mini|Conrad Ekhof, Porträt von Anton Graff, 1774 Hans Conrad Dietrich Ekhof (auch Konrad Eckhof; * 12. August 1720 in Hamburg; † 16. Juni 1778 in Gotha) galt als einer der besten deutschen Schauspieler des 18. Jahrhunderts. Er führte den realistischen Darstellungsstil auf den deutschen Bühnen ein und wurde wegen seiner zahlreichen Verdienste um das deutsche Theater schon zu seinen Lebzeiten als „Vater der deutschen Schauspielkunst“ bezeichnet. Er wurde insbesondere in den 1760er und 1770er Jahren als der führende Schauspieler der Theaterkompanien von Abel Seyler – der Hamburgischen Entreprise und der Seylerschen Schauspiel-Gesellschaft – bekannt.

Biographie Kindheit und Jugend (1720–1739) mini|links|Opernhaus in Hamburg, Ausschnitt aus einer Stadtansicht von 1726 Am 12. August 1720 wurde Hans Conrad Dietrich Ekhof als ältester Sohn des Schneiders und Stadtsoldaten Niclas Ekhof in Hamburg geboren. Die Familie lebte in kärglichen Verhältnissen, weswegen der Vater dem jungen Ekhof wahrscheinlich keine geregelte Schulbildung zukommen lassen konnte. Wegen seiner Begabung und der finanziellen Unterstützung durch die Kirche war ihm jedoch der Besuch des Johanneums möglich, wo er am Deutsch- und Lateinunterricht und in den damals üblichen Schulkomödien teilnahm. Der junge Ekhof begeisterte sich schon früh für Schauspiel und Theater; und da er mit seiner Familie im Opernhof lebte, welcher das erste öffentliche Opernhaus Deutschlands beherbergte, dürfte er auch oft mit Künstlern und Schauspielern in Kontakt gekommen sein.

Mit fünfzehn Jahren, nach dem Tod seiner Mutter und der zweiten Heirat seines Vaters, war es für Ekhof an der Zeit, sich seinen Unterhalt selbst zu verdienen. 1735 nahm er kurzzeitig den Posten eines Schreibers im Dienst des Postkommissars Bostel an, kündigte jedoch, als dessen Frau Lakaiendienste von ihm verlangte. Ekhof verließ daraufhin Hamburg 1738 und fand in Schwerin eine Anstellung als Schreiber bei dem Advokaten Johann Friedrich König, in dessen Bibliothek er die verschiedensten Werke und Romane, hauptsächlich aber Dramen las. Dadurch vertiefte sich sein Interesse an der Schauspielkunst noch weiter, und als er dann Ende 1739 den Aufruf des Schauspielers Johann Friedrich Schönemann vernahm, der junge Schauspieler zu seiner von ihm neu gegründeten Theatergruppe nach Lüneburg einlud, war dies der letzte Anstoß, der ihn letztlich dazu brachte, sich dem Theater zuzuwenden.Elisabeth Dobritzsch: Barocke Zauberbühne – Das Ekhof-Theater im Schloß Friedenstein Gotha. Weimar, Jena 2004, S. 95f.

Schönemann’sche Gesellschaft (1740–1757) mini|140px|J. F. Schönemann, Stich aus dem 18. Jahrhundert Ekhof kündigte seine Anstellung bei König und trat zeitgleich mit Sophie Charlotte Schröder, die er bereits in Schwerin kennengelernt hatte, und Konrad Ernst Ackermann der Schönemannschen Gesellschaft bei und gehörte zusammen mit ihnen bald zu den wichtigsten Ensemblemitgliedern. Am 15. Januar 1740 gab er im Rathaus der Lüneburger Ritterakademie sein Schauspieldebüt in der Rolle des Xiphares in Racines Trauerspiel Mithridates.Heinz Kindermann: Conrad Ekhofs Schauspieler-Akademie. Wien 1956, S. 74f.

