mini|Flagge der Verteidigungskräfte mini|Ehrenformation am Präsidentenpalast Osttimors
Die Verteidigungskräfte Osttimors (, FDTL), seit Mai 2002 „FALINTIL-FDTL (F-FDTL)“ bestehen aus Landstreitkräften und einer kleinen Marine. Ein Flugzeug dient zur Luftüberwachung.
Aufgabe mini|Soldat bei einer Übung mit einem Raketenwerfer
Laut Verfassung ist die F-FDTL für die militärische Verteidigung gegen Angriffe von außen verantwortlich. Sie „garantiert die nationale Unabhängigkeit, die territoriale Integrität und die Freiheit und Sicherheit der Bevölkerung gegen jeden Aggressor oder externe Bedrohung im Einklang mit der Verfassung.“ Die F-FDTL ist den Verfassungsorganen untergeordnet und darf sich nicht in die Politik einmischen. Für die innere Sicherheit ist die Nationalpolizei Osttimors (PNTL) zuständig.Edward Rees: „Under Pressure – Forças de Defesa de Timor Leste. Three Decades of Defence Force Development in Timor Leste 1975–2004.“ Geneva Centre for the Democratic Control of Armed Forces, April 2004
Allerdings gab es in der Vergangenheit Streitigkeiten zwischen F-FDTL und der PNTL über die jeweiligen Verantwortungsbereiche. So übernahm die F-FDTL Polizeiaufgaben bei einem Zwischenfall im Subdistrikt Atsabe (Distrikt Ermera) im Januar 2003. Andererseits wurde die PNTL mehrfach bei der Grenzsicherung im Westen eingesetzt. Seit 2009 ist die F-FDTL primär für den Schutz der Landesgrenze zuständig. Die Aufteilung der jeweiligen Verantwortungsbereiche bleibt jedoch zwischen den Behörden umstritten.
Geschichte
mini|Moradores (2017) mini|FALINTIL-Veteranen mini|Parade der Infanterie zum Proklamationstag in Oe-Cusse Ambeno (2014)
In der Kolonialzeit bildeten die Portugiesen einheimische Hilfstruppen, die Moradores. Heute sind diese Verbände folkloristische Gruppen, die bei Feierlichkeiten auftreten, vergleichbar mit den bayerischen Gebirgsschützen. Sie werden als traditioneller Ursprung der professionellen timoresischen Armee angesehen.
Der Grundstock der Truppe mit 650 Mann wurde am 1. Februar 2001 aus 1736 Kämpfern der ehemaligen Guerillaarmee FALINTIL rekrutiert. Es blieben nur wenige aufgrund der geringen Altersversorgung. Das erste Bataillon wurde am 29. Juni 2001 aufgestellt. Die meisten Angehörigen der Einheit stammten aus dem östlichen Landesteil Loro Sae.Desmond Ball: „The Defence of East Timor: A Recipe For Disaster?“ im Pacifica Review, S. 175–189, 3. Ausgabe, 14. Teil, 2002 Die Marineeinheit wurde im Dezember 2001 gebildet.Jane's Sentinel Security Assessment – Southeast Asia, 20. Ausgabe, Coulsdon 2007. Das zweite Bataillon wurde 2002 aus einem Grundstock aus dem ersten Bataillon und neu rekrutierten Soldaten, die meist unter 21 Jahre alt waren, gegründet. Da Osttimor keine Bedrohung durch einen äußeren Feind zu befürchten hat, gab es einige Kritiker betreffs der Gründung eigener Streitkräfte. Sie bevorzugten eine stärker ausgerüstete Polizei. Die Regierung entschied sich aber für die Armee, um möglichen künftigen Bedrohungen begegnen zu können. (PDF; 465 kB) Mit der Unabhängigkeit im Mai 2002 übernahmen die Verteidigungskräfte die Bezeichnung FALINTIL-FDTL (F-FDTL) von der Guerillaarmee. Im Juli 2002 übernahm die F-FDTL die Verantwortung für den östlichsten Distrikt des Landes Lautém. Ab dem 20. Mai 2004 war sie für die gesamte Landesverteidigung zuständig. Die ausländischen Truppen blieben noch bis Mitte 2005.
Im Dezember 2003 wurden 42 Soldaten aus dem Dienst entlassen, zumeist aus dem westlichen Landesteil Loro Munu stammend, unter ihnen der Freiheitsheld Vicente da Conceição (Comandante Railos). Sie klagten über unfaire Behandlung und schlechte Lebensbedingungen.
