Franz Karl Rudolf Schleusener (* 28. Dezember 1876 in Sellnow, Kreis Arnswalde, Pommern; † um 3. April 1950 in Potsdam) war ein deutscher Verwaltungsjurist und Politiker (DDP, CDU).

Er war von 1914 bis 1920 Erster Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister der Stadt Brandenburg an der Havel. In der Zeit der Weimarer Republik war er von 1920 bis 1924 Regierungspräsident in Potsdam und von 1925 bis 1933 Staatssekretär im preußischen Finanzministerium.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Schleusener in der Sowjetischen Besatzungszone 1945/46 Mitglied der Provinzialregierung Mark Brandenburg und von 1946 bis 1950 Mitglied des Landtags von Brandenburg. Als Gegner der SED-Herrschaft zog er sich aus der Politik zurück. Im März 1950 wurde er von der DDR-Geheimpolizei verhaftet und starb infolge der schweren Misshandlungen in der Haft.

Leben Herkunft und frühe Verwaltungskarriere Schleusener wurde als Sohn eines Gutsbesitzers geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften war er ab 1900 zunächst Referendar beim Oberlandesgericht Stettin, ab 1904 Gerichtsassessor beim Landgericht Stettin und dann Rechtsanwalt. Am 1. Januar 1908 trat er in die Kommunalverwaltung (Magistrat) der Stadt Stettin ein. Zwischenzeitlich als Zweiter Bürgermeister in Lissa (Provinz Posen) tätig, wurde er 1911 Stadtrat (Dezernent) in Stettin.

Bürgermeister von Brandenburg Am 12. Juni 1914 wählten ihn 75 % der Stadtverordneten aus 69 Bewerbungen für eine Amtszeit von 12 Jahren zum Ersten Bürgermeister der Stadt Brandenburg (Havel); der preußische König Wilhelm II. ernannte ihn 1915 zum Oberbürgermeister. Noch 1914 durch königlichen Erlass Mitglied des Herrenhauses im Preußischen Landtag geworden, wurde er außerdem 1916 in den Brandenburgischen Provinziallandtag gewählt.

Kurz nach seinem Amtsantritt am 2. August 1914 begann der Erste Weltkrieg. In dieser Zeit musste Schleusener um die Sicherheit der Lebensmittelversorgung kämpfen, was er auch durch zentralen Aufkauf von Kartoffeln und deren Verkauf zu festen Preisen zu sichern versuchte. Die Verhältnisse in der Stadt in den Kriegsjahren dokumentierte er durch jährlich veröffentlichte Übersichten über die Arbeit der Stadtverwaltung Brandenburg (Havel). Seine anfängliche Kriegsbegeisterung wich seit Mitte 1917 der Erkenntnis von Zeichen der Erschöpfung des Landes.

Obwohl er politische Umwälzungen als unverantwortlich ablehnte, blieb er während der Novemberrevolution 1918 aus Verantwortung für Sicherheit und Ordnung auf seinem Posten und ließ ihn auch zu gemeinsamem Handeln mit den Sozialdemokraten finden.

Politischer Beamter in der Weimarer Republik Nach Gründung der Weimarer Republik ernannte die sozialdemokratisch geführte preußische Staatsregierung 1920 Franz Schleusener zum Regierungspräsidenten für den Regierungsbezirk Potsdam.

Ab 1924 war er Ministerialdirektor, ab 1925 Staatssekretär im preußischen Finanzministerium. Zugleich war er stellvertretender Bevollmächtigter des Freistaats Preußen zum Reichsrat. Als Vertreter der preußischen Regierung gehörte er ab 1924 dem Aufsichtsrat des staatseigenen Montanindustrie-Konzerns Preussag an und war von 1925 bis 1933 dessen stellvertretender Vorsitzender. In dieser Zeit war er – wie sein vorgesetzter Minister Hermann Höpker-Aschoff – Mitglied der liberalen, republiktreuen Deutschen Demokratischen Partei (DDP), deren Parteiausschuss Schleusener von 1925 bis 1930 angehörte. Danach benannte sich die DDP in Deutsche Staatspartei (DStP) um.

