mini|Mobiles Ticket für die Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele 2018 Mobile Ticketing ist eine Anwendung des Mobile-Commerce. In Deutschland wird das Mobile Ticketing auch als HandyTicket bezeichnet. Mobiltickets ersetzen Eintrittskarten, Fahrscheine oder andere bisher übliche physische Belege durch eine auf ein Mobilgerät (klassisches Mobiltelefon oder Smartphone) gesendete und dort elektronisch gespeicherte Information. Zum Einsatz kommen Mobiltickets im Regelbetrieb seit 2003 im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), auf gebührenpflichtigen Parkplätzen (Handyparken), im Flug- und Bahnverkehr sowie bei Sport- und Kulturveranstaltungen.

Geschichte Der erste Pilotversuch im Bereich Mobile Ticketing im öffentlichen Nahverkehr wurde im September 2002 von den Berliner Verkehrsbetrieben gemeinsam mit E-Plus durchgeführt.

Im Jahr 2003 führten die Stadtwerke Osnabrück das Handyticket System Teltix der gleichnamigen Firma zunächst im Januar 2003 im Pilotbetrieb und anschließend im Juli 2003 Regelbetrieb ein. Ende 2003 wurde das System bei den Stadtwerken Bonn (SWB) und 2004 bei den Kölner Verkehrsbetrieben eingeführt.

Zum 1. September 2006 führte die Deutsche Bahn (DB) ein Handyticket für Bahnreisen über 50 km ein (Fernverkehr).

Bestellverfahren und Auslieferung Per Anwendung auf dem Smartphone Der Kunde installiert auf seinem Smartphone eine App, die mit dem Hintergrundsystem des Anbieters kommuniziert. Solche Apps sind bzw. waren in der Regel für die Betriebssysteme Apple iOS, Android, BlackBerry OS sowie für Java-fähige Mobilgeräte verfügbar. Die Applikation kommuniziert je nach Design über die Protokolle WAP (weitgehend überholt) oder HTTP.

Vorteile der Apps: Das Programm kann den Benutzer bei der Bedienung führen, das Ticket wird verschlüsselt abgelegt, ein Wechsel der Region (z. B. in Hamburg angemeldet und in Dresden gefahren) ist problemlos möglich, weitere Funktionen wie Fahrplanauskunft einfach implementierbar. Nachteil: Es können weitere Verbindungskosten (je nach Datentarif) für die Bestellung anfallen.

Per SMS oder MMS Das Ticket wird per SMS bestellt und als SMS oder MMS ausgeliefert. Vorteil: Die evtl. nicht immer einfache Installation bei Java-fähigen Mobilgeräten wird umgangen, jedoch basieren immer mehr Mobilgeräte auf moderneren Betriebssystemen (Smartphones), bei denen die Installation unproblematisch ist. Nachteil: Die Bestellung per SMS (Tickettyp, Abfahrthaltestelle, Region) kann recht unlesbar und kryptisch werden. MMS-Auslieferungen sind im ÖPNV nicht wirtschaftlich, da sich die Kosten pro MMS in selber Größenordnung befinden wie physische Tickets. MMS wird nur bei der Deutschen Bahn genutzt (Aztec-Barcode wie im Onlinedruck). Weiterer Nachteil: die Kosten der Bestell-SMS. Es gibt keinen Provider, der die SMS-Kosten nur beim Empfänger belastet, sodass die SMS für den Sender kostenfrei ist (analog zum R-Gespräch bei Voice-Diensten).

Per Webseite Das Ticket wird vom Computer oder Mobilgerät aus von einer Webseite bestellt, welche dieses dann als SMS oder Bilddatei verschickt. Dieser Vertriebsweg ist für einen großen Teil der Nutzer verfügbar und einfach zu nutzen.

Per Telefonnummer Das Ticket wird über den Anruf einer speziellen Telefonnummer (meist kostenfrei) bestellt und als SMS empfangen. Jeder Tickettyp hat eine eigene Rufnummer und ermöglicht – insbesondere nach Speicherung im Kontaktbuch – eine sehr einfache und oft kostenlose Bestellung.

Prüfungsverfahren Im ÖPNV sind Tickets entweder bei „kontrolliertem Vordereinstieg“ durch den Fahrer zu prüfen oder durch Prüfdienste, die stichprobenartig kontrollieren. Bei einem vollen Fahrzeug sollte zwischen zwei Haltestellen geprüft werden können, was eine Gesamtprüfdauer pro Kunde von ca. 5–10 Sekunden nicht überschreiten soll. Das ist in etwa die Zeit, die eine Sichtkontrolle bei einem Papierticket dauert. Das ist zurzeit noch ein Problem, da teilweise sowohl Online- als auch Offlineprüfungen mehr Zeit erfordern, als physische Scheine.

