mini|Ernst Fresdorf, um 1927 mini|Ernst Andreas Fresdorf bei einer Rede (November 1931)
Ernst Andreas Fresdorf (* 4. September 1889 in Rothensee, Kreis Wolmirstedt; † 25. Oktober 1967 in Köln) war ein deutscher leitender Kommunalbeamter.
Leben Der aus Loburg (Kreis Jerichow I) gebürtige Vater war nach 12-jährigem Militärdienst als Amtsgerichtskanzleisekretär tätig. Die Mutter stammte aus Großmühlingen (Kreis Bernburg, Herzogtum Anhalt).Persönliche Erinnerungsberichte Gisela Fresdorf: Ihr Großvater sei „Zwölfender“ gewesen, vergleiche diverse Personenstandsurkunden, Kirchenbuchauszüge sowie Abstammungsnachweise von Erich, Ernst und Kurt Fresdorf sowie des Cousins Walter Bühring (Sohn der Schwester der Mutter Agnes Bühring geborene Schmidt) aus dessen Personalakte im Archiv des Ev. Konsistoriums Magdeburg
Ausbildung Fresdorf besuchte zunächst die Bürgerschule Magdeburg, dann das dortige Reformrealgymnasium, wo er 1909 die Reifeprüfung ablegte. Danach studierte er an den Universitäten Freiburg, Leipzig, Marburg, Berlin sowie Halle (Saale) Jura und wurde am 2. März 1913 bei Paul Oertmann an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit der Arbeit „Das Gläubigeranfechtungsrecht als Grundlage der Widerspruchsklage“ promoviert.Promotionsakte der Universität Erlangen-Nürnberg, Universitätsarchiv
Das erste juristische Staatsexamen legte er im Juli 1912 in Naumburg (Saale) ab. Am 5. Dezember 1912 wurde er beim Amtsgericht Wanzleben als Gerichtsreferendar vereidigt. Nach kurzzeitiger Einberufung wurde er etwa 1915 vom Militärdienst aus Gesundheitsgründen befreit. Sein Assessorexamen legte er mit Prädikat „fast gut“ am 19. Februar 1918 ab. Als Gerichtsassessor übte er kommissarisch selbständig richterliche Tätigkeit bei den Amtsgerichten Wittenberg, Calbe (Saale), Barby, Magdeburg, bei der Strafkammer am Landgericht Magdeburg und staatsanwaltliche Tätigkeit in Stendal aus. Anfang Oktober 1918 schied er aus der preußischen Justizverwaltung aus und arbeitete als Assessor unter dem Landeshauptmann Ernst von Heyking bei der Provinzialverbandsverwaltung Posen.Unter anderem schwerpunktmäßig Eigenaussagen Ernst Fresdorf in seinen Lebensläufen der 1930er Jahre, vergleiche Akte des Reichs- und Preußischen Justizministeriums, enthaltend die Vereidigung auf den Monarchen, Bundesarchiv Koblenz (schriftliche Auskunft ca. 1988).
1919 heiratete er in Liegnitz Charlotte (genannt Lotte) Thiel.Unter anderem diverse Personenstandsurkunden, Eheurkunde laut Personalakte Ernst Fresdorf der Stadt Köln, Eigenaussagen Fresdorf in den Lebensläufen der 1930er Jahre.
Nach Posens Übergabe an Polen wurde er, vermittelt durch Kurt von Kleefeld, als Syndikus bei der Fürstlich-Hohenloheschen Verwaltung mit Hauptsitz in Berlin, konkret bei der Fürstlichen Kammer in Slawentzitz (Kreis Cosel) in der Provinz Oberschlesien tätig.Zur Person des Präsidenten der Hohenloheschen Verwaltung: Schriftliche Auskünfte des Hohenlohe-Zentralarchivs ca. 1988 und 2008; Fresdorf nennt ihn nicht namentlich. Er bearbeitete dort juristische und wirtschaftliche Fragen der 120.000 Morgen Forst- und 80.000 Morgen Landwirtschaft umfassenden Verwaltung. Nach eigenen Angaben verließ Fresdorf diese Region aber wieder wegen der dort ebenfalls aufkeimenden Unruhen.Eigenaussagen Fresdorf in seinen Lebensläufen der 1930er Jahre Slawentzitz gehörte dann auch im weiteren Verlauf während des dritten polnischen Aufstands 1921 zu den Schauplätzen heftiger bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen polnischen Aufständischen und deutschen Freiwilligenverbänden unter Beteiligung des Freikorps Oberland.Unter anderem Literatur zur Geschichte des Bundes Oberland und der Widerstandskreise Ernst Niekisch.
