mini|Patrouille de France auf der ILA Berlin mini|Die Lo-100 wurde 1952 vorgestellt und blieb bis Ende der 1980er-Jahre das Segelkunstflugzeug schlechthin. Heute wird die Vollacroklasse von Swift und Fox dominiert.
Kunstflug ist eine mit einem Luftfahrzeug ausgeführte Flugbewegung oder -figur, die für den Normalflug nicht erforderlich ist. Damit verbunden sind oft anomale Fluglagen und Fluggeschwindigkeiten sowie spezielle Flugmanöver wie beispielsweise Formationsflüge.
Mit dem Wort „Kunstflug“ wurden in der Frühzeit der Fliegerei alle durch den Menschen unternommene Flugversuche bezeichnet, als Gegensatz zum natürlichen Flug der Vögel. Siehe dazu Geschichte der Luftfahrt. Die gesetzlichen Bestimmungen definieren Kunstflug (in FCL.010 der Verordnung (EU) Nr. 1178/2011) als „ein absichtliches Manöver in Form einer abrupten Änderung der Fluglage eines Luftfahrzeugs, eine abnorme Fluglage oder eine abnorme Beschleunigung, die für einen normalen Flug oder für die Unterweisung für Lizenzen oder Berechtigungen außer der Kunstflugberechtigung nicht notwendig sind“.
Die lizenzrechtlichen Voraussetzungen für Kunstflug sind Bestandteil der EU.FCL-Richtlinien, das heißt Ausbildung und Lizenzierung für Kunstflug sind europaweit gleich geregelt. Danach bedürfen Flugzeug-, Hubschrauber- und Segelflugzeugführer für Kunstflüge nach § FCL.800 der europäischen Verordnung (EU) Nr. 1178/2011 eine entsprechende Kunstflugberechtigung, zu deren Erteilung eine mindest 5-stündige theoretische und praktische Kunstflugausbildung zu absolvieren ist., abgerufen am 10. August 2015
Kunstflug wird auch mit geeigneten ferngesteuerten Flugmodellen durchgeführt.
Rechtsgrundlagen Die Voraussetzungen für Kunstflüge in Deutschland sind durch die Verordnung (EU) Nr. 1178/2011 (FCL.010 & FCL.800) und die dazugehörige AMCAcceptable means of compliance (AMC) FCL.800, die Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (), Paragraph SERA.3130 der Standardised European Rules of the Air (SERA) und die vom 29. Oktober 2015 geregelt:
§ 14 Durchführung von Kunstflügen
§ 21 Flugverkehrskontrollfreigabe für Kunstflüge
§ 44 Ordnungswidrigkeiten
Erwerb der Berechtigung: seit 8. April 2014 europaweit gleich durch EU VO 1178/2011 FCL.800 geregelt.
Die früheren Einschränkungen nach § 122 der Verordnung über Luftfahrtpersonal bezüglich „Passagierkunstflügen“ sind entfallen.
Motorkunstflug mini|hochkant|Kunstflugstaffel aus der Schweiz mini|Vier Doppeldecker in Formation, ILA 2006
Der Kunstflug wird von Sportfliegern als eigene Sportart betrieben, mit Meisterschaften nach Regeln der FAI und der CIVA, mit nationaler und internationaler Wertung. Eine Kunstflugausbildung kann aber auch ohne Absicht einer Wettbewerbsteilnahme als Weiterbildung der fliegerischen Fertigkeiten durchgeführt werden und dient der Verbesserung der Flugsicherheit, da sie die Fähigkeiten des Piloten zur Ausleitung ungewöhnlicher Fluglagen (zum Beispiel ungewolltem Trudeln) verbessert.
Kunstflugfiguren und komplette Programme werden für den Wettbewerbskunstflug mit einem speziellen System von Symbolen, benannt nach dem Erfinder, dem spanischen Grafen J. Aresti, dargestellt. Jeder Figur ist dabei auch ein Schwierigkeitsgrad (der K-Wert) zugemessen, der bei einem Wettbewerb in die Bewertung einfließt. Der Aresti-Katalog enthält aber nur Figuren, die im Kunstflugwettbewerb zugelassen sind. Es gibt zahlreiche weitere Figuren wie zum Beispiel die Fassrolle oder die an Flugschauen gern gezeigten gyroskopischen Figuren wie den Lomcovák, die im Aresti-Katalog nicht enthalten sind (und folglich im Wettbewerb auch nicht zugelassen).
Zu den in Wettbewerben erlaubten Kunstflugfiguren gehören unter anderem: Immelmann, Looping, Trudeln, Rolle, gerissene Rolle, Rückenflug, Turn, Rollenkreis, Torquen sowie Loopingacht, auch Kubanische Acht oder Kubanacht genannt. Um ein Kunstflugprogramm zu fliegen, werden verschiedene Figuren miteinander kombiniert. So kann beispielsweise eine Figur aus den folgenden Elementen bestehen: Vertikalflug, Rolle, gerissene Rolle, Turn, und dann im senkrechten Flug nach unten zwei gerissene Rollen.
