Die Ströer SE & Co. KGaA ist ein Konzern mit Sitz in Köln, der vor allem in Deutschland in den Bereichen Außenwerbung, Onlinewerbung, Dialogmarketing, E-Commerce und Cloud-basierter Software für die Arbeit mit Daten aktiv ist. Mit t-online.de, giga.de, kino.de und Watson.de ist Ströer auch im Bereich Informations- und Unterhaltungs-Medien aktiv.

Konzept und Struktur mini| Großbild Digitalwerbetafel in Dresden alt=|mini|Beispiel für einen vermarkteten Werbeträger: City-Light-Poster Die Unternehmensgruppe ist vor allem in DeutschlandStröer konzentriert sich auf die Heimat. In: Börsen-Zeitung, 11. November 2017. in drei Segmenten tätig: Im Bereich der Außenwerbung (traditionell und digital), der als der wichtigste der Unternehmensgruppe gilt,Außenwerber Ströer wächst rasant. In: Börsen-Zeitung, 12. August 2022. vermarktet und betreibt sie Werbeflächen und Stadtmöblierungselemente in Straßen und an Plätzen sowie an Gebäuden und Verkehrsmitteln. Zu diesen Werbeflächen und -installationen zählen beispielsweise Großflächen-Plakatwände, Litfaßsäulen, Groß-Uhren, City-Light-Poster oder Public-Video-Screens. Im Segment der Onlinewerbung und des Dialogmarketings vermarktet die Gruppe einerseits Werbeinhalte in eigenen und fremden Content-Umgebungen. Zu diesem Segment zählen eigene Webseiten wie t-online.de, giga.de oder kino.de sowie fremde Webseiten. Mit Watson.de betreibt die Ströer Next Publishing GmbH ein eigenes Nachrichtenportal.Jennifer Senninger: Digitale Retro-Werbung. In: Focus Money, 13. Februar 2019. Andererseits betreibt die Gruppe hier auch Callcenter und offeriert E-Mail-, Chat- oder Video-Chat-Dienste.„Ich halte Amazon für die deutlich gefährlichere Firma“. In: Werben & Verkaufen, Nr. 35-2017, 28. August 2017. Im Segment „Data as a Service“ und E-Commerce konzentriert sich die Gruppe auf die Online-Statistik-Plattform Statista und auf die Kosmetik-Marke und -Plattform AsamBeauty.Katrin Ansorge: „Als Außenwerber sind wir am weitesten – weltweit“. In: Horizont, 6–7 vom 10. Februar 2022.

Die Ströer SE & Co. KGaA ist eine Holding, die den Konzernverbund steuert und konzernweite Verwaltungs- und Serviceleistungen erbringt, etwa solche im Finanz- und Konzernrechnungswesen, in der Unternehmens- und Kapitalmarktkommunikation, bei den IT-Services, beim Konzerncontrolling und beim Risikomanagement sowie in Fragen von Recht und Compliance.Ströer SE & Co. KGaA: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2021 bis zum 31.12.2021. Veröffentlichung im Bundesanzeiger, 23. Mai 2022.

Zum Jahresende 2021 wurden neben der Holding weitere 83 deutsche und 42 ausländische Tochtergesellschaften per Vollkonsolidierung und fünf deutsche Joint Ventures sowie drei assoziierte Unternehmen per Equity-Methode in den Konzernabschluss einbezogen.

Eigentümer und Aktie Das Grundkapital per 13. Dezember 2023 beträgt 56.706.313 Euro. Die Anteile verteilten sich zu dem Stichtag wie folgt: Udo Müller (23,49 %) Dirk Ströer (20,03 %) ValueAct Holdings GP LLC (15,24 %) JPMorgan Chase (12,04 %) Allianz SE (9,17 %) Streubesitz (19,43 %)

Bei den Aktien handelt es sich um nennwertlose Inhaberstammaktien. Die ISIN lautet DE0007493991, die WKN lautet 749399, das Börsenkürzel ist SAX.Stammdaten der Aktie, Abruf am 21. November 2022. Der Börsengang fand am 15. Juli 2010 statt.Ströer glückt der Sprung an die Börse. In: Frankfurter Neue Presse, 16. Juli 2010. Seit Juni 2020 zählte die Aktie zum MDAX,Lufthansa verlässt Dax. Deutsche Wohnen rückt auf – Ströer ersetzt Deutsche Pfandbriefbank im MDax. In: Börsen-Zeitung, 6. Juni 2020. dem sie bereits von Dezember 2015Aufstieg in MDax beflügelt die Aktie von Covestro. In: Rheinische Post, 5. Dezember 2015. bis September 2018 angehört hatte. Zum 22. Juni 2026 wurde die Ströer-Aktie aus dem MDAX genommen und notiert seither im SDAX.

