mini|Prinz Albert (Gemälde von Franz Xaver Winterhalter, 1859)
Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (mit vollem Namen Albert Franz Albrecht August Karl Emanuel; * 26. August 1819 auf Schloss Rosenau, Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld; † 14. Dezember 1861 auf Windsor Castle, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland) war ein deutscher Prinz aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha. 1840 heiratete Albert seine Cousine, die britische Königin Victoria, und hatte bis zu seinem Tod 1861 erheblichen Einfluss auf seine Ehefrau und die Entwicklung der britischen Monarchie. Ab 1857 trug er den Titel Prince Consort (Prinzgemahl).
Leben Familienhintergrund mini|hochkant|Herzog Ernst I., Alberts Vater
Alberts Vater war Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld, der 1803 frühzeitig für volljährig erklärt worden war, um die Regierungsgeschäfte des rund 1500 Quadratkilometer umfassenden Herzogtums zu übernehmen. Ernst hatte die Herrschaft über den deutschen Kleinstaat in politisch schwierigen Zeiten angetreten. Während der Koalitionskriege kämpfte er in der preußischen Armee gegen Napoleon und verdankte es schließlich dem Einfluss Russlands, dass er nach dem Frieden von Tilsit im Jahre 1807 in seine landesherrlichen Rechte eingesetzt wurde. Der Bruder des russischen Zaren, Großfürst Konstantin Pawlowitsch, war seit 1796 mit Juliane von Sachsen-Coburg-Saalfeld verheiratet, einer Schwester des Herzogs, und hatte sich für seinen deutschen Schwager eingesetzt.
Am 31. Juli 1817 heiratete Herzog Ernst die erst 16-jährige Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg, letzte legitime Erbin des Hauses Sachsen-Gotha-Altenburg. Aus dieser Verbindung gingen zwei Söhne hervor: Neben Erbprinz Ernst wurde am 26. August 1819 Prinz Albert auf Schloss Rosenau geboren.
Mit der Geburt der Söhne schien die Erbfolge gesichert, jedoch entfremdeten sich in der Folge die beiden Elternteile. Ernst unterhielt außereheliche Beziehungen, ließ dieses allerdings nicht im gleichen Maße für seine junge Ehefrau gelten.Pakula, S. 9. Die Liebesbeziehung Luises mit dem Offizier Alexander von Hanstein führte zur endgültigen Trennung der Eheleute.Netzer, S. 57. Die Scheidung am 31. März 1826 wurde von Ernst allerdings bis zum Tode von Luises Vater und der damit verbundenen Neuaufteilung der ernestinischen Herzogtümer unter dem Vorsitz des sächsischen Königs hinausgezögert. Im Rahmen dieser Neuaufteilung fiel Saalfeld an den Herzog von Sachsen-Meiningen; Sachsen-Coburg erhielt Sachsen-Gotha, das Herzog Ernst nun als Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha in Personalunion, jedoch territorial und verwaltungsmäßig getrennt regierte.Netzer, S. 60. Seit ihrer Verbannung 1824 hatte Luise keinen Kontakt mehr zu ihren Söhnen und heiratete schließlich den zum Grafen von Poelzig erhobenen Alexander von Hanstein und starb am 30. August 1831 in Paris an Gebärmutterkrebs.
Kindheit und Jugend mini|Albert (links) mit seiner Mutter Luise und Bruder Ernst (Gemälde von Ludwig Döll, 1823–1824)
Am 4. Mai 1823 wurde Johann Christoph Florschütz zum „Herzoglichen Rat und Prinzen-Instructor“ ernannt und war fortan für die Erziehung der Prinzen Ernst und Albert verantwortlich. Als Sohn eines Coburger Gymnasiallehrers hatte Florschütz ein stabiles Familienleben kennengelernt und war von seinem Vater ermutigt worden, Theologie und Philosophie zu studieren. Florschütz, der den Prinzen Stabilität und Zuneigung entgegenbrachte, sollte über fünfzehn Jahre lang ein Ersatzvater für Albert sein und ihm eine ausgezeichnete Erziehung bieten. Das Unterrichtsprogramm umfasste Geschichte, Naturwissenschaften, Geographie und Philosophie, sowie den Erwerb von Fremdsprachen. Neben Latein lernten die Prinzen Französisch und Englisch. Der Vater frühstückte zwar häufig mit seinen Söhnen und nahm sie gelegentlich mit zur Jagd, war jedoch in ihrer Erziehung nur ein nachrangiger Faktor.Netzer, S. 64 und S. 65.
