mini|Bayerische Staatsbibliothek
Die Bayerische Staatsbibliothek (kurz BSB) in München ist die zentrale Universal- und Landesbibliothek des Freistaats Bayern und eine der bedeutendsten europäischen Forschungs- und Universalbibliotheken mit internationalem Rang. Ihr Medienbestand (einschließlich digitaler Medien) beläuft sich auf rund 39,4 Millionen Medien (Stand: 2024); damit ist sie die größte Universal- und Forschungsbibliothek Deutschlands. Darüber hinaus verfügt sie in ihrem Altbestand über eine der wichtigsten Handschriftensammlungen der Welt, die umfangreichste Sammlung von Inkunabeln in Deutschland, eine der umfangreichsten und wichtigsten Zeitschriftenbibliotheken Europas sowie zahlreiche weitere bedeutende Sondersammlungen, darunter mit knapp 19,7 Millionen Fotos das größte deutsche Bildarchiv in öffentlicher Trägerschaft. Mit ihrem Medienbestand ist die 1558 als Hofbibliothek gegründete Staatsbibliothek heute eine der größten und bedeutendsten Gedächtnisinstitutionen Europas mit 913 Beschäftigten bei 644 Planstellen.
Seit 1663 existiert ein Pflichtexemplarrecht; das heißt, dass von jedem in Bayern erscheinenden Druckwerk zwei Exemplare an die Bayerische Staatsbibliothek abgeliefert werden müssen. Die BSB gibt die Fachzeitschrift Bibliotheksforum Bayern heraus und – gemeinsam mit der Staatsbibliothek zu Berlin – von 2007 bis 2023 das Bibliotheksmagazin.
Aufgaben Die Bayerische Staatsbibliothek hat die Aufgabe, als Universalbibliothek der Wissenschaft, Forschung und Lehre der Öffentlichkeit Literatur zur Verfügung zu stellen. Als zentrale Landes- und Archivbibliothek hat sie seit 1999 die Rolle der Fachbehörde für alle Angelegenheiten des bayerischen Bibliothekswesens inne und ist an allen landesweiten Planungs- und Koordinationsaktivitäten im Bibliothekswesen beteiligt. Die Bayerische Staatsbibliothek besitzt seit 1663 das Pflichtexemplarrecht für bayerische Publikationen, die sie sammelt, erschließt, auf Dauer archiviert und ihren Nutzern zur Verfügung stellt. Im Rahmen dessen veröffentlicht sie regelmäßig die Bavarica in der Bayerischen Bibliographie, eine Bibliografie mit Buchtiteln mit bayerischem Bezug. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb von bavarikon, dem Internetportal des Freistaats Bayern zur Präsentation von Kunst-, Kultur- und Wissensschätzen aus Einrichtungen in Bayern. Als eines der sechs Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD), die zusammen eine verteilte, virtuelle Nationalbibliothek Deutschlands aufbauen, ist die BSB zuständig für Drucke aus den Jahren 1450–1600. Sie ist Sitz des Münchener Digitalisierungszentrums, betreut Fachinformationsdienste für die Wissenschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft und arbeitete bei der Führung der Gemeinsamen Körperschaftsdatei (GKD) und der Personennamendatei (PND) mit, die April 2012 in der Gemeinsamen Normdatei (GND) aufgegangen sind.
Bestand mini|In der Speicherbibliothek Garching lagern zahlreiche Schriften der Staatsbibliothek.mini|hochkant|Exlibris der Bibliotheca Regia Monacensis mini|hochkant|Petrus empfängt die Schlüssel zum Himmelreich (fol. 152v); Bild aus dem Perikopenbuch Heinrichs II.
Allgemein Der Medienbestand (einschließlich E-Medien) der Bayerischen Staatsbibliothek beträgt rund 39,4 Millionen. Dazu gehören neben 11,4 Millionen Bänden auch rund 147.000 Handschriften, darunter der Codex aureus und zwei Handschriften des Nibelungenlieds (Handschrift A und D).Bayerische Staatsbibliothek: Nibelungenlied-Handschriften aus der Bayerischen Staatsbibliothek, 5. Oktober 2011. Ferner gehören zur Sammlung das Evangeliar Ottos III., das Gebetbuch Ottos III., vormals Pommersfelden, Gräflich Schönbornsche Bibliothek, Hs. 2490, die Carmina Burana, die Freisinger Denkmäler, das Perikopenbuch Heinrichs II., der Babylonische Talmud, die Chorbücher von Orlando di Lasso und das Wessobrunner Gebet.
Die Bibliothek besitzt 54.000 gedruckte und elektronische Zeitschriften, eine etwa 21.000 Exemplare zählende Sammlung von etwa 9.660 Inkunabeln (das ist rund ein Drittel der weltweit rund 28.000 erhaltenen Inkunabeln), darunter eine Gutenberg-Bibel und der vollständige Türkenkalender (