Auf internationalen Wettbewerben konnten unter anderem die Piloten Erwin Bläske (Weltmeister Einzel und Mannschaft 1968), Klaus Schrodt (Weltmeister Unlimited 2002, Weltmeister Freestyle 2001–2005) und Matthias Dolderer Siege erzielen.
Die einzigen Flugzeuge weltweit, auf denen sämtliche Unlimited-Manöver doppelsitzig trainiert werden können, sind die Konstruktionen Extra 300, XtremeAir XA42 sowie Jak-54.
Einer der ersten beim Kunstflug Gestorbenen war der deutsche Konstrukteur Hermann Hofmann. Er verunglückte beim Europarundflug 1929 tödlich, als er mit seiner Arado L I über dem Flugplatzgelände Kunstflug präsentierte.
Segelkunstflug mini| Eine Swift S-1 bei einer Vorführung in Kemble
1932 zeigte Willi Farner am internationalen Flugmeeting von Zürich ein Kunstflugprogramm auf dem selbst gebauten Typ W.F. 5. Laut Angaben aus Grenchen, dem Ort seines beruflichen Wirkens, war dies eine Weltneuheit.Willy Farner auf dem Wiki der Stadt Grenchen
Im Segelkunstflug finden, analog zum Motorkunstflug, Meisterschaften nach Regeln der FAI mit nationaler und internationaler Wertung statt. Daneben finden in Deutschland jährlich Doppelsitzerwettbewerbe in Blumberg und Meschede-Schüren sowie Vereinsmeisterschaften (Salzmann-Cup) statt.
Beim Kunstflug mit Segelflugzeugen ist die Ausgangshöhe ein wesentlicher Faktor: Die 1000 Höhenmeter der Box (Luftraum, in der die Flugfiguren ausgeführt werden) müssen ausreichen, um das Programm von in der Regel 10 Figuren abzufliegen. Das Energiemanagement spielt beim Segelkunstflug damit eine zentrale Rolle.
Daher wird das Flugprogramm so zusammengestellt, dass sich die Figuren möglichst flüssig aneinanderreihen lassen. Im Idealfall ist dann die Endgeschwindigkeit jeder Figur gleich der gewünschten Anfangsgeschwindigkeit der nächsten. Neigungsänderungen zwischen den Figuren zur Korrektur der Geschwindigkeit werden im Wettbewerb mit Abzügen bestraft. Der Pilot muss auch beachten, nicht durch unsauberes Fliegen, zu hohe Geschwindigkeiten oder unnötig hohe g-Belastungen (Fliehkräfte beim Aufziehen bzw. im Abfangbogen) Energie zu verschenken. Zu hohe g-Belastung kann zudem im Wettbewerb zu Abzügen führen, da beim Segelkunstflug eine harmonische Bewegung angestrebt wird. In die Bewertung fließt schließlich auch noch eine allgemeine Harmonienote ein.
Ein weiterer Unterschied zum Motorkunstflug ist das Fehlen des Propellerwindes, wodurch manche Figuren schwieriger zu fliegen sind. Weiterhin können keine Figuren geflogen werden, die auf der Kreiselwirkung des Propellers beruhen (gyroskopische Figuren).
Ausbildung (Deutschland) Um die Berechtigung zum Segelkunstflug in Deutschland zu erlangen, benötigt man nach dem Gesetz mindestens 40 Flugstunden oder 120 Starts nach Erhalt der Segelfluglizenz. Die Kunstflugausbildung muss mindestens 5 Stunden oder 20 Starts betragen, wobei die Schleppzeit eingerechnet wird. Die Ausbildung muss folgende Figuren umfassen:
Überschlag (= Looping) Turn gesteuerte Rolle hochgezogene Rollenkehre Aufschwung Rückenflug Trudeln
Der Ablauf der Ausbildung ist nicht gesetzlich festgeschrieben, es gibt dazu aber eine englischsprachige Acceptable means of compliance (AMC)Acceptable means of compliance (AMC) der EASA und Empfehlungen des Deutschen AeroclubsDeutscher Aeroclub: Empfehlungen für die Ausbildung im Segelkunstflug, PDF 174.7 KB, abgerufen am 2. April 2009.
Obwohl es im Gesetz nicht vorgeschrieben ist, findet die Ausbildung in der Regel im Rahmen eines Lehrgangs statt. Manche Ausrichter verlangen für die Zulassung zum Lehrgang eine Flugerfahrung von 100 bis 150 Stunden. In der Regel wird Kunstflug mit F-Schlepp oder mit Hohenwindenstart (mindestens 2000 m Seillänge) durchgeführt.