Nach der Absetzung der preußischen Staatsregierung durch die Reichsregierung im „Preußenschlag“ führte Schleusener das Finanzministerium vom 21. Juli bis 29. Oktober 1932 geschäftsführend im Auftrag des Reichskommissars Franz von Papen.gonschior.de Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und einem Zerwürfnis mit dem neuen preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring enthoben ihn die Machthaber 1933 aller Ämter und versetzten ihn in den einstweiligen Ruhestand. Ab 1933 arbeitete er als Rechtsanwalt und Notar in Berlin.

Politische Tätigkeit in der SBZ Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sich Schleusener am Wiederaufbau der Verwaltung in der Provinz Mark Brandenburg, die in der sowjetischen Besatzungszone lag. Als Nachfolger von Georg Remak wurde er am 1. Oktober 1945 zum 4. Vizepräsident der Provinzialverwaltung ernannt und bekam das Ressort Finanzen und Gesundheit übertragen. Ende November 1945 trat er auch in die Brandenburger CDU ein.Katrin und Ralf Baus: CDU Brandenburg. Damit war er der einzige Vertreter der bürgerlichen Parteien in der provisorischen Landesregierung unter dem Sozialdemokraten Karl Steinhoff.

Zusätzlich saß Schleusener nach der Wahl am 15. September 1946 als Fraktionsvorsitzender der CDU in der Stadtverordnetenversammlung von Potsdam.Thomas Wernicke: Potsdam 1945–1989. Stationen einer gescheiterten Gesellschaftsutopie. In: Sigrid Grabner, Hendrik Rödner, Thomas Wernicke (Hrsg.): Potsdam 1945–1989. Zwischen Anpassung und Aufbegehren, S. 172. – Potsdam: Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung 1999 – ISBN 3-932502-17-5 = In dieser Position führte er zusammen mit Erwin Köhler für die CDU zusammen mit der LDP die Verhandlungen mit der SED um die Wahl des Potsdamer Oberbürgermeisters und Magistrats. Da er, wie schon in Brandenburg (Havel), mit seiner liberal-demokratischen Gesinnung radikale Bestrebungen ablehnte, unterschrieb er erst nach längeren Auseinandersetzungen die Verordnung über die Bodenreform. Wegen weiter bestehenden politischen Differenzen schied er im Dezember 1946 aus der Landesverwaltung aus und war in der Folge wieder als Rechtsanwalt und Notar in Potsdam tätig. Sein bei der Wahl am 20. Oktober 1946 errungenes Landtagsmandat behielt er und war dort Vorsitzender des Rechts- und Verfassungsausschusses.

Da die CDU die Aufstellung einer Einheitsliste zu den Wahlen zum 3. Deutschen Volkskongress im Mai 1949 ablehnte, erhöhte die SED ihre Angriffe auf CDU-Funktionäre. Die Gründung der DDR im Oktober 1949 sah Schleusener als demokratisch nicht legitimierten „Gewaltakt“ und „Staatsstreich“, er forderte freie und geheime Wahlen. Im Februar 1950 erklärte er resigniert seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern und trat aus der zur Blockpartei ohne politischen Gestaltungsspielraum gewordenen Ost-CDU aus.

Am 29. März 1950 wurde Franz Schleusener von der NKWD und der Kriminalpolizei-Abteilung K5 (einer Vorläuferin der DDR-Staatssicherheit) verhaftet und im Potsdamer Polizeigefängnis inhaftiert.Jürgen Köhler: Mein Vater war schlohweiß. Rekonstruktion eines politischen Mordes. In: Sigrid Grabner, Hendrik Rödner, Thomas Wernicke (Hrsg.): Potsdam 1945–1989. Zwischen Anpassung und Aufbegehren, S. 24. – Potsdam: Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung 1999 – ISBN 3-932502-17-5 = Er starb an den Folgen der Misshandlungen in der Haft und bei Vernehmungen. Nach außen hin wurde behauptet, er habe Selbstmord begangen.

Ehrung In Brandenburg an der Havel ist seit Anfang der 1990er Jahre eine Straße im Stadtteil Hohenstücken nach ihm benannt.

Literatur

Informationsamt der Provinzialverwaltung Mark Brandenburg 1946 Ein Jahr der Bewährung 2., erweiterte Auflage Heft 2 Seite 37ff.

Fußnoten

Weblinks

Kurzbiografie in den Akten der Reichskanzlei

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