Ein Jahr darauf feierte er dann mit einundzwanzig Jahren auch schon seinen ersten größeren Erfolg in der Rolle des Grobian in Hinrich Borkensteins plattdeutscher Lokalposse Der Bookesbeutel.Das Stück wurde am 16. August 1741 in Hamburg uraufgeführt und war so erfolgreich, dass es fünfzehn Wiederholungen bei immer vollem Hause schaffte. Siehe: Elisabeth Dobritzsch: Barocke Zauberbühne – Das Ekhof-Theater im Schloß Friedenstein Gotha. Weimar, Jena 2004, S. 99. Während seiner Zeit bei Schönemann entwickelte Ekhof sein herausragendes schauspielerisches Talent und erwarb sich einen Ruf als Menschendarsteller. Mit zunehmender Bekanntheit schuf er sich allmählich einen vor allem in Hamburg festen Anhängerkreis und übernahm immer mehr Hauptrollen.Darunter: 1746: Orosman in Voltaires „Zayre“ 1747: Bauer Jürge in Marivaux’ „Der Bauer mit der Erbschaft“und Timoleon in Behrmanns gleichnamigen Stück, 1748: Corneilles Cinna und 1749 Herzog Michel in Krügers gleichnamigem Stück; siehe: Elisabeth Dobritzsch: Barocke Zauberbühne – Das Ekhof-Theater im Schloß Friedenstein Gotha. Weimar, Jena 2004, S. 103f. Ekhof trat mit der Schönemannschen Gesellschaft auf Bühnen in ganz Norddeutschland auf und führte damit ein für einen Schauspieler des 18. Jahrhunderts typisches Wanderleben.Seine Stationen waren: Lüneburg, Ratzeburg, Wismar, Leipzig, Hamburg, Breslau, Berlin, Königsberg, Danzig, Halle, Halberstadt, Braunschweig, Förde, Schwerin, Stettin, Zelle, Hannover, Lübeck, Göttingen, Dessau, Magdeburg, Rostock, Stralsund, Barth, Schwerin und Schleswig; siehe: Joseph Kürschner: Ekhof. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Band V. Leipzig 1877, S. 786f. 1746 heiratete er die Schauspielerin Georgine Spiegelberg. Die Ehe mit ihr blieb kinderlos.Georgine Sophie Karoline Auguste Ernestina Ekhof ist die Tochter des Prinzipals Johann Spiegelberg und kam aus einer bedeutenden Schauspielfamilie und galt selbst als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Zeit; siehe: Elisabeth Dobritzsch: Barocke Zauberbühne – Das Ekhof-Theater im Schloß Friedenstein Gotha. Weimar, Jena 2004, S. 99.

mini|links|180px|Schwerin, Stich von Matthäus Merian von 1648 Ab 1750 wurden die Mitglieder der Schönemannschen Gesellschaft, die zu diesem Zeitpunkt als beste Schauspieltruppe Deutschlands galtElisabeth Dobritzsch: Barocke Zauberbühne – Das Ekhof-Theater im Schloß Friedenstein Gotha. Weimar, Jena 2004, S. 100., von dem theaterfreundlichen Herzog Christian Ludwig II. (1683–1756) von Mecklenburg-Schwerin und der Prinzessin Luise Friederike (1722–1791) gefördert und 1751 sogar zu Hofkomödianten mit festem Gehalt ernannt. Dafür verpflichteten sie sich zu einer achtmonatige Spielzeit mit vier freien Monaten für Gastspiele, welche vor allem in Hamburg stattfanden. Durch diese Pause vom anstrengenden Wanderleben fand Ekhof zum ersten Mal die Zeit, um sich der Verbesserung der Schauspielkunst und speziell des Schauspielerstandes zu widmen.Heinz Kindermann: Conrad Ekhofs Schauspieler-Akademie. Wien 1956, S. 80f. Er gründete in Schwerin am 28. April 1753 mit Mitgliedern der Schönemannschen Gesellschaft die erste deutsche Schauspielerakademie. Auch wenn sie nur etwas über ein Jahr Bestand hatte, gingen von der Academie der Schönemannischen Gesellschaft doch wichtige Impulse für das gesamte deutsche Theaterwesen aus.Heinz Kindermann: Conrad Ekhofs Schauspieler-Akademie. Wien 1956, S. 72–74.

