Kirchhörde ist ein Dortmunder Stadtteil im südwestlichen Stadtbezirk Hombruch mit 6361 Einwohnern. Die ehemals selbstständige Landgemeinde wurde 1929 eingemeindet und verfügt durch die alte Patroklus-Kirche über eine über 1000-jährige Geschichte, in welcher der Ort sich von einem von Wald umgebenen kleinen Weiler über eine vom frühen Bergbau geprägte Streusiedlung zu einem geschlossen besiedelten industriefreien Vorort entwickelt hat. Die Bebauung Kirchhördes ist primär durch Reihen- und Einfamilienhäuser geprägt, die sich um ein kleines Geschäftszentrum gruppieren. Wichtigste Verkehrsachse in Kirchhörde ist die Hagener Straße, eine Allee als Nord-Süd-Verbindung zwischen Dortmund und Herdecke bzw. Hagen.
Kirchhörde ist in Dortmund als wohlhabender Stadtteil bekannt. Vor allem in den Bezirken Kirchhörde-West (49.000 Euro) und Kirchhörde-Ost (58.500 Euro) ist das Durchschnittseinkommen etwa doppelt so hoch wie in der Gesamtstadt. Somit gilt Kirchhörde ähnlich wie Syburg und Lücklemberg als Inbegriff für den Dortmunder Süden.
Geographie Panorama-kirchhoerde.jpgBlick auf Kirchhördes Westen von Löttringhausen aus gesehen. Am Hügel links liegt das Krankenhaus. Es schließt sich der Dimberg mit der Klöckner-Villa an. Rechts die Bungalows unterhalb des Kirchhörder Kopfes. Der Kirchhörder Bach fließt zwischen der Waldgrenze und den Feldern im Vordergrund.
Lage von Kirchhörde mini|230px|Höhenprofil des Ortsteils Kirchhörde Der Ort liegt am Nordhang des Ardeygebirges auf einer nach drei Seiten abfallenden Anhöhe rund 6 km südlich der Dortmunder Stadtmitte. Der größte Nord-Süd-Durchmesser beträgt 2,9 km, der von Westen nach Osten 1,4 km. Den tiefsten Punkt bildet der Übergang des Kirchhörder Baches nach Kleinholthausen mit 100 m im Nordwesten, der höchste Punkt befindet sich im Süden an der Grenze nach Schanze an der Bundesautobahn 45 mit .
Nachbarorte Kirchhörde ist nur von anderen Dortmunder Ortsteilen umgeben. Der Ort grenzt im Norden an der Weißen Taube auf einem kurzen Stück an Brünninghausen, im Nordosten entlang der Olpketalstraße und Osten getrennt vom Herrenwald an Lücklemberg, im Südosten entlang der Kirchhörder Straße an die Bittermark, im Süden an Schanze, im Südwesten und Westen begrenzt durch den Kirchhörder Bach an Löttringhausen und im Nordwesten an Kleinholthausen.
Kirchhörder Bach mini|Hauptzufluss des Baches: Ossenbrinksiepen Das größte Gewässer stellt der Kirchhörder Bach dar, dessen Quelle in der Kleinholthausener Mark liegt. Rund 400 m unterhalb der Quelle speist der Kirchhörder Bach die Teiche der ehemaligen Zeche Gottessegen an der Spissenagelstraße in der Bittermark. Kurz darauf ist der Bach für knapp 700 m unterirdisch kanalisiert, danach fließt er westlich des Ortskernes in nördliche Richtung. In Kleinholthausen dreht der Kirchhörder Bach nach Westen ab und vereinigt sich in Hombruch mit dem Grotenbach zum Rüpingsbach, welcher in Schönau in die Emscher mündet.
Geländeform Zum Tal des Kirchhörder Baches fällt das Gelände im Westen der Ortschaft steil ab, wogegen sich im Norden das flachere Terrain der ehemaligen Brünninghauser Heide anschließt. Nach Nordosten sinkt das Gelände zum Olpketal in Lücklemberg ab, nur zur Bittermark steigt der Boden von der Ortsmitte weiter an. Im Süden schließt sich nach dem Abfall zur ehemaligen Zeche Gottessegen der Anstieg zum Hauptkamm des Ardeygebirges an.
Waldungen Kirchhörde war bis ins 18. Jahrhundert aufgrund seiner hügeligen Lage hauptsächlich mit Wald bedeckt. Auf einer Flurkarte um 1750 ist zu erkennen, dass westlich der heutigen Hagener Straße nur links und rechts der Kobbendelle einige Felder angelegt waren, der Wald im Süden bis an die Kirche heranreichte. Von diesen Gehölzen bestehen nur noch das Pastorenwäldchen und einige kleine Waldungen am Abhang zum Kirchhörder Bach, jedoch liegen kleine Teile des Rombergsholz und der Großholthausener Mark im Süden auf dem Ortsgebiet, welche die größte bzw. drittgrößte Waldung im Dortmunder Stadtgebiet darstellen.
