Die Kapitalrendite, auch als Kapitalrentabilität, Kapitalverzinsung, Anlagenrentabilität, Anlagenrendite, Anlagenverzinsung oder unter dem Anglizismus Return on Investment (; Abkürzung: ROI) bekannt, ist in der Betriebswirtschaftslehre eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den aus einer unternehmerischen Tätigkeit (insbesondere einer Investition) resultierenden Erfolg – gemessen am eingesetzten Kapital – wiedergibt.
Allgemeines Die Kapitalrendite ist ein Maß für die Ertragskraft eines Unternehmens und gibt an, welchen Gewinn das im Unternehmen investierte Kapital erbracht hat.Artur Woll (Hrsg.): Wirtschaftslexikon. 2008, S. 667 f. (google.de) Die Kapitalrendite wird bei der (externen) Bilanzanalyse und im unternehmensinternen Controlling zur Messung der Rentabilität verwendet.Helmut Uhlir: Return on Investment. In: Wolfgang Lück (Hrsg.): Lexikon der Betriebswirtschaft. 1983, ISBN 3-478-37620-3, S. 1003.
Ermittlung mini|461x461px|Möglichkeiten der Berechnung der Kapitalrendite Die Kapitalrendite () kann gemäß obiger Definition formal in folgender Gleichung dargestellt werden:
Bei der Bilanzanalyse wird sie in seiner weiten Fassung meist als Gesamtkapitalrentabilität definiert,Siegfried G. Häberle (Hrsg.): Das neue Lexikon der Betriebswirtschaftslehre. 2008, S. 484. (google.de) wobei der Jahresüberschuss dem Gesamtkapital gegenübergestellt wird: . Die Kapitalrendite kann als durchschnittliche Verzinsung des im Unternehmen eingesetzten Kapitals interpretiert werden. Je nach Analyseziel kann der Jahresüberschuss etwa durch den Bilanzgewinn, durch das Betriebsergebnis oder durch den Gewinn vor Steuern bzw. den Gewinn nach Steuern ersetzt werden. Das Gesamtkapital setzt sich aus Eigenkapital und Fremdkapital, also der Bilanzsumme, zusammen. Durch die Einbeziehung des Fremdkapitals muss der Zinsaufwand für Fremdkapital berücksichtigt werden, weil er den Jahresüberschuss geschmälert hat. Dann lautet die verfeinerte Formel: . In der engeren Fassung wird dem Gesamtkapital lediglich das Betriebsergebnis gegenübergestellt.Hans-Ulrich Krause: Controlling-Kennzahlen für ein nachhaltiges Management. 2016, S. 63 f. (google.de)
mini|435x435px|Aufspaltung der Kapitalrendite in Umsatzrentabilität und Kapitalumschlag Eine weitere Verfeinerung ist die Kombination des Kapitalumschlags mit der Umsatzrentabilität,Wolfgang Becker, Stefan Lutz, Christian Back: Gabler Kompaktlexikon Modernes Rechnungswesen. 2011, S. 207. (google.de) wobei die Umsatzerlöse zu berücksichtigen sind: . Die nebenstehende Abbildung stellt Kapitalumschlag, Umsatzmarge sowie die resultierende Kapitalrendite für verschiedenen Technologieunternehmen im Jahre 2019 dar. Zur Orientierung ist ein WACC von 8 % (entspricht in etwa den durchschnittlichen Kapitalkosten der Unternehmen) abgetragen. Überdurchschnittlich hohe Umsatzrenditen deuten auf besondere Erfolge am Absatzmarkt. Unternehmen wie Apple oder Microsoft verfügen bei ihren Produkten über eine große Preissetzungsmacht und können gegenüber ihren Kunden hohe Margen durchsetzen. Die Margen sind bei Amazon.com im Handel deutlich geringer. Aufgrund des effizienten Kapitaleinsatzes bzw. des hohen Kapitalumschlags kann aber auch der Marktführer im Internethandel eine sehr hohe Kapitalrendite erwirtschaften.
Beim Cash Flow Return on Investment () wird der Brutto-Cashflow () dem Cash Value Added () gegenübergestellt:Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.): Kompakt-Lexikon Internationale Wirtschaft. 2013, S. 76. (google.de) . Ziel des CFROI ist die Ermittlung der Rentabilität des operativen Geschäfts eines Unternehmens.Siegfried G. Häberle (Hrsg.): Das neue Lexikon der Betriebswirtschaftslehre. 2008, S. 186. Ein Mehrwert wird geschaffen, wenn der CFROI höher ist als die durchschnittliche Kapitalverzinsung nach den Weighted Average Cost of Capital.
