mini|Größerer Teil des Siedlungsgebietes der Slavey (braun, im Osten) in den Nordwest-Territorien an der Grenze zum Yukon-Territorium u. a. First Nations vor Ankunft der Europäer. Karte (russisch) des Linguarium-Projektes der Lomonossow-Universität.

Die Slavey (veraltet Slave) umfassen mehrere verwandte kanadische First Nations, die in zwei regionale/territoriale sowie sprachliche Stammesgruppen unterteilt werden: den South Slavey oder Deh Cho Dene („Volk am großen Fluss, d. h. am Mackenzie River“) und den North Slavey oder Sahtu / Sahtu Dene („Volk am Great Bear Lake“).

Zusammen mit den Chipewyan (Denésoliné/Dënesųłiné), Yellowknife (T'atsaot'ine) und Dogrib (Tlicho/Tåîchô) bilden sie die fünf Bands (Stammesgruppen) der Dene („die Menschen, das Volk“), die sprachlich zu den Nördlichen Athapasken der Na-Dené-Sprachfamilie zählen. Die „Dene“ in Denendeh („Land der Dene“, heutige Nordwest-Territorien), Nunavuts sowie der im Süden angrenzenden Gebiete von Manitoba, Saskatchewan, Alberta und British Columbia sind besonders eng verwandt mit den ebenfalls zu den Athabasken (Athapasken) zählenden Stämmen im Interior Alaska sowie dem angrenzenden Yukon-Territorium – den „Alaska-Athabasken“ bzw. „Alaska Dene“.One way of saying Dene?

Die „Alaska Dene“ nannten/nennen sich selbst Dinaa oder Dena und die als „Nördlichen Athabasken“ bzw. in Kanada meist einfach als „Athabasken“ bezeichneten Ethnien im Nordwesten Kanadas, nannten sich selbst T'ine oder T'ana – jedoch heute zumeist ebenfalls Dene („die Menschen, das Volk“).

Die im Südwesten der USA und Nordmexiko beheimateten „Südlichen Athabasken“ hatten ähnliche Bezeichnungen wie die „Nördlichen Athabasken (Dene)“ und „Alaska-Athabasken (Alaska-Dene)“; die Navajo nannten sich Diné und die Apache (je nach Dialekt) Indee, Ndé oder T'Inde („die Menschen, das Volk“).

Stammesgebiete South Slavey oder Deh Cho Dene Die South Slavey oder Deh Cho Dene („Deh Cho (Mackenzie River) Volk“, wörtlich: „Volk am großen Fluss“) gehörten zu den indigenen Völkern der Taiga und lebten in der South Slave Region am Süd- und Westufer des Tu Cho (Großen Sklavensee) („Großer See“) und in der Dehcho Region im Mackenzie River/Deh Cho-Flussgebiet im Süden von Denendeh („Land der Dene“, d. h. die Nordwest-Territorien) sowie im Northern Rockies Regional District rund um Fort Nelson im Nordosten von British Columbia; ihre Stammesgebiete reichten im Norden Albertas bis zum Slave River sowie südwärts bis zum Lake Athabasca im Osten, im Süden bis zum Peace-Athabasca-Binnendelta sowie westwärts entlang des Nordufers des Peace River bis zum Chinchaga River und Hay River (Kátå’odehche) sowie den Hay Lakes, im Nordosten von British Columbia befand sich die südwestliche Grenze entlang des Muskwa River und Fort Nelson Rivers (und dessen zahlreichen Nebenflüssen) und die nordwestliche am Liard River, der wiederum nordwärts im Süden Denendehs in den Mackenzie River mündet. Ihr Stammesgebiet umfasste borealen Nadelwald und wurde von Hunderten Seen, Bergen und den Flusssystemen des Slave River, Athabasca River und Mackenzie River dominiert.

Heute leben sie mit Ausnahme der South Slavey (Dene Tha) in Chateh (früher Assumption) im Nordosten Albertas, meist im Hay River Reserve in der South Slave Region im Süden der Nordwestterritorien sowie in mehreren Gemeinden in der Dehcho Region am Oberlauf des Mackenzie River: Fort Providence (Zhahti Koe, Zhahti Kų́ę́ oder Yahti Ndeé Køç – „Platz des Missionshauses“), Fort Simpson (Łíídlįį Kų́ę́, Liidli Koe oder Łíídlîî Køç – „Platz, wo zwei Flüsse zusammenfließen“), Fort Liard (Echaot'l Koe, Echaot’įe Kų́ę́ oder Echaot’îî Køç – „Ort/Heimat des Volkes aus dem Land der Riesen“), Sambaa K’e (ehemals Trout Lake, Sambaa K'e oder Łuezô Tué), Nahanni Butte (Tthenáágó – „starker Fels“), Kakisa (K’agee oder K’ágee – „zwischen den Weiden“), Jean Marie River (Tthek'éhdélį oder Tthets’éhk’edélį – „über Ton fließendes Wasser“) und Wrigley (Pedzéh Kñ, Pedzéh Kį oder Tthedzéh Køç – „Ort, wo Ton ist“).South Slavey Topical Dictionary Kátå’odehche Dialect(die indigenen Ortsbezeichnungen der South Slavey weichen je nach Dialekt voneinander ab) Viele Stammesmitglieder haben sich in letzter Zeit entschlossen, größtenteils ihre traditionelle Lebensweise wieder aufzunehmen und vom Sammeln von Beeren und Kräutern, dem Fischen und der Elchjagd und zu einem geringeren Teil der Jagd auf Karibu zu leben.