Zahlen Kennzahlen der Unternehmensgruppe: 2019Ströer SE & Co. KGaA: Jahres- und Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2020. Erschienen im Bundesanzeiger, 12. Juli 2021. 2020 2021 2022 2023 2024 Umsatz (in Mrd. €) 1,591 1,442 1,627 1,772 1,914 2,047 EBITDA (in Mio. €) 504,0 430,2 507,3 542,2 568,8 625,5 Dividende je Aktie (in €) 2,00 2,00 2,00 2,25 1,85 2,30 Mitarbeiter 12.210 10.003 10.079 10.576 11.504 11.858

Geschichte 1990–2010 Seit 1964 betrieb Heinz W. (Heiner) Ströer (1938–2004) ein Unternehmen für Außenwerbung.Friedemann Siering: Ströer lässt leuchten. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 31. März 2001.Ulrike Süsser: Ströer baut Display-Manufaktur und mehr. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 12. September 2019. Gemeinsam mit Udo Müller gründete er 1990 die Ströer City Marketing, an der Ströer und Müller jeweils 50 Prozent der Anteile hielten. Dieses Unternehmen, Keimzelle der heutigen SE & Co. KGaA, wurde 2002 in die Ströer Out-of-Home Media AG umgewandelt.

Ende 2003 gelang für 270 Mio. Euro die Übernahme der 1922 gegründeten Deutsche Städte-Medien GmbH (DSM). Bis dahin hatten dort 28 Großstädte die Anteile des Marktführers gehalten. 2005 folgte für 140 Mio. Euro der Kauf der Deutschen Eisenbahn-Reklame (DERG, mittlerweile Ströer DERG Media GmbH).Burkhard Riering: Werbekonzern Ströer ist am Ziel. Kölner Außenwerber siegt im Bieter-Rennen um Bahntochter. In: Die Welt, 24. September 2005.

2010–2015 Seit Juli 2010 ist die Ströer-Aktie im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Im November 2011 erwarb Ströer die ECE flatmedia GmbH, eine Tochtergesellschaft der ECE und führender Betreiber von Anzeigeflächen in Einkaufszentren.

Ende 2012 stieg Ströer durch Kauf von vier Unternehmen in das Geschäftsfeld der Online-Werbung ein; drei der erworbenen Gesellschaften stammten aus dem Besitz eines Unternehmens, das Dirk Ströer (Sohn von Heiner Ströer) und Udo Müller gehörte.Ströer bricht zu neuen Ufern auf. In: Börsen-Zeitung, 18. Dezember 2012. Von ad pepper media übernahm Ströer 2014 mediasquares, einen Vermarkter im Bereich Produkt- und Dienstleistersuche mit Mandanten wie markt.de, billiger.de, gelbeseiten.de, telefonbuch.de und dasoertliche.de. Im August 2015 berichteten Medien über den Verkauf der Online-Plattform t-online.de und des Digitalvermarkters InteractiveMedia CCSP GmbH durch die Deutsche Telekom an Ströer; der Verkaufswert belief sich auf rund 300 Millionen Euro. 2015 erwarb Ströer auch den nationalen Digitalvermarkter regionaler Tageszeitungen in Deutschland, die OMS Vermarktungs GmbH.Ströer übernimmt Digitalvermarkter. In: Bonner General-Anzeiger, 16. September 2015. Ende des Jahres 2015 folgte schließlich der Kauf des Mehrheitsanteils an Statista.

Im Jahr 2014 hatte das Unternehmen seine Rechtsform von einer AG in eine SE gewandelt, im Jahr darauf folgte der Rechtsformwandel von einer SE in eine SE & Co. KGaA.Informationen in der Datenbank der Creditreform (Crefonummer: 5190366419), Stand: 31. Januar 2023.

Seit 2016 Am 21. April 2016 veröffentlichte der amerikanische Hedgefonds Muddy Waters einen Report, der die Geschäfte von Ströer heftig kritisierte. Der Aktienkurs fiel daraufhin zeitweilig um gut 30 %. Muddy Waters erklärte, Leerverkäufe der Ströer-Aktie getätigt und so von dem Einbruch profitiert zu haben, weshalb die Staatsanwaltschaft Frankfurt 2017 ein Ermittlungsverfahren gegen den Hedgefonds eröffnete. Da Muddy Waters gegen Veröffentlichungspflichten verstieß, hatte auch die Bafin eine Untersuchung angekündigt. In einer Stellungnahme kritisierte Ströer das Vorgehen von Muddy Waters scharf. Eineinhalb Jahre später galt das Vertrauen des Kapitalmarkts als wieder hergestellt.Thorben Lippert: Portal und Plakat. In: Focus Money, 20. September 2017.

