muss dabei einen CFPP-Wert von −20 °C oder tiefer erreichen. Viele Mineralölfirmen setzen den CFPP-Wert in den Wintermonaten typischerweise auf −22 °C kältefest herab.ADAC: . In einer Übergangszeit muss Dieselkraftstoff bis −10 °C funktionieren, in Deutschland ist dies von Anfang Oktober bis Mitte November sowie vom Anfang März bis Mitte April gefordert.

Die von vielen Mineralölfirmen angebotenen hochpreisigen Premiumdieselkraftstoffsorten besitzen einen garantierten CFPP-Wert von −24 °C bzw. −40 °CMaxxMotion OMV Premium Diesel und einen typischen Wert von −28 bis −38 °C. In Österreich ermittelte der Verkehrsclub ÖAMTC in einem nicht mit deutschen Verhältnissen vergleichbaren Test bei allen Proben eine Beständigkeit von höchstens −27 °C.

An den Tankstellen in Deutschland und in Österreich wird jährlich ab November bis ins Frühjahr, in der Schweiz ganzjährig, nur Winterdiesel angeboten. Daher ist für den Konsumenten normalerweise kein Unterschied spürbar.

Die europaweit geltende Europäische Norm EN 590 definiert sechs Klassen von Dieselkraftstoffen für gemäßigte Klimazonen – diese haben ältere Definition für Winterdiesel, wie in DIN-Norm DIN 51628, abgelöst. Der Cloudpoint ist in EN 590 nicht angegeben, in DIN 51603 für Heizöl wird bei CFPP −10 °C ein Cloudpoint unter +1 °C gefordert. Verfügbare Additive erreichen einen CFPP −20 °C basierend auf Dieselkraftstoff mit Cloudpoint −7 °C. Die Testdefinition mit ihren normierten Laborbedingungen wird vom ADAC als zu schwach kritisiert – bei Experimentalversuchen mit verschiedenen Dieselsorten mit verschiedenen Dieselmotoren in der Kältekammer konnte keine direkte Korrelation zwischen CFPP-Wert und der Kaltstartfähigkeit beobachtet werden.

Klasse A Klasse B Klasse C Klasse D Klasse E Klasse F CFPP-Wert +5 °C 0 °C −5 °C −10 °C −15 °C −20 °C Cloudpoint (nicht angegeben in EN 590) In Österreich ist eine Abweichung von ±3 Grad vom geforderten CFPP-Wert zulässig.

Polardiesel In manchen Regionen Europas, in denen noch niedrigere Temperaturen zu erwarten sind (z. B. in Skandinavien), wird neben dem Winterdiesel noch Polardiesel angeboten. Hierbei handelt es sich um einen Dieselkraftstoff, der mit Hilfe weiterer Additive teilweise bis −40 °C nutzbar ist. Das allgemeine Lieferangebot beinhaltet dabei als Polardiesel eine Spezifikation mit CFPP von −33 °C..

Die EN 590 definiert fünf Klassen von Dieselkraftstoffen für arktische Klimazonen. Auch wenn es nicht vom Gesetzgeber gefordert wird, greifen Hersteller für ihre Premiumdiesel auf diese Definitionen zurück. Ein niedriger Cloudpoint in EN 590 sichert, dass Paraffinpartikel nicht am Boden des Tanks nach einiger Zeit ausgefällt werden, da die Tagestemperaturen diese auflösen können. Um eine Kältefestigkeit jenseits Klasse 4 zu erreichen, wäre ein kerosinartiger Treibstoff notwendig, der eine entsprechend niedrige Cetanzahl hätte (in EN 590 mindestens 45 bei Polardiesel).

Klasse 0 Klasse 1 Klasse 2 Klasse 3 Klasse 4 CFPP-Wert −20 °C −26 °C −32 °C −38 °C −44 °C Cloudpoint −10 °C −16 °C −22 °C −28 °C −34 °C

Angebot an Tankstellen Die Messmethoden für Dieselkraftstoffe sind in der Norm EN 590 definiert, die in allen Ländern der EU, Island, Norwegen und der Schweiz einheitliche Festlegungen trifft. Eingeführt wurde diese Norm in Zusammenhang mit der Festlegung von Abgasnormen, die für Diesel eine Verringerung der Schwefelwerte vorsieht. Sie beinhaltet als Filtertest den Cold Filter Plugging Point (CFPP). In den USA wurde mit dem „Low Temperature Flow Test“ (ASTM D4539ASTM: D4539 – 10 Standard Test Method for Filterability of Diesel Fuels by Low Temperature Flow Test (LTFT)) ebenfalls eine genormte Methode zur Bestimmung der Winterfestigkeit von Diesel mit Additiven entwickelt, die jedoch in der Norm ASTM D 975 für Dieselkraftstoffe nicht bindend ist. Sowohl der Filterpunkt nach CFPP als auch LTFT liegen einige Grad über dem Stockpunkt (Pour Point), ab dem der Diesel nicht mehr gepumpt werden kann.

