mini|hochkant|Swingolf-Ball und -Schläger Swingolf ist eine ursprünglich französische, 1982 von Laurent de Vilmorin entwickelte Golfsportvariante mit vereinfachtem Regelwerk und geringeren Ausstattungsanforderungen (PDF; 2,33 MB) und somit ein einstiegsfreundlicher Freiluftsport. Die Aufgabe besteht darin, einen Hartschaumball mittels eines Universalschlägers und möglichst wenigen Schlägen über gemähte Spielbahnen in markierte Löcher zu befördern. Swingolf entwickelt sich besonders dort, wo Flächenknappheit die Entwicklung traditioneller Golfplätze erschwert.

Grundmerkmale mini|Der „Swing“ mini|Erste Übungsschläge am Netz;typischer Verpflegungsbollerwagen mini|hochkant|Vergleich des Flächenverhältnisses Golf und Swingolf Im Vergleich zum klassischen Golf gilt Swingolf als rustikaler. (PDF; 1,44 MB). Kennzeichnend sind mitgeführte, mit Proviant gefüllte Bollerwagen und eine vereinstypische Gastronomie, (PDF; 2,94 MB). Bekleidungserwartungen bestehen nicht. Gespielt wird auf Wiesenflächen, bei denen auf Pestizideinsatz sowie künstliche Bewässerung verzichtet wird. Entsprechend ist auch die Einsaat empfindlicher Golfrasenmischungen entbehrlich. Aufgrund der einheitlichen Grasnarbe ist es möglich und auch üblich, Spielbahnen nach gewisser Zeit im Rahmen der bestehenden Regeln zu verändern, insbesondere die Abschlagflächen, die zur Vermeidung von Kahlstellen nach Beanspruchung versetzt oder mit einer trittfesten Abschlagmatte versehen werden.

Eine Swingolfrunde besteht in der Regel aus 18 Spielbahnen (engl.: Fairways), die 10 bis 12 m breit und zusammen 2 bis 3 km lang sind. In der Mitte der Anlage befindet sich typischerweise der Empfang mit Schlägerausgabe und einfacher Gastronomie, sodass dort jeweils eine Schleife von 9 Bahnen beginnen und auch wieder enden kann. Wie beim Minigolf ist die Ausleihe von Schlägern und Bällen im Eintritt enthalten, Clubmitglieder erhalten Sonderkonditionen.

Üblicherweise verabreden sich mehrere Spieler, eine Runde zu spielen (engl.: Flight), die dann mehrere Stunden dauern kann. Damit die Gruppe nicht auseinanderreißt, ist immer derjenige an der Reihe, der am weitesten vom Zielloch entfernt ist..

Swingolf kann bei guter Gesamtkonstitution auch im Alter und mit körperlichen Beeinträchtigungen ausgeübt werden. Die Universität Regensburg hat im Rahmen einer Untersuchung von Herz-Kreislauf-Patienten dokumentiert, dass körperliche Leistungen und das psychische Wohlbefinden signifikant verbessert werden.Studie zum Reha-Erfolg bei Schlaganfall-Patienten, veröff. in der Ärztezeitung 06/12.

Die potenzielle Eigen- und Fremdgefährdung ist bei Beachtung der Regeln gering, am Abschlag ist ein Sicherheitsabstand einzuhalten und die Spielbahn muss frei von Mitspielern sein. Die im Golf erforderliche und durch bestandene Prüfung nachzuweisende Platzerlaubnis ist beim Swingolf unbekannt, sie wird durch Unterweisungen sowie Übungsschläge an einem Fangnetz ersetzt.

Die Bewegung – der namengebende Swing – lässt es zu, den Ball mehr als 100 m weit zu schlagen. Die unterschiedlichen Schlagbewegungen werden mit einem Schläger ausgeführt, dessen Schaft aus Aluminium, Carbon, Edelstahl, Graphit, Titan oder aus Hybridmaterial bestehen kann. Die Länge des Schlägers bemisst sich nach der Hüfthöhe des Spielers mit Standardlängen zwischen 80 und 105 cm. Der Schlägerkopf besteht aus gehärtetem, auf Wunsch auch verchromtem Aluminium. Er ist massiv oder unten hohl und weist unterschiedlich gewinkelte Seiten auf, sodass gleichermaßen Distanzschläge, Annäherungsschläge sowie auch das Einlochen möglich sind.

Der Swingolfball ist eine homogene Kugel mit 5 cm Durchmesser und einem Gewicht von 50 Gramm. Im Vergleich zum wenig leichteren, aber nur halb so voluminösen Golfball fliegt dieser deutlich langsamer und kürzer. Auf Anlagen mit Wasserflächen wird der aus dem Boßelsport bekannte Grabber mitgeführt, der dazu dient, schwimmende Bälle zu bergen. Er besteht aus einem Korb, an dem ein langer Stiel befestigt ist.