Anfang 2006 desertierten im Laufe weniger Wochen 600 der 1600 Soldaten der Verteidigungskräfte Osttimors aus Protest gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und Beförderungsregelungen. Die meisten von ihnen sind ehemalige Kämpfer der Rebellengruppe FALINTIL, die Widerstand gegen die Indonesier geleistet hatten. Ende April protestierten 3000 Menschen auf einer Demonstration in Dili, die von den ehemaligen Soldaten organisiert wurde. Dabei drohten deren Sprecher mit einem neuen Guerillakrieg, sollten keine Verbesserungen erzielt werden. Es kam zu den schwersten Unruhen seit der Unabhängigkeit von Indonesien, bei denen bis Ende Juni mindestens 37 Menschen ihr Leben verloren. Wiederholt kam es auch zu Gefechten zwischen den Rebellen, der Polizei und der F-FDTL. Schließlich musste Premierminister Marí Alkatiri zurücktreten. Neuer Premier wurde der bisherige Außenminister José Ramos-Horta. Er hatte bereits vor den Unruhen kritisiert, dass die Truppen, da sie ohne echte Aufgaben seien, Probleme bereiten könnten. Die Rebellen gingen später in die Wildnis. Verhandlungen blieben ebenso erfolglos, wie ein Versuch australischer Truppen, sie in Same festzunehmen. Am 11. Februar 2008 drangen die Rebellen in Dili ein und überfielen Präsident Ramos-Horta und Premierminister Xanana Gusmão. Ramos-Horta wurde schwer verletzt, während Gusmão unverletzt. Alfredo Alves Reinado, Rebellenchef und ehemaliger Chef der Militärpolizei kam ums Leben. Die Regierung schuf am 17. Februar das Komando Operasaun Konjunto KOK (Gemeinsames Operationskommando), das aus Mitgliedern der F-FDTL und der Polizei bestand. Die Operation Halibur erhöhte den Druck auf die verbliebenen Rebellen, bis sich die letzten im April ergaben.
Im Juni 2007 berichtete die australische Zeitung The Australian über einen geheimen Aufrüstungsplan Osttimors namens „Forças 2020“, der aus den zukünftigen Einnahmen aus dem Erdölgeschäft finanziert werden sollte. Nach dem 171-seitigen Entwurf sollte bis 2010 die Marine ausgebaut und mit Korvetten mit Lenkwaffen ausgestattet werden. Außerdem war eine Marinelandeeinheit geplant und Armeehubschrauber sollten angeschafft werden. Ebenfalls in Planung war eine Luftwaffe, deren Personal in Polen ausgebildet werden sollte. Die Streitkräfte sollten dann aus 3000 aktiven Mitgliedern bestehen. Die jetzt schon bestehenden Einheiten sollten mit Scharfschützengewehren, Anti-Panzer-Waffen, schweren Maschinengewehren, leichten Patrouillenfahrzeugen und leichten Angriffsfahrzeugen ausgerüstet werden. Ziel sei es, die osttimoresischen Interessen im Erdölfeld in der Timorsee zu sichern und Schmuggel und illegale Fischerei zu unterbinden. Neben der Finanzierung wurde auch die Fähigkeit Osttimors, die Technologie zu handhaben, angezweifelt. Es wurde darüber spekuliert, dass Osttimor sich mit diesen Plänen vom australischen Einfluss und von einer möglichen indonesischen Bedrohung befreien möchte. Der australische Verteidigungsminister Alexander Downer nannte die Aufrüstungspläne unrealistisch.
Am 26. Juni 2007, fünf Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes, übergab Premierminister Estanislau da Silva 720 neue Uniformen in einer Zeremonie an die F-FDTL. Bisher wurden Uniformen aus Portugal, China und Mosambik verwendet. Die neuen Uniformen sind braun, gelb, schwarz und dunkelgrün und sind ein Abbild der Landschaft von Osttimor.
Am 20. August 2011 wurden die letzten Kämpfer der FALINTIL in den Ruhestand verabschiedet.Yahoo News, 20. August 2011, East Timor disbands pro-independence armed unit Ihr ehemaliger Kommandant und Chef der Verteidigungskräfte Taur Matan Ruak folgte ihnen am 2. September.
Im Januar 2015 nahm der paramilitärische Konseilu Revolusionariu Maubere (KRM) unter Mauk Moruk in Laga mehrere Geiseln. Polizei und Armee gingen gegen den KRM in der Operation Hanita vor und stellten schließlich nach mehreren Gefechten die Aufständischen. Mauk Moruk und zwei Gefolgsleute kamen ums Leben.
