mini|R. Murray Schafer, 2007 Raymond Murray Schafer (* 18. Juli 1933 in Sarnia, Ontario; † 14. August 2021 in Indian River bei Peterborough, Ontario) war ein kanadischer Komponist, Klangforscher und Autor.

Leben und Werk Aufgewachsen in Toronto, war er von 1945 bis 1955 Schüler des dortigen Royal Conservatory of Music und lernte Cembalo und Klavier. Ab 1954 studierte er an der University of Toronto Cembalo bei Greta Kraus, Komposition bei John Weinzweig und Klavier bei Alberto Guerrero, der auch Glenn Goulds Klavierlehrer war. Allerdings musste er die Uni bereits 1955 wegen Insubordination verlassen. Die Jahre 1956 bis 1958 verbrachte er in Wien, wo er sich mit deutschen Minneliedern beschäftigte. Daraus entstand die Komposition Minnelieder, a setting of 13 medieval German poems, for voice and chamber ensemble (1956). Von 1958 bis 1961 arbeitete er als Journalist in London.

1962 bis 1963 war Schafer Direktor der von ihm gegründeten Serie Ten Centuries Concerts in Toronto. 1963 bis 1965 lehrte er an der Memorial University of Newfoundland, von 1965 bis 1975 an der Simon Fraser University in Burnaby bei Vancouver. Dort rief er 1971 das World Soundscape Project ins Leben, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, weltweit Soundscapes aufzunehmen, zu erforschen und zu dokumentieren. Mittlerweile wird das Projekt vom 1993 gegründeten World Forum for Acoustic Ecology weitergeführt. Außerdem entwickelte er in dieser Zeit sein hörpädagogisches Konzept Ear Cleaning, ein

Schafer galt als einer der wichtigsten kanadischen Komponisten seiner Zeit.Vgl. des National Arts Centre, Kanada; Biografie auf allmusic.com. Als Komponist schrieb er über 120 Werke für Chor, Orchester und Kammermusik-Ensembles, aber auch Opern, Musiktheater und multimediale Installationen. Seit den 60er Jahren arbeitete er an dem auf 12 Teile angelegten Musiktheater-Zyklus Patria.Internetseite des Projekts Patria Der Zyklus wurde umfangreicher als Wagners Ring und Stockhausens Licht, etliche Teile, etwa Teil 9 The Enchanted Forest, können nur im Freien aufgeführt werden. Bis auf den unvollendeten Teil 7 Asterion wurde der Zyklus abgeschlossen,R. Murray Schafer, Biografie und Werkliste auf: The Living Composers Project 2021 (englisch) ein vollständiges Textbuch Patria: The Complete Cycle ist 2002 erschienen.Patria: The Complete Cycle, erschienen 2002 bei Coach House Books, Toronto

Schafer prägte den Begriff Soundscape, den er in The Tuning of the World so definiert:

Unter dem Stichwort Acoustic Ecology untersuchte er, welche Auswirkungen Soundscapes auf Lebewesen haben. Außerdem führte Schafer den Begriff Schizophonie in die Musik ein. Er war mit dem Medientheoretiker Marshall McLuhan befreundet und wurde von ihm stark beeinflusst.Sabine Breitsameter: Hörgestalt und Denkfigur. Einführender Essay in: R. Murray Schafer: Die Ordnung der Klänge. Schott, 2010, S. 9.

Auszeichnungen Schafer erhielt etliche Auszeichnungen. Weltweite Beachtung als Komponist erlangte er mit seinem Quartet #2 (Waves), für das er 1978 mit dem Prix Jules-Léger pour la nouvelle musique de chambre ausgezeichnet wurde.. 1987 erhielt er als erster Preisträger den Glenn-Gould-Preis.First Glenn Gould Prize Laureate: 1987 – R. Murray Schafer, Canada. Webseite der Glenn Gould Foundation (englisch).

Zu seinen weiteren Auszeichnungen gehören: 1972: Canadian Music Council Medal. 1974: Guggenheim-Stipendium 1974: William Harold Moon Award 1976: Composer of the Year Award from the Canadian Music Council 1980: Prix Honegger (für sein Quartet No. 1) 1993: Molson Prize Canada Council for the Arts, Stand 2017 (PDF, englisch). 1998: Karl-Sczuka-Preis für das Hörstück Winter Diary 1999: Louis Applebaum Composer’s Award (für sein Lebenswerk) 2005: Walter Carsen Prize for Excellence in the Performing Arts 2009: Governor General’s Performing Arts Award für sein LebenswerkAward Recipients 2009. Governor General’s Awards Performing Arts Awards. 2011: Juno Award für Classical Composition of the Year (Duo for Violin and Piano) 2013: Companion des Order of Canada 2015: Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters 2017: Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (ISCM)R. Murray Schafer Voted First Canadian Honorary Member of ISCM. Website der ISCM, 5. November 2017 (englisch).

Schriften (Auswahl) Ear Cleaning : Notes for an Experimental Music Course. BMI Canada, Don Mills, Ontario 1967, Übers. Friedrich Saathen: Schule des Hörens. Hrsg. Franz Basl. Universal, Wien 1972, The Tuning of the World. Knopf, New York 1977, Übers. Kurt Simon, Eberhard Rathgeb (gekürzt): Klang und Krach. Eine Kulturgeschichte des Hörens. Athenäum, Frankfurt 1988, ISBN 3-610-08498-7. Die Ordnung der Klänge. Eine Kulturgeschichte des Hörens. Hrsg., Einl., neue Übers. Sabine Breitsameter, Schott Music, Mainz 2010, ISBN 978-3-7957-0716-3.

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Einzelnachweise

Kategorie:Komponist (Kanada) Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Simon Fraser University) Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Kanadische Literatur Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Sachliteratur (Musik) Kategorie:Essay Kategorie:Companion of the Order of Canada Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Letters Kategorie:Künstler (documenta) Kategorie:Kanadier Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben 2021 Kategorie:Mann