Glietz () ist ein Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg.
Geographie Glietz liegt rund 15 km Luftlinie nordöstlich von Lübben (Spreewald) und rund 16 km Luftlinie südwestlich von Friedland. Die Gemarkung von Glietz grenzt im Norden an Leibchel (Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide), im Osten an die Gemarkungen von Guhlen und Siegadel (Gemeindeteile von Goyatz, einem Ortsteil der Gemeinde Schwielochsee), im Süden an die Gemarkung von Klein Leine und im Westen an die Gemarkung Groß Leine (letztere Orte sind Ortsteile der Gemeinde Märkische Heide). Glietz ist durch zwei kleine von der B 87 nach Osten bzw. Südosten abgehende Straßen zu erreichen. In Groß Leine führt die Glietzer Straße nach Glietz und nach Südosten führt eine weitere Straße zur B 320. Die B 87 verläuft nordwestlich der Gemarkung, die B 320 verläuft durch den Südteil der Gemarkung.
Der Ost- und Südteil der Gemarkung ist größtenteils bewaldet oder von den sumpfigen Niederungen des Ressener Mühlenfließes eingenommen. Das Ressener Mühlenfließ bildet über einige hundert Meter die Grenze zu den Gemarkungen von Guhlen und Siegadel. Höchste Punkte der Gemeinde sind zwei sehr flache namenlose Hügel im äußersten Norden und im Süden der Gemarkung (unmittelbar nördlich der B 320). Tiefster Punkte ist das Ressener Mühlenfließ bei Verlassen der Gemarkung bei etwa 44 m.
Geschichte Sglietz wurde 1517 urkundlich erstmals als Glietz genannt (dagegen Ernst Eichler: 1475 als Sglitczk). 1527 ist die Schreibweise Sgchlicz und 1538 Sglicz. Nach Rudolf Lehmann war das Dorf ursprünglich ein Sackgassendorf. Eichler leitet den Namen von einer aso. Grundform *zglo = Hemd, Leinwandhemd ab. Der Name wäre demnach als Spottname zu interpretieren.
Bevölkerungsentwicklung von 1818 bis 2002 Jahr 1818 1846 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964 1971 1981 1991 2002 Einwohner 161 180 191 191 176 177 164 254 206 159 145 113 112 81 mini|Glietz (damals noch Sglietz) auf dem Urmesstischblatt 3950 Groß Leuthen von 1846
1708 lebten sechs Bauern, zwei Kossäten und sechs Büdner im Dorf. 1718 hatte das Dorf 800 Gulden Schatzung. 1723 werden die sechs Bauern als Spannbauern bezeichnet, das heißt, sie konnten allein mit einem Gespann ihre Felder bewirtschaften. Neben den zwei Kossäten werden nun vier Büdner und drei Häusler genannt. 1750 baten die Gespannbauern die Oberamtsregierung in Lübben, ihren Orts- und Gerichtsherren Christian Ludwig von Oppen anzuweisen, dass sie nicht durch Verpachtung ihrer Hofdienste an andere beschwert werden. 1755 hatte das Dorf 130 „Konsumenten“, 57 männliche und 73 weibliche. Die durchschnittliche Ernte in Dresdner Scheffeln wird mit 390 Scheffel Korn, 123 Scheffel Gerste, 48 Scheffel Hafer, 21 Scheffel Erbsen, 54 Scheffel Heidekorn (= Buchweizen), 7 Scheffel Hopfen und 8 Scheffel Lein angegeben. 1795 werden sechs Freibüdner erwähnt, die in Sglietz angesiedelt worden waren. 1809 wird die Bevölkerungsstruktur mit sechs Ganzbauern, zwei Ganzkossäten, vier Halbkossäten und sechs Häuslern oder Büdnern angegeben. 1818 gab es 24 Feuerstellen im Ort und 161 Einwohner. 1828 erwähnt Schumann eine Windmühle, eine Schenke, und eine Schmiede. 1840 war die Zahl der Häuser auf 25 gestiegen, die Einwohnerzahl auf 177. Im Urmesstischblatt von 1846 (Blatt 3950 Groß Leuthen) ist östlich des Ortskerns am Weg Richtung Siegadel die Windmühle verzeichnet. Sie ist bereits in der Topographischen Karte 1:25.000 von 1903 wieder verschwunden. Nach Heinrich Berghaus hatte die Gemarkung reinen Sandboden und war wenig ertragreich. Das Rittergut hatte 1853 eine Fläche von 1887 Morgen. Bis 1864 war die Zahl der Wohnhäuser deutlich auf 30 gestiegen, die Einwohnerzahl auf 200; auch die Windmühle wird (noch) erwähnt.