Geschichte Bedeutung des Ortsnamens mini|180px|Evangelische St.-Patroklus-KircheKirchhörde wird in alten Urkunden Hourthe oder Hurde genannt. Damit wurden Schutzstätten bezeichnet, die aus Hürden aus Reisig und Flechtwerk bestanden. Zur Unterscheidung zum Hurde an der Emscher (Hörde) entstand die Bezeichnung Kirchhurde, da in Hörde erst später eine Kirche errichtet wurde. Die erste Erwähnung unter dem Namen Kirchhurde stammt von einer aus dem Jahr 1253 vom Erzbischof Konrad von Köln ausgestellten Urkunde (Actum in silva ardeye prope Kirchhurde).
Das Kirchspiel Kirchhörde Kirchhörde war ursprünglich ein Kirchspiel, das zum Pfarrbezirk der Dortmunder Reinoldikirche gehörte. Bereits 1189 wurde das eigenständige Tauf- und Begräbnisrecht vom Kölner Erzbischof Philipp I. von Heinsberg gewährt, die endgültige Trennung von St. Reinoldi erfolgte 1655. Im 16. Jahrhundert wurde die Reformation eingeführt. Zu dem Kirchspiel gehörten neben dem ganz im Osten gelegenen Kirchdorf auch noch Kleinholthausen, Großholthausen, Kruckel und Löttringhausen. Das Hombruch wurde erst im 19. Jahrhundert abgeholzt und besiedelt. In den Jahren von 964 bis etwa 1189 befand sich in Kirchhörde eine Kapelle, die dem Heiligen Patroklus geweiht war. Grund für diese seltene Auswahl dürfte die Überführung seiner Reliquien von Frankreich in den St.-Patrokli-Dom in Soest 964 durch Erzbischof Brun von Köln gewesen sein, die wahrscheinlich am Kirchhörder Hof vorbeiführte. Später wurde an gleicher Stelle eine Kirche errichtet, die dann aufgrund von Baufälligkeit zwischen 1789 und 1807 neu errichtet wurde.
Der Hof zu Kirchhörde mini|links|TruxhofDer neben der Patroklus-Kirche gelegene Hof Kirchhörde besaß laut einer Urkunde von 1165 die Benediktinerabtei Deutz, wahrscheinlich eine Schenkung vom Kölner Erzbischof Heribert aus dem Jahre 1019. Bekannt ist, dass 1318 der Graf von Dortmund den Hof zum Lehen hatte, später Reinold von Unna und schließlich durch Erbgang 1535 die Familie von Syberg, die 1803 letztmals von der Abtei Deutz mit dem Hof belehnt wurde. mini|Dahmshof1813 verkaufte der Freiherr von Syberg den Hof an den Erbpächter Trux. Die Bezeichnung Truxhof ist seit 1582 nachgewiesen. Bis Ende des 17. Jahrhunderts existierten neben dem Hof in Kirchhörde nur das Pastorat, die Küsterei und ein Kotten. Weiterhin gehörte dem Kloster Clarenberg aus der damaligen Stadt Hörde der heutzutage in Kirchhörde gelegene Dahmshof. Dieser gehörte früher, obwohl der geographischen Lage nach eigentlich zu Kirchhörde gerechnet, zur Gemeinde Lücklemberg und dem Kirchspiel Wellinghofen.
Administrative Zugehörigkeit mini|180px|Gemeinde Kirchhörde 1828mini|130x130px|Siegelmarke Amt Kirchhörde Das Kirchspiel Kirchhörde gehörte gemeinsam mit den Kirchspielen Annen, Rüdinghausen, Eichlinghofen, Barop und Wellinghofen zum Oberamt Hörde, welches mit der Freiheit Hörde und dem nordöstlich davon gelegenen Niederamt Hörde mit den Dörfern Schüren und Brackel das Amt Hörde bildete. Dieses war Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden, nachdem die Grafen von der Mark in dieser Gegend ihre Landeshoheit gegenüber der Stadt Dortmund und den Grafen von Limburg durchgesetzt hatten. Nach dem Aussterben des märkischen Herrscherhauses fiel die Grafschaft Mark und somit auch Kirchhörde 1666 an den Kurfürsten von Brandenburg.
Nach den Befreiungskriegen bildete der preußische Staat 1815 den Landkreis Dortmund innerhalb des neugeschaffenen Regierungsbezirks Arnsberg in der ebenfalls neu eingerichteten Provinz Westfalen mit Provinzialhauptstadt Münster. Neben der Stadt Dortmund und dem Amt Hörde gehörten fünf weitere Ämter dem Landkreis an. 1887 wurde aus dem südlichen Teil des Landkreises Dortmund der Landkreis Hörde eingerichtet und die Gemeinde Kirchhörde dem Amt Barop zugesprochen.