Die Anforderungen der Konsistenz von Kennzahlen verlangt, dass Zähler und Nenner in einer sachlich sinnvollen Beziehung zueinander stehen. Dies ist gewährleistet, wenn bei der Betrachtung einer Erfolgsgröße der dabei verwendete Kapitaleinsatz herangezogen wird. Darüber hinaus wird die erwirtschaftete Rendite regelmäßig der geforderten Rendite der Kapitalgeber (Kapitalkosten) gegenübergestellt. Ein konsistenter Vergleich von Kapitalrenditen und Kapitalkosten sollte sich auf eine einheitliche Abgrenzung des betrachteten Kapitaleinsatzes sowie eine einheitliche Berücksichtigung von Steuern stützen.
Gesamtkapitalrendite Traditionell wird die Kapitalrendite auf Grundlage des in der Bilanz ausgewiesenen Gesamtkapitals berechnet. Das Gesamtkapital verteilt sich auf Eigentümer und Fremdkapitalgeber, demzufolge muss bei der Erfolgsgröße im Nenner ein Erfolg vor Zinsen abgebildet werden. Erfolgsgrößen vor Zinszahlungen beschreiben in einer Periode eine Vermögensmehrung für alle Kapitalgeber.
Beispiel Apple Inc. verfügte Ende 2019 über ein Gesamtkapital von 338,5 Mrd. US-Dollar (USD). Der Jahresüberschuss inklusive des gezahlten Zinsaufwands belief sich im Jahr 2019 auf 58,8 Mrd. USD. Daraus errechnet sich eine Gesamtkapitalrendite von 58,8/338,5 = 17,4 %.
Würdigung Die Gesamtkapitalrendite lässt sich einfach und schnell aus den (veröffentlichten) Unternehmensdaten eines Unternehmens berechnen. Die Aussagekraft der Gesamtkapitalrendite ist jedoch in vielen Fällen eingeschränkt:
Nicht-betriebliche Bestandteile: Sowohl die Erfolge als auch die Kapitalgrößen enthalten nicht-betriebsnotwendige Bestandteile. Als nicht-betriebsnotwendiges Vermögen bezeichnet man Vermögenswerte, die jederzeit veräußert werden können, ohne die betriebliche Leistungserstellung zu beeinträchtigen und den Betriebszweck zu gefährden. Hierbei handelt es sich regelmäßig um nicht-betriebsnotwendige Finanzanlagen (kurzfristig, langfristig), nicht-betriebsnotwendige Kassenbestände und ggf. auch nicht-betriebsnotwendige Immobilien. Demzufolge handelt es sich bei der Gesamtkapitalrendite um eine Mischrendite auf das betriebliche und nicht-betriebliche Vermögen. Auf die Erfolge aus dem nicht-betriebsnotwendigen Vermögen hat das Management eines Unternehmens jedoch kaum Einfluss, sie werden vornehmlich von der Entwicklung auf den Finanz- oder Immobilienmärkten getrieben. Folglich eignet sich die Gesamtkapitalrendite weniger dazu, die Performance des Managements in einer Rechnungsperiode zu beurteilen. Der Vergleich der Gesamtkapitalrendite von verschiedenen Unternehmen wird beim Betriebsvergleich ebenfalls durch die nicht-betrieblichen Bestandteile verzerrt. Kapitaleinsatz zu Buchwerten: Die Bilanzansätze (Buchwerte) des Vermögens entsprechen kaum dem tatsächlich gebundenen Vermögen der Kapitalgeber. Die Rechnungslegung wurde für Unternehmen des Industriezeitalters entwickelt. Viele Unternehmen (insbesondere aus dem Dienstleistungssektor) verfügen jedoch auch über bedeutsames Vermögen in Form von Markennamen, Humankapital, selbst geschaffenes Software, Lizenzen, Kundenbindung etc. Dieses immaterielle Vermögen wird häufig aufgrund mangelnder Quantifizierung in den Bilanzen nicht oder nicht angemessen erfasst. Darüber hinaus wird das eingesetzte Vermögen gemäß Vorsichtsprinzips eher zu niedrig ausgewiesen. So betragen die Marktwerte der Unternehmen im Deutschen Aktienindex DAX in etwa das 3-fache ihrer Buchwerte. In der Folge überschätzt die Gesamtkapitalrendite regelmäßig die tatsächliche Rendite auf das aktuell zu Marktwerten gebundene Kapital der Kapitalgeber.
