mini|Die Kriegsflagge der Reichsflotte wurde auch von den schleswig-holsteinischen Schiffen geführt. mini|Von der Tann, Elbe und Bonin im Kieler Hafen mini|Die Schleswig-Holsteinische Flottille um 1850. Gemälde von Lüder Arenhold um 1905. In der Mitte der Raddampfer Bonin, links davon der Kriegsschoner Elbe, rechts von der Bonin das Kanonenboot Von der Tann Als Schleswig-Holsteinische Marine bezeichnet man die Gesamtheit der Seestreitkräfte der Herzogtümer Schleswig und Holstein während des Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1848 bis 1851. Unter der ebenfalls gebräuchlichen Bezeichnung schleswig-holsteinische Flottille versteht man die Zusammenfassung aller Schiffe dieser Marine.

Entscheidung zum Aufbau einer Flotte mini|Dänisches Blockadegeschwader vor der Elbmündung 1849 Als sich die Schleswig-Holsteiner 1848 gegen Dänemark erhoben, stellten sie die schleswig-holsteinische Armee auf; eigene Seestreitkräfte waren umstritten. Der Kriegsminister der Provisorischen Regierung, Prinz von Noer, war für den Verbleib der relativ autonomen Herzogtümer im dänischen Staatsverband, und Seestreitkräfte sah er als Aufgabe des Gesamtstaats. Da „schleswig-holsteinische“ Schiffe nach Ende des Konflikts in jedem Falle an die dänische Marine abzugeben gewesen wären, wollte er keinen unnötigen Aufwand betreiben.

Bereits in den ersten Tagen des Krieges hatte sich das Fehlen deutscher Seestreitkräfte bemerkbar gemacht. Innerhalb weniger Tage kam der deutsche See- und Küstenhandel zum Erliegen. Die erst am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche zusammengetretene Nationalversammlung beschloss schon am 14. Juni desselben Jahres in einer ihrer ersten Entscheidungen, eine deutsche Reichsflotte aufzustellen.

Die schleswig-holsteinischen Behörden ließen im Sommer 1848 lediglich mit dem Bau einiger Kanonenboote beginnen. Erst nach dem Waffenstillstand von Malmö am 26. August 1848 wurde der planmäßige Aufbau der Seestreitkräfte eingeleitet. Nach Artikel III § 19 der PaulskirchenverfassungVerfassung des Deutschen Reichs waren diese in die Reichsflotte einzugliedern. Das geschah formell am 26. April 1849. Die Schiffe der schleswig-holsteinischen Flottille führten deshalb die Flagge der Reichsflotte, während die schleswig-holsteinischen Handelsschiffe eine rote Flagge mit dem schleswigschen Löwen und dem holsteinischen Nesselblatt führten. Die faktische Unterstellung wurde jedoch nie vollzogen.

Die Schleswig-Holsteinische Marine im Krieg mini|Gefecht bei Eckernförde mit dem Linienschiff Christian VIII. (Mitte) und der Fregatte Gefion (links) An den Auseinandersetzungen des Jahres 1848 war die Schleswig-Holsteinische Marine noch nicht beteiligt. Erst im Frühjahr 1849 standen ihr die ersten brauchbaren Fahrzeuge zur Verfügung. Die größte Niederlage, die die dänische Marine in diesem Krieg erlitt, wurde ihr am 9. April 1849 im Gefecht bei Eckernförde durch Landbatterien zugefügt. Sie verlor das Linienschiff Christian VIII. durch Explosion und die Fregatte Gefion, die sich ergeben musste und in die Reichsflotte übernommen wurde.

Nordsee 1849 mini|Die dänische Korvette Valkyrien im Kampf mit deutschen Dampfschiffen 1849 Im März 1849 kündigte Dänemark den Waffenstillstand und begann, mit Hilfe seiner Marine die Nordfriesischen Inseln zu besetzen. Als größtes dänisches Kriegsschiff war die in List auf Sylt stationierte Korvette „Valkyrien“ an diesen Operationen beteiligt, die über 24 Kanonen und 200 Mann Besatzung verfügte. Um die Inseln zurückzugewinnen und die dänische Besatzung zu vertreiben, wurde am 19. April 1849 eine Division von vier, später fünf Kanonenbooten von Kiel aus über den Eiderkanal in Richtung Nordsee entsandt. Diese so genannte Westsee-Expedition, benannt nach der damals in Schleswig-Holstein gebräuchlichen Bezeichnung Westsee für die Nordsee, unter der Führung von Leutnant zur See Kjer, erreichte am 25. April die Insel Föhr. Dort kam es zu einer ersten Feindbegegnung, und es wurden einige Schüsse mit der dänischen Besatzung der Insel ausgetauscht. Nach dem Auftauchen der schleswig-holsteinischen Schiffe zogen sich die Dänen trotz Überlegenheit zügig von Sylt und Föhr zurück und räumten am 3. Mai Sylt als letzte der Inseln. Dabei ließen sie einen Teil ihrer Bewaffnung und Ausrüstung zurück. Auch ihre Kriegsschiffe wurden nicht mehr im Seegebiet um Föhr und Sylt eingesetzt, es bleiben jedoch dänische Besatzungen auf Amrum und Fanö.

