Der venezolanische Bolívar ist seit dem Jahr 1879 die Landeswährung des südamerikanischen Staates Venezuela. Sie wurde benannt nach Simón Bolívar. Nach einer Umbewertung des Bolívar zum 1. Januar 2008 wurde er zur Unterscheidung von der alten Währung Bolívar fuerte (Starker Bolivar; Abkürzung: Bs.F oder Bfs.) genannt. Am 20. August 2018 wurde ein weiterer Währungsschnitt im Verhältnis 1:100.000 durchgeführt. Hierzu wurde zur Unterscheidung die Bezeichnung Bolívar soberano (Abkürzung: Bs.S) verwendet. Die offiziell genutzte Währungsbezeichnung ist jedoch weiterhin kurz Bolívar; die Langbezeichnungen „Bolívar fuerte“ und „Bolívar soberano“ sind weder auf Münzen noch Geldscheinen zu finden.

Im August 2021 wurde die Einführung des Bolívar digital (Abkürzung: Bs.D) zum 1. Oktober 2021 angekündigt.Hyperinflation: Venezuela streicht wieder Nullen bei Tagesschau.de vom 5. August 2021 Gegenüber dem Bolívar soberano wurden 6 Nullen gestrichen. Insgesamt wurden zwischen 2007 und 2021 vierzehn Nullen gestrichen. Das entspricht einer Division durch ein hundert Billionen (1014).

Geschichte und Hintergründe

Bolívar (1879–2007) Im Jahre 1879 wurde der Bolívar offiziell in Venezuela eingeführt. Er ersetzte den davor gültigen Venezolano im Verhältnis 1 Venezolano = 5 Bolívares. Gemäß den Prinzipien der Lateinischen Münzunion, denen der Bolívar damals folgte, entsprach er 4,5 Gramm Feinsilber. 1887 wurde der Gold-Bolívar als gesetzliche Währung eingeführt. 1910 wurde er alleiniges Zahlungsmittel.

Im Jahre 1930 nahm man vom Goldstandard Abstand. In der Folgezeit galt der Bolívar als die stabilste und international anerkannteste Währung der Region. Dies endete am 18. Februar 1983 mit dem später so genannten Schwarzen Freitag Venezuelas. Seitdem befindet sich der Bolívar in einem Prozess der ständigen Abwertung. Nach einem Streik der Ölarbeiter im Jahre 2003 führte die Regierung von Hugo Chávez Kapitalkontrollen ein. Der Bolívar konnte nicht mehr frei in andere Währungen, wie den US-Dollar, getauscht werden, woraufhin sich ein unregulierter Handel zwischen dem US-Dollar und dem Bolívar entwickelte., ftd.de vom 11. Januar 2010

Die Veröffentlichung des Schwarzmarktpreises des Bolívars zum Dollar wurde 2007 unter Strafe gestellt.Venezuela prohíbe dólar paralelo, CNN Extensión, 14. Dezember 2007.

Bolívar fuerte (2008–2018) Am 1. Januar 2008 bekam der Bolívar einen neuen Namen: Bolívar Fuerte. Gegenüber dem alten Nominalwert wurden drei Nullen gestrichen. Das Umtauschverhältnis betrug also 1000 Bs zu 1 BsF. Während der Umtauschphase von einem Jahr waren beide Währungen parallel gültiges Zahlungsmittel in Venezuela. Der bestehende, seit 2005 gültige feste Wechselkurs zum US-Dollar wurde beibehalten und betrug 2,15 BsF zu 1 USD.n-tv.de: „Starker Bolivar“ in Venezuela vom 2. Oktober 2007. Ziel der Regierung war es, die Inflation einzudämmen und das Vertrauen in die Währung wiederherzustellen.

Mit Wirkung vom 11. Januar 2010 musste die venezolanische Regierung eine weitere Abwertung vornehmen. Aufgrund der beständig hohen Inflationsrate von jährlich 25 bis 30 Prozent hatte sich der Schwarzmarktkurs zu weit vom offiziellen Tauschkurs entfernt. Es wurde eine zweigeteilte Wechselkursrate eingeführt: Der günstigere Kurs von 2,60 BsF zu 1 USD, was einer Abwertung um 17 Prozent entspricht, gilt seitdem für „priorisierte Importe“, wie zum Beispiel Lebensmittel, für staatliche Behörden und sogenannte Remesas, Überweisungen von im Ausland lebenden Familienangehörigen an ihre Angehörigen in Venezuela. Der allgemein gültige Wechselkurs wurde jedoch um 50 Prozent auf 4,30 Bolívares je Dollar abgewertet.BBC: Venezuela will slash value of currency vom 9. Januar 2010.

