mini|Logo des Erzbistums Köln bis 2023 mini|hochkant|Wappen des Erzbistums Köln; es geht auf das Kurkölnische Kreuz, das Wappen des Kurfürstentums Köln, zurück.

Das Erzbistum Köln ( ist eine römisch-katholische Diözese im Westen von Nordrhein-Westfalen und im nördlichen Rheinland-Pfalz. Es ist eines der ältesten und war bis 2023 über viele Jahre das mitgliederstärkste Bistum im deutschsprachigen Raum. Aufgrund vergleichsweise hoher Zahlen an Kirchenaustritten ist es seit 2024 nach dem Bistum Münster (minimaler Unterschied von 12.000 Gläubigen) nur noch das zweitgrößte deutsche Bistum.

Das Erzbistum Köln bildet zusammen mit den Suffraganbistümern Aachen, Essen, Limburg, Münster und Trier die Kirchenprovinz Köln, deren Metropolit der Kölner Erzbischof ist. Metropolitankirche ist der Kölner Dom, die „Hohe Domkirche Sankt Petrus“ in Köln.

Seit dem 20. September 2014 ist Rainer Maria Kardinal Woelki Erzbischof von Köln.

Mit Stand 31. Dezember 2023 lag der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung von etwa 5,5 Millionen Menschen auf dem Territorium des Erzbistums bei ca. 30 % (1,6 Millionen).Katholische Kirche in Deutschland: Bevölkerung, Fläche, Katholiken nach (Erz-)Diözesen Kirchenprovinzen 2020 In: dbk.de (PDF). Zwölf Jahre zuvor waren 41 % der Gesamtbevölkerung Katholiken.Katholische Kirche in Deutschland: Bevölkerung, Fläche, Katholiken nach (Erz-)Diözesen Kirchenprovinzen 2010. In: dbk.de (PDF).

Geschichte

Anfänge und Mittelalter Das Erzbistum Köln geht auf die frühchristliche Gemeinde der Stadt in römischer Zeit zurück. Der erste in Quellen des 4. Jahrhunderts genannte Bischof von Köln war Maternus, der erste Bischof mit fränkischem Namen Evergislus (Eberigisil) im 6. Jahrhundert. Bischof Hildebold erhielt 794/5 durch Karl den Großen als Belohnung für seinen Dienst am Hof den Titel eines Erzbischofs. Köln ist seitdem Erzbistum.H. Seibert: Köln. B. Erzbistum. In: LexMA V, Sp. 1261–1268, hier Sp. 1261 f. Ein erster Dom wurde in Köln 870 geweiht. Die Bischofsresidenz der Kölner Erzbischöfe befand sich ursprünglich neben dem Dom (siehe Residenzen Kölner Bischöfe).

hochkant|mini|St. Gereon in Köln, eine der ältesten Kirchen Deutschlands

Erzbischof Rainald von Dassel betrieb eine Territorialpolitik am Rhein und bis nach Westfalen.W. Georgi: Rainald v. Dasseln. In: LexMA VII, Sp. 418–419, hier Sp. 419. Für die spirituelle Bedeutung des Bistums war es wichtig, dass Rainald im Jahr 1164 die angeblichen „Gebeine der Heiligen Drei Könige“ nach Köln überführte;Manfred Groten: Köln. A. Stadt, II. Mittelalter. In: LexMA V, Sp. 1256–1261, hier Sp. 1256. mit diesem Ereignis wurde Köln zu einem der bedeutsamsten Wallfahrtsorte der christlichen Welt.Vgl. Manfred Groten: Köln. A. Stadt, II. Mittelalter. In: LexMA V, Sp. 1256–1261, hier Sp. 1256. Vgl. auch W. Georgi: Rainald v. Dasseln. In: LexMA VII, Sp. 418–419, hier Sp. 419. Eine Vielzahl weiterer „Kölner Heiliger“ wie z. B. die hl. Ursula und der hl. Gereon trugen dazu bei, dass Köln fortan den Titel „Sancta“ (heilig) im Stadtnamen trug. Der volle Titel Kölns war „Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia“ – Heiliges Köln, von Gottes Gnaden der Römischen Kirche getreue Tochter.

Der karolingische Dom war den Pilgermassen bald nicht mehr gewachsen, und so wurde im Jahr 1248 von Erzbischof Konrad von Hochstaden der Grundstein für den neuen gotischen Dom gelegt.

