Zum Aufzeichnen von Schachpartien oder Schachstellungen gibt es verschiedene Systeme der Schachnotation.
Um die Züge während der Partie niederzuschreiben, benutzen die Spieler in der Regel vorgedruckte Partieformulare. Eine einzelne Schachstellung kann in der Schachliteratur durch ein Diagramm abgebildet werden, auf dem festgelegte Symbole die einzelnen Steine bzw. Figuren verkörpern.
Geschichtlicher Rückblick
mini|Abbild der Grundstellung in Jakob Mennels Schachzabel Spiel (1520) Es hat in der Schachgeschichte lange Zeit gedauert, eine effiziente Methode zur Beschreibung der Spielzüge zu finden. Die algebraische Darstellung, die sich gegenüber der beschreibenden Methode (siehe Beschreibende Notation) nur allmählich durchsetzte, findet sich erstmals 1737 bei Philipp Stamma in seinem Essai sur le jeu des échecs. In Deutschland erfolgte der Übergang relativ früh, ausgelöst durch das in Breslau erschienene dreibändige Werk Das Schach des Herrn Gioachino Greco Calabrois und die Schachspiel-Geheimnisse des Arabers Philipp Stamma, von Moses Hirschel von 1784 und das erstmals 1795 erschienene Lehrbuch Neue theoretisch-praktische Anweisung zum Schachspiel von Johann Allgaier.
Bereits in den ältesten Handschriften und den ersten europäischen Schachbüchern, z. B. den Werken von Lucena (1497) oder Ruy López (1561), wurden die Stellungen bildlich zu den Bedingungen und Lösungen der Aufgaben hinzugesetzt. Die Felder, die für die einzelnen Züge in Betracht kommen, beschrieb man mit Buchstaben, die Figuren wurden mit Symbolen oder ebenfalls mit Buchstaben bezeichnet. Namentlich in den italienischen Schachwerken des 17. und 18. Jahrhunderts und auch bei Stamma waren keine Stellungsbilder mehr vorhanden. Die Diagramme (zunächst mit aufgedruckten Buchstaben) kehrten erst in einer 1802 veröffentlichten französischen Problemsammlung und in einer Ausgabe des Lehrbuchs von Philidor wieder, die nach dem Tode des Autors 1803 in Straßburg erschien.Vgl. Diagramm in der Philidor-Ausgabe von 1803 In den Büchern englischer Autoren wie William Lewis finden sich schließlich Abbildungen, die aus beweglichen Typen bzw. gedruckten Figurensymbolen zusammengesetzt waren und den bis heute verwendeten Diagrammen erstaunlich nahekommen.
Schachdiagramme
Ein Schachdiagramm zeigt normalerweise alle 64 Felder, wobei die Musterung eines Schachbretts beibehalten wird, und Figurinen bzw. Symbole der Schachfiguren. In der Schachkomposition wird die Abbildung des Diagramms meist mit einer bestimmten Forderung verbunden. Die zusätzlichen Figuren des Märchenschachs werden durch spezielle Figurinen dargestellt. Diagramme werden in Partieanalysen oftmals bei kritischen Stellungen gesetzt und an Höhepunkten, etwa vor einer Kombination. Meist wird das Brett so dargestellt, dass die weißen Bauern nach oben und die schwarzen Bauern nach unten ziehen. Bei Schachaufgaben wird das aktuelle Zugrecht durch „1.“ für Weiß und „1. …“ für Schwarz angezeigt. Hierbei kann es auch sein, dass das Brett bei einem Zug mit Schwarz auf den Kopf gestellt wird, so dass die schwarzen Bauer nach oben ziehen.
Algebraische Notation gerahmt|rechts|Schachdiagramm und algebraische Notation Die algebraische Notation ist heute weltweit gebräuchlich.
Ausgehend vom linken unteren Feld, aus der Sicht des Spielers mit den weißen Figuren gesehen, werden die senkrechten Linien mit den Kleinbuchstaben „a“ bis „h“ und die waagerechten Reihen mit den Zahlen „1“ bis „8“ bezeichnet. Jedes der 64 Felder erhält als eindeutigen Namen die Kombination aus dem Buchstaben der Linie und der Zahl der Reihe, auf denen das Feld liegt.
Beispiel: „g5“
Die Figuren werden durch große Anfangsbuchstaben ihrer Namen symbolisiert: „S“ = Springer, „L“ = Läufer, „T“ = Turm, „D“ = Dame, „K“ = König. „B“ = Bauer wird nur selten verwendet, da Bauern gemäß den Regeln des Weltschachverbands FIDE ohne Abkürzung angegeben werden.
International werden meist englische Buchstaben verwendet : „N“ = Knight = Springer, „B“ = Bishop = Läufer, „R“ = Rook = Turm, „Q“ = Queen = Dame, „K“ = King = König, „P“ = Pawn = Bauer.