Im unregulierten Markt, also dem Schwarzmarkt, betrug der Wechselkurs zu diesem Zeitpunkt um die 6,25 BsF pro Dollar. Viele Volkswirte hielten die Abwertung für überfällig, da der Bolívar extrem stark überbewertet gewesen sei. Die Inflation in Venezuela war rund 25-mal so hoch wie in den USA. Immer mehr Kapital floss in andere Währungen ab., ftd.de vom 15. Januar 2010

Der venezolanischen Regierung erlaubte die Abwertung eine Verringerung des Haushaltsdefizits. Die Bevölkerung reagierte mit Hamsterkäufen. Ökonomen kritisieren jedoch, dass das zweigeteilte Wechselkurssystem in Lateinamerika schon in den 1980er Jahren nicht funktioniert habe. Es eröffne neue Wege der Korruption. Man könne sehr einfach über die verschiedenen Wechselkurse dem System Geld entziehen. Die venezolanische Opposition erinnerte an den Schwarzen Freitag Venezuelas von 1983. Damals wurde ebenfalls ein mehrstufiges Wechselkurssystem eingeführt, welches Chávez als „korrupt“ bezeichnete. Damals seien 60 Milliarden Dollar Kapital abgeflossen.

Am 9. Juni 2010 wurde ein weiterer Parallelmarkt, das sogenannte System für Transaktionen mit Titeln in ausländischer Währung (Sistema de Transacciones con Títulos en Moneda Extranjera – SITME) eingeführt., Wirtschaftskammer Österreich vom 3. Januar 2011. Firmen, die auf Grund Devisenmangels nicht zum offiziellen Wechselkurs einkaufen können, können sich auf diesem Markt mit bis zu 50.000 US-Dollar täglich bedienen., Bloomberg.com vom 14. Dezember 2010

Zum 1. Januar 2011 erfolgte eine erneute Abwertung des Bolívar. Der vergünstigte Wechselkurs für wichtige Güter wie Lebensmittel oder Medikamente wurde gestrichen und dem allgemeinen Wechselkurs von 4,30 Bolívares je Dollar angepasst, was eine Abwertung um 65 Prozent für diese Importgüter bedeutete.Kampf um Wirtschaftswachstum: Venezuela wertet Währung ab, n-tv.de vom 30. Dezember 2010. Der SITME-Kurs blieb bestehen. In Venezuela besteht für diese Güter eine hohe Importabhängigkeit, sodass ein starker Einfluss auf die Verbraucherpreise und damit auf die Inflation erwartet wird.

Im Februar 2013 musste der Bolívar angesichts der anhaltend hohen Inflation erneut kräftig abgewertet werden. Der neue offizielle Wechselkurs betrug nun 6,30 Bolívares pro Dollar. Damit sollten vor allem Schulden im Inland abgebaut werden, nachdem sich das Wahljahr 2012 durch eine exzessive Ausgabenpolitik der Regierung des im März 2013 verstorbenen Präsidenten Chávez auszeichnete. Gleichzeitig wurde das Wechselkurssystem für Unternehmen SITME abgeschafft. Der Schwarzmarktkurs für den Bolívar zum US-Dollar betrug zu dieser Zeit rund 20:1.Venezuela wertet kräftig ab, Deutsche Welle vom 9. Februar 2013. Statt des SITME führte man das SICAD-Verfahren (Sistema Complementario de Administración de Divisas) zur Devisenbewirtschaftung ein, das als Zweitpreisauktion ausgelegt ist.Jan Ulrich: Venezuela reformiert Devisenhandel, amerika21.de vom 25. März 2013. Bei der ersten Ende März 2013 stattgefundenen Auktion war aus Bieterkreisen zu erfahren, dass zwischen 12 und 15 Bolívares pro Dollar geboten wurden, also gut das Doppelte des offiziellen Nominalpreises. Weder der genaue Ablauf der Versteigerungen, noch die zugeteilten Umtauschkurse wurden offiziell veröffentlicht.Dólar en primera subasta Sicad está duplicando el precio Cadivi, El Mundo (Venezuela) vom 26. März 2013.

Da der Tausch von venezolanischen Bolívares in konvertible Währungen stark reglementiert ist, entwickelte sich hierfür ein Schwarzmarkt.

Zu Beginn des Jahres 2016 lag der Umtauschkurs von Bolívar zu Dollar über CENCOEX bei 6,3, über SICAD 2 bei 1:13,5, und über SIMADI bei 1:200. Der Schwarzmarktkurs betrug 1000 Bolívar für 1 US-Dollar. Der aktuelle Schwarzmarktkurs wird im Internet unter anderem von DolarToday veröffentlicht. Die Inflation wurde im April 2016 für das laufende Jahr aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise auf rund 320 % geschätzt, wobei der IWF nur einen Monat später bereits von 720 % ausging.