Deutschland Die Zeiten und Mindestanforderungen sind in DIN EN 590 geregelt. Die eigendefinierten Anforderungen an Premiumdiesel der Mineralölkonzerne beinhalten teilweise CFPP-Werte, die ganzjährig über die Anforderungen an Winterdiesel hinausgehen. (OMV MaxxMotion CFPP −40 °C, Aral/BP Ultimate Diesel CFPP −24 °C / −30 °C) Die meisten Tankstellenketten sichern zu, den Winterdiesel mit CFPP −22 °C auszuliefern.

Bezeichnung CFPP-Wert Zeitraum Sommerdiesel 0 °C 15.04. – 30.09. Übergangszeit −10 °C 01.10. – 15.11. Winterdiesel −20 °C 16.11. – 28.02. Übergangszeit −10 °C 01.03. – 14.04.

Österreich Der Übergangsdiesel im März in Österreich garantiert eine Verwendbarkeit bis −15 °C.ÖAMTC: Lexikoneintrag Winterdiesel Im Angebot befindliche Premiumdiesel der Mineralölkonzerne beinhalten teilweise CFPP-Werte, die ganzjährig über die Anforderungen an Winterdiesel hinausgehen. (OMV MaxxMotion CFPP −40 °C, Aral/BP Ultimate Diesel CFPP −24 °C / −30 °C)

Bezeichnung CFPP-Wert ZeitraumSommerdiesel +5 °C01.04. – 30.09.Übergangszeitzwischen +5 und −20 °C01.10. – 31.10. Winterdiesel −20 °C 01.11. – 28.02. Übergangszeit −15 °C 01.03. – 31.03. Quelle der Tabellendaten:

Schweiz Obwohl es in der Norm SN EN 590 eine Unterscheidung von Sommer- und Winterdiesel gibt, hat sich in der Schweiz ein Ganzjahresdiesel durchgesetzt – dabei wird der in der Norm definierte Winterdiesel ganzjährig an den Tankstellen angeboten. shell.ch: .bp.com: Technisches Produktdatenblatt BP Citydiesel (PDF; 45 kB), abgerufen am 7. Juni 2013. Dieser Umstand führte zu Irritationen, als der österreichische Mineralölkonzern OMV Ende 2010 einen Premiumdiesel unter dem Handelsnamen „Winter Diesel“ einführte, die mit einem garantierten CFPP-Wert von −35 °C der oben beschriebenen Qualität als Polardiesel entspricht. Auch andere Mineralölkonzerne bieten Premiumdiesel an, deren CFPP-Werte ganzjährig garantiert über die Anforderungen an Winterdiesel hinausgehen. (OMV MaxxMotion CFPP −40 °C, Aral/BP Ultimate Diesel CFPP −24 °C / −30 °C, Agrola Diesel cleanline CFPP −30 °C)

Bezeichnung CFPP-Wert Zeitraum Ganzjahresdiesel −20 °C ganzjährig

Australien Der australische Standard für Fahrzeugdiesel AS 3570 benennt die Grenzwerte für den Cloudpoint einzeln für die zwölf Kalendermonate je aufgeteilt auf zwölf Klimagebiete in Australien. Die zu den zwölf klimatischen Regionen genannten Werte liegen zwischen −3 °C und 15 °C. In Australien wird der CFPP-Wert typisch auf 2 °C unter dem Cloudpoint gelegt. Die Norm benennt auch besondere Gebiete, in denen besonders kalte Wettersituationen auftreten können (z. B. Australische Alpen).

