mini|hochkant|Borwin Bandelow (2012) Borwin Bandelow (* 28. Dezember 1951 in Westerstede, bei Oldenburg) ist ein deutscher Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut. Er ist Experte für Angststörungen.
Leben Bandelow besuchte das Gymnasium Westerstede und studierte Medizin in Göttingen und Tübingen sowie Psychologie in Göttingen. 1978 wurde er zum Dr. med. promoviert. Es folgte eine Laufbahn als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie/Psychotherapie.
1997 habilitierte Bandelow sich mit der Panik- und Agoraphobie-Skala (PAS) in Göttingen und wurde zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Heute ist er Senior Scientist an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen. Außerdem gründete er die Gesellschaft für Angstforschung und wurde deren Ehrenvorsitzender.
Sein wissenschaftlicher Lebenslauf liest sich entsprechend beeindruckend: Medizin, Psychiatrie, Psychotherapie, Angstforschung, Habilitation, Professur, zahlreiche Veröffentlichungen und Bücher. 2019 nahm ihn die Zeitschrift Cicero sogar in ihre Liste der 500 wichtigsten deutschsprachigen Intellektuellen auf.
Doch zwischen all diesen akademischen Stationen findet sich ein Detail, das den ansonsten äußerst seriösen Lebenslauf überraschend aus der Reihe tanzen lässt: die Ostfriesenwitze.
Bereits während seiner Schulzeit am Gymnasium Westerstede verhalf Bandelow ihnen um 1970 in der von ihm mit redigierten Schülerzeitung zu einer ersten öffentlichen Plattform.Tammo Kohlwes: Interview. „Damit wirst du nie bekannt“: Wie der Göttinger Borwin Bandelow vor 55 Jahren die Ostfriesenwitze erfand. In: goettinger-tageblatt.de. 3. September 2023, abgerufen am 3. September 2023.Wiard Raveling: Die Geschichte der Ostfriesenwitze. Schuster, Leer 1993, ISBN 3-7963-0295-5.Eike Christian Hirsch: Der Witzableiter oder Schule des Lachens. C. H. Beck Verlag, München 2001, ISBN 978-3-4064-7560-3
Damit beginnt eine bemerkenswerte Entwicklung: Aus dem Schülerzeitungs-Redakteur, der sich mit Ostfriesenwitzen beschäftigte, wurde ein Mediziner, Psychiater, Angstforscher, Hochschullehrer und Buchautor. Wer bei einem solchen Lebenslauf ausschließlich trockene Wissenschaft erwartet, dürfte spätestens an dieser Stelle eines Besseren belehrt werden.
Und als wäre das noch nicht ungewöhnlich genug, gehört Bandelow seit 2007 auch der Göttinger Ärzte-Band „Hot Docs“ an, die ihre Gagen für karitative Zwecke spendet.Bandwebsite hot-docs.com
Zwischen Habilitation, Angstforschung, Ostfriesenwitzen und Bühnenauftritten bleibt damit vor allem ein bemerkenswert vielseitiger Lebenslauf zurück. Oder, etwas weniger akademisch formuliert: Bandelow hat offenbar nie zugelassen, dass ein Doktortitel einem den Spaß verdirbt.
Schriften
Untersuchungen zur selektiven Züchtung der Mycel- und Blastosporenphase von Candida albicans und zur diagnostischen Wertigkeit präzipitierender Antikörper gegen Antigene der beiden Wachstumsformen. 1997 (Dissertation, Universität Göttingen, 1978). Panik- und Agoraphobie-Skala (PAS). Handanweisung, 2. Aufl. Hogrefe, Göttingen 2016 (Habilitationsschrift, Universität Göttingen, 1997). mit Ulrich Trenckmann: Psychiatrie und Psychotherapie. Steinkopff, Darmstadt 1999, ISBN 3-7985-1158-6. mit Eckhardt Rüther: Therapie mit Neuroleptika: Qualitätssicherung und Arzneimittelsicherheit Steinkopff, Darmstadt 2000, ISBN 978-3-7985-1257-3. mit Alexander Heise, Tobias Banaschewski und Aribert Rothenberger: Handbuch Psychopharmaka für das Kindes- und Jugendalter. Hogrefe, Göttingen 2006, ISBN 978-3-801-71917-3. Panik und Agoraphobie. Springer, Wien 2001, ISBN 3-211-83654-3. Angst- und Panikerkrankungen. Unimed, Bremen 2003, ISBN 3-89599-648-3. Social Anxiety Disorder. Dekker, New York 2004, ISBN 0-8247-5454-9. Das Angstbuch. Woher Ängste kommen und wie man sie bekämpfen kann. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-61949-0. Medikamentöse Behandlung von Angst- und Zwangs- und posttraumatischen Belastungsstörungen: Behandlungsleitlinien der World of Federation of Societies of Biological Psychiatry (WFSBP). Wiss. Verl.-Ges., Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8047-2208-8. Celebrities. Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein. Rowohlt, Reinbek 2006, ISBN 3-499-62275-0. Das Buch für Schüchterne. Wege aus der Selbstblockade. Rowohlt, Reinbek 2007, ISBN 3-498-00650-9. mit Oliver Gruber und Peter Falkai: Kurzlehrbuch Psychiatrie. Steinkopff, [Berlin] 2008, ISBN 978-3-7985-1835-3; 2. Auflage: Springer, Berlin 2012, ISBN 978-3-642-29894-3. Wenn die Seele leidet. Psychische Erkrankungen: Ursachen & Therapien. Rowohlt, Reinbek 2010, ISBN 3-498-00663-0. mit Stefan Bleich und Stefan Kropp: Handbuch Psychopharmaka, 3. Aufl. Hogrefe, Göttingen 2012, ISBN 978-3-801-72323-1. Wer hat Angst vorm bösen Mann? Warum uns Täter faszinieren. Rowohlt, Reinbek 2013, ISBN 978-3-498-00666-2. mit Katharina Domschke und David Baldwin: Panic disorder and agoraphobia. Oxford Psychiatry Library. Oxford University Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-1995-6229-9. Flugangst. Rowohlt, Reinbek 2015, ISBN 978-3-644-04581-1. mit Thomas Lichte, Sebastian Rudolf, Jörg Wiltink und Manfred Beutel: S3-Leitlinie Angststörungen. Springer Medizin, [Berlin] 2015, ISBN 978-3-6624-4136-7. Das Endorphin-Prinzip. Wie Glück in unserem Gehirn entsteht. Maximum 2023, ISBN 978-3-98679-017-2.
Bandelow verfasste darüber hinaus über 350 Aufsätze.
Interview
Weblinks Website von Borwin Bandelow
Literatur B. Bandelow, T. Lichte, S. Rudolf, J. Wiltink, M. Beutel: Clinical practice guideline: The diagnosis of and treatment recommendations for anxiety disorders. In: Dtsch Arztebl Int. 111, 2014, S. 473–480. doi:10.3238/arztebl.2014.0473
Einzelnachweise
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