Tätigkeit in Magdeburg Im Juni 1919 wurde Fresdorf Magistratsassessor in Magdeburg, ab 1. April 1920 Magistratsrat, ab 1. April 1922 besoldetes Mitglied des Magistrats (gewählter Stadtrat) und als solches schließlich auch Dezernent für Theater- und Orchesterangelegenheiten,Friedemann Krusche: Theater in Magdeburg, Band 2, Ein Streifzug durch das 20. Jahrhundert. Mitteldeutscher Verlag Halle 1995, ISBN 3-354-00880-6, S. 16 f. nachdem er zunächst das Dezernat für Grundstücks-, Baupolizei-, Fluchtlinien- und Siedlungsangelegenheiten übernommen hatte. Fresdorfs Tätigkeit für die Magdeburger Theater wird später als zielstrebig charakterisiert.Friedemann Krusche: Theater in Magdeburg, Band 2, Ein Streifzug durch das 20. Jahrhundert. Mitteldeutscher Verlag Halle 1995, ISBN 3-354-00880-6, S. 249. Als Kommunalbeamter war er möglicherweise schon für die 1922 im Rotehornpark durchgeführte MIAMA (Mitteldeutsche Ausstellung Magdeburg oder ausführlich Mitteldeutsche Ausstellung für Siedlung, Sozialfürsorge und Arbeit – „Ausstellung des Wiederaufbaus“) tätig. Zumindest wirkte er jedoch bei der international beachteten Deutschen Theaterausstellung in Magdeburg 1927 im Rotehornpark, die zunächst als „Maske Magdeburg 1926“ geplant war, mit.
Seit 1920 war Fresdorf Mitglied der SPD. Einige Indizien sprechen dafür, dass er persönlich innerhalb der Partei immer mehr dem rechten Flügel zuzuordnen war.Siehe Empfehlungsschreiben der Stadt Magdeburg an die Stadtverwaltung Hagen in Westfalen, Personalakte Ernst Fresdorf, Stadtarchiv Magdeburg, sowie Akten Stellenbesetzung Oberbürgermeister Hagen, Stadtarchiv Hagen, ca. 1925/1926 In seiner Magdeburger Amtszeit war zeitweilig auch sein Bruder, der in einer Siedlung im Stadtteil Westerhüsen lebende Bauingenieur Erich Fresdorf, bei der Stadtverwaltung im Bereich Siedlungswesen aktiv.Workshop Siedlungen der 20er Jahre – Publikation 29/94 des Stadtplanungsamts Magdeburg, H.-J. Olbricht: Siedlungsentwicklung in den 20er Jahren incl. Gartenstädte, PDF S. 21–30, Printpaginierung S. 51–60, Erich Fresdorf siehe PDF S. 24–25, Printpaginierung S. 54, 56.Workshop Siedlungen der 20er Jahre – Publikation 29/94 des Stadtplanungsamts Magdeburg, H.-J. Olbricht: Siedlungsentwicklung in den 20er Jahren incl. Gartenstädte, Schluss des Beitrags, PDF, S. 1–4, Printpaginierung S. 61–64.Symposium Bruno Taut – Publikation 48/I/II/95 des Stadtplanungsamts Magdeburg, Regina Prinz: Der Generalsiedlungsplan Magdeburg 1923 und seine Folgen, PDF S. 37–45, Printpaginierung S. 267–275.Symposium Bruno Taut – Publikation 48/I/II/95 des Stadtplanungsamts Magdeburg, Regina Prinz: Der Generalsiedlungsplan Magdeburg 1923 und seine Folgen, Schluss des Beitrags PDF S. 1–2, Printpaginierung S. 276–277, Erich Fresdorf siehe PDF S. 2, Fußnoten 9 und 17, Printpaginierung S. 277.