Onlineprüfung Der Fahrkartenprüfer ist mit einem Hintergrundsystem verbunden bzw. kann eine Prüfanfrage senden und erhält dann vom Hintergrundsystem die Auskunft, ob ein gültiges Ticket vorliegt. Die dazu erforderliche Onlineverbindung muss jederzeit gewährleistet sein, auch beispielsweise im U-Bahn-Tunnel.

Offlineprüfung Der Fahrkartenprüfer kann mit einem geeigneten Ausleseverfahren erkennen, ob ein gültiges Ticket (ggf. für genau diesen Fahrgast) vorliegt. Bei nicht-übertragbaren Tickets ist weiterhin ein Identitätsnachweis nötig (BahnCard, Personalausweis, Reisepass oder ein anderer anerkannter Ausweishttps://www.bahn.de/hilfe/view/pk/de/popup_faq/id3.shtml). Wenn das Ticket nicht auf dem Handydisplay direkt lesbar ist, benötigt der Prüfer ein Auslesegerät.

Abrechnung Per Mobilfunkrechnung Bis Mitte 2008 war die Bezahlung per Telefonrechnung nur für „telefonnahe“ Dienstleistungen möglich. Seit dem letzten Quartal 2008 ist das auch für Tickets zulässig und wird auch in Deutschland angeboten. Vorteil: Damit entfällt die Registrierungspflicht beim Ticketanbieter, weil man als Kunde des Mobilfunkproviders bereits registriert ist. Nachteil: Mit Registrierung ist man Kunde des ÖPNV und dort bekannt und nicht ausschließlich Kunde des Mobilfunkproviders, was CRM-Maßnahmen ermöglicht. Weiterhin fällt eine Dienstleistungsabgabe für den Provider an, was den Vertriebskanal neben den reinen Transportkosten für Bestell-SMS oder Java-GPRS weiter verteuert.

Per Finanzdienstleister Die Entgelte für die Tickets müssen berechnet und eingezogen, die Einnahmen müssen danach an die Leistungserbringer (z. B. Verkehrsbetriebe) abgeführt werden. Die damit verbundenen Leistungen wie Forderungen abbuchen, evtl. Prepaid-Konten abrechnen, Forderungsausfälle einziehen, Lastschrift-Rückabwicklung, falsche Kontendaten, Bonitätsprüfung usw. werden von Finanzdienstleistern mit Bankenlizenz angeboten.

Anwendungsbeispiele

Teltix-System Im Jahr 2003 führten die Stadtwerke Osnabrück das Handyticket System Teltix der gleichnamigen Firma zunächst im Januar 2003 im Pilotbetrieb und anschließend im Juli 2003 Regelbetrieb ein. Ende 2003 wurde das System bei den Stadtwerken Bonn (SWB) und 2004 bei den Kölner Verkehrsbetrieben eingeführt. Bei diesem System rief der Kunde nach vorheriger Registrierung eine der jeweiligen Stadt zugeordnete Telefonnummer an. Es wurde zunächst immer ein Einzelfahrschein ausgestellt. Bei mehrmaligem Ticketkauf am gleichen Tag wurde über ein Best-Preismodul automatisch zum Tagesticket gewechselt.

VDV Handyticket

mini|Logo von Handyticket Deutschland Im April 2007 starteten mehrere Verkehrsunternehmen aus verschiedenen Verkehrsverbünden unter Koordination des VDV ein Pilotprojekt, bei dem ein überregionaler Markttest, die Kundenakzeptanz der Java-Technik auf Mobilgeräten und die Entwicklung eines bundesweiten ÖPNV-Standards im Mittelpunkt standen. Ein weiteres Ziel des Projekts war die Beantwortung der Frage, ob sich eine solche Technik mit den am Markt verfügbaren Mobilgeräten und Verträgen einfach und komfortabel umsetzen lässt.