Seit dem 12. Jahrhundert erstrebte die städtische Bevölkerung Kölns zunehmend bürgerliche Autonomie. Die Erzbischöfe verloren 1288 als Ergebnis der Schlacht von Worringen die weltliche Macht über die Stadt Köln, im Niederrheinischen und im südlichen Westfalen. Die Kölner Erzbischöfe behielten die Hochgerichtsbarkeit über die Stadt; erst 1475 schüttelte die Stadt Köln de iure durch die Anerkennung der Reichsfreiheit die erzbischöfliche Stadtherrschaft ab, so dass die Erzbischöfe de facto zumindest in ihrer Eigenschaft als weltliche Territorialfürsten Fremde in der seit 1475 freien Reichsstadt blieben.Manfred Groten: Köln. A. Stadt, II. Mittelalter. In: LexMA V, Sp. 1256–1261, hier Sp. 1258 f.Zigmantas Kiaupa: Worringen, Schlacht v. In: LexMA IX, Sp. 337.

Der Kölner Erzbischof war bis 1803 (Reichsdeputationshauptschluss) einer der Kurfürsten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

Reformationszeit, „Bayerische Herrschaft“ (1583–1761) In der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert wechselten mit rund einem Zehntel der Pfarreien vergleichsweise wenige vom katholischen zum lutherischen oder reformierten Bekenntnis. Die Reformationsversuche durch Hermann V. von Wied 1543 und insbesondere Gebhard Truchseß von Waldburg 1582, welche das Ziel hatten, das Erzbistum Köln in ein erbliches, protestantisches Herzogtum zu verwandeln, hinterließen wegen der Niederlage Gebhards im Truchsessischen Krieg (1583 bis 1588) keine langfristigen Folgen für das Erzbistum.Unter dem Abschnitten Anlass und Folgen:

Dass das Rheinland im 16. und 17. Jahrhundert mehrheitlich katholisch blieb, wurde auch durch die teils politisch, teils konfessionell motivierten Weichenstellungen der jeweiligen Territorialherren bestimmt. Die Vorherrschaft des Katholizismus wurde dauerhaft dadurch gestärkt, dass es die bayerischen Wittelsbacher seit dem späten 16. Jahrhundert verstanden, sich die Fürstbistümer des westdeutschen Raums – und damit auch Kölns – zu sichern und Einfluss auf die 24 wahlberechtigten Domkapitulare ausübten – oder missliebige (protestantische) Domkapitulare kurzerhand aus dem Amt entfernten.

mini|hochkant|Der Kölner Dom

Der in den Niederlanden regierende König Philipp II. setzte 1559 bei Papst Paul IV. eine Neugestaltung der Bistumsstruktur in der Region durch, um den Protestantismus mit geeigneten kirchenpolitischen Mitteln zu bekämpfen. Die Zahl der Bistümer in den Niederlanden wurde durch Teilungen und Neugründungen auf 19 erhöht. Dabei kamen Pfarreien des Erzbistums Köln im Bereich von Nijmegen und des Flusses Maas in ein neu gegründetes Bistum Roermond. Das Kölner Suffraganbistum Utrecht wurde verhältnismäßig verkleinert und aus der Kölner Kirchenprovinz ganz herausgelöst. Auch andere Kölner Suffragane wie Münster erlitten 1559 Einbußen.

Revolutionszeit (1794–1813) Durch die Besetzung des gesamten linksrheinischen Raums durch französische Truppen im Herbst 1794 erlebte das Erzbistum Köln in der Franzosenzeit innerlich wie äußerlich einen Niedergang. Der katholische Kultus wurde in den besetzten Gebieten wie in Frankreich selbst massiv unterdrückt. Erst Napoleon Bonaparte setzte der Bekämpfung des Christentums ein Ende.

Politische Konzessionen gedachte Napoleon gegenüber der im Untergang befindlichen Reichskirche aber nicht zu machen: Nachdem durch den Frieden von Lunéville am 9. Februar 1801 der gesamte linksrheinische Raum staatsrechtlich an Frankreich gefallen war, löste Napoleon das Erzbistum Köln für seine linksrheinisch-französischen Teile im Zuge einer Neuordnung der Bistumsstruktur auf, womit eine über tausendjährige kirchengeschichtliche Tradition im Rheinland endete. Als Ersatz für Köln kreierte er ein Bistum Aachen, das dem Erzbistum Mecheln als Suffragan unterstellt war. Aachen war auch die Hauptstadt des Département de la Roer.