Während die Einziehung der – zuletzt größten – 100-Bolívar-Note schon lief, wurde ab 15. Dezember 2016 eine neue Note zu 500 Bolívar ausgegeben, die am Schwarzmarkt einen Gegenwert von 0,14 US$ darstellte. In den folgenden Tagen sollten Scheine zu 1000, 2000, 5000, 10.000 und 20.000 (Schwarzmarktwert 5,6 US$) Bolívar folgen.Hyperinflation: Venezuela führt größere Geldscheine ein orf.at, 14. Dezember 2016, zuletzt abgerufen am 30. Dezember 2016. Nachdem in verschiedenen Städten von den Banken keine neuen Geldscheine ausgegeben werden konnten, kam es am 16. Dezember (Ortszeit) zu Protesten und Plünderungen mit drei Toten.Chaos und Proteste in Venezuela: Drei Tote bei Protesten orf.at, 17. Dezember 2016, abgerufen am 17. Dezember 2016.

Der 100-Bolívar-Schein sollte schon im Dezember 2016 seine Gültigkeit verlieren, nach Protesten der Bevölkerung Mitte Dezember wurde die Gültigkeit bis 2. Januar 2017 verlängert. Noch am 30. Dezember 2016 wurde die Verlängerung dieser Frist auf den 20. Januar 2017 bekannt.Venezuela: 100-Bolivar-Schein bleibt länger im Verkehr orf.at, 30. Dezember 2016, abgerufen am 30. Dezember 2016. Danach wurde sukzessive, jeweils kurz vor Ablauf der Fristverlängerung, die Gültigkeit jener Banknote immer auf den 20. des folgenden oder des übernächsten Monats verlängert. Sie ist bis dato weiterhin gültig (Stand März 2018).

Am 31. Mai 2017 wurde der Bolívar nach dem Sistema Complementario de Divisas (Dicom) um 64 % auf einen Kurs von 2010 VEF für einen US-Dollar abgewertet. Der Schwarzmarktkurs betrug zu diesem Zeitpunkt bereits 6100:1.

Im Februar 2018 führte die Regierung Nicolás Maduros die angebliche „Kryptowährung“ Petro als paralleles Zahlungsmittel zum Bolívar Fuerte ein. Es gab keine bekannten Transaktionen und die Vermutung stand im Raum, dieses generell unglaubwürdige Manöver hätte eine Abwehrmaßnahme der Regierung gegen die Ausbreitung anderer Kryptowährungen im Land sein können.Special Report: In Venezuela, new cryptocurrency is nowhere to be found, Reuters, 30. August 2018

Bolívar soberano (seit 20. August 2018 bis 30. September 2021) Bargeld war im Sommer 2018 fast völlig aus dem Alltag verschwunden; ohne Kreditkarte war nahezu kein Handel mehr möglich. Geschäfte oder auch Einkäufe wurden durch Abmachungen von Überweisungen ausgeführt; die Venezolaner vertrauten ihren Kunden beziehungsweise Dienstleistern – ein Vertrauen, das sie in die Währung nicht mehr hatten. Taxifahrer verlangten, dass vor Fahrtantritt der vereinbarte Fahrpreis überwiesen wurde. Der Preis einer Rolle Toilettenpapier entsprach zeitweise einem Banknotenstapel von mindestens vierfachem Volumen der Toilettenpapierrolle.Wie funktioniert ein Land ohne funktionierende Währung? Ein Erfahrungsbericht aus Venezuela, NZZ, 12. Oktober 2018

Im Juni 2018 sollte nach Ankündigung des Präsidenten Maduro ein weiterer Währungsschnitt durchgeführt werden – die Einführung wurde später auf den 4. August 2018 verschoben. Der neu einzuführende Bolívar Soberano („souveräner Bolívar“, abgekürzt: Bs.S) sollte den alten „Bolívar fuerte“ im Verhältnis 1 zu 1000 ersetzen. Hierzu sollten auch neue Scheine zu 2, 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Bs.S sowie Münzen zu 50 céntimos und 1 Bs.S ausgegeben werden. Die größte zur Ausgabe vorgesehene Banknote (500 Bs.S) hatte am 6. Juli 2018 (einen Monat vor der geplanten Einführung) bereits nur noch eine Kaufkraft von etwa 0,12 Euro. Am 25. Juli 2018 kündigte Präsident Maduro eine erneute Verschiebung des Währungsschnitts an. Nunmehr sollte die Einführung des Bolívar soberano am 20. August 2018 starten und es sollen fünf (statt wie früher vorgesehen drei) Nullen gestrichen werden. Hierzu sollten dieselben Banknoten eingeführt werden, die ursprünglich für den Währungsschnitt 1:1000 vorgesehen waren. Die größte zur Einführung vorgesehene Banknote von 500 Bs.S hätte somit eine Kaufkraft von knapp über 10 Euro (Stand Ende Juli 2018) bzw. knapp 5 Euro (Stand Ende August 2018).