Für Anfänger gibt es einen Plastikstift (engl.: Tee), der in den Boden eingedrückt, eine erhöhte Ballposition ermöglicht, wodurch das Abschlagen erleichtert wird. Im Zielbereich des Lochs, innerhalb des sehr kurz gemähten Rasenkreises (engl.: Green), darf dieser Stift jedoch nicht genutzt werden. Die im 30 cm großen Loch versenkte Fahne darf zum Einlochen kurz entfernt werden.

Für jede Spielbahn gibt es die aus dem klassischen Golf übernommene Par-Vorgabe. Je nach Bahnlänge sind drei, vier oder fünf Schläge als Soll vorgegeben. Ein ambitionierter Spieler ist in der Lage, mit der jeweiligen Vorgabe abzuschließen. Eine 18-Loch-Anlage erreicht insgesamt Par 72, das sich meist aus je vier Par-3- und Par-5-Bahnen sowie zehn Par-4-Bahnen zusammensetzt. Ein Par 3 hat beim Swingolf eine Länge von 50 bis 100 m, ein Par 4 100 bis 200 m und ein Par 5 200 bis 300 m.

Benötigt werden für eine 9-Loch-Anlage etwa 5 ha, für eine 18-Loch-Turnieranlage 10 ha, dies entspricht etwa 15 Prozent der für einen klassischen Golfplatz benötigten Fläche.Richtlinie für den Bau von Golfplätzen. 4. Ausgabe Hrsg.: Forschungsges. Landschaftsentwickl. Landschaftsbau e. V. (FLL), Bonn 2008.

Ursprünge mini| hochkant|Vorläuferspiel Paille-Maille (engl. Pall Mall) Entwickelt wurde Swingolf aus der Rückbesinnung auf Präzisionssportarten, die seit dem Mittelalter zunächst im bäuerlichen und schließlich im bürgerlichen Umfeld entstanden.Geschichte des Golfsports (engl. Artikel). Dazu zählen Chole, Colf bzw. Kolven, eine aus Flandern und den Niederlanden überlieferte Sportart, die auf vereisten Kanälen, aber auch auf trockenen Wiesen seit dem Ende des 14. Jahrhunderts gespielt wurde und heute nur noch als Indoor-Spiel in Westfriesland verbreitet ist. Paille-Maille, ein in Frankreich, Italien und Holland im 16. Jahrhundert bekannt gewordenes Spiel – als Pall-Mall auch auf den Britischen Inseln, besonders im Raum London verbreitet –, für das bereits angelegte Spielbahnen erforderlich waren. In seiner Blütezeit nach dem Dreißigjährigen Krieg und besonders im 18. Jahrhundert bevorzugtes Spiel des städtischen Bürgertums, auch in Deutschland, wovon noch heute Bezeichnungen wie Palmaille (Straße in Hamburg-Altona) oder Maille (Stadtpark in Esslingen am Neckar) hinweisen.

Aus diesen Ursprüngen haben sich im 19. Jahrhundert alle mit Ball oder Kugel sowie Stock oder Schläger gespielten Präzisionssportarten entwickelt, darunter am Ende des Jahrhunderts das freie Golfen auf der öffentlichen Grünanlage Cannstatter Wasen bei Stuttgart: Initiiert durch den Sportfunktionär Philipp Heineken trafen sich dort ab 1890 Studierende zum Einlochen, informelles und etikettefreies Golfen wurde praktiziert, das mit Etablierung einer Verbandsstruktur jedoch rasch als unangemessen betrachtet und verdrängt wurde. (PDF; 239 kB).

International bestand mehr Offenheit gegenüber speziellen Anforderungen, so entstand in den 1930er Jahren Cayman-Golf als Golfspielvariante mit langsamem Ball, denn auf den Cayman-Inseln ist aus Platzmangel Golf nur eingeschränkt möglich. Dieser Ball weist statt Dellen Noppen auf, somit verkürzen sich die Flugbahn und der Platzbedarf erheblich.Dokumentation des Golfarchitekten Amick über die Entwicklung des Cayman-Balls. Entwickler war der US-amerikanische Chemiehersteller DuPont, dessen französischstämmige Eignerfamilie mit dem Swingolfarchitekten DeVilmorin aus der Île de France (dem Pariser Umland) befreundet war..

Entwicklungsgeschichte Die 1980er Jahre Die erste Anlage mit den Swingolf-Spezifikationen (einheitlicher Schläger, Hartschaumball, kurze Spielbahnen auf Wiesenland) entstand 1982 in der Nähe der Kleinstadt Etampes bei Paris nach Impulsen aus der Familienfreundschaft DuPont/DeVilmorin und der Detailplanung des Architekten Laurent de Vilmorin (1928–2008). (PDF; 2,73 MB).Biografische Enzyklopädie Who’s who, franz.

