mini|hochkant|Ulrich von Dobschütz (um 1980)

Ulrich von Dobschütz (* 20. September 1940 in Schreiberhau, Provinz Niederschlesien) ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur, Autor, Filmproduzent und Dokumentarfilmer.

Leben Nach dem Besuch des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums in Oberkassel (Bonn) und dem anschließenden Studium der Germanistik und Romanistik an der Universität zu Köln und an der Universität Bonn bei Benno von Wiese absolvierte Dobschütz noch die private Schule des Theaters in Köln (Eigentümer: Heinz Opfinger und Ehefrau Marianne Jentgens). Es folgten Engagements an den Bühnen der Stadt Köln und dem Staatstheater Kassel, wo er auch als Regieassistent arbeitete. Seine größten Theater-Erfolge erlebte Dobschütz während seiner Jahre am Nationaltheater Mannheim nach seinem Durchbruch in Arthur Lee Kopits Kultstück Oh Vater, armer Vater, Mutter hing dich in den Schrank und ich bin ganz krank. In Mannheim spielte er u. a. neben Joseph Offenbach im hessischen Mundartstück Datterich von Ernst Elias Niebergall, mit Astrid Meyer-Gossler in William Shakespeares Der Kaufmann von Venedig und in Friedrich Schillers Schauspiel Turandot mit Joachim Bliese und Jutta Lampe.

Seit Beginn der 1970er Jahre arbeitete Dobschütz als freier Schauspieler, ging auf unzählige Theatertourneen und war bei verschiedenen Theater-Festspielen engagiert. Als Filmschauspieler wirkte er in weit über 100 Rollen in Kino- und Fernsehfilmen (z. B. in Bratkartoffeln inbegriffen (1967), Der Stechlin neben Arno Assmann, Die Patriarchin als Staatsanwalt Reuter neben Iris Berben) bzw., teilweise als einer der Hauptdarsteller, in TV-Serien mit (z. B. in MS Franziska als Paul Wilde neben Paul Dahlke, Notarztwagen 7, Das Traumschiff, Peter Strohm neben Klaus Löwitsch, Die Männer vom K3, Tatort als Assistent neben Hansjörg Felmy, Ein Fall für Zwei, Stubbe – Von Fall zu Fall als Martin Gessler neben Wolfgang Stumph, Der Bulle von Tölz) und im Hörfunk auch als Sprecher in Hörspielen.

Zeitgleich produzierte er als Autor und Regisseur mit seiner eigenen Produktionsfirma Sabelli-Film (in späteren Jahren auch in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Klaus, dem heutigen Firmeninhaber) etliche Dokumentarfilme für das deutsche Fernsehen oder schrieb als Autor dokumentarische Beiträge für den Hörfunk.

Neben seiner Arbeit als Schauspieler und Regisseur ist Dobschütz auch Autor einiger Gedichte und Kurzgeschichten, die er selbst in Autorenlesungen bundesweit vorträgt. Dobschütz, der neben deutschen Dialekten (Hessisch, Kölsch, Rheinisch) auch Englisch, Französisch und Italienisch beherrscht, lebt heute in Berlin und seit Jahrzehnten in Rom, wo er an der Seite internationaler Stars (z. B. Anthony Quinn) in internationalen und italienischen Film- und Fernsehproduktionen mitwirkte. So verkörperte er 2010 in Rom neben Hauptdarsteller Michel Piccoli die Rolle des Kardinals Brummer im Film Habemus Papam – Ein Papst büxt aus unter der Regie von Nanni Moretti.

Privates Ulrich von Dobschütz entstammt dem alten schlesischen Adelsgeschlecht von Dobschütz und ist der Sohn von Bernard von Dobschütz (1906–1994) und dessen erster Ehefrau Martha von Bethe (1910–1947).

In Laubach (Landkreis Gießen Hessen) heirateten am 30. Dezember 1964 Ulrich von Dobschütz und Barbara Gerschlauer (* 18. Januar 1941 in Kiel), mit der er einen gemeinsamen Sohn hat. Sein Großvater war Felix von Dobschütz (1867–1936), sein Cousin ist Leonhard von Dobschütz (* 1940).

