Vielbrunn ist ein Stadtteil von Michelstadt im südhessischen Odenwaldkreis. Er war ein anerkannter Odenwälder Luftkurort.

Geographie mini|Teilansicht von Vielbrunn, 2010

Geographische Lage Vielbrunn liegt im Buntsandstein-Odenwald, ca. 10 km nordöstlich von Erbach und 7,7 km nordöstlich der Kernstadt. Das Gebiet des Stadtteils besteht aus der Gemarkung Vielbrunn mit einer Fläche von 2422 Hektar, davon sind 524 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, 1843 Hektar Wald (77 %), 34 Hektar Hof- und Gebäudefläche, der Rest sind Wege- und Wasserflächen. Von der Waldfläche entfallen auf Kleinprivatwald 53 Hektar, Großprivatwald 1664 Hektar und Gemeindewald 125 Hektar. Damit hat Vielbrunn die größte Gemarkung des Odenwaldkreises. Die Ortslage befindet sich auf 380 bis . Die Gemarkung erstreckt sich von dem Höhenzug, der als Wasserscheide das Mümlingtal im Westen vom Mudtal im Osten trennt, bis zur hessisch-bayerischen Landesgrenze. Die höchste Erhebung liegt mit 484 Metern an der südlichen Gemarkungsgrenze im Felgenwald. Der tiefste Punkt liegt im Nordosten an der bayerischen Grenze in der Nähe des Weilers Brunnthal auf 176 Meter Höhe. Der Hauptteil der Gemarkung einschließlich der Ortslage entwässert nach Osten über den Ohrenbach in Richtung Mud und Main. Lediglich der kleine Teil westlich der Wasserscheide entwässert Richtung Mümling. In der Gemarkung liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze: Gehöftgruppe Bremhof Gehöftgruppe Brunnthal Geyers-Mühle Forsthaus Hainhaus

Vielbrunn ist über die Landesstraße 3318 erreichbar, die von Bad König kommend weiter zum Main in das bayrische Weilbach verläuft. Außerdem führt die L 3349 zwischen Breitenbrunn bzw. Haingrund (beide Gemeinde Lützelbach) und Eulbach nach Vielbrunn. Des Weiteren besteht mit der K94 ein Zubringer zur B469 Richtung Aschaffenburg.

Nachbardörfer, -gemeinden und -kreise Die Gemarkung grenzt im Norden an den Ortsteil Haingrund der Gemeinde Lützelbach, im Osten an die Stadt Klingenberg, die Marktgemeinden Laudenbach, Kleinheubach, die Gemarkung von Mainbullau in der Stadt Miltenberg, die Marktgemeinde Weilbach und an einen kurzen Gemarkungsabschnitt der Stadt Amorbach (die sechs letztgenannten Orte zum Landkreis Miltenberg in Bayern gehörend), im Süden an die Gemarkungen von Würzberg und Weiten-Gesäß innerhalb der Stadt Michelstadt sowie im Westen an die Stadt Bad König mit dem Nachbardorf Kimbach.

Dorfgliederung mini|Die Wetterwarte Vielbrunn Zu Vielbrunn gehören folgende Weiler: Bremhof Brunnthal Geiersmühle (auch Geyersmühle) Hainhaus Ohrnbach (hessischer Teil)Nur ein kleiner Teil westlich der Landesgrenze des heutigen Weilbach-Ohrnbachs gehört als Weiler nach Vielbrunn.