Das Pilotprojekt lief bis Januar 2010 und wurde anschließend in einen Regelbetrieb überführt. Für diesen Regelbetrieb mit seinen zahlreichen Verbesserungen wurde im Laufe des Jahres 2009 eine europaweite Ausschreibung durchgeführt. Den Zuschlag erhielt die HanseCom GmbH, ein Tochterunternehmen der INIT Innovation in Traffic Systems. Als Finanzdienstleister wird seit Projektstart von allen teilnehmenden Partnern die Logpay Financial Services GmbH beauftragt. Anfang 2013 beteiligen sich 25 Verkehrsunternehmen aus 19 Verkehrsverbünden an dem Gemeinschaftsprojekt. Im Februar 2014 trat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg dem Handyticket bei, womit alle angeschlossenen Unternehmen nun insgesamt 33 Millionen Einwohner versorgen., Pressemitteilung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg vom 18. Februar 2014, abgerufen am 18. Februar 2014. Dahingegen hat der Hamburger Verkehrsverbund die Kooperation mit Handyticket Deutschland aufgrund fehlender Akzeptanz und sinkender Nutzerzahlen beendet,HVV sagt Tschüss zum „Handy-Ticket Deutschland“ ebenso der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS). Auch der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) hat seine Teilnahme am Handyticket Deutschland beendet und eine eigene App eingeführt. Die Kölner Verkehrs-Betriebe ersetzten das HandyTicket Anfang 2019 mit einer eigenen App.

Das HandyTicket Deutschland lässt sich (Stand 2019) über eine eigene App für Android und iOS oder über eine plattformunabhängige Webanwendung nutzen. Es erlaubt den Kauf von Tickets, Auskunft zu Verbindungen und Preisstufen sowie die Anzeige von Linienplänen.

Mobility inside

mini|Logo von Mobility inside Im Dezember 2019 wurde die Projektgesellschaft Mobility inside gegründet. Dies erfolgte auf Initiative der Münchener Verkehrsgesellschaft (MVG), die sich nie an der HanseCom HandyTicket App beteilegt hatte, und des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). Die Gesellschaft untersteht wiederum dem VDV und wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr unterstützt, die seit Oktober 2018 eine Förderung bereitgestellt hatte.

Offiziell gestartet sind die Projektpartner bereits 2017 mit dem Ziel, nicht nur den ÖPNV, sondern auch Bike- und Carsharing-Anbieter integrieren zu können. Vorausgegangen war eine Initiative des Bundesministeriums zur „Digitalen Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr“ von 2015, mit einer ersten Förderung zum „eTicketing und digitalen Vernetzung im Öffentlichen Verkehr“ von 2016 bis 2018. Im November 2016 wird eine App unter dem Namen Mobility inside beim Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) in Berlin schon konzipiert. Die VDV-Kernapplikation definiert seit 2016 auch schon die Tarifmodule nach PKM (Produkt- und Kontrollmodul), die die Grundlage der Mi-App sind. Ab 2018 wurden dann vom Bundesministerium zwölf Projekte unterstützt, darunter Mobility inside.

Nach einer längeren Beta-Phase sollte die App ab März 2022 in den App-Stores angeboten werden und sollte dann theoretisch 40 % der Bevölkerung erreichen können. Technisch basiert das System auf der Fahrtenbildung der Stadtwerke München, dem Ticketverkaufssystem des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, sowie der Oberflächengestaltung und Schnittstellentechnik der DB-Tochter Mobimeo. Die Tarifmodule nach PKM werden seit 2021 von allen Verkehrsunternehmen im VDV bereitgestellt. Ab April 2022 wurde die ersten App-Varianten unter dem jeweiligen Namen von vier teilnehmenden Verkehrsverbünden herausgebracht: RMV.Deutschland (Rhein-Main-Verkehrsverbund), MVG Deutschland (Münchner Verkehrsgesellschaft), dTicket (BOGESTRA) und DOplus (DSW21). Die App Mobility Stuttgart vom Mobimeo wird dagegen schon seit Oktober 2020 angeboten und gehört nicht zu dieser ersten Veröffentlichung.

An der Plattform wollten sich einige große Verkehrsverbünden nicht beteiligen, darunter VRR, der VRS, NAH.SH, der HVV und der VBB. Im Dezember 2023 wurde bekannt, dass die Gesellschafterversammlung die Einstellung von Mobility Inside beschossen hat. Ende März 2024 sollen alle veröffentlichten Apps eingestellt werden. Der Beschluss der Gesellschafter fiel laut einer Pressemitteilung des RMV, weil sich Bund und Länder im Rahmen einer Arbeitsgruppe für das Deutschlandticket entschieden hatten, „keine bundesweite Plattform zu wünschen und zu unterstützen“.

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