miniatur|Volker Kühn anlässlich der Verleihung eines Sterns der Satire, 2013 Volker Reinhard Kühn (* 4. November 1933 in Osnabrück; † 20. September 2015 in Berlin) war ein deutscher Autor, Fernseh- und Theaterregisseur sowie Filmproduzent mit dem Schwerpunkt Satire und Kabarett. Darüber hinaus war er auch literarischer Nachlassverwalter für das Werk von Wolfgang NeussAuch Wolfgang Neuss klaute wie ein Rabe. Gespräch zwischen Ilja Richter und Volker Kühn zum 20. Todestag von Wolfgang Neuss in: Die Welt, 5. Mai 2009, abgerufen am 20. September 2015. und Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.Mitglieder des PEN-Zentrums Deutschland Er galt in Deutschland zudem „als der große Kenner und Chronist der Kabarettgeschichte“. In: Bayern 2, 22. September 2015.
Leben und Wirken Nach einem vierjährigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten begann Volker Kühn als Redakteur beim Hessischen Rundfunk, für den er ab 1963 über zehn Jahre lang die satirische Monatsbilanz Bis zur letzten Frequenz schrieb und produzierte sowie ab 1967 auch als Hörspielregisseur arbeitete, u. a. für die Krimiserie nach historischen Vorbildern Fälle ohne Akten.ARD-Hörspieldatenbank: Suchergebnis Volker Kühn als Hörspielregisseur beim Hessischen Rundfunk, online unter hoerspiele.dra.de Ab 1970 veröffentlichte er als freier Autor und Regisseur zahlreiche Hörspiele und Features auch für diverse andere Rundfunksender.ARD-Hörspieldatenbank: Suchergebnis Volker Kühn als Hörspielregisseur bei diversen Rundfunksendern, online unter hoerspiele.dra.de Neben seinen Arbeiten für den Rundfunk war er zudem Mitautor und Regisseur von Programmen des von Volker Ludwig begründeten Berliner Reichskabaretts und schrieb bald auch Kabarett-Texte für Lore Lorentz, Wolfgang Neuss, Hanns Dieter Hüsch und Jürgen von Manger.
1973 hob er zusammen mit Dieter Hildebrandt für das ZDF die Notizen aus der Provinz aus der Taufe. Es folgten zahlreiche Fernsehsendungen, darunter Fernsehdokumentationen über 100 Jahre deutsches Kabarett, die Unterhaltung im Dritten Reich und das Kabarett im KZ sowie Film-Satiren und das Neuss-Porträt Ich lache Tränen, heule Heiterkeit.
Kühn schrieb und inszenierte Theater-Revuen und war Songtexter für Musicals und Spielfilme. Unter anderem seine Bühnenfassung von Marlene, die er für das Berliner Renaissance-Theater entwickelte, wurde zu Gastspielen in die Schweiz, nach Österreich und Japan eingeladen und brachte es vom 28. Juni 1998 bis zum Januar 2006 auf 533 Aufführungen.
Er produzierte Polit-Satire auf Schallplatten bzw. CDs und veröffentlichte als Autor wie als Herausgeber zahlreiche Bücher zum Thema Kabarett und Satire im 20. Jahrhundert. mini|Das Grab von Volker Kühn Er trat mehrfach als Interviewpartner und Zeitzeuge in Fernseh- und Leinwand-Dokumentationen auf, darunter in mehreren Kinofilmen wie z. B. War’n Sie schon mal in mich verliebt?. Von 2008 bis 2011 war er zudem in vier Produktionen der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ Suche Kühn, Volker in Gesamtkatalog der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, online unter filmuniversitaet.de sowie zuvor (siehe Internet Movie Database) zwischen 1995 und 1997 in fünf weiteren Produktionen anderer Produzenten auch als Schauspieler zu erleben, u. a. in einer Nebenrolle als Drogenfahnder Stein in der Münchner Tatort-Folge „Der Teufel“ von 1997.