Preußische Zeit (ab 1815) 1814/1815 kam es zu einem abermaligen Umbau der kirchlichen Verhältnisse: Mit dem 1821 geschlossenen Staatskirchenvertrag zwischen der Kurie und Preußen, das auf dem Wiener Kongress 1815 die Herrschaft im beinahe gesamten Rheinland angetreten hatte, und der Zirkumskriptionsbulle De salute animarum (16. Juli 1821) wurde das Bistum Aachen wieder aufgelöst, Köln dagegen auch im Linksrheinischen wieder belebt. Die vormals Aachener kirchlichen Gebiete wurden nun zwischen Köln und Münster auf eine Art und Weise verteilt, die mehr Preußens administrativen Bedürfnissen als den kirchengeschichtlichen Traditionen entsprach: Der Kölner Sprengel umfasste die Regierungsbezirke Köln, Aachen und Düsseldorf, wurde also staatlichen Distrikten angeglichen. Am nördlichen Niederrhein, in dem sich uralte kölnische Traditionsorte wie beispielsweise Xanten oder Kempen befanden, wurden die Pfarreien im Regierungsbezirk Kleve dem Bistum Münster einverleibt. Dessen Dekanate Kleve, Wesel, Recklinghausen und Warendorf bilden noch heute die Grenze zum Erzbistum Köln, dem 1957 errichteten Bistum Essen und dem später zum Erzbistum erhobenen Paderborn im Osten.

Nach dieser anfänglichen Kooperation Preußens mit der Kurie kam es in den folgenden Jahrzehnten zu Konflikten zwischen Staat und Kirche am Rhein. Deren zentrales Ereignis, die Kölner Wirren, drehte sich um den konfessionellen Status von Kindern aus interkonfessionellen Ehen und gipfelte 1837 in der Verhaftung des Kölner Erzbischofs Clemens August von Droste zu Vischering durch den preußischen Staat. Die anschließende zweijährige Festungshaft des Bischofs sorgte dann für eine grundlegende Verhältnisbestimmung zwischen preußischem Staat und Katholischer Kirche. Viele Historiker sehen in diesem Ereignis bereits den Beginn des Kulturkampfs im späteren Deutschen Kaiserreich.

20. und 21. Jahrhundert

mini|hochkant|Erzbischöfliches Generalvikariat (2008)

Im 20. Jahrhundert wurde das Erzbistum Köln dreimal verkleinert: nach dem Ersten Weltkrieg fielen Eupen-Malmedy an Belgien und wurden auch kirchlich von Köln abgetrennt (zuerst als eigenes Bistum, dann als Teil des Bistums Lüttich). 1930 wurde das Bistum Aachen wieder gegründet und 1957/58 wurde das Bistum Essen geschaffen.

Entwicklungen Das Erzbistum verzeichnet einen signifikanten Mitgliederschwund. Zu den Gründen zählen der demografischer Wandel und Kirchenaustritte. Austritte in 2009: 10.727, 2010: 15.163, 2021: 40.772.

Das Erzbistum Köln hatte neben dem Erzbischof vier Weihbischöfe, seit 2004 noch drei, denn auch durch den Bevölkerungsrückgang und das Ansteigen des Durchschnittsalters der Bevölkerung ging die Zahl der bischöflichen Amtshandlungen zurück. Die Anzahl der Firmungen ist von 1980 mit 21.401 über 2010 mit 10.500 auf 2021 mit 6.455 gefallen.

Weltjugendtag Kardinal Meisner war 2005 Gastgeber des 20. Weltjugendtags und empfing Papst Benedikt XVI.

Leitungskrise 2020 – 2022 Im Zusammenhang mit der schleppenden Aufarbeitung von Fällen des sexuellen Missbrauchs geriet das Erzbistum ab Oktober 2020 in eine anhaltende Krise (siehe Sexueller Missbrauch im Erzbistum Köln). Papst Franziskus ordnete im Mai 2021 eine Apostolische Visitation der Erzdiözese an. In der Folge nahm Erzbischof Woelki vom 12. Oktober 2021 bis zum 1. März 2022, dem Tag vor Aschermittwoch, eine „geistliche Auszeit“. In dieser Zeit leitete Weihbischof Rolf Steinhäuser als Apostolischer Administrator sede plena das Erzbistum. Das Amt des Generalvikars ruhte. Steinhäuser ernannte Generalvikar Markus Hofmann zum „Delegaten des Apostolischen Administrators“.

Erzbischof Rainer Maria Woelki trat am Aschermittwoch, dem 2. März 2022 nach einer Zeit mit Exerzitien und sozialem Einsatz seinen Dienst als Erzbischof wieder an und teilte in einem Hirtenbrief mit, dass er inzwischen Papst Franziskus sein Amt zur Verfügung gestellt habe. Im Erzbistum wurde von verschiedener Seite auf eine verbreitet festzustellende Zerrüttung des Verhältnisses zwischen dem Erzbischof und Gläubigen wie Seelsorgern hingewiesen; der Vorsitzende des Diözesanrates bemerkte, Woelkis Hirtenbrief benenne keinen einzigen konkreten eigenen Fehler.