Als Umbauwagen wurden bei der Deutschen Bundesbahn (DB) drei- bzw. vierachsige Reisezugwagen bezeichnet, die ab Mitte der 1950er Jahre durch den Umbau von früheren Abteilwagen und Schnellzugwagen aus der Länderbahnzeit entstanden sind.Götz Gleitsmann (1989): Aus alt mach neu - Die Geschichte der DB-Umbauwagen. Teil 1: Entstehung und Dreiachsige Umbauwagen. In: Eisenbahn-Illustrierte 5/89. Eisenbahn-Illustrierte-Verlags-GmbH, Berlin.

Vorgeschichte mini|1954: Lok der Baureihe 03 mit dreiachsigen preußischen Abteilwagen, auf deren Fahrgestelle die dreiachsigen Umbauwagen gebaut wurden. mini|1961: Lok der Baureihe 78 mit dreiachsigen Umbauwagen, welche ab 1954 den Nahverkehr jahrelang prägten. Die Deutsche Bundesbahn (DB) hatte nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre hinein neben einem deutlichen Mangel an Reisezugwagen auch mit einer erheblichen Überalterung derselben zu kämpfen. Noch immer bildeten nämlich mehr als 13.000 Zwei- und Dreiachser sowie jeweils etwa 900 vierachsige Abteil- und Schnellzugwagen aus der Länderbahnzeit das Gros des Wagenparks.

Die wenigen in den Jahren 1953/1954 für den Eilzugverkehr beschafften Mitteleinstiegswagen reichten bei weitem nicht aus, die wenig zeitgemäßen Betriebsmittel für den Personenverkehr zu erneuern und zu verjüngen. Die der Deutschen Bundesbahn nur begrenzt zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel und die nach dem Zweiten Weltkrieg herrschende Materialknappheit ließen eine umfassende Erneuerung zur damaligen Zeit noch nicht zu.

Aufgrund von erfolgreichen Umbauprogrammen benachbarter Bahnverwaltungen aus Frankreich, Österreich (siehe Spantenwagen) und den Niederlanden wurde 1951 der Ersatz historischer Wagenkästen mit hölzernen Kastengerippen durch den Aufbau von geschweißten Wagenkästen auf gut erhaltenen stählernen Untergestellen vorgeschlagen.

Die Bundesbahn-Hauptverwaltung beauftragte daraufhin im Herbst 1953 das Bundesbahn-Zentralamt (BZA) in Minden einen Entwurf zum Umbau der zwei- und dreiachsigen Vorkriegswagen vorzulegen, von denen nur die Radsätze und die Untergestelle der Fahrzeuge übernommen werden sollten. Der Wagenkasten hingegen sollte durch einen Neubau ersetzt werden. Durch die Kombination von neu entwickelten und zeitgemäßen Wagenkästen bei gleichzeitiger Weiterverwendung von Untergestellen der Länderbahnwagen konnten moderne Reisezugwagen gebaut werden, die den Personenverkehr in Deutschland für viele Jahre prägen sollten.

Nach dem Erfolg der dreiachsigen Umbauwagen sollten bei der DB auch die noch zahlreich und in allen Bundesbahndirektionen vorhandenen vierachsigen Reisezugwagen unterschiedlicher Bauart aus Länderbahnbeständen nach gleichen Grundsätzen umgebaut werden.Eisenbahn-Kurier Special 82 (2006): Umbau- und Reko-Wagen von DB und DR. EK-Verlag GmbH, Freiburg im Breisgau.

Der Erfolg des Umbauprogramms der Deutschen Bundesbahn veranlasste später auch die Deutsche Reichsbahn (DR) in der DDR, ein eigenes Umbauprogramm (Reko-Wagen (DR) und Modernisierungswagen) ab 1957/1958 zu starten.

Dreiachsige Umbauwagen, Gattung 3yg

Konstruktion mini|Ein aufgearbeitetes Untergestell wird unter einen neu gebauten Wagenkasten geschoben, AW Karlsruhe 1955

Vorbemerkungen Von den zwei- und dreiachsigen Spenderwagen wurden nur die Untergestelle, die auf ein einheitliches Maß von 13,30 Metern Länge gebracht wurden, übernommen.Wolf Dietger Machel (1994–2015): AB3yg, B3yg und BD3yg. In: Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland (Loseblattsammlung). GeraMond Verlag GmbH, München. Zweiachsige Untergestelle erhielten einen ungebremsten mittleren dritten Radsatz, der Achsstand schwankte bei den einzelnen Wagen je nach Herkunftsbauart zwischen 7500 und 7900 Millimetern.Michael Dostal (1998): Dreiachsiger Umbau-Wagen der DB (AB3yg). In: Wagen. Das Archiv der deutschen Reisezug- und Güterwagen (Loseblattsammlung). GeraMond Verlag GmbH, München. Der mittlere Radsatz war für den Bogenlauf seitenverschiebbar. Die aus der Länderbahnzeit stammenden Gleitlagerradsätze wurden aufgearbeitet und mit neuen Achslagergehäusen ausgerüstet. Bereits 1954 konnten mehr als tausend Wagen dem Betrieb übergeben werden. Bis 1958 wuchs die Zahl auf 6500 Exemplare an, 25 Prozent des gesamten Personenwagenbestands der Deutschen Bundesbahn.