Oberbürgermeister von Brandenburg mini|Friedrich Ebert junior, 1928
Im November 1926 wurde er zum Oberbürgermeister der Stadt Brandenburg an der Havel gewählt. Hier war er Mitglied in leitenden Gremien des Preußischen und Deutschen Städtetages in Berlin und wurde 1928 zum Vorstandsmitglied des Preußischen Städtetages gewählt, dem er bis März 1932 angehörte. Er hat dort schwerpunktmäßig als Mitglied des Wohnungsausschusses sowie als Siedlungsfachmann mitgewirkt und galt als Fachmann für das Liegenschaftswesen. Er war ungefähr von 1926 bis 1932 auch Mitglied des Verwaltungsrats der Girozentrale der Provinz Brandenburg sowie Kreisdirektor der Provinzialfeuersozietät. Weiterhin war er ebenfalls von etwa 1926 bis 1932 Mitglied leitender Gremien in regionalen und reichsweiten Fremdenverkehrsorganisationen. So hatte er den Vorsitz des Brandenburgischen Verkehrsverbandes inne, den er aus zersplitterten, sich bekämpfenden Organisationen für das gesamte Gebiet der Mark Brandenburg zusammenfasste. Noch 1933 – als er als Kölner Bürgermeister schon abgesetzt war – war er Ehrenvorsitzender dieses Verbandes. Dieser Provinzialverkehrsverband gewann schnell an Bedeutung. Fresdorf wurde als dessen Vorsitzender auch Vorsitzender des Preußischen Landesverkehrsverbandes und als solcher Mitglied des engeren Vorstandes des Bundes Deutscher Verkehrsvereine.Der 1902 gegründete Zusammenschluss heißt heute Deutscher Tourismusverband e. V. An der Einigung der gegeneinander arbeitenden nord- und süddeutschen Landesverkehrsverbände hatte Ernst Fresdorf nach eigenen Angaben besonderen Anteil. Als Ausstellungskommissar des Bundes Deutscher Verkehrsverbände arbeitete Fresdorf an der „Verkehrsausstellung“ in Dresden 1929, offiziell der 8. Jahresschau Deutscher Arbeit „Reisen und Wandern“, mit.Eigenaussage Fresdorf in seinen Lebensläufen der 1930er Jahre, vgl. auch Zeitungsartikel aus den Pressearchiven der WAZ in Essen, des Kölner Stadtanzeigers und der Kölnischen Rundschau, vgl. auch Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft, 1930.
Fresdorf förderte den Bau von Stadtrandsiedlungen nach einem damals neuartigen Konzept. Die Stadtrandsiedlungen in Brandenburg verdankten nach Selbstaussage von Ernst Fresdorf „den ausgezeichneten Vorbereitungen des Stadtbaurates Erbs – Brandenburg und meiner Initiative ihre Entstehung, Durchführung und Erweiterung“. Die Brandenburger Siedlungen galten als „Prototyp“ und dienten dem später ernannten Reichssiedlungskommissar mit als Muster.Eigenaussage Fresdorf in seinen zeitgenössischen Lebensläufen aus den 1930er Jahren. Fresdorf hat wahrscheinlich den Trierer Regierungspräsidenten Konrad Saaßen (1886–1937) gemeint, der 1931–1932 Reichskommissar für die vorstädtische Kleinsiedlung war. Die späteren für Siedlungs- und Wohnungswesen zuständigen Reichskommissare Gottfried Feder und Robert Ley kommen eher nicht in Frage. Synonym wird auch in Dokumenten der Reichsregierung von „Randsiedlung“ gesprochen. Ministerbesprechung vom 20. Mai 1932 Ernst Fresdorf bezeichnet sich selbst 1933 als überzeugten Anhänger der Bodenreformbewegung. Er habe in allen seinen Wirkungskreisen diese Auffassung in praktischer Arbeit in die Tat umgesetzt. Hierzu gehörten die Einführung des Erbbaurechtes, weitgehende Förderung der Stadtrandsiedlung etc. Seine fachmännische Arbeit habe Zustimmung und Verständnis „breitester Bevölkerungskreise … auf dem Gebiete des Grundstücks- und Siedlungswesens“ gefunden. Stets einstimmige Beschlüsse der Fachausschüsse würden diese Tatsache bestätigen.Eigenaussage Fresdorf in seinen Lebensläufen der 1930er Jahre
Das Verhältnis zwischen ihm und dem brandenburgischen SPD-Fraktionsführer Friedrich Ebert junior wird in der Rückschau wenige Jahre nach 1945 jedoch als spannungsvoll beschrieben. Unter Eberts Führung habe die SPD-Stadtverordnetenfraktion radikalere politische Positionen vertreten, während Ernst Fresdorf als Verwaltungschef einen gemäßigteren Kurs verfolgte. Diese beständige Konfliktsituation soll Fresdorf bewogen haben, den Oberbürgermeisterposten in Brandenburg aufzugeben und nach Köln zu gehen.Aufzeichnung Lotte Fresdorf, Personalakte Ernst Fresdorf bei der Stadt Köln Seine Wahl dort war allerdings ein Politikum. Die Diskussionen in der Kölner Stadtverordnetenversammlung wurden in Teilen sehr polemisch geführt.Gedruckte Protokolle der Stadtverordnetensitzungen 1931.
Bürgermeister von Köln