Hamburg und das Nationaltheater (1757–1771) mini|Heinrich G. Koch, Stich Nach siebzehn Jahren verließ Ekhof schließlich die Truppe aufgrund von Auseinandersetzungen mit Schönemann und trat 1757 der Schuchschen Gesellschaft in Danzig bei. Als es mit dem dortigen Prinzipal Franziskus Schuch wegen der Rollenverteilung ebenfalls zu Streitigkeiten kam, kehrte Ekhof ein Vierteljahr später wieder zurück nach Hamburg. Dort übernahm er kurzzeitig zusammen mit dem Schauspieler Johann Ludwig Starke und Tanzmeister Georg Ehrenfried Mierk die Gesellschaft von Schönemann, da dieser sich mittlerweile wegen mangelnden Erfolgs aus dem Geschäft zurückgezogen hatte.Die Schwierigkeiten schienen 1756 mit dem Austritt der Schauspieler Fabricius und Kirchhof begonnen zu haben, da Schönemann nicht wußte, wie er die Rollen besetzen sollte und sich hilfesuchend an den selbst überforderten Ekhof wendete; siehe: Heinz Kindermann: Conrad Ekhofs Schauspieler-Akademie. Wien 1956, S. 77. Im selben Jahr soll der Schwiegersohn Schönemanns Johann Friedrich Löwen die Leitung der Truppe übernommen haben, konnte diese aber auch nicht vor der Auflösung am 2. Dezember 1757 bewahren; siehe: Ohne einen Prinzipal fehlte es der Truppe allerdings an Requisiten und an Geldmitteln, weswegen sie bald darauf die Leitung an Heinrich Gottfried Koch übergaben, welcher aufgrund des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) sein sächsisches Spielgebiet verlassen musste und nun im ruhigeren Norden Deutschlands übergangsweise eine neue Truppe in Hamburg aufstellen wollte. Koch orientierte sich stark an dem Geschmack des Publikums bei der Zusammenstellung des Spielplanes, weshalb viele Komödien, Singspiele und Possen, aber kaum Tragödien aufgeführt wurden. Dies bot Ekhof zwar immer noch Möglichkeiten für überzeugende Menschendarstellungen, aber weniger für seine künstlerische Entwicklung als dramatischer Schauspieler.Elisabeth Dobritzsch: Barocke Zauberbühne – Das Ekhof-Theater im Schloß Friedenstein Gotha. Weimar, Jena 2004, S. 103–105.

mini|links|Lessingdenkmal auf dem Hamburger Gänsemarkt Als Koch nach Ende des Siebenjährigen Krieges nach Sachsen zurückkehrte, trat Ekhof 1764 der Ackermannschen Gesellschaft unter der Prinzipalschaft von Konrad Ernst Ackermann bei.Ekhof tritt mit der Ackermann’schen Gesellschaft in Hannover, Göttingen, Braunschweig, Bremen und Hamburg auf; siehe: Joseph Kürschner: Ekhof. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Band V. Leipzig 1877, S. 787. Die Truppe war so erfolgreich, dass sie sich in Hamburg ein eigenes Schauspielhaus anstelle des alten Opernhauses am Gänsemarkt errichten ließ, welches am 31. Juli 1765 eröffnet wurde. Wegen Finanzschwierigkeiten wurde das Theater zwei Jahre später von Johann Friedrich Löwen und zwölf finanzkräftigen Bürgern angeführt von Abel Seyler übernommen mit der Absicht, ein erstes deutsches Nationaltheater zu gründen. Mit der Eröffnung der Hamburgischen Entreprise 1767 kam es auch zu einer für beide Seiten äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem als Dramaturg für das Theater tätigen Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing und Ekhof, welcher hier den Höhepunkt seines Schaffens erreichte.Elisabeth Dobritzsch: Barocke Zauberbühne – Das Ekhof-Theater im Schloß Friedenstein Gotha. Weimar, Jena 2004, S. 105f.

Die Hamburgische Entreprise musste nach zwei Jahren schließen, nachdem Seyler den Rest seines Vermögens dafür ausgegeben hatte. Seyler gründete dann im Jahr 1769 mit Ekhof und einigen anderen Schauspielern die Seylersche Schauspiel-Gesellschaft und erhielt vom hannoverschen Kurfürsten Georg III. den Privileg als „Direktor der königlichen und kurfürstlichen Hofschauspieler“. Ekhof zog mit der Truppe nach Hannover; als Ackermann noch im selben Jahr die Führung des Theaters in Hamburg wieder übernahm, kehrte Ekhof mit ein paar Kollegen wieder zurück nach Hannover. Seyler schaffte es als Prinzipal zunächst allerdings nicht, an die alten Erfolge der Schauspieltruppe anzuknüpfen. Das mangelnde Publikumsinteresse führte zu finanziellen Problemen und als Ekhof im Mai 1770 zudem noch schwer erkrankte und lange nicht auftreten konnte, verschlimmerte sich die Situation dramatisch. Seylers Schwager, der Hofapotheker J.G.R. Andreae aus Hannover, rettete die Seylersche Gesellschaft durch die Übernahme aller Schulden vor dem drohenden Ruin, verlangte dafür allerdings, dass Ekhof die Leitung übernimmt.

Am Hoftheater in Weimar und Gotha (1771–1778) mini|Herzogin Anna Amalia, Porträt von J. E. Heinsius, 1773