mini|Oberdollendorfer Viadukt der Talbahn auf einer Postkarte der Jahrhundertwende Die Heisterbacher Talbahngesellschaft (HTB) war ein deutsches Verkehrsunternehmen, das eine Schmalspurbahn (mit 750 mm Spurweite) vom Rheintal in das Siebengebirge betrieb. Sie führte von Niederdollendorf über Oberdollendorf, Kloster Heisterbach, Heisterbacherrott und Thomasberg bis zur Grengelsbitze.
Geschichte Im Jahr 1889 wurde der Bau begonnen. Am 22. Oktober 1891 konnte die (ohne Stichbahnen) 7,2 Kilometer lange Strecke eröffnet werden; eine Erweiterung folgte 1894. Im Jahr 1895 pachtete die Brölthaler Eisenbahn AG, die spätere Rhein-Sieg-Eisenbahn AG, die im Vulkangebiet des Westerwalds mehrere Basaltsteinbrüche erschlossen hatte und die HTB als Konkurrenz ansah, deren Betrieb. Von 1898 bis 1902 wurde der Bahnhof der Heisterbacher Talbahn in Niederdollendorf erweitert und das Gleis bis zum Stationsgebäude gegenüber dem Staatsbahnhof verlängert.Honnefer Volkszeitung, 19. März 1901, S. 2 (zeitpunkt.nrw)Carsten Gussmann, Wolfgang Clössner: Die Heisterbacher Talbahn und Industriebahnen im Siebengebirge: Geschichte, Fahrzeuge, Gleispläne und Karten (= Regionale Verkehrsgeschichte, Band 39). EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 2006, ISBN 3-88255-456-8, S. 71, 81, 83. 1902 wurde die HTB nach der bereits zwei Jahre zuvor erfolgten Genehmigung zum Ankauf von der RSE erworben und die HTB am 8. Oktober 1903 liquidiert.Carsten Gussmann, Wolfgang Clössner: Die Heisterbacher Talbahn und Industriebahnen im Siebengebirge: Geschichte, Fahrzeuge, Gleispläne und Karten (= Regionale Verkehrsgeschichte, Band 39). EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 2006, ISBN 3-88255-456-8, S. 68/69. Aufgrund des Baus der ersten Teilstrecke der Siebengebirgsbahn 1910/1911 war bei Oberdollendorf eine Absenkung der zu überführenden Trasse der Heisterbacher Talbahn um zwei Meter erforderlich.Ludwig Brugsch: Die elektrischen Vorortbahnen Bonn–Siegburg und Bonn–Königswinter. In: Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen (), 10. Jahrgang 1912, Heft 27 (vom 24. September 1912), S. 566–572, hierzu S. 569 f.Josef Schuchert: Straßen, Gassen, Wege und Pfade in Oberdollendorf und Römlinghoven. In: Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e. V. (Hrsg.): Oberdollendorf und Römlinghoven. Ein Festbuch zum 25jährigen Jubiläum des Heimatvereins Oberdollendorf und Römlinghoven 1962–1987. Königswinter 1986, S. 129–145, hierzu S. 138.Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 4, Nordrhein-Westfalen, Südlicher Teil. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 1997, ISBN 3-88255-660-9, S. 250 (Abbildung), S. 255.
Die Bahn diente hauptsächlich dem Abtransport von Erzeugnissen aus den diversen Steinbruchbetrieben, der Braunkohle aus Thomasberg und den Abstichen von Ton zur Hauptbahnstrecke nach Niederdollendorf (wo 1897/98 ein Güterbahnhof gebaut wurde), vor allem aber zur Verladestelle am Rhein. Bis 1930 wurde auch öffentlicher Personenverkehr angeboten, Fahrpläne geben eine Fahrtdauer von etwa 35 Minuten für die Strecke von Grengelsbitze bis Niederdollendorf an. Die Einstellung des Personenverkehrs erfolgte, nachdem bereits 1926 die Strecke Dollendorf–Oberpleis von Omnibussen der Rhein-Sieg-Eisenbahn übernommen worden war.
Die Reisezugwagen der Heisterbacher Talbahn wechselten später zur Rhein-Sieg Eisenbahn AG. Eine historische Aufnahme aus Quirrenbach mit RSE-Dampflokomotive 52 zeugt davon.
Eine Verbindung zwischen der Heisterbacher Talbahn (750 mm) und der Rhein-Sieg-Eisenbahn (785 mm) war geplant. Eine Querverbindung von Heisterbacherrott (HTB) aus quer durch das Siebengebirge nach Herresbach/Oberpleis (RSE) hätte dazu verwirklicht und die komplette Heisterbacher Talbahn auf die Spurweite der RSE umgespurt werden müssen. Damit hätte ein gegenseitiger Tausch der Wagenumläufe stattfinden können. Aufgrund der aufwändigen und schwierigen Umsetzung wurde dieser Plan im Laufe der Jahre aufgegeben.
Der Güterverkehr, der stets die wichtigste Einnahmequelle darstellte, wurde auf der Hauptstrecke 1942 eingestellt und die abgebauten Gleise gingen in die östlichen Frontgebiete. Manche Gleisreste wurden erst nach dem Krieg entferntWestdeutsche Zeitung vom 8. September 1949, S. 5. (zeitpunkt.nrw), im Dezember 1949 das Viadukt in Oberdollendorf abgebrochen.General-Anzeiger vom 10. Dezember 1949, S. 8. (zeitpunkt.nrw) Der letzte Zug auf den Stichstrecken nach Römlinghoven (Tontransport) und zu den Fabriken fuhr 1950.
Stichbahnen von der Hauptstrecke Stichbahn von der Grengelsbitze zur Verladestelle des Steinbruchs Scharfenberg, Länge etwa 1,5 km Stichbahn von der Grengelsbitze zum Braunkohlebergwerk in Thomasberg im Limperichsberg Stichbahn zur Verladestelle am Steinbruch Weilberg, diese Strecke hatte als einzige einen kurzen Tunnel Stichbahn zur Talstation der Seilbahn der Tonförderung Brocksiefen Stichbahn zur Talstation der Luftbahn des Steinbruchs am Petersberg Stichbahn zu den zwei Tonladestellen an den Talstationen der zwei Flachseilbahnen am Karschberg in Römlinghoven Stichbahn zu den Verladestellen am Rhein
Literatur Jean Assenmacher: Erinnerungen an die Heisterbacher Talbahn. Kreis der Heimatfreunde Niederdollendorf, Königswinter 1983. Carsten Gussmann, Wolfgang Clössner: Die Heisterbacher Talbahn und Industriebahnen im Siebengebirge. Geschichte, Fahrzeuge, Gleispläne und Karten. (= Regionale Verkehrsgeschichte, Band 39.) EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 2006, ISBN 3-88255-456-8. Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 4, Nordrhein-Westfalen, Südlicher Teil. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 1997, ISBN 3-88255-660-9. S. 246–253.
Weblinks
Virtuelles Brückenhofmuseum: Heisterbacher Talbahn - HTB (102 Bilder) – mit der „Modellanlage Weilberg“ und mehreren VIDEOs Eisenbahn- und Modellbahnfreunde Siebengebirge e. V.: Heisterbacher Talbahn Streckenführung Meßtischblatt von 1942 (Deutsche Fotothek) Heisterbacher Talbahn, in KuLaDig
Einzelnachweise
Kategorie:Spurweite 750 mm Kategorie:Verkehr (Königswinter) Kategorie:Bahnstrecke in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Verkehr (Bonn/Rhein-Sieg)