Operative Kapitalrenditen mini|439x439px|Abgrenzung der betrieblichen Ebene bei Erfolg und Kapitaleinsatz mini|666x666px|Unterschiedliche Berechnungen des betriebsnotwendigen Vermögens Aufgrund der Schwächen der Gesamtkapitalrendite werden heute vorwiegend operative Kapitalrenditen berechnet. Dabei werden ebenfalls betriebliche Ergebnisse vor dem Zinsergebnis () herangezogen. Zu beachten ist hierbei, dass sich hier das „before interest“ nicht nur auf die gezahlten Zinsen, sondern umfassender auf das gesamte Finanzergebnis bezieht. Es werden mithin auch Zinserträge oder das Beteiligungsergebnis ausgeblendet. Betriebliche Ergebnisse wie das EBIT oder das NOPAT offenbaren die Ertragskraft im originären Geschäft eines Unternehmens und sind Ausdruck der Fähigkeiten des Managements und der Positionierung des Unternehmens im Wettbewerb. Auf das Finanzergebnis (Zinsergebnis und Beteiligungsergebnis) hat das Management hingegen kaum Einfluss. Operative Ergebnisse werden von der Finanzierung des Unternehmens nicht beeinflusst oder – anders formuliert – sie sind unabhängig von der Kapitalstruktur des Unternehmens. Bei Betrachtung des EBIT im Zähler des ROI handelt es sich dann um eine Kapitalrendite vor Steuern bzw. bei Betrachtung des NOPAT um eine Kapitalrendite nach Steuern.
Kapitalrenditen vor Steuern (auf Basis des EBIT-Ergebnisses) eignen sich eher für die Beurteilung der Performance des Managements und sind international besser vergleichbar (Steuerquoten können sich erheblich unterscheiden). Kapitalrenditen nach Steuern zeigen dagegen realistischer die endgültige Rendite für die Kapitalgeber auf, da Steuern zweifellos abfließen und keine Werte schaffen. Kapitalrenditen nach Steuern (auf Basis des NOPAT-Ergebnisses) werden deshalb regelmäßig im Rahmen der wertorientierten Unternehmenssteuerung eingesetzt.
Die Identifikation der betrieblichen Ergebnisse fällt recht leicht, da die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) eine Spaltung der Ergebnisse in betriebliche (Betriebsergebnis) und nicht-betriebliche Bestandteile (Finanzergebnis) vorsieht. Hierbei ist zu beachten, dass die Rechnungslegung nicht auf eine Ermittlung des nachhaltigen Erfolgs ausgelegt ist. Einmaleffekte oder außergewöhnliche Effekte können die ausgewiesenen Erfolge überlagern und sollten ggf. bereinigt werden.
Aus analytischer Sicht ist es allerdings problematisch, dass die Aufspaltung des Vermögens in der Bilanz nicht mit der Aufspaltung des Erfolgs in der GuV korrespondiert. Die Gliederung der Bilanz ist eher den Bedürfnissen der Gläubiger ausgerichtet (Gläubigerschutz). Die Einteilung in kurz- und langfristiges Vermögen bzw. Schulden ermöglicht eine sinnvolle Analyse der Zahlungsfähigkeit/Liquidität eines Unternehmens. Die Gliederung nach Fristigkeit korrespondiert aber nicht mit der Darstellung in der GuV. In der Erfolgsrechnung wird der Erfolg nach den Quellen des Erfolgs (Leistungsbereich, Finanzbereich) aufgespalten. Für sinnvolle Gegenüberstellung von Erfolg und Kapitaleinsatz muss die Bilanz entsprechend umgestellt werden. Dies verdeutlicht nebenstehende Abbildung.
Bei Verwendung von operativen Erfolgsgrößen wie dem EBIT oder dem NOPAT muss ebenfalls bedacht werden, dass die operativen Erfolge auch Finanzierungskosten aus unverzinslichen Verbindlichkeiten (erhaltene Anzahlungen, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen) enthalten. Die Vorfinanzierungen von Lieferanten machen sich in entsprechend höheren Rechnungsbeträgen bzw. Materialaufwand bemerkbar und vermindern die ausgewiesenen operativen Erfolge des Unternehmens. Eine konsistente Ermittlung der Kapitalgröße verlangt, dass die unverzinslichen Verbindlichkeiten dann nicht mehr als Teil des Fremdkapitals betrachtet werden sollten. Mit den reduzierten operativen Erfolgen muss nur noch ein entsprechend reduziertes Fremdkapital bedient werden. In die Berechnung von Kapitalgrößen sollte deshalb nur noch das verzinsliche Fremdkapital einfließen.