+ Höchster erlaubter Cloudpoint (AS 3570-1998) Jan Feb Mär Apr Mai – Jul Aug Sep Okt Nov Dez Gebiet [°C] 15 10 5 2 1 4 7 11 14 15 AUC Australia – Central (NT/SA) 15 15 12 9 8 10 14 15 15 15 AUN Australia – North (WA/NT/QLD) 9 5 2 0 −1 10 14 15 15 15 NSW New South Wales 15 12 7 4 2 4 7 12 15 15 QC Queensland – Central 15 15 11 7 6 8 11 15 15 15 QCN Queensland – Central North 15 15 12 7 7 9 12 15 15 15 QFNE Queensland – North East 11 7 3 0 −1 0 2 7 9 13 QS Queensland – South 8 6 4 2 1 2 4 5 6 9 SAS South Australia – South 3 1 −1 −2 −3 −3 −1 0 2 3 TAS Tasmania 9 6 3 1 0 1 2 4 6 8 VIC Victoria 15 15 9 6 5 7 11 15 15 15 WAC Western Australia – Central 10 6 4 3 2 2 3 5 8 10 WAS Western Australia – South

Belgien Belgien hat den europäischen Standard für Dieselkraftstoffe in die nationale NBN EN 590 übernommen. Der Winterdiesel wird dabei gesetzlich mit CFPP −15 °C spezifiziert.Van Raak: Der Mineralölkonzern VanRaak sichert darüber hinausgehend einen CFPP von −20 °C im Zeitraum von 1. November bis 28. Februar zu und bietet den ganzen Oktober einen Übergangsdiesel mit CFPP −11 °C an.Van Raak: (frz., abgerufen am 7. Juni 2013). An den Tankstellen der Marke „power“ wird in einem erweiterten Zeitrahmen von 15. Oktober bis 15. März ein Winterdiesel mit CFPP −20 °C angeboten.Poweroil:

Bezeichnung CFPP-Wert Zeitraum EN 590 diesel d'hiver / winterdiesel −15 °C 01.11. – 28.02. Class E

Dänemark In Dänemark gilt die Norm DS EN 590.DS/EN 590:2009 Es werden drei Zeiträume mit unterschiedlichem CFPP für Dieselkraftstoffe unterschieden, je für Winter (Vinter), Herbst (Efterår) und Sommer (Sommer) – weitere angegebene Werte entsprechen der Ist-Analyse bei Shell und Statoil in Dänemark.

Bezeichnung CFPP-Wert Zeitraum Ist-CFPP Ist-Cloudpoint Sommer −10 °C 01.04. – 30.09. −12 °C 0 °C Efterår −15 °C 01.10. – 30.11. −18 °C −7 °C Vinter −20 °C 01.12. – 31.03. −24 °C −10 °C

Finnland Es gelten die Messvorschriften der EN 590.

Abschnitt CFPP-Wert Zeitraum Sommerperiode −5 °C 01.04. – 31.10. Winterperiode −26 °C 01.11. – 31.03.

Frankreich In Frankreich entsprechen Dieselkraftstoffen den EN 590 – Klassen B, E und F, jeweils für Sommerdiesel, Winterdiesel und bei Wintereinbrüchen.Petroleum Refining: Crude oil, petroleum products, process flowsheets von Jean-Pierre Wauquier, Seite 215 und 216

Bezeichnung CFPP-Wert Zeitraum EN 590 diesel d'été 0 °C 01.05. – 31.10. Class B diesel d'hiver −15 °C 01.11. – 30.04. Class E

Kanada Kanada hat allgemein ein arktisches Klima. Die Standardisierungsbehörde Canadian General Standards Board veröffentlicht Karten zu üblichen regionalen Niedrigtemperaturen, sodass die Tankstellenketten den Dieseltreibstoff anpassen können, was diese etwa zehnmal im Jahr machen. Mit diesem Prinzip folgt man dem US-amerikanischen Standard ASTM D 975, der auch winterlichen Diesel beschreibt (siehe Vereinigte Staaten). Messungen an den Tankstellen ergaben, dass Dieseltreibstoff einen Pour Point von −30 °C aufweist, was typisch für Polardiesel im Rest der Welt ist.

Niederlande In den Niederlanden gilt die DIN-Norm (siehe Winterdiesel Deutschland). Eine eigene Norm wurde nicht veröffentlicht, da die Belieferung von Tankstellen häufig grenzüberschreitend erfolgt (etwa bei Shell).

Norwegen Norwegen hat die europäische Spezifikation in Klassen in die Norm NS-EN 590 übernommen. In der zentralen Winterperiode wird dabei arktischer Winterdiesel entsprechend Klasse 2 (Vinterdiesel Arktisk Grad 2) angeboten. Die ausgewiesenen Zeiträume können je nach Region um ± 14 Tage abweichen.

Klassifikation CFPP-Wert Zeitraum Minimum −11 °C 01.04 – 15.09. Winterdiesel −24 °C 16.09. – 30.11. Polardiesel −32 °C 01.12. – 28.02. Winterdiesel −24 °C 01.03. – 30.03.

Polen