Im Jahr 2008 machte die historisch versierte „graue Eminenz des Kabaretts“Katinka Strassberger: In: Bayern 2, radioThema, 29. November 2013. Schlagzeilen, als Johannes Heesters einen Prozess gegen ihn verlor und Kühn weiterhin behaupten durfte, Heesters sei 1941 in einem KZ aufgetreten.
Mehrfach mit hohen Preisen ausgezeichnet, wurde ihm 2013, kurz vor seinem 80. Geburtstag, ein Stern der Satire auf dem „Walk of Fame des Kabaretts“ in Mainz verliehen und er Ende Oktober 2014 zum Ehrenmitglied der Kurt Tucholsky-Gesellschaft erhoben.fbh: Pfeift im Sturm ein Liedchen! In: Das Blättchen, 17. Jahrgang, Nummer 22, 27. Oktober 2014, abgerufen am 6. November 2014 (zur Ehrenmitgliedschaft V. Kühns in der Kurt Tucholsky-Gesellschaft).
Volker Kühn lebte ab den späten 1960er Jahren bis zu seinem Tod vornehmlich in Berlin, während der 1980er Jahre hatte er seinen Wohnsitz einige Jahre in Schmitten im Taunus.Im Autorentext des Buches Leise rieselt der Schmäh (1985) sowie in Kürschners Deutscher Literatur-Kalender von 1988 wird auf den Wohnort Schmitten im Taunus hingewiesen. Kühn war mehrmals verheiratet, zuletzt mit der Schauspielerin Katherina Lange, und Vater von vier Kindern.Eigene Angabe von Kühn zu seinen Kindern in: Stephan Göritz: Gedenksendung zum Tod von Volker Kühn – „Kleinkunst? Was, um alles in der Welt, ist dann Großkunst?!“ (54:32 Min.), im Deutschlandfunk am 23. September 2015, online unter deutschlandfunk.de Er starb nach langer Krankheit im Alter von 81 Jahren.Kabarett-Autor und Regisseur Volker Kühn gestorben. In: sz-online.de, Sächsische Zeitung, 20. September 2015, abgerufen am 24. September 2015. Seine letzte Ruhestätte fand Kühn auf dem Berliner Waldfriedhof Zehlendorf (Grablage 060-266).
Der Nachlass von Volker Kühn befindet sich im Deutschen Kabarettarchiv in Mainz,Nachlässe, siehe Abschnitt „Theoretiker“, online unter kabarettarchiv.de zudem gibt es eine umfangreiche Materialsammlung „Volker Kühn“Personendossiers Kühn, Volker, für weitere Ergebnisse in Suchfenster oben (Freitextsuche) "Kühn, Volker" eingeben, online unter archiv.adk.de im Archiv der Akademie der Künste in Berlin.
Auszeichnungen 1968: Kurt-Magnus-Preis der ARD für seine Sendereihe Bis zur letzten Frequenz 1989: Jacques-Offenbach-Medaille der Volksbühne Bonn für Satire 2007: Deutscher Hörbuchpreis 2007: Bundesverdienstkreuz am Bande berlin.de, 1. März 2007. 2013: Stern der Satire auf dem „Walk of Fame des Kabaretts“ in MainzKatinka Strassberger: Bayern 2, 25. Oktober 2013 2014: Ehrenmitglied der Kurt Tucholsky-Gesellschaft