Eine Figur auf einem bestimmten Feld wird durch die Kombination aus Figuren- und Feldname beschrieben, ein Bauer nur durch den Feldnamen.
Beispiele: „Ke1“ für „König auf e1“; „b7“ für „Bauer auf b7“.
Eine Liste mit Figurenbezeichnungen in anderen Sprachen ist im Artikel Schachfigur zu finden.
Ausführliche Notation In der ausführlichen algebraischen Notation eines Schachzuges wird das Symbol der Figur, das Ausgangs- und das Zielfeld angegeben. Eine Ausnahme hiervon bilden die Bauernzüge, bei denen das Figurensymbol weggelassen wird.
Züge auf ein freies Feld werden durch einen Halbgeviertstrich („–“) und Schlagzüge durch ein „x“ oder ein Malzeichen („ד) zwischen Ausgangs- und Zielfeld gekennzeichnet. Ein Schachgebot erhält ein „+“ (selten auch ein „†“) hinter dem Zug, das Matt wird durch „#“ (selten auch durch „++“ oder „‡“) gekennzeichnet. Wird ein Bauer in eine andere Figur umgewandelt, so wird das Buchstabensymbol dieser Figur hinter dem Zug angegeben. Eine kleine Rochade wird als „0–0“ notiert und eine große Rochade als „0–0–0“. Das Schlagen en passant wird durch ein nachgestelltes „e. p.“ gekennzeichnet. Ein Remisangebot sowie ein Antrag auf Remis ist von beiden Spielern mit dem Symbol „(=)“ zu notieren.
Beispiele: „e2–e4“, „Sb1xc3+“, „Td1–d8#“, „e7–e8D“, „f5xg6 e.p.“
Verkürzte algebraische Notation
Bei der Kurznotation werden gegenüber der ausführlichen Notation das Ausgangsfeld und – außer bei der Rochade – der Halbgeviertstrich weggelassen. Man gibt also nur das Figurensymbol, bei Schlagzügen das „x“ sowie das Zielfeld an. Beim Schlagzug eines Bauern wird vor dem „x“ die Herkunftslinie angegeben.
Wäre der notierte Zug dadurch nicht mehr eindeutig, dann wird er durch zusätzliche Angabe der Reihe oder der Linie des Ausgangsfeldes eindeutig gemacht. Führt die Angabe von Linie oder Reihe gleichermaßen zu einer eindeutigen Beschreibung des Zuges, so soll laut einer Empfehlung der FIDE vorzugsweise die Linie angegeben werden.
Beispiele: Lc4 Läufer zieht nach c4 Lxc4 Läufer zieht nach c4 und schlägt dort einen gegnerischen Stein b4 Bauer zieht nach b4 axb4 weißer Bauer a3 (oder schwarzer Bauer a5) zieht nach b4 und schlägt dort einen gegnerischen Stein fxg6 e. p. Bauer f5 zieht nach g6 und schlägt dabei den gegnerischen Bauern auf g5 im Vorübergehen Sec4 der Springer auf der e-Linie zieht nach c4 Sexc4 der Springer auf der e-Linie schlägt auf c4 T1c7 der Turm auf der ersten Reihe zieht nach c7 cxd8D Bauer auf c7 schlägt auf d8 und verwandelt sich in eine Dame cxd8S+ Bauer auf c7 schlägt auf d8, verwandelt sich in einen Springer und bietet Schach 0–0 kurze Rochade 0–0–0 lange Rochade
Figurine Notation Die unterschiedlichen Buchstabenkürzel in den einzelnen Sprachen können international gesehen das Verständnis erschweren. Als Alternative werden daher gelegentlich die für die Figuren verwendeten Buchstaben ersetzt durch die Figurensymbole, sogenannte Figurinen, welche auch in den Diagrammen Verwendung finden. Diese Form der algebraischen Notation wird figurine Notation genannt.
Bauer (wird in der Regel nicht verwendet) Springer Läufer Turm Dame König
Beispiele: „e2–e4“, „b1xc3+“, „d1–d8#“, „e7–e8“, „f5xg6 e.p.“
Entsprechende Glyphen zur Darstellung der Figuren sind im Unicode-Block Verschiedene Symbole von U+2654 bis U+265F codiert.
Alternativen innerhalb der Algebraischen Notation Anstatt des Kreuzes kann auch der Doppelpunkt verwendet, beispielsweise „Sb1:c3+“ oder „L:c4“. In der Kurznotation wurde der Doppelpunkt auch manchmal nachgestellt, beispielsweise „Lc4:“.
Bei einem Schlagen mit einem Bauern wird das Schlagzeichen auch weggelassen, beispielsweise „ab4“ oder noch kürzer „ab“, wenn dies eindeutig ist.