Die South Slavey lassen sich nicht wegen unterschiedlicher Dialekte (wie etwa die North Slavey), sondern auf Grund ihrer jeweils teilweise voneinander abweichenden Lebensweise in mehrere regionale Großgruppen unterteilen, die jeweils Stammesgebiete mit unterschiedlichen Ressourcen bewohnten und nutzten; allerdings ist es zweifelhaft, ob die unten genannten drei regionalen Großgruppen (und deren Bezeichnungen) bereits vor Kontakt mit Europäern von den South Slavey überhaupt unterschieden oder wahrgenommen wurden:

die Deneke („Volk“) oder heute meist Dene Tha'/Deneða/Dene Dháa („Wahres Volk“) im Nordosten British Columbias, Nordwesten Albertas und Süden Denendehs entlang des Hay River, entlang des Petitot River und im Flussgebiet des Liard River die Deh Gah Got'ine („Volk am Fluss“) entlang des Mackenzie River westlich des Großen Sklavensees, die zumeist zum Handeln nach Fort Providence kamen, daher bezeichneten die meist familiär mit ihnen verwandten Métis das Fort als Deh Gah Got’ie Koe („Ort/Heimat des Volks am Fluss“, abgel. von: Deh Gah Gotie – „am Fluss“ sowie Koe/Kue – „Heimat oder Häuser“) die Deh Cho Dene („Volk entlang des Mackenzie River“) lebten im Flussgebiet des Mackenzie River

Heute bezeichnen sich die South Slavey in Alberta als Dene Tha („Wahres Volk“), wohingegen sich die First Nations der South Slavey in den Nordwestterritorien heute als Deh Cho Dene („Volk entlang des Mackenzie River“) bezeichnen.

North Slavey oder Sahtu Dene Die North Slavey bewohnten die Taiga sowie die Waldtundra in der Sahtu Region meist westlich und nördlich des Großen Bärensees (von ihnen Sahtu genannt) sowie beiderseits des Mackenzie River, im Norden nördlich von Colville Lake sowie umliegender Seen (Lac des Bois (Tashín Tué), Lac Belot (Nilîn Tué), Aubrey Lake/Lake Aubry (Tué Sho), Dunedelatue Lake, Lac Maunoir) bis zum Anderson River (Sihonilîne) im Nordosten, im Osten bis zum Horton Lake (Arakíe Tué) sowie entlang des Horton River, im Südwesten entlang des South Nahanni River, im Westen die östlichen Mackenzie Mountains sowie im Nordwesten bis zum Arctic Red River und manchmal sogar bis zum Peel River in Yukon.

Heute sind sie nur noch in folgenden Gemeinden in Kanadas Nordwest-Territorien ansässig: Colville Lake (K'ahbamitue, K’áhbamı̨́túé – „Ptarmigan Net“), Deline (Fort Franklin) (Dèlįne – „wo das Wasser fließt“)Die Ortsbezeichnung Deline – „wo das Wasser fließt“ – bezieht sich auf den Oberlauf des Großen Bärenflusses, Sahtúdé genannt. Fort Good Hope (Charter Community of K'asho Got'ine) (Rádeyîlîkóé, Radeli Koe – „Ort der Wasserfälle“), Norman Wells (Tłegǫ́htį, Le Gohline, Łe Gǫ́hlı̨nı – „Ort des Öls“) sowie in Tulita (Fort Norman) (Tulít’a – „wo die Wasser/Flüsse sich treffen“) – in allen fünf Siedlungen leben Nachfahren von Heiraten zwischen Europäern und in der Region ansässiger Stämme – die Métis.

