(1759) Kienle ist ein Asteroid des mittleren Hauptgürtels, der am 11. September 1942 vom deutschen Astronomen Karl Wilhelm Reinmuth an der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl bei einer Helligkeit von 14,2 mag entdeckt wurde.
Der Asteroid wurde benannt nach Hans Kienle (1895–1975), einem Astrophysiker, der als Direktor mehrerer deutscher Sternwarten fungierte. Von 1950 bis 1962 war er Direktor der Sternwarte Heidelberg-Königstuhl. Er ist bekannt für seine Arbeiten zur Spektrophotometrie. Von 1955 bis 1958 war er Präsident der IAU-Kommission 36.
Wissenschaftliche Auswertung Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 für (1759) Kienle zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 7,3 km bzw. 0,18.J. R. Masiero, A. K. Mainzer, T. Grav, J. M. Bauer, R. M. Cutri, J. Dailey, P. R. M. Eisenhardt, R. S. McMillan, T. B. Spahr, M. F. Skrutskie, D. Tholen, R. G. Walker, E. L. Wright, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, A. Wilkins: Main Belt Asteroids with WISE/NEOWISE. I. Preliminary Albedos and Diameters. In: The Astrophysical Journal. Band 741, Nr. 2, 2011, S. 1–20, doi:10.1088/0004-637X/741/2/68 (PDF; 73,0 MB). Eine Anwendung thermophysikalischer Modelle auf Beobachtungen des Asteroiden mit WISE vom 31. Januar und 16. Juli 2010 ergab in einer Untersuchung von 2021 Werte für den Durchmesser und die Albedo von 7,7 ± 1,2 km und 0,18. Außerdem konnten die Achsenverhältnisse für ein zweiachsig-ellipsoidisches Gestaltmodell und eine retrograde Rotation bestimmt werden.E. M. MacLennan, J. P. Emery: Thermophysical Investigation of Asteroid Surfaces. I. Characterization of Thermal Inertia. In: The Planetary Science Journal. Band 2, Nr. 4, 2021, S. 1–12, doi:10.3847/PSJ/ac1591 (PDF; 1,23 MB).
Eine spektroskopische Untersuchung von 820 Asteroiden zwischen November 1996 und September 2001 am La-Silla-Observatorium in Chile ergab für (1759) Kienle eine taxonomische Klassifizierung als S-Typ.D. Lazzaro, C. A. Angeli, J. M. Carvano, T. Mothé-Diniz, R. Duffard, M. Florczak: S3OS2: the visible spectroscopic survey of 820 asteroids. In: Icarus. Band 172, Nr. 1, 2004, S. 179–220, doi:10.1016/j.icarus.2004.06.006 (arXiv-Preprint: PDF; 3,49 MB).
Photometrische Beobachtungen von (1759) Kienle erfolgten erstmals vom 21. bis 24. November 1981 am McDonald-Observatorium in Texas. Aus der gemessenen Lichtkurve konnte eine Rotationsperiode von 29,25 h abgeleitet werden.R. P. Binzel, J. D. Mulholland: A photoelectric lightcurve survey of small main belt asteroids. In: Icarus. Band 56, Nr. 3, 1983, S. 519–533, doi:10.1016/0019-1035(83)90170-7.
Asteroidenpaar (1759) Kienle bildet mit dem Asteroiden (1736) Floirac ein quasi-complanares Asteroidenpaar.J. L. Simovljević: Duration of Quasi-complanar Asteroids Regular Proximities In: Bulletin de l’Académie serbe des Sciences et des Arts. Band 76, 1981, S. 33–37 (PDF; 1,99 MB). Sie besitzen teilweise sehr ähnliche Bahnelemente und bewegen sich nahezu in der gleichen Bahnebene, allerdings ist die Bahn von (1759) Kienle stärker elliptischer und etwas größer, außerdem sind ihre Apsidenlinien leicht gegeneinander verdreht. (1736) Floirac besitzt eine deutlich kürzere Umlaufzeit um die Sonne als (1759) Kienle, so dass er diesen etwa alle 15 Jahre überholt. In den 1000 Jahren um die derzeitige Epoche herum kommen sich die beiden Körper aber nicht näher als 6,5 Mio. km.
Siehe auch Liste der Asteroiden
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Astronomisches Objekt (entdeckt von Karl Wilhelm Reinmuth)