Klima In Vielbrunn befindet sich die Wetterwarte Michelstadt-Vielbrunn des Deutschen Wetterdienstes. Sie wurde als Nachfolge der aufgelösten Wetterstation Darmstadt eingerichtet. Seit 1. Dezember 2011 ist es eine automatische Wetterstation. Sie befindet sich auf einer Höhe von 453,1 Metern. Im Hessischen Rundfunk gehört Vielbrunn zu der Handvoll Wetterstationen, deren Daten im Wetterbericht genannt werden.hr-text - Videotext online: Wetterlage in Hessen

Geschichte Ortsgeschichte

Die römische Vergangenheit des Gebietes von Vielbrunn bezeugen das Kastell Eulbach, das Kastell Hainhaus und archäologische Reste von römischen Militärlagern der älteren Odenwaldlinie des Neckar-Odenwald-Limes. mini|Der historische Dorfbrunnen, 2010 Die älteste erhaltene Erwähnung von Vielbrunn stammt von 1012 unter dem Namen Villebrunnen. Die Schreibung Fulbronn, Fulbron und Fülbrünn kommt in Urkunden von 1432 und 1468 vor. In Schriften des 18. Jahrhunderts heißt der Ort Villbronn. Vielbrunn liegt auf dem sich von Eulbach nach Obernburg hinziehenden Bergrücken, der in der Beschreibung des Odenwälder Bannforstes von 1012 den Namen Nobbenhuson führt. Dieser Name hat sich bis heute erhalten, denn ein Felddistrikt in der Gemarkung Vielbrunn führt jetzt noch den Namen Zobbenhausen. Auf dem Höhenrücken entlang in nördlicher Richtung befindet sich das Hainhaus (bis 1432 führte es den Namen Bentzenburg). Zu Vielbrunn gehört weiterhin der sehr alte Weiler Bremhof, dessen Name sich von dem Bach Branbach ableitet, welcher ein alter Grenzverlauf des Odenwälder Bannforstes darstellt. Der kleine Weiler Brunnthal, im 15. Jahrhundert Brontall und Borntal genannt, zählt ebenfalls zu Vielbrunn. Er befindet sich in dem Tal gleichen Namens, das von der Vielbrunner Höhe direkt zum Main hinunter zieht und bei Laudenbach endet. Unterhalb Bremhof, früher auch Baschtelshof genannt, beginnt das Geyerstal. 1432 hieß es Geyersnest, gleich zu Anfang desselben entspringt der Hangenmüllersbrunnen. Direkt an der Quelle war die Hangenmühle, früher Hangende Mühle genannt, gebaut. Diese wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von der Gemeinde Vielbrunn gekauft, die Gebäude wurden abgebrochen und das Wasserwerk, sowie die Vielbrunner Wasserleitung gebaut. Der Hangenmüllersbrunnen ist der Ursprung des Geyersbaches, der in seinem Lauf durch das Geyerstal mehrere dort entspringende Brunnen aufnimmt. Er fließt an der Geyersmühle vorbei und vereinigt sich mit dem Vielbrunner Bach zum Ohrenbach, im Jahr 1012 Maranbach und 1432 Ornbach genannt. Nur der kleinste Teil des gleichnamigen früheren Dorfes zählte zur Gemeinde Vielbrunn, das größte Gebiet gehörte zu Bayern. Von diesem Teil des Dorfes (hessisch) steht heute nur noch eine Scheune aus Sandstein unmittelbar an der Landesstraße. Auf der Höhe zwischen Vielbrunn und dem Sansenhof, am oberen Ende des von Westen her kommend bei Ohrnbach dem Ohrenbachtal zumündenden Walberntales, liegt die Quelle des Walbernbachs. Sie wird im Jahr 1012 Wallenbronno und 1432 Walborn genannt. Im Jahr 1012 ist sie als Grenzpunkt des Odenwälder Bannforst erwähnt, und noch heute ist der in den Ohrenbach mündende Walbernbach Grenzgewässer zwischen Hessen und Bayern.