Auch heutzutage wird nicht überall eine einheitliche Notation verwendet, die Zeitschrift New In Chess etwa lässt die Zeichen für ein Schachgebot und das Schlagen weg.
Anwendung
Notation von Partien und Zugfolgen Bei der Notation von Schachpartien werden die einzelnen Züge jeder der beiden Parteien als Halbzüge bezeichnet, und je ein Halbzug von Weiß mit dem darauffolgenden Halbzug von Schwarz zu einem Zug der Partie zusammengefasst. Die Züge werden mit Fortgang der Partie in aufsteigender Reihenfolge gezählt. Als erster Zug zählt dabei stets der Anfangszug, entweder in der Grundstellung oder einer anderen vorgegebenen Stellung, etwa auf einem Diagramm.
Beispiel: „1. e2–e4 e7–e5 2. Lf1–c4 Lf8–c5“.
Will man in der Kommentierung einer Schachpartie eine Variante angeben, dann übernimmt man die Zählung der Partie. Setzt die Variante mit einem schwarzen Zug ein, so wird der vorhergehende weiße Zug durch einen Platzhalter wie „…“ oder „—“ ersetzt. Zur Unterscheidung wird der tatsächliche Verlauf einer Partie oder ein Hauptabspiel häufig in fetter Schrift, ausführlicher Notation oder im Spaltensatz dargestellt, während Varianten in normaler Schrift und Kurznotation erscheinen. Varianten können durch Kommata und Klammern abgetrennt und durch ein Nummerierungssystem übersichtlich dargestellt werden.
Beispiel: „1. e2–e4 e7–e5 2. Lf1–c4 Lf8–c5, oder: 2. … Sb8–c6“.
Turnierschach Im Wettkampfschach kommen meistens vorgedruckte Partieformulare zum Einsatz, bei denen eine Nummerierung schon vorgegeben ist und nur noch die Züge eingetragen werden müssen. Derartige Formulare werden als lose Zettel oder zu Heften für mehrere Partien gebunden hergestellt. Bei Turnieren mit regulärer Bedenkzeit sind die Spieler zur Mitschrift der eigenen und gegnerischen Züge verpflichtet. Bei Partien mit verkürzter Zeit entfällt diese Pflicht gewöhnlich. Der Weltschachverband FIDE schreibt bei allen von ihm veranstalteten Turnieren und Wettkämpfen die verkürzte algebraische Notation als Notationssystem vor, wobei muttersprachliche Abkürzungen der Figuren erlaubt sind. Für die Verwendung in Schachbüchern und Zeitschriften empfiehlt die FIDE die figurine Notation.FIDE-Regeln (Anhang, Abschnitt E) zur Partienotation
Fernschach Im Fernschach verwendet man meist eine abgewandelte algebraische Notation. Diese ist im Artikel Fernschach beschrieben.
Spiel- und Turnierergebnisse Das Ergebnis des Spiels wird in der Regel bei einem Sieg von Weiß mit „1–0“ oder „1:0“, und bei einem Sieg von Schwarz mit „0–1“ oder „0:1“ angegeben. Wenn der letzte Zug kein Matt erzeugt, ist die Partie zumeist aufgegeben worden oder der unterlegene Spieler hat keine Bedenkzeit mehr gehabt. Ein Remis (Unentschieden) wird mit „½–½“ oder „½:½“ gekennzeichnet.
Die Ergebnisse eines Turniers werden häufig nach Siegen, Remis und Niederlagen aufgeschlüsselt, da sich aus der Summe der erzielten Punkte nicht die Anzahl der Siege ermitteln lässt. Die Angabe „+1 =3 −2“ deutet auf einen Sieg, drei Unentschieden und zwei Niederlagen hin.
Schachkomposition Bei Stellungen bei Schachkompositionen werden, sofern nicht die Forsyth-Edwards-Notation verwendet wird, Stein für Stein notiert. Zuerst die Steine von Weiß, dann von Schwarz und in diesem Beispiel auch der Lösungszug:
Ka5, Th6, Lb1, b6, Se5, f5, Bb2, d4, e6, f3 – Kd5, Ba6, b7, b3, d3, e7, h7 – 1. Sxd3
Hierbei wird die Abkürzung für die Figur nur einmal genannt (B steht hier für Bauer). So hat Weiß seinen König auf a5, sowie einen Turm, zwei Läufer, zwei Springer und vier Bauern auf dem Brett.
Kommentierung
Auch die Bewertung der Stellung kann durch Symbole dargestellt werden. Vorreiter war hierbei die seit 1966 in Belgrad herausgegebene Zeitschrift Schachinformator, deren Symbole sich weltweit verbreitet haben. Sie ermöglichen eine Kommentierung von Partien über Sprachbarrieren hinaus. Die seit 1984 in den Niederlanden herausgegebene Zeitschrift New In Chess und die United States Chess Federation haben weitere Symbolsysteme entwickelt.