Hörspiele (Auswahl) 1980: Alfred Bester: Nach null – Regie: Andreas Weber-Schäfer

Werke Filmografie (Auswahl) 1967: Bratkartoffeln inbegriffen (TV) 1970: Merkwürdige Geschichten – Ein Brief aus der Vergangenheit (TV-Reihe) 1971: Das Abenteuer eines armen Christenmenschen (TV) 1974: Tatort – Acht Jahre später 1974: Der junge Roth (TV) 1974: Tatort – Zweikampf (TV-Reihe) 1974: Tatort – Der Mann aus Zimmer 22 (TV-Reihe) 1975: Motiv Liebe – Folge 20 Gehobene Laufbahn 1977: Tatort – Drei Schlingen (TV-Reihe) 1977: MS Franziska (TV-Serie, 8 Folgen) 1977: Der Weilburger Kadettenmord 1977: Winterspelt 1944 1978: Das zweite Erwachen der Christa Klages 1978: Pastorale 1943 1981: Der Fuchs von Övelgönne: Menschenschmuggel (Fernsehserie) 1981–1982: Vivatgasse 7 (TV-Serie, 2 Folgen) 1982: Showdown at Eagle Gap 1982: Blut und Ehre – Jugend unter Hitler 1982: Unheimliche Geschichten (Fernsehserie, Folge 5) – Nur ein Tropfen Blut 1983: Das Traumschiff: Kenia – (TV-Reihe) 1984–1990: Ein Fall für zwei (TV-Serie, drei Folgen) 1985: Diese Drombuschs – Das kalkulierbare Risiko 1985: Het bittere kruid 1985: Tatort – Baranskis Geschäft 1987: Der kleine Staatsanwalt 1987: Der Schatz im All (L’isola del tesoro) (Fernseh-Miniserie) 1987: Vorfall am Fluß 1989: Die Männer vom K3 – Tödlicher Export 1990: Ein Fall für Zwei – Bumerang 1991: Schwarz Rot Gold – Stoff 1992: Der Alte – Die Akte 1993: Neues vom Süderhof – Gefahr für den Süderhof 1994: Immenhof – Ritt in die Zukunft 1995–1999: Stubbe – Von Fall zu Fall (12 Episoden als Martin Gessler) 1995: Tatort – Eine Mörderische Rolle 1997: Der Bulle von Tölz: Tod auf Tournee 1998: Tatort – Der zweite Mann 1998: Adelheid und ihre Mörder (Fernsehserie, Mord mit Monogramm) 1999: Medicopter 117 – Jedes Leben zählt – Viren an Bord 2001: Alle meine Töchter (3 Episoden) 2002: Tatort – Filmriss 2005: Die Patriarchin 2005: Die Wache – Die Vergeltung 2006: Papa Luciani – Il sorriso di Dio 2010: Die Bergretter (2 Episoden) 2011: Familie Dr. Kleist – In letzter Minute 2011: Habemus Papam – Ein Papst büxt aus (Habemus Papam)

TV-Dokumentationen (als Autor, Regisseur, Produzent / Auswahl) Der gute Ort – Zur Kultur- und Sozialgeschichte der Juden in Deutschland, im Auftrag des SDR Dichtermord, im Auftrag des SDR Edith Stein, Stationen eines ungewöhnlichen Lebens, im Auftrag des SDR, 1982 Eine Sammlung für alle – Schicksal eines Museums in schweren Zeiten, 1989 Schule für Theater, im Auftrag des SWF, 1990 Ich selber kann und mag nicht ruh’n!, im Auftrag des SDR, 1990 Ludwig Frank gegen Völkerhass und Gedankenlosigkeit, 1991 Hilde, bitte schreiben Sie, im Auftrag von WDR, Eins Plus und MDR, 1993 Landesgeschichten – Das Attentat von Mannheim, im Auftrag des SDR, 1995

Hörfunk-Produktionen (als Autor / Auswahl) Der Pfälzer Werner und das Glück, SDR Karl Emil Franzos, ein vergessener Dichter, SDR Carl Michael Bellman: Von jedem Tropfen, den du trinkst, nimmt schon der Wurm sein Teil, SDR

Bibliografie (als Autor / Auswahl) Lieber Klaus, in: Ernestine von Salomon (Hrsg.): „Ihr Lieben – Post von ......“, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3-499-26090-5. Lächeln aus Stein – Passione Romana, Aphaia Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-926677-41-4.

Literatur Sigismund von Dobschütz: „von Dobschütz – Stammliste eines über 500jährigen oberschlesischen Geschlechtes“, Archiv Ostdeutscher Familienforscher (AOFF), Band VIII, Seite 105f, Verlag Degener & Co, Neustadt (Aisch), 1980, . Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B Band XVII, Seite 109, Band 89 der Gesamtreihe, C. A. Starke-Verlag, Limburg (Lahn) 1986, Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 187.

Weblinks

Biografie mit Fotos „MS Franziska“ mit Fotos

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