Es wurden drei Bauarten (BC3yg, C3yg und CPw3yg ab 1956/1962: AB3yg, B3yg und BD3yg) verwirklicht.

B3yg Ein erster Probewagen wurde im Jahr 1953 vorgestellt. Die Serienfertigung der Gattung B3yg begann 1954 in den Ausbesserungswerken Hannover, Karlsruhe, Limburg, Ludwigshafen, Neuaubing und Saarbrücken. Insgesamt wurden 4737 Wagen bis 1959 gefertigt.

AB3yg Die Serienfertigung von Wagen der Gattung AB3yg erfolgte ab 1954 in den Ausbesserungswerken Karlsruhe und Ludwigshafen. Insgesamt wurden 1118 Wagen bis 1958 gefertigt.

BD3yg Die Halbgepäckwagen entstanden ab 1954 in den Ausbesserungswerken Limburg, Hannover und Saarbrücken.Michael Dostal (1998): Dreiachsiger Umbau-Wagen mit Gepäckabteil. In: Wagen. Das Archiv der deutschen Reisezug- und Güterwagen (Loseblattsammlung). GeraMond Verlag GmbH, München. Insgesamt wurden 683 Wagen bis 1958 gefertigt.

Wagenkästen Es wurden geschweißte, stählerne Wagenkästen gefertigt, welche bis 150 mm hinter die Pufferebene über die Pufferbohle vorgezogen wurden. Die Endtüren, als Drehaußentüren ausgeführt, waren zur Wagenmittellängsachse hin eingerückt. Die BD3yg-Wagen waren zusätzlich auf beiden Seiten des Gepäckraums mit vierflügeligen Drehfalttüren versehen. Die Stirnwandübergänge waren durch Rollläden verschließbar und mit Gummiwülsten sowie beweglichen Übergangsbrücken ausgestattet. Die B3yg-Wagen hatten sieben Abteilfenster je Wagenseite. Sämtliche eingebaute Fenster waren Übersetzfenster ohne Gewichtsausgleich. Eine Fenstersektion war für das WC reserviert, dieses Fenster war aus Milchglas und lediglich im oberen Bereich nach innen kippbar.

Die dreiachsigen Umbauwagen waren bis zu ihrer Ausmusterung fast nur im flaschen- bzw. chromoxidgrünen Farbkleid der Deutschen Bundesbahn der 1950er und 60er Jahre im Einsatz. In ozeanblau-beige existierten nur die „Deutsche Weinstraße“-Wagen, die als Ganzzug fuhren.

Elektrische Ausrüstung

Die dreiachsigen Umbauwagen waren mit einer Dampfheizung ausgestattet. Einige Wagen erhielten auch eine elektrische Heizung (diese erkennbar am zusätzlichen „e“ in ihrer Gattungsbezeichnung). Elektrische Energie wurde von einem Achsgenerator je Wagen erzeugt. Für die Beleuchtung wurden sowohl Leuchtstoffröhren als auch Glühlampen verwendet.

Inneneinrichtung mini|Dreiachsiger Umbauwagen 2. Kl. (Typ B3yg) mit 2 + 3 Sitzen je Reihe Der Innenraum war asymmetrisch in einen kleineren Teil von 4.620 mm Länge und einen größeren Teil von 6.160 mm Länge geteilt. Der größere Teil wurde je nach Bauart entweder als 1. Klasse, 2. Klasse oder als Gepäckraum genutzt. Decken und Wände wurden mit Hartfaserplatten verkleidet, wobei die Wände in der 1. Klasse zusätzlich mit Kunstleder und in der 2. Klasse mit Tapete ausgestattet waren. Die Decken wurden elfenbeinfarben ausgeführt. Als Fußbodenbelag kam Linoleum zum Einsatz. Die Sitze der 2. Klasse waren mit braunem Kunstleder, die der 1. Klasse mit grauem Polster bezogen. Die Bestuhlung wurde vis-à-vis ausgeführt. Die Sitzaufteilung war in der 2. Klasse 2+3 und in der 1. Klasse 2+2. Zwischen den Sitzabteilen befand sich ein kleiner Windfang. Die Fenster waren mit Vorhängen ausgestattet. Aufgrund des im Nahverkehr nur kleinen Bedarfs an Gepäckablagen wurden lediglich Längsgepäcknetze eingebaut.Erhard Born (1955): Reisezugwagen. Teil 1: Entwicklung in Deutschland. VDI-Z, Band 97, Nr. 13. VDI-Verlag, Düsseldorf Bei allen Wagen war im kleineren Abteil einseitig am Wagenende statt einer Sitzgruppe eine Toilette eingebaut. Das 14,5 m² große Gepäckabteil verfügte über Stauwände mit Fahrradhaltern und Gepäckablagen. Im dort befindlichen Dienstabteil waren zwei Tische mit Drehstühlen vorhanden. Weiterhin waren im Zugbegleiterabteil zwei Seitenfenster und zwei Stirnwandfenster vorhanden.