Im Juli 2016 stieg Ströer mit 51 Prozent bei BHI Beauty & Health Investment Group Management ein, einem Digital-Commerce-Unternehmen mit wesentlicher Beteiligung am Kosmetikanbieter Asam.Werber Ströer baut Kosmetik aus. In: Börsen-Zeitung, 9. Juli 2016. Zwei Monate später übernahm Ströer für 4,5 Mio. Euro die niederländische Versandapotheke Vitalsana und den dazugehörigen – in Baden-Württemberg ansässigen – Pharmagroßhändler ApDG, beides ehemalige Schlecker-Töchter. Ströer verfolgte damit unter anderem das Ziel, seine Kosmetik-Eigenmarken direkter vertreiben zu können. Vitalsana ging ein Jahr später an die Muttergesellschaft von DocMorris.Ströer verkauft Online-Apotheke. In: Börsen-Zeitung, 24. November 2017.

Die Möglichkeiten des Dialogmarketings erschloss Ströer 2017 durch Kauf von Avedo und der Ranger-Gruppe. Anfang 2018 kamen in diesem Callcenter- und Haustürgeschäftsbereich zwei weitere Akquisitionen hinzu: DV-Com und D+S 360. Ströer setzt auf Dialogmarketing. In: Börsen-Zeitung, 30. Januar 2018.

Bereits Ende 2017 hatte Ströer die UAM Media Group übernommen, die Edgar Freecards vertreibt und mehr als 10.000 digitale Werbebildschirme einbrachte.

Hamburg, Ströer und der Wettbewerber Wall vereinbarten 2018, auf digitalen Werbeflächen im Stadtgebiet bei Bedarf Bevölkerungsschutzwarnungen auszuspielen. Seit 2020 setzt das Unternehmen auch Anwendungen ein, die Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Bereich der Außenwerbung berücksichtigen, beispielsweise begrünte Bushaltestellen oder Litfaßsäulen, Freya Dieckmann: Eine Litfaßsäule in Grün. In: Kölnische Rundschau, 25. März 2022. klimaneutrale Kampagnen sowie luftreinigende oder recycelte Materialien.Tom Sprenger: OOH: Diesen Nachhaltigkeitskonzepten gehört die Zukunft in der Außenwerbung. In: horizont.net, 13. November 2022.

Kritik Die Börsen-Zeitung kritisierte 2012 den Kauf von drei Unternehmen, die Dirk Ströer und Udo Müller gehörten, diese Transaktion habe „viel Gschmäckle“.Viel Gschmäckle bei Ströer. In: Börsen-Zeitung, 18. Dezember 2012. Dieselbe Zeitung wies Mitte 2018 darauf hin, dass Aktionärsschützer eine „fehlende Unabhängigkeit des Aufsichtsrats“ bemängelt hätten, dieser sei von Freunden und Familienmitgliedern der Konzernleiter geprägt.Siehe Antje Kullrich: Immer unter Strom zurück auf der Erfolgsspur. in: Börsen-Zeitung, 1. Juni 2018.

Im Wahlkampf 2021 buchte David Bendels’ Conservare Communications GmbH eine gegen Bündnis 90/Die Grünen gerichtete Kampagne unter anderem auf Plakatflächen des Unternehmens, welche die Partei in Verbindung mit „Wohlstandsvernichtung“, „Klimasozialismus“ und „Ökoterror“ brachte. Ströer wurde für das Annehmen der Kampagne von vielen Seiten kritisiert und verteidigte die Entscheidung damit, dass man keine Zensur vornehme, solange eine Kampagne sich im rechtlichen Rahmen bewege.

Wegen der Platzierung von Werbeplakaten für Tabakprodukte in der Nähe von Kindergärten und vor Schulen geriet das Unternehmen vielerorts in die Kritik, so in Mainz 2019 und 2020. Die Fraktion der SPD im Ortsbeirat Mainz-Altstadt kritisierte dabei Verstöße auf Werbeplakaten, die unter anderem Tabakwerbung und sexistische Botschaften zum Inhalt gehabt haben sollen.Hauck, Bastian (2019): Wirbel um Tabakwerbung vor Mainzer Kindergarten In: Mainzer Allgemeine Zeitung vom 20. Mai 2019.Beckert, Heiko (2020): Ortsbeirat Mainz-Altstadt weist Ströer in die Schranken In: Mainzer Allgemeine Zeitung vom 24. Juni 2020. mini|Tabakwerbung auf einer Ströer Media Werbetafel direkt vor einer Schule (2020)

Weblinks

Website der Ströer SE & Co. KGaA

Einzelnachweise

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