Der Name wurde am 11. November 1937 in Glietz geändert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gut enteignet und stattdessen eine Neubauernstelle geschaffen. 1955 wurde die LPG Typ III „7. Oktober“ in Glietz gegründet.
Besitzgeschichte Glietz war im Mittelalter Zubehör zum Rittergut Leibchel. Dazu gehörten auch noch Anteile an Mittweide und Schuhlen. Zum Zeitpunkt der Erstnennung von Glietz war der Besitz schon sehr zersplittert und ist nicht mehr im Detail zu rekonstruieren. 1527 wurde Valten von Streumen mit dem Teil von Leibchel, Schuhlen und Glietz belehnt, „soviel etwan Heinrich Lugkwan im Dorf Leupchel, im Dorf Sgchlicz und Scolin, zu Leupchel die Behausung und Gerichte und sonst da und in obbemelten Dörfern die pauern mit Zinsen, allen Gnaden und Rechten, obersten und niedersten Gerichten, Weinbergen, geistlichen und weltlichen Lehen, sonderlich aber 4 Bauern zu Dubrau, den Altaristen zu Leipchel gehörig.“ Weiter wurde Valten von Streumen mit einem Lehnstück in Mittweide und Schuhlen belehnt „soviel Georg Lugkwen seligen darinne gehabt, und den dritten Teil der Ober- und Niedergerichte in beiden Dörfern“. Weiter heißt es im Lehnbrief, dass er den dritten Teil des Zolls von Rentsch Luckwen gekauft hatte, nämlich (den Zoll), „der zwischen Leibchel und Mittweide von den bosen themen (Dämmen) gegeben wird, …“. Nach diesem Lehnbrief scheint es so, dass zumindest Schuhlen und Mittweide einmal in drei Teile geteilt waren. Die Verwandtschaftsverhältnisse der genannten Georg, Heinrich und Rentsch (Reinhold oder Lorenz) von Luckowin sind nicht bekannt. Wie groß das Lehnstück in Glietz war, ergibt sich aus dem Lehnbrief nicht. Der genannte Heinrich von Luckowin ist vermutlich mit dem Heinrich von Luckowin identisch, der 1505 zusammen mit zwei weiteren Adeligen zwei Diener des Landvogt Heinrich von Plauen in der Forstschen Heide überfallen hatte, und auch an weiteren Gewalttätigkeiten beteiligt war.
Die von Luckowin waren ein altes markbrandenburgisches Adelsgeschlecht, das seinen Besitzschwerpunkt im Land Lebus, in den Herrschaften Beeskow und Storkow und in der nördlichen Niederlausitz um Leibchel herum hatte. Der Besitz war, wie der obige Lehnbrief zeigt, bereits unter viele Mitglieder der Familie aufgeteilt. Der Verkaufszeitpunkt muss schon einige Jahre zurück gelegen sein, denn bei obigem Lehnbrief handelte es sich nicht um eine Erstbelehnung, sondern um eine Wiederbelehnung bzw. Lehnsbestätigung nach dem Tod des böhmisch-ungarischen Königs Ludwig II. in der Schlacht bei Mohács 1526. Es ist anzunehmen, dass der Besitz der von Luckowin daher bereits mindestens in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück reicht. Der Lehnbrief lässt auch schließen, dass Glietz und Teile (?) von Mittweide und Schuhlen ursprünglich Zubehör eines Rittergutes mit Sitz in Leibchel waren.
Einen anderen Teil von Leibchel, Glietz und Schuhlen hatte Georg von Luckowin an Arnt von Röbel verkauft. Arnt von Röbel erhielt 1527 einen Lehnbrief über ein Lehnstück „soviel wie Georg Lugkwan zu Leupchel, Glicz und Scolin am Sitz, Vorwerk, an Bauern, Zinsen, Renten, obersten und niedersten Gerichten besessen.“ In die gesamte Hand aufgenommen waren seine Vettern Hans, Valten und Joachim Röbel zu Buch, die Brüder Joachim, Peter, Wulf und Georg Röbel in Hohenschönhausen und Antonius von Röbel in Eggersdorf. Auch hier handelte es sich um eine Wiederbelehnung, keine Erstbelehnung. Zur Musterung der Ritterpferde und Fußsoldaten der niederlausitzischen Stände 1520 in Guben war dagegen noch Georg von Luckowin mit einem Pferd und einem Fußknecht erschienen, das heißt, der Verkauf hat nach 1520 stattgefunden.