Werke Bühne Buch Da machste wat mit. Eine musikalische Revue. Mit Brigitte Mira, Ralf Wolter, Uta Hallant, Joachim Kemmer. Berliner Festspiele, 1987 EinsZweiDrei Musical. Mit Lambert Hamel, Pascale Camele, Helmut Baumann, Monica Solem, Cusch Jung, Silvia Wintergrün, Friedrich Schoenfelder u. a. Kennedy Center Washington, 1989; Theater des Westens, Berlin 1989 Bombenstimmung Eine Ufa-Revue. Mit Angelika Milster, Helmut Baumann, Hartwig Rudolz, Cusch Jung, Pascale Camele, Elke Rieckhoff u. a. Theater des Westens, Berlin 1992; Fernsehaufzeichnung ARD, 1993 Carl Maria von Weber: Der Freischütz. Text-Neufassung zum 175. Jahrestag der Uraufführung. Deutsche Oper Berlin, 1996 Bankers Opera – Ein Dreigroschen-Stück. Düsseldorfer Schauspielhaus, 1998 Marlene. Deutsche Fassung eines Gems-Stücks. Mit Judy Winter. Renaissance-Theater Berlin, 1998 Liebe, Marx & Coca Cola. Musical. Neufassung von EinsZweiDrei. Theater Ingolstadt, 1999
Regie Das Regiekollegium – Max Reinhardt. Mit Siegrid Hackenberg, Hans Walter Clasen, Harry Wüstenhagen, Hanns Dieter Hüsch, Herbert Weißbach. Theater Wilhelmsbad, 1973 Don Carlos auf der Schmiere – Max Reinhardt. Mit Peter Schmitz, Hanns Dieter Hüsch, Liselotte Bettin, Herbert Weißbach. Theater Wilhelmsbad, 1973 Die Dreigroschenoper – Brecht/Weill. Mit Dieter Bähre, Rudolf Belgrasch, Su Kramer, Claus Boysen u. a. Staatstheater Oldenburg, 1979 Hin und zurück. Kurz-Oper von Paul Hindemith. Mit Marianne Mosa, Mitgliedern der Musikhochschule Frankfurt, dem Ensemble modern. Alte Oper Frankfurt/M., 1985 Voices. Ein Lieder-Zyklus von Hans Werner Henze. Mit Christian Brückner, Charles Wirths, Marianne Mosa, Ensemble modern unter der Leitung von Ingo Metzmacher. Alte Oper Frankfurt, 1988 Das kunstseidene Mädchen – Irmgard Keun / Gottfried Greiffenhagen. Mit Katherina Lange. Renaissance-Theater Berlin, 2003 Oop-di-doo … Kein schöner Land. Ein Volker-Ludwig-Special mit Michaela Hanser, Laura Leyh, Frank Engelhardt, Jens Mondalski. Musik. Ltg.: Bettina Koch. Akademie der Künste (Berlin), Juni 2007
Buch und Regie Hab Bildung im Herzen. Kabarett-Programm. Co-Texter: Dieter Kursawe, Detlef Michel, Volker Ludwig. Berliner Reichskabarett, 1967 Der Guerilla läßt grüßen. Kabarett-Programm. Co-Texter: Dieter Kursawe, Detlef Michel, Volker Ludwig. Berliner Reichskabarett, 1968 Ex und hopp!. Kabarett-Programm. Co-Texter: Dieter Kursawe, Detlef Michel, Volker Ludwig. Kabarett-Programm für Berliner Reichskabarett, 1970 Deutschland – wir kommen!. Kabarett-Programm. Mit Dieter Hallervorden, Wolfgang Immenhausen, Rotraud Schindler. Berliner Wühlmäuse, 1971 Herzeleid und Tränenbäche. Eine feucht-traurige Revue. Mit Maria Schell, Karl Friedrich, Hanns Dieter Hüsch, Roland Schneider. Comoedienhaus Wilhelmsbad, 1976; Fernsehaufzeichnung ARD, 1976 Einmal vor und Revue. – Ein Show-Effekt mit anderen Mitteln. Mit Angelika Milster, Su Kramer, Okko, Lonzo, Berry, Chris und Timpe, Gottfried Böttger, Nemo u. a. Comoedienhaus Wilhelmsbad, 1978; Fernsehaufzeichnung ARD, 1978 Die Welt als Überbrettl – Das Kabarett der frühen Jahre. Eine szenische Collage. Mit Karl Friedrich, Karin Schroeder, Toni Slama, Peter Schlesinger u. a. Berliner Festspiele, 