Vielbrunn gehörte zur Herrschaft Breuberg und kam mit dieser 1806 an das Großherzogtum Hessen. Nach Auflösung der alten Amtsstruktur und Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung 1822 fiel der Ort in den Zuständigkeitsbereich des Landgerichts Höchst, ab 1853 in den des Landgerichts Michelstadt und nach der Reichsjustizreform von 1877 ab 1879 in den des Amtsgerichts Michelstadt.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. August 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Vielbrunn im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in der Stadt Michelstadt eingemeindet. Wie für alle nach Michelstadt eingegliederten Gemeinden wurde auch für Vielbrunn ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und genauer Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Vielbrunn angehört(e):

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, je zur Hälfte Grafschaft Erbach (Erbach-Schönberger Linie), Herrschaft Breuberg und Fürstentum zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort, Zent Lützelbach ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Breuberg (zur Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim gehörig) ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung. (Souveränitätslande), Provinz Starkenburg, Amt Breuberg (zur Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim gehörig) ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk BreubergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Höchst) und Verwaltung. ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Neustadt ab 1871: Deutsches Reich,Infolge des Deutsch-Französischischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Neustadt ab 1874: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis ErbachIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Erbach ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Stadt MichelstadtAm 1. August 1972 als Ortsbezirk zur Stadt Michelstadt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Vielbrunn 1306 Einwohner. Darunter waren 54 (4,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 240 Einwohner unter 18 Jahren, 573 zwischen 18 und 49, 255 zwischen 50 und 64 und 264 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 564 Haushalten. Davon waren 153 Singlehaushalte, 174 Paare ohne Kinder und 180 Paare mit Kindern, sowie 42 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 126 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 363 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1730: 37 wehrfähige Männer und 3 Beisassen • 1961: 766 evangelische (= 77,39 %), 211 katholische (= 21,40 %) Einwohner

Religion Die Bevölkerung ist zum größten Teil evangelischen und zum geringeren katholischen Glaubens. Andere Religionen und religiöse Gruppen treten nur in kleinen Minderheiten auf. Zur Evangelischen Kirchengemeinde gehören neben den Pfarrort Vielbrunn auch das Nachbardorf Kimbach. Die Gemeinde verfügt mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus über ein Gemeindezentrum, betreibt einen Evangelischen Kindergarten und besitzt ein eigenes Pfarrhaus aus dem Jahr 1570. In der Evangelischen Kirche aus den Jahren 1495 (Turm) und 1730–34 (Schiff), finden allsonntäglich Gottesdienste statt. Ein weiterer Gottesdienstort ist die Kapelle 'Auf dem Gottesacker' in Kimbach. Es besteht seit 2001 eine aktive Partnerschaft mit der Evangelischen Kirchengemeinde Skaudvilė in der Rajongemeinde Tauragė in Litauen.Evangelische Kirchengemeinde Vielbrunn mit Kimbach

Die Katholische Pfarrei „Guter Hirte im Odenwaldkreis“ mit der Gemeinde Bad König-Vielbrunn besteht seit dem 1. Januar 2026. Ihre Vorgängerin in Vielbrunn war die am 1. Juli 1938 gegründete Pfarrei „Heilig Geist“ – Vielbrunn (Pfarrkuratie Vielbrunn – Hainhaus), die wiederum aus der 1905 gegründeten Pfarrkuratie König – Vielbrunn hervorging. Sie ist eine Gemeinde in der Diaspora, besteht also inmitten eines weitgehend evangelischen Umlandes. Die katholische Kirche „Heilig Geist“ entstand im Jahr 1974.Pfarrei Guter Hirte im Odenwaldkreis

Politik Ortsbeirat Für Vielbrunn besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Vielbrunn) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung gebildet. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat Erlenbach 54,72 %. Alle Kandidaten gehörten der Liste Wir für Vielbrunn an. Der Ortsbeirat wählte Anna Allmann zur Ortsvorsteherin.

Wappen Am 7. April 1970 wurde der Gemeinde Vielbrunn im damaligen Landkreis Erbach ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot über einem umgekehrten silbernen Sparren ein silberner Turm mit zweisäuliger Galerie.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Alte Vielbrunner Oberförsterei, 2010

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