Aufbau Organisation Laut Verfassung ist der Staatspräsident Osttimors der Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er kann den Kommandeur der F-FDTL ernennen. Der Ministerrat und das Nationalparlament entscheiden über die finanziellen Mittel und bestimmen die nationale Sicherheitspolitik. Der Staatsrat, ein den Präsidenten beratendes Gremium, ist laut Verfassung in Fragen zu Kriegserklärungen und Friedensschlüssen zu hören. Der Oberste Sicherheitsrat berät seit 2005 den Präsidenten in Verteidigungs- und Sicherheitsfragen sowie bei der Besetzung der Posten der kommandierenden Offiziere. Ihm gehören der Präsident, der Premierminister, die Minister für Verteidigung, Justiz, Inneres und Außenpolitik, der Kommandeur der F-FDTL, der Kommandant der PNTL, ein Offizier der nationalen Staatssicherheit und drei Vertreter des Nationalparlaments an.Cynthia Burton Damien Kingsbury, Michael Leach: East Timor: beyond independence. Monash University Press, 2007, ISBN 978-1-876924-49-2. Das Ministerium für Verteidigung hat die zivile Kontrolle über die F-FDTL.
Die Sollstärke beträgt 1500 aktive Soldaten und 1500 Angehörige der Reserve. 2005 betrug die Mannstärke 1450, schrumpfte jedoch aufgrund der Meuterei 2006 und aus normalen Gründen auf nur 715 im September 2006, stieg aber 2007, laut International Institute for Strategic Studies, wieder auf 1286 Mann. 2008 wollte die F-FDTL 600 neue Soldaten rekrutieren und 2009 nochmals 600.ETAN, 16. August 2007, F-FDTL to recruit 600 soldiers Im August 2008 hatte sie ihre alte Truppenstärke von vor der Krise von 2006 wieder erreicht.Radio Australia, 24. August 2008, ETimor armed forces young at 33 Im Dezember 2009 legten 572 neue Rekruten nach ihrer Ausbildung ihren Eid ab, am 16. Dezember 2011 folgten 645 weitere Mann, davon 93 Offiziere und 203 Unteroffiziere. Aufgrund ihrer Vergangenheit als Untergrundarmee kann die F-FDTL auf ein großes Netzwerk von Informanten in der Bevölkerung zurückgreifen (Human Intelligence).
Auch Frauen können in Osttimor Soldaten werden. Der Wehrdienst war ursprünglich freiwillig ab dem 18. Lebensjahr möglich.The Diplomat: Timor-Leste’s Forgotten Female Rebels, 16. Mai 2018, abgerufen am 17. Mai 2018. 2020 beschloss die Regierung die Einführung einer Wehrpflicht.Lusa: Governo timorense aprova serviço militar obrigatório em novo regulamento, 28. Oktober 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020.
Führungsebene + Generalstabschef(, CEMGFA, , XEMJFA) Foto Kommandant Informationen 80px Taur Matan Ruak 2001 – 2011 80px Lere Anan Timur 2011 – 2022 80px Falur Rate Laek seit 2022 mini|Soldaten bei Feierlichkeiten am Proklamationstag (28. November) + Stabschef (CEMFA) Foto Kommandant Informationen 80px Filomeno Paixão 2010 – 2011 80px Falur Rate Laek 2011 – 2018 80px Calisto dos Santos 2018Facebook-Auftritt des Staatspräsidenten: PREZIDENTE-da-REPÚBLIKA NOMEIA KORONÉL COLIATI BA XEFE ESTADU-MAIÓR F-FDTL, 27. Oktober 2018, abgerufen am 27. Oktober 2018.–2022 80px Konteradmiral Pedro Klamar Fuik 2022–202380px Brigadegeneral José da Costa Soares Trix seit 2023
Der erste Generalstabschef (, CEMGFA) und damit militärischer Oberbefehlshaber der F-FDTL war Generalmajor Taur Matan Ruak, der zuvor Kommandeur der FALINTIL war. Taur Matan Ruak reichte am 2. September 2011 seinen Abschied ein, um später für das Präsidentenamt zu kandidieren.Timor Leste army chief resigns ahead of polls. Auf: Channel News Asia. 2. September 2011. Er gewann die Präsidentschaftswahlen in Osttimor 2012.
Am 6. Oktober 2011 wurde der bisherige stellvertretende Kommandeur und frisch zum Generalmajor beförderte Lere Anan Timur neuer Generalstabschef. Coronel Filomeno Paixão, seit 2010 Stabschef (CEMFA), wurde Brigadegeneral und stellvertretender Kommandeur der F-FDTL und Falur Rate Laek zum neuen Stabschef ernannt. Capitão Pedro Klamar Fuik wurde 2012 Kommandeur des Instituto de Defesa Nacional (IDN).SAPO: , abgerufen am 17. April 2016. Major Mário Batista war 2012 Stabschef des Kommandierenden der Verteidigungskräfte.UNMIT: List of High State Officials and Senior Civil Servants of Timor-Leste, 1. Dezember 2012, abgerufen am 19. Mai 2020.
mini|BrigadegeneralCornélio Maunana Ximenes (2019)