Die North Slavey unterteilten sich nochmals in vier regionale, kulturelle sowie unterschiedliche Dialekte sprechende Gruppen: die K'ahsho Got'ine (Hare(skin) Dene) (K'ahsho Got'ine Distrikt, heute: Colville Lake und Fort Good Hope, nannten sich selbst K'a so Got'ine/Katoo Got'ine – „Big Willow People - Volk der großen Weiden“ oder K’ahsho Got'ine/K'áshot' Got'ine („big-arrowhead-people - Volk mit großen Pfeilspitzen“); ihre heute allgemein übliche englische Bezeichnung als Hare(Skin) Dene ist vermutlich eine Falschübersetzung von Gahwié Got'ine – „Kaninchen(Fell)-Volk“, da sie gewebte Kleidung aus Schneehasen-Fellen trugen) die Shita Got'ine/Shúhtagot'ine (Mountain Dene) („Volk inmitten der Berge“, Tulit'a District, heute meist in Tulit'a (Fort Norman), weitere in Norman Wells, einige auch in Wrigley und in Ross River, auch Nahanni / Nahanni Dene genannt) die K'áálǫ Got'ine (Willow Lake Dene) („Volk am Willow Lake“, Tulit'a District, meist in Tulit'a (Fort Norman), einige in Norman Wells, der K’áálô Tué („Willow Lake“) – der heutige Brackett Lake – war ein bedeutender Jagd-, Sammel- sowie Handelsplatz der K’áálǫ Got'ine (Willow Lake Dene), bewohnen zusammen mit den Shita Got'ine/Shúhtagot'ine (Mountain Dene) diese zwei Siedlungen, wobei sie in Tulit'a die Mehrheit bilden)Glenn Dixon: Pilgrim in the Palace of Words: A Journey Through the 6,000 Languages of Earth. Dundurn Press, 2009, ISBN 978-1554884339. die Sahtú Got'ine/Sahtúot'ine/Sahtú Dene ((Great) Bear Lake Dene) (Déline District, heute in Déline (Fort Franklin), während des Pelzhandels begannen viele K'ahsho Got'ine Bands vom Nordufer des Sahtú (Großer Bärensee) und die Satihot'in (Great Bear Lake Volk) und Et'at'in regional bands der Dogrib (Tłįchǫ)William C. Sturtevant, June Helm: Handbook of North American Indians: Subarctic, Vol. 6. United States Government Printing, 1988, ISBN 978-0160045783. vom Süden sowie einige Shita Got'ine, Gwich'in und South Slavey bei Déline (Fort Franklin) am Ufer des Sahtú bevorzugt Handel zu treiben, diese verschiedenen Dene Bands heirateten untereinander und bewohnten gemeinsame Siedlungen rund um das Fort sowie am Seeufer, entwickelten ab 1850 eine eigenständige Identität als Sahtúot'ine oder Sahtú Dene – „Volk des Great Bear Lake/Großen Bärensees“, ihr Dialekt weist große Einflüsse des Dogrib (Tłįchǫ Yatiì) auf)Kerry Abel: Drum Songs: Glimpses of Dene History. Mcgill Queens University Press, 2005, ISBN 978-0773530034.

Die North Slavey nannten/nennen sich meist einfach Dene wá („das Volk“), manche abseits des Great Bear Lake in der Tundra und in den Bergen – und mehrheitlich von der Jagd lebende – Bands nannten sich auch Ɂehdzo Got’ı̨ne („Fallensteller-Volk“). Heute jedoch bezeichnen sie sich meist als Sahtú Dene / Sahtú Got'ine („Great Bear Lake Volk“), um sich von anderen Dene und speziell von den South Slavey abzugrenzen.

Die North Slavey lebten ebenfalls vom Fischfang sowie von der Jagd auf Elche, jedoch war für sie im Gegensatz zu den South Slavey die Karibujagd (medzih tthç – „Karibu-Fleisch“) von größerer Bedeutung. Um in der oftmals lebensfeindlichen Umwelt zu überleben (siehe: Kaninchenhunger), knüpften manche Gruppen mit benachbarten Dene Bands (South Slavey, Dogrib, Chipewyan) Handelsbeziehungen und festigten diese durch Heiraten untereinander; die heutigen North Slavey in Tulit'a (Fort Norman) und insbesondere in Déline (Fort Franklin) entwickelten hierauf eine eigenständige Identität sowie einen abweichenden Dialekt. Der aufkommende Pelzhandel verstärkte jedoch die Konkurrenz um die begrenzten Ressourcen, da viele feindlich gesinnte – jedoch besser bewaffnete und bevölkerungsreichere – Chipewyan sowie Waldland Cree immer weiter nach Nordwesten in Stammesgebiete der South Slavey vordrangen und manche Dene Bands (Dogrib und Yellowknife) auch weiter nordwärts in die Karibujagdgründe der North Slavey vordrangen, was zu oftmals kriegerischen Konflikten führte.

Sprache Die Slavey werden wie bereits erwähnt in zwei territoriale und sprachliche Stammesgruppen unterteilt, wobei die sprachliche Unterscheidung meist auf der Aussprache des Proto-Athapaskan-Lauts *dz *ts *ts’ *s und *z im Slavey beruht:

North Slavey oder Sahtúot’ı̨nę Yatı̨́ (ist eine Amalgamation von drei Dialekten):

ᑲᑊᗱᑯᑎᑊᓀ K’áshogot’ıne oder Hare-Dialekt der K'asho Got'ine (Hare(skin) Dene) PA *s > wh, *ts > f, *z > w, *dz > gw~b, *tsʼ > ʼw (IPA /ʍ, ɸʷ, w, kʷ~p, ʔʷ/). ᗰᑋᑯᑎᑊᓀ Shıhgot’ıne oder Mountain Slavey / Mountain-Dialekt der Shita Got'ine (Mountain Dene) und der K’áálǫ Got'ine (Willow Lake Dene) PA *s > f, *ts > p, *z > v, *dz > b, *tsʼ > pʼ (IPA /f, pʰ, v, p, pʼ/).