Glietz kommt an die Familie von Röbel Valentin von Streumen auf Trebatsch verkaufte seinen Anteil mit Ausnahme von Getreidezinsen in Schuhlen 1541 weiter an Balthasar von Beerfelde. Mitbelehnt waren sein Vater Heinrich von Beerfelde auf Lossa und seine Brüder Friedrich und Georg. Balthasar von Beerfelde war mit Catharina von Röbel verheiratet, einer Tochter des Arnt von Röbel. Diese erhielt 1542 ein Leibgedinge von 1600 Gulden an Verschreibungen und 800 Gulden als Hypothek aus den niederlausitzischen Besitzungen ihres Mannes. Doch bereits 1546 verkaufte Balthasar von Beerfelde seinen Anteil an Leibchel und Glietz an seinen Schwager Joachim von Röbel, der die Güter seines Vaters 1538 geerbt hatte. Nach dessen Tod folgte ihm 1578 sein Sohn Arnt (d. J.) nach; mitbelehnt waren sein Bruder Heinrich zum Rosengart (Rosengarten bei Frankfurt (Oder)) und einige Vettern. Arnt von Röbel starb früh und ihm folgten 1586 seine Söhne Hans Joachim und der zu diesem Zeitpunkt noch minderjährige Zacharias von Röbel nach. Der Lehnbrief enthält nun nur noch die Lehnstücke in Leibchel und Glietz. Arnt (d. J.) von Röbel hatte 1584 ein Darlehen von 1400 Gulden bei Albrecht Schenk von Landsberg auf Groß Leuthen aufgenommen und als Sicherheit für die jährlich in Höhe von 84 Talern anfallenden Zinsen Leibchel und Glietz verpfändet. Im gleichen Jahr belastete er die beiden Güter noch mit einem weiteren Darlehen in Höhe von 200 Gulden, das er von Hans von Bennewitz auf Groß Beuchow erhalten hatte. Kurz vor 1590 starb Arnt von Röbel. Das Gut war stark verschuldet und deshalb bat seine Witwe Barbara von Bredow als Vormund ihrer unmündigen Söhne den Niederlausitzer Landvogt um die Genehmigung zum Verkauf von Leibchel und Glietz an ihren Schwager und Bruder des Arnt, Heinrich von Röbel auf Rosengarten und Lichtenberg. Leibchel und Glietz gingen nun für 7200 Gulden an Heinrich von Röbel; es war derselbe Preis, um den Arnt von Röbel die beiden Dörfer in der brüderlichen Teilung von 1578 übernommen hatte. In einem späteren Lehnbrief für Heinrich von Röbel aus dem Jahr 1615 tauchen nun auch wieder Getreidezinsen in Schuhlen auf. Ob es dieselben sind, die seinerzeit Valten von Streumen sich vorbehalten hatte, ist nicht belegt, jedoch anzunehmen. Heinrich von Röbel hatte nun nicht nur die Kaufsumme aufzubringen, sondern musste auch noch 8000 Taler Schulden seines Bruders übernehmen. Er verkaufte das Gut Hohenwalde (bei Frankfurt (Oder)) an seinen Vetter Ehrenreich von Röbel. Bei Leibchel ließ er 1592 eine Windmühle bauen, was der Genehmigung des Landvogtes bedurfte. 1593 musste er wegen einer noch von seinem Bruder herrührend Bürgschaft ein Darlehen von 1500 Talern bei Christoph von Maltitz auf Tauche aufnehmen und dafür Leibchel und Glietz verpfänden. 1597 musste er schließlich Leibchel und Glietz an Hans von Klitzing von Nieder Neuendorf (Stadt Hennigsdorf) und Pinnow (Stadt Hohen Neuendorf im Landkreis Oberhavel) verkaufen, freilich auf Wiederkauf, der schließlich auch gelang. 1606 ist Hans von Klitzing noch auf Leibchel belegt.