Zunächst wurden wie beim alten Paille-Maille ausschließlich öffentliche Grünanlagen genutzt. Noch im gleichen Jahrzehnt wurde der französische Swingolf als eigenständige Sparte im nationalen Golfverband gegründet, ein eigenständiges Regelwerk wurde aufgestellt, das seither auch europaweit gilt.Swingolfverband im französischsprachigen Raum.

Die 1990er Jahre Das folgende Jahrzehnt war in Frankreich durch Konsolidierung, den Bau erster Anlagen, Clubgründungen sowie durch Anpassungen des Regelwerks gekennzeichnet. Dabei wurden auch verbindliche Mindeststandards für den Bau, die Ausstattung und den Betrieb festgelegt. Länderübergreifend wurde in die Romandie und die Wallonie expandiert, die dortigen Anlagen gliederten sich in die französische Verbandsstruktur ein.Anlagen im französischsprachigen Raum.

Seit dem Jahr 2000 mini|Swingolf-Runde im Norden Islands Es dauerte 20 Jahre bis zur Überschreitung der Sprachgrenze. Maßgeblichen Einfluss daran hatte der Kurzbericht über eine Schweizer Swingolfanlage in der Landwirtschaftszeitung Top agrar unter der Überschrift „Bauerngolf füllt Kasse“.. Der Artikel weckte vor allem das Interesse bei deutschen Landtourismus-Veranstaltern und Landwirten, die bereits Teileinkünfte aus Beherbergung bzw. Gastronomie bezogen. Der französische Swingolfverband beauftragte daraufhin Jean-Pierre Weber, ein zweisprachiges Vorstandsmitglied, mit der Bearbeitung von Anfragen aus dem deutschsprachigen Raum.

Inzwischen ist Swingolf in vielen Ländern Mitteleuropas sowie an der italienischen Adriaküste. und im Norden Islands, Gemeinde SvalbarðsströndAnlage im Norden Islands. vertreten. Alljährlich werden nationale und seit 2005 auch europäische Meisterschaften (EM) ausgetragen, bislang einmal in Frankreich, bereits dreimal in Deutschland, 2010 in der Schweiz (Lavigny), 2011 in Österreich (Linz). (PDF; 41 kB).

In Frankreich ist ein bis heute erhaltenes Merkmal die Zweigliedrigkeit von temporären, informellen Anlagen (Les parcours variés pour jouer en liberté) und dauerhaften, turnierzertifizierten (Les parcours homologués pour la compétition par la Fédération Sportive de Swin-Golf).. Auch in Deutschland bestehen informelle Anlagen, die in Kurparks oder als Zwischennutzung langfristig vorgesehener Bauentwicklung betrieben werden..

Ende 2011 bestanden im deutschsprachigen Landesteil der Schweiz, in Österreich und Deutschland mehr als 50 Anlagen,. fast so viele wie im Ursprungsland Frankreich..

60 Prozent umfassen 18-Loch, 30 Prozent 9-Loch, 10 Prozent sind unzertifiziert. Diese Verteilung ähnelt der des klassischen Golf.Nach Angaben des Deutschen Golfverbandes haben 170 Golfplätze 9 Loch (= 24 Prozent), 430 (= 62 Prozent) sind 18-Loch- und 100 (= 14 Prozent) sind 27-Loch-Anlagen. Vgl. .

Im Juni 2012 ist in der durch den Handballsport bekannten Gemeinde Handewitt bei Flensburg die europaweit erste 27-Loch-Anlage eröffnet worden. (PDF; 884 kB).

Insgesamt ist die Verteilung der Anlagen in Mitteleuropa noch recht uneinheitlich, wie nebenstehende Verbreitungskarte veranschaulicht.

Dargestellt sind nur planungsrechtlich gesicherte und nachweislich betriebene Anlagen, nicht aber temporäre oder informelle Plätze.

Außereuropäisch besteht eine Anlage in Südafrika.. Im anglo- und iberoamerikanischen Raum hingegen ist der Versuch, Swingolf zu etablieren, offenbar an markenrechtlichen Problemen gescheitert,vgl. www.swingolf.net.. alternativ wird dort das vergleichbare Caymangolf gespielt.Caymangolf-Anlage in Südengland, Swingolf in angloamerikanischen Ländern.

Varianten Auf größeren Swingolf-Anlagen ist es üblich geworden, ergänzende Spiel- und Sportarten anzubieten, wie Boule/Boccia, Speed-Badminton, Shuffleboard, Pit-Pat, Fußballgolf,.Allgäuer Kombinationsanlage Fußballgolf mit Swingolf. Discgolf,Kombination Swin- und Discgolf. Padel-Tennis. oder auch überdachte Kleingolfvarianten.. Diese Auffächerung dient besonders der Nutzungsoptimierung und -entzerrung bei hohem Besucheraufkommen.

Swingolfer treffen sich im Winter zu eventbetonten Spielvarianten wie