Ausbildung (Schweiz)
In der Schweiz ist seit dem Anpassungsprozess an die Richtlinien der EASA für den Erwerb der Kunstflugerweiterung eine Mindestflugerfahrung von 40 Flugstunden oder 120 Starts nach Erhalt der Segelfluglizenz erforderlich. Die Kunstflugausbildung kann mit jedem Segelfluglehrer gemacht werden, der selber im Besitz der Kunstflugerweiterung ist. Dabei umfasst die Ausbildung einen für die Berechtigung angemessenen theoretischen Unterricht und eine praktische Flugerfahrung von mindestens 5 Stunden oder 20 Flügen mit der entsprechenden Luftfahrzeugkategorie.
Die Kunstflugausbildung erfolgt in der Schweiz zweistufig. Zuerst wird die Erweiterung für einfachen Kunstflug erworben, die es dem Piloten gestattet, Kunstflugmanöver mit positiver g-Belastung durchzuführen. Erst danach kann er die Erweiterung für höheren Kunstflug erwerben, die auch das Fliegen von Rollen, Rückenflug und allgemein negativen Manövern erlaubt.
Zum Erwerb der Erweiterung für einfachen Kunstflug müssen in zwei Flügen folgende Figuren geflogen werden: je 1 Vrille (= Trudeln) von 3 Umdrehungen links und rechts je 2 Renversements (= Turns) links und rechts 2 Loopings je eine Steilspirale mit 3 Kreisen in maximal 30 Sekunden links und rechts jeder Flug ist mit einer Ziellandung zu beenden Die Prüfung wird vor einem Experten abgelegt, die Erweiterung wird in die Lizenz eingetragen. Das Prüfungsprogramm ist im Gesetz festgelegt (RFP),RFP Art. 152 RFP der Ablauf der Ausbildung ist aber nicht vorgeschrieben, sondern es existiert lediglich eine Richtlinie des BAZL.Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt:
Die Ausbildung für den Erwerb der Erweiterung für höheren Kunstflug umfasst Rückenflug (geradeaus und Kurven), gesteuerte Rolle, Immelmann, Retournement und eine Gefahreneinweisung für Orientierungsverlust im Rückenflug. Der Inhalt dieser Ausbildung ist nicht gesetzlich festgelegt, sondern steht in einer Weisung des BAZL. Die Ausbildung wird vom Fluglehrer im Flugbuch bestätigt, sobald dieser das verantworten kann. Ein Prüfungsflug findet nicht statt.RFP Art. 153 RFP
Leistungsabzeichen In Deutschland verleiht die Sportfachgruppe Segelflug/Motorflug des Deutschen Aero Clubs seit 2001 bronzene, silberne und goldene Leistungsabzeichen Segelkunstflug mit dem Ziel, eine breitere sportliche Basis im deutschen Segelkunstflug zu schaffen. Während das bronzene und silberne Leistungsabzeichen auch im Alleinflug mit Schulungsdoppelsitzern wie der ASK 21 erflogen werden kann, sind die Anforderungen beim goldenen Leistungsabzeichen denen einer Kür der Unlimited-Klasse ähnlich.Leistungsabzeichen Segelkunstflug (DAeC) - EinleitungLeistungsabzeichen Segelkunstflug (DAeC) - BronzeLeistungsabzeichen Segelkunstflug (DAeC) - SilberLeistungsabzeichen Segelkunstflug (DAeC) - Gold
In Österreich werden entsprechende Leistungsabzeichen vom Österreichischen Aero Club und in der Schweiz vom Segelflugverband der Schweiz verliehen.Leistungsabzeichen Segelkunstflug (SAGA)
Hubschrauberkunstflug Flugvorführungen mit Hubschraubern sind eine jüngere Form des Kunstfluges. Zu den ersten Staffeln, die den Hubschrauberkunstflug professionell betrieben, gehörten 1968 die britischen Blue Eagles. Die Flugmanöver unterscheiden sich deutlich von denen der Flugzeuge, was vor allem an der größeren Wendigkeit der Hubschrauber liegt. So gehören der Rückwärtsflug oder der Schwebeflug zum Standardrepertoire bei Flugvorführungen mit Hubschraubern. Solche Vorführungen werden oft auch als Helikopterballett bezeichnet.
Herkömmliche Kunstflugfiguren, also Rollen, Loopings etc. dürfen nur mit wenigen Modellen geflogen werden. Hier wird häufig die Bo 105 eingesetzt, da deren gelenkloser Rotorkopf – ein empfindliches Glied bei solchen Manövern – besonders stabil ausgelegt ist. Bei den Flugfiguren müssen die Piloten auch beachten, dass die elastischen Rotorblätter nicht mit dem Heckausleger kollidieren.
Hängegleiter- und Gleitschirmkunstflug Eine ebenso junge Form des Kunstfluges ist die Akrobatik mit Hängegleitern und Gleitschirmen. Seit 2006 werden auch Weltmeisterschaften in Hängegleiter- und Gleitschirmakrobatik durchgeführt.
Militärischer Kunstflug