Am 1. Juli 1888 schieden die Gemeinden Kirchhörde und Rüdinghausen aus dem Amt Barop aus und bildeten das neue Amt Kirchhörde. Auf einer Fläche von 20,6 km² hatte das Amt Kirchhörde im Jahre 1910 17.227 Einwohner.Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen 1895 Das Amtshaus befand sich am Hombrucher Markt.Hombrucher Geschichtsverein: Kirchhörde
Am 1. April 1922 schied Rüdinghausen aus dem Amt Kirchhörde aus und wurde nach Annen eingemeindet.territorial.de: Amt Annen Das Amt Kirchhörde bestand seitdem nur noch aus der Gemeinde Kirchhörde.
Am 1. August 1929 wurde der Landkreis Hörde durch das Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets aufgelöst. Die Gemeinde Kirchhörde fiel an Dortmund. Die Ämter Kirchhörde und Barop wurden zur Verwaltungsstelle Hombruch zusammengefasst. Mit der Gemeindereform wurde 1975 der Stadtbezirk Hombruch geschaffen, zu dem Kirchhörde seitdem gehört.
Bevölkerungsentwicklung auf dem Gebietder ehemaligen Gemeinde Kirchhörde 13,47 km2178318181843185818711885189519051925194619611970200529860514342473500578149246122871472515094218302505223644
Bevölkerungsentwicklung Unterbezirke 672, 674 und 675 im Stadtbezirk Hombruch
Jahr Einw. 2003 6482 2008 6359 2010 5809 2013 628420186361
Nachkriegszeit mini|links|180px|Erinnerungsstein für die Opfer des Hubschrauberabsturzes 1996 Am 24. September 1978 wurden die RAF-Mitglieder Angelika Speitel, Michael Knoll und Werner Lotze in der Großholthausener Mark von zwei Polizeibeamten bei Schießübungen überrascht, woraufhin die Terroristen das Feuer auf die Beamten eröffneten und den Polizisten Hans-Wilhelm Hansen erschossen. Angelika Speitel und Michael Knoll wurden ihrerseits von den Polizeibeamten angeschossen und schließlich festgenommen. Knoll starb zwei Wochen später an seinen schweren Verletzungen. Werner Lotze konnte mit seinem an der A 45 abgestellten PKW flüchten.
Am 6. Juni 1996 ereignete sich ein tragischer Hubschrauberabsturz über dem Waldstück Großholthausener Mark unweit der Hagener Straße und der A 45. Dabei fanden 13 Menschen den Tod, nur ein Mann konnte gerettet werden. Sechs Teilnehmer des Bundeswehr-Hubschrauberrundfluges hatten diesen auf der Messe YOU gewonnen.
Beim Jahrhundert-Regen am 26. Juli 2008, mit heftigen Niederschlägen von bis zu 200 l/m² innerhalb von nicht einmal zwei Stunden, kam es auch in Kirchhörde zu Flutungen zahlreicher Keller.
Bergbau mini|Kohlefelder, Flöze und Stollen im Kirchhörder Raum 1868Der Beginn des Bergbaus in Kirchhörde ist vor 1743 zu legen, da bei der Verleihung eines Längenfeldes im Süden Kirchhördes die Zeche Gottessegen schon bestand, auf der Kohle und Eisenstein in Stollenbauweise gefördert wurde. Eine zwischenzeitliche Stilllegung erfolgte nach 1762. An der Grenze zur Bittermark am Isenstein existierte Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisensteinzeche Argus, die in die 1878 wiedergegründete Zeche Gottessegen mit den Berechtsamen Gottessegen, Caspar Friedrich, Carlsbank, Heinrichsfeld, Benjamin und Argus aufging.
Weiterhin wurde auf der Zeche Venus im Flinsbach im Nordosten und der Zeche Pauline im Norden Kirchhördes Bergbau in der Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben. Beide Zechen wurden später von der Zeche Glückauf-Tiefbau übernommen, bis diese beim Zechensterben der 1920er-Jahre ihren Abbau einstellte. Als einzige Kohlegrube in der südlich der heutigen B 1 gelegenen Stadthälfte konnte Gottessegen den Betrieb fortsetzen, und unter den Autarkiebestrebungen der 1930er-Jahre wurde auch der Abbau von Eisenstein wieder aufgenommen.
Nach der Stilllegung der Zeche 1963 errichtete der Christopherus-Haus-Verein 1973 auf dem nördlichen Teil des Geländes Behindertenwerkstätten. Das südliche Areal an der Hagener Straße diente bis in die 90er Jahre als Großkabellager für die Deutsche Telekom und liegt jetzt brach.
Religion Evangelische Gemeinde mini|180px|Mitgliederentwicklung der Amtskirchen in Kirchhörde. Die rund 2300 evangelischen Bewohner Kirchhördes gehören seit dem Zusammenschluss der evangelischen Kirchengemeinde Kirchhörde mit den evangelischen Kirchengemeinden in Brünninghausen und Löttringhausen am 1. Juli 2007 der Philippus-Kirchengemeinde Dortmund an.