Im Laufe des Sommers blieb die Westsee-Division weiter aktiv und verhinderte weitere dänische Seeoperationen an der Westküste. Für diese Aufgabe wurden Kanonenboote auf zwei Wachstationen eingeteilt. Zwei Boote lagen bei Föhr, drei beim Lister Tief vor Sylt.

Ostsee 1849 mini|Das dänische Linienschiff Skjold Die dänische Marine begann nach Ende des Waffenstillstands, die schleswig-holsteinischen Ostseehäfen zu blockieren. Am 9. Mai kam es zu einem ersten Schusswechsel zwischen Schiffen beider Seiten. Am 11. Mai griff ein schleswig-holsteinischer Verband bestehend aus dem Dampfer Bonin mit fünf geschleppten Kanonenbooten das vor Kiel liegende Blockadegeschwader an. Es bestand aus dem Dampfer Hekla, einer Fregatte und einer Kutterbrigg. Das Gefecht verlief ohne größere Schäden auf beiden Seiten. Ähnliche Angriffe wurden in den folgenden Wochen wiederholt. Dabei wurden stets ein oder zwei Dampfschiffe zusammen mit mehreren Kanonenbooten eingesetzt, wobei die Dampfschiffe die geruderten Kanonenboote ins Einsatzgebiet schleppten. In dieser Kombination veranlassten sie auch weitaus größere dänische Segelkriegsschiffe, wie das Linienschiff Skjold, immer wieder zum Rückzug. Nach dem preußisch-dänischen Waffenstillstand am 24. Juli 1849 ruhte auch die Kampftätigkeit der schleswig-holsteinischen Marine.

Winter 1849/50 Es war allgemein üblich, Kriegsschiffe im Winter außer Betrieb zu nehmen und für das nächste Jahr instand zu setzen. Angesichts des Ausscheidens Preußens und anderer Verbündeter aus der Koalition gegen Dänemark wurden die schleswig-holsteinischen Schiffe zügig überholt, um im Frühjahr ausnahmslos wieder einsatzbereit zu sein.

Nordsee 1850 Während der Verhandlungen, die zum Berliner Frieden zwischen Preußen und Dänemark führten, fanden keine Kampfhandlungen mit schleswig-holsteinischer Beteiligung statt. Nach dem Friedensschluss am 2. Juli 1850 war Schleswig-Holstein in seinem Kampf gegen Dänemark auf sich allein gestellt. Deshalb wurde die Marine im Juli 1850 mobilgemacht.

Kurz nach dem Berliner Frieden kam es zu neuen Kampfhandlungen zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark. Am 24. und 25. Juli kam es bei dem etwas nördlich von Schleswig gelegenen Ort Idstedt zu einer Schlacht, in der die Dänen einen entscheidenden Sieg erringen konnten. Danach drangen sie weiter nach Süden vor und unterbrachen damit die Verbindungen zwischen den in der Ostsee und der Nordsee stationierten Marineeinheiten.

Die Westsee-Division, die aus dem Dampfer Kiel und drei Kanonenbooten bestand, war damit weitgehend von der Versorgung abgeschnitten. Sie hielt sich noch bis in den September im Gebiet der Nordfriesischen Inseln. Die Dänen rückten an Land vor und bereiteten sich darauf vor, von dort aus die Inseln wieder in ihren Besitz zu bringen. Zugleich zogen sie überlegene Seestreitkräfte zusammen. Am 16. September drohte die Westsee-Division durch diese Kräfte von der offenen Nordsee abgeschnitten zu werden. Beim Ausbruch am folgenden Tag kam es zu einem Gefecht mit dem dänischen Dampfer Geyser, der erheblich beschädigt wurde. Auch die schleswig-holsteinischen Kanonenboote erhielten Treffer und verzeichneten vier Tote und mehrere Verwundete, jedoch nur geringe Schäden an den Schiffen. Sie zogen sich zunächst nach Büsum, später Richtung Elbmündung zurück. Dabei geriet die Division in einen schweren Sturm, bei dem das Kanonenboot 8 am 8. November mit der gesamten Besatzung verloren ging.