Einsatz Personenverkehr Die dreiachsigen Umbauwagen kamen im Nahverkehr in allen Bundesbahndirektionen auf Haupt- und Nebenstrecken zum Einsatz. Zahlreiche Wagen wurden für den Einsatz in Wendezügen mit einer Steuerleitung versehen, was zum Hinzufügen des Nebengattungszeichens „b“ führte. Da es mit Ausnahme eines einzigen Versuchswagens (CPw3ygef) nie zur Beschaffung von Umbau-Steuerwagen gekommen war, erfolgte der Einsatz in Wendezügen meist in Kombination mit Steuerwagen aus der Gattung BDnf, überwiegend aber mit Mitteleinstiegswagen (BDymf).

Um bessere Laufeigenschaften zu erreichen, wurden ab 1955/1956 jeweils zwei Wagen kurzgekuppelt, wobei die Schraubenkupplung mit drei Tonnen Vorspannung vorgespannt war. Eine Trennung der Paare im Betrieb wurde dadurch unmöglich, jedoch konnte durch die Kurzkupplung eine höhere Geschwindigkeit von 100 km/h statt der bei den Einzelwagen üblichen 85 km/h realisiert werden. Die über Kreuz geschaltete elektrische Ausstattung der 3yg-Wagen erlaubte es nur, jeweils ein untereinander kurzgekuppeltes Pärchen zu bilden, wobei man hier in der Wagenwahl frei war, so dass alle möglichen Kombinationen außer BD3yg + BD3yg möglich waren: AB+AB, AB+B, B+B, AB+BD, B+BD.

Die Ausmusterung der Wagen war für die Mitte der 1970er Jahre vorgesehen, konnte aber wegen fehlender Neubauwagen nicht realisiert werden. 1967 waren noch über 6000 dreiachsige Umbauwagen im Einsatz. Erst Mitte der 1980er Jahre wurden die letzten Wagen, die dem Berufsverkehr der BASF-Werke in Ludwigshafen am Rhein dienten, aus dem Verkehr gezogen. 50 Wagen wurden an die OSE verkauft.

Bahndienstwagen mini|2014: Wohnwagen der DB Bahnbau, entstanden aus einem Umbauwagen der Gattung B3yg mini|Heizwagen 105 der NEG in Dagebüll, 2013 Bereits vor dem Ausscheiden der letzten 3yg-Wagen aus den Reisezugdiensten wurden von 1969 bis 1984 in den Ausbesserungswerken Offenburg, Kassel und Weiden (Oberpfalz) ca. 2000 dreiachsige Umbauwagen für den Bauzugeinsatz umgebaut.Bahndienstwagen der Bauarten 400 bis 499 und 500 bis 599, teils ex 3yg (bahndienstwagen-online.de) Die Wagen waren für die verschiedensten Zwecke (Bauleiterwagen, Bautruppführerwagen, Bürowagen, Wohn-Schlafwagen, Aufenthaltswagen, Gerätewagen, Werkstattwagen, Wasch-Trockenwagen, Küchenbeiwagen, Umkleidewagen usw.) ausgerüstet und dienten als temporäre Unterkunft und Werkstatt in der Nähe von Bahnbaustellen. Sie blieben zunächst chromoxidgrün (RAL 6020) und wurden ab den 1970er Jahren ozeanblau (RAL 5020) lackiert. Später wurden einige Wagen goldgelb (RAL 1004). Bis heute sind noch einige Exemplare für die DB Bahnbau oder bei privaten Gleisbaufirmen im Einsatz.

Ein Unikat bildete der als „Heizwagen 105“ bezeichnete dreiachsige Umbauwagen der NEG. Dieser wurde analog zu den Fahrzeugen von DB Fernverkehr weiß-rot lackiert und fungierte bis 2025 als Generatorwagen zur Stromversorgung der Intercity-Kurswagen, die bis dahin im Nordseeinselverkehr zwischen Niebüll und Dagebüll Mole verkehrten.

Vierachsige Umbauwagen, Gattung 4yg

In Anlehnung an die Bauweise der 3yg-Wagen wurden ab Ende 1953 Wagenkästen für die Untergestelle von Drehgestellwagen der hölzernen Abteilwagen entworfen. 1955 baute das Ausbesserungswerk Hannover einen ersten Probewagen mit Abteilen der damaligen 2. und 3. Klasse. Der Probewagen wurde im September 1955 vorgestellt, jedoch nicht weiter nachgebaut, da zunächst der Bedarf an Fahrzeugen der niedrigeren Wagenklasse überwog. Auf Basis der Wagenhälfte mit der dritten Klasse dieses Probewagens wurde ein C 4yg-Wagen weiterentwickelt.