1984; Fernsehaufzeichnung ZDF, 1984 Der Name war Schall und Rauch – Max Reinhardts kabarettistisches Theater. Eine szenische Collage. Mit Karl Friedrich, Karin Schroeder, Toni Slama, Peter Schlesinger u. a. Berliner Festspiele, 1984; Fernsehaufzeichnung ZDF, 1984 Cabaret zum Hungrigen Pegasus – Die Boheme gibt sich die Ehre. Eine szenische Collage. Mit Karl Friedrich, Peter Schlesinger, Rolf Schwendter, Alfred Edel, Mathias Koeppel, Elke und Alexander u. a. Berliner Festspiele, 1984; Fernsehaufzeichnung ZDF, 1984 Proleten-Pointen – Kabarett von unten. Eine szenische Collage. Mit Karl Friedrich, Peter Schlesinger, Alfred Edel, Helmut Krauss, Elke und Alexander, Horst Koch u. a.; Berliner Festspiele, 1984; Fernsehaufzeichnung ZDF, 1984 Quaale Traum erdrosselt meine Singe. Ein szenisches Apocalyptical. Mit Hanns Dieter Hüsch, Marianne Mosa, Michael Thomas, Alfred Edel, Emil Mangelsdorff, dem Ensemble modern u. a. Alte Oper Frankfurt, 1985 Vom Leben und Sterben des armen Poeten Eine szenische Collage. Mit Katharina Thalbach, Uwe Karsten Koch, Detlef Kügow, Peer Raben u. a. Dortmund, Fernsehaufzeichnung ARD, 1987 Libertäterä oder: Die Revolution findet im Saale statt. Eine Revolutions-Revue. Mit Gisela May, Dieter Süverkrüp, Alfred Edel, Michael Thomas, Hans-Peter Minetti, Werner Kreindl, Claus Kühnl, dem Kammerorchester und Jugendblasorchester Schloß Werneck, dem Collegium vocale Köln, dem Wiener Maskentheater u. a. Alte Oper Frankfurt, 1989 Jahrhundertmai. Eine Mai-Revue. Mit Sabine Sinjen, Werner Kreindl, Michael Thomas, Heinrich Pachl, Helmut Krauss, Marianne Mosa u. a. Freie Volksbühne, Berlin 1990; Fernsehaufzeichnung ARD, 1990 Bleib erschütterbar und widersteh. Eine Text-Musik-Collage. Mit Senta Berger, Erika Pluhar, Elisabeth Trissenaar, Jutta Wachowiak, Karl-Michael Vogler, Ingo Hülsmann, Albert Mangelsdorff, Walter Norris, Aladár Pege, Conny Bauer; Gethsemane-Kirche Berlin, Schauspiel Frankfurt/M.; 1990; Fernsehaufzeichnung DFF/ARD, 1990 Der Spuk ist aus. Ein Kabarett-Programm der letzten Stunde. Mit Gisela May, Erwin Geschonneck, Hermann Treusch, Michael Schweighöfer u. a. Berliner Festspiele, 1995 Rückblick nach vorn. Ein Kabarett-Programm der ersten Stunde. Mit Jutta Wachowiak, Götz Schubert, Petra Hartung, Michael Schweighöfer, Udo Kroschwald. Berliner Festspiele, 1995 Zores haben wir genug…. Gelächter am Abgrund. Mit Cathlen Gawlich, Petra Hartung, Bernd Stempel, Otto Mellies. Deutsches Theater Berlin, 1995 Hurra, wir singen noch! Eine kabarettistische Zeitreise. Mit Heribert Sasse, Gina Pietsch, Till Sarrach u. a. Schloßpark-Theater Berlin, 1995 Wir Hinterbliebenen – Kabarett im zerstörten Deutschland. Mit Gisela May, Petra Hartung, Michael Schweighöfer, Udo Kroschwald. Deutsches Theater Berlin sowie. mit Katherina Lange, Dorothee Hartinger, Wolfgang Gorks, Christoph Hohmann. Schauspiel Frankfurt/M., 1995