Insbesondere Prinz Albert hatte ein enges Verhältnis zu seiner in Gotha lebenden (Stief-)Großmutter Karoline Amalie von Hessen-Kassel, der kinderlos gebliebenen zweiten Gattin seines Großvaters Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg. Albert galt zeitlebens als Lieblingsenkel der Herzoginwitwe und besuchte sie als Erwachsener im Jahre 1845 zusammen mit Victoria im Gothaer Winterpalais.
Über die Empfindungen Alberts nach der plötzlichen Trennung von seiner Mutter ist wenig bekannt. Weder seine Tagebücher sind in diesem Punkt aussagekräftig, noch nimmt er in späteren Briefen dazu Stellung, obwohl die Scheidung der Eltern und die Erpressungsversuche der früheren minderjährigen Geliebten seines Vaters, Pauline Panam, Gesprächsstoff an den europäischen Fürstenhöfen waren. Lediglich seine Tochter Victoria berichtet später, dass ihr Vater ihr häufig erzählt habe, dass er seine Kindheit als unglücklich und elend empfunden und er sich oft aus dieser Welt fortgewünscht habe.Netzer, S. 62. Auch wenn Albert es nicht wagte, sich seinem Vater öffentlich zu widersetzen, so verachtete er dessen amoralisches Leben und begann schon als Kind damit, sich eine Gegenwelt aufzubauen, in der Moral, Arbeit, Pflichtgefühl und Disziplin an oberster Stelle standen. Seine Zeitgenossen aus diesen Jahren schilderten Albert später als umsichtig, willensstark und wissensdurstig, begabt mit Pflichtgefühl, schneller Auffassungsgabe und gesundem Menschenverstand.Netzer, S. 68. mini|Leopold I., König der Belgier, Porträt von Franz Xaver Winterhalter aus dem Jahre 1840
Leopold von Belgien – der Einfluss des Onkels Zu den einflussreichsten Persönlichkeiten im Leben des jungen Prinzen Albert zählte sein Onkel Leopold, der jüngste Bruder seines Vaters. Dieser hatte, obwohl nur an dritter Stelle in der Erbfolge eines unbedeutenden deutschen Kleinstaates, eine der wechselvolleren Karrieren eines europäischen Fürstensohnes im 19. Jahrhundert aufzuweisen. Während der Zeiten der französischen Verwaltung von Sachsen-Coburg-Saalfeld, als Herzog Ernst als rechtmäßiger Thronfolger das Herzogtum nicht betreten konnte, hatte Prinz Leopold zunächst seiner verwitweten Mutter, der Herzogin Auguste Reuß zu Ebersdorf, beigestanden. Nach dem Scheitern von Napoleons Russlandfeldzug und der Gründung der preußisch-russischen Allianz trat er in russische Militärdienste und zeichnete sich als Kavalleriekorps-Kommandeur in der Schlacht bei Kulm und der Völkerschlacht bei Leipzig durch persönliche Tapferkeit aus. Als der Zar 1814 den britischen Königshof besuchte, gehörte der jüngste Bruder der Zarenschwägerin zum russischen Gefolge, und vieles wies darauf hin, dass er Karriere am Zarenhof machen würde. Die präsumtive britische Thronfolgerin Charlotte Augusta, für die man bereits den Ehevertrag mit dem Prinzen von Oranien, dem niederländischen Thronfolger, aushandelte, verliebte sich in den gut aussehenden und wegen seiner militärischen Heldentaten berühmten Prinzen Leopold. Gegen den Widerstand ihres Vaters, Prinzregent Georg, löste die willensstarke Princess of Wales ihre Verlobung mit dem Prinzen von Oranien und heiratete am 2. Mai 1816 Prinz Leopold. Die Rolle des Prinzgemahls der britischen Königin blieb Prinz Leopold allerdings verwehrt: Prinzessin Charlotte starb 1817 an den Folgen einer Totgeburt. Das britische Königshaus war damit ohne legitime Nachkommen. Da es unwahrscheinlich war, dass Georg IV., dessen Ehe mit Caroline von Braunschweig vollständig zerrüttet war, noch thronfolgeberechtigte Nachkommen haben würde, begannen die jüngeren Brüder des britischen Regenten unter den protestantischen Prinzessinnen Europas nach geeigneten Ehepartnerinnen zu suchen. Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn hielt schließlich um die Hand von Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld an, der zweitjüngsten Schwester von Prinz Leopold und Herzog Ernst, mittlerweile eine verwitwete Fürstin von Leiningen und Mutter von zwei Kindern. Der verwitwete Prinz Leopold blieb über das nächste Jahrzehnt am britischen Hof, wo er seiner bald erneut verwitweten Schwester beistand, deren kleine Tochter Victoria aus der Ehe mit dem Herzog von Kent möglicherweise eines Tages den britischen Thron besteigen würde. Im Juni 1831 wählte der Brüsseler Nationalkongress Prinz Leopold zum belgischen König und er residierte ab diesem Zeitpunkt in Brüssel.