Ostsee 1850 mini|Schleswig-Holsteinisches Kanonenboot VON DER TANN 1849. Gemälde von Lüder Arenhold 1891 mini|Das Gefecht vor Kiel am 16. August 1850. Im Vordergrund das dänische Dampfschiff Hekla Auch an der Ostseeküste gingen die dänischen Streitkräfte im Juli 1850 in die Offensive. Für die Schleswig-Holsteinische Marine begannen die dortigen Kampfhandlungen mit einem größeren Verlust. In der Nacht von 20. auf den 21. Juli geriet das einzige Dampfkanonenboot, die Von der Tann, während eines Gefechts vor Neustadt in Holstein auf Grund und wurde von seiner Besatzung gesprengt. Wie im Vorjahr kam es außerdem zu einer Anzahl kleinerer Gefechte unter anderem bei Heiligenhafen (19. Juli und 5. September), bei Kiel (21. Juli und 16. August). All diese Scharmützel blieben ohne Auswirkung auf den Kriegsverlauf.

Im Herbst versuchten die Schleswig-Holsteiner mit verstärkten Truppen noch einmal, dem Krieg eine Wendung zu geben, indem sie die in dänischer Hand befindliche Festung Friedrichstadt angriffen. Obwohl die Stadt im Binnenland liegt, wurden vier Kanonenboote unter der Führung von Oberleutnant zur See Kjer auf der Eider in die Nähe der Stadt gebracht. Sie griffen in die vom 29. September bis 4. Oktober dauernde Belagerungsschlacht ein und feuerten über 1100 Granaten auf die gegnerischen Stellungen und die Stadt selber, die schwere Schäden erlitt. Die Boote wurden zwar heftig bekämpft, erhielten jedoch nur leichtere Treffer. Ein Soldat fiel, mehrere, darunter der Divisionschef Kjer, wurden verwundet. Trotz der sehr heftigen Beschießung gelang es nicht, Friedrichstadt zu erobern.

Auflösung der Marine Am 11. Januar 1851 musste die Schleswig-Holsteinische Landesversammlung die Bedingungen akzeptieren, die sich nach der preußisch-österreichischen Einigung über die Fortführung des Deutschen Bundes in der Olmützer Punktation ergaben. Die Schiffe der schleswig-holsteinischen Flottille und ihre Bewaffnung fielen mit dem Ende des Krieges größtenteils an Dänemark. Sie wurden ab Mitte 1851 nach und nach übergeben. Die Übergabe wurde mit der formellen Übertragung der Kommandogewalt am 4. März 1852 abgeschlossen. Ausgenommen waren lediglich einige Fahrzeuge und Waffen, die an die deutschen Reichsbehörden übergeben wurden, so der Dampfer Kiel und einige Kanonen.

Führung mini|hochkant|Der schleswig-holsteinische Kriegsminister im Jahr 1848, Prinz von Noer In der 1848 aufgestellten provisorischen Regierung Schleswig-Holsteins war das Kriegsdepartement unter der Leitung des Prinzen von Noer auch für die Marineangelegenheiten zuständig. Noer nahm am 9. September 1848 seinen Abschied und wurde durch den an Fragen der Seeverteidigung stärker interessierten Friedrich Karl Ferdinand Jacobsen ersetzt. Am 22. Oktober wurde die provisorische Regierung durch die Gemeinsame Regierung für Schleswig und Holstein ersetzt, die am 1. Februar 1849 eine Marinekommission als III. Abteilung des neuen Ministerialdepartements des Krieges aufstellte und mit der Führung der Marine beauftragte. Die Marinekommission bestand zunächst aus drei Personen mit dem Major-Ingenieur v. Jeß als Vorsitzendem. Später gingen die Aufgaben der Marinekommission in die VI. Abteilung über. Im November 1850 ging die Leitung der Abteilung auf Korvettenkapitän Lorenz Karberg über. Die Marinekommission hatte drei Abteilungen für Personal, Material und Finanzen.

Im August war die der Marinekommission unterstehende Schleswig-Holsteinische Marine in sechs Elementen organisiert: See-Enrollierungswesen Inspektion der Kriegsschiffbauten Befehlshaber der schleswig-holsteinischen Flotte Proviantverwaltung Marinedepot Seekadettenschule

Flotte In der auch als schleswig-holsteinische Flottille bezeichneten Flotte waren die meisten Schiffe und Boote zusammengefasst. Zu Beginn der Erhebung hatte man zunächst den Seekapitän Peter Hansen zum Admiral der Flotte gemacht. Er erwies sich jedoch bei dem Versuch, die dänische Blockadefregatte Galathea vor Kiel in Besitz zu nehmen, als für seine Aufgabe vollkommen ungeeignet und zog sich zurück.