Den Wert von Ehebeziehungen zu anderen Fürstenhäusern hatte König Leopold selbst erfahren: Seine Karriere in der russischen Armee wäre so kaum möglich gewesen, wäre seine Schwester Juliane nicht mit dem Zarenbruder verheiratet gewesen. Er selbst heiratete kurz nach seiner Thronbesteigung die französische Königstochter Louise von Orléans, was weitgehend ausschloss, dass Frankreich Gebietsteile des jungen Staates Belgien annektierte. Eine aktive Rolle spielte er bereits 1836 bei der Verheiratung seines Coburger Neffen Ferdinand mit der portugiesischen Königin Maria II. von Portugal.Ferdinand war der Sohn von Ferdinand Georg August von Sachsen-Coburg-Saalfeld-Koháry, einem Bruder von Prinz Leopold und Herzog Ernst Eine mögliche Ehe zwischen seinem Neffen Prinz Albert und seiner britischen Nichte Victoria, die mit zunehmender Wahrscheinlichkeit eines Tages britische Königin sein würde, wurde von König Leopold systematisch verfolgt. Der Erzieher der Herzogssöhne Christian Florschütz berichtete regelmäßig in Briefen an den belgischen Hof über die Fortschritte seiner Zöglinge und hob Prinz Albert lobend hervor. Er war aber in seinem Urteil möglicherweise parteiisch. Schließlich beauftragte König Leopold seinen langjährigen Berater Christian Friedrich von Stockmar damit, Prinz Albert als möglichen Prinzgemahl seiner britischen Nichte Victoria in Augenschein zu nehmen. Christian Stockmar fand den Prinzen gut aussehend, war sich aber noch nicht sicher, ob er die nötigen Charaktereigenschaften für die schwierige Rolle eines britischen Prinzgemahles mit sich brachte. An seinen königlichen Auftraggeber schrieb er 1836 nach einem ersten Kennenlernen zurück:
„Finde ich, dass in jeder Hinsicht Fond [= Grundlage] genug in ihm sei, so verlangt die Gewissenhaftigkeit, dass man zuerst ihm das Schwierige des Unternehmens [der Verheiratung mit der präsumtiven englischen Königin] von allen Seiten darstelle. Schreckt ihn dies nicht ab, so treten nach meiner Meinung zwei Notwendigkeiten ein. Die erste ist die einer planmäßigen, konsequent durchgeführten Erziehung für seine künftige Laufbahn mit steter Rücksicht auf das so eigentümliche Land und Volk, und die zweite ist die, sich die Neigung der Prinzessin noch vor der Bewerbung zu gewinnen und die Bewerbung selbst nur erst auf diese Neigung zu gründen.“Netzer, S. 85.
Erziehung des möglichen Prinzgemahls Im Sommer 1836 traf Herzog Ernst mit seinen beiden Söhnen in London ein, um seiner Schwester und ihrer Tochter Victoria die Aufwartung zu machen. König Wilhelm IV. war über den Besuch wenig angetan, weil er eigene Heiratspläne für seine Nichte und Thronfolgerin verfolgte. Erst wenige Tage vor dem Besuch der Coburger Herzogsfamilie war Alexander von Oranien, der zweite Sohn des seinerzeitigen niederländischen Kronprinzen und späteren Königs Wilhelm II., der Prinzessin Victoria vorgestellt worden, den der britische König für einen geeigneten Ehekandidaten hielt.Erickson, S. 63. Prinzessin Victoria fand den niederländischen Prinzen jedoch wenig ansprechend. Für die beiden Coburger Prinzen konnte sie sich mehr erwärmen, nach ihrer Abreise schrieb sie an ihren Onkel König Leopold, dass Albert alle Eigenschaften besäße, die sie sich wünsche. Zum ersten Mal habe sie Aussicht „auf ein großes Glück“.Erickson, S. 65. Der Brief an ihren Onkel in Belgien ist ein Beleg dafür, dass Prinzessin Victoria wusste, dass König Leopold in Prinz Albert den richtigen Ehekandidaten für sie sah. Prinz Albert erfuhr dagegen nach den wenigen vorhandenen Dokumenten wahrscheinlich erst im März 1838 von diesem Vorhaben, obwohl Christian Stockmar dem belgischen König nahegelegt hatte, den Prinzen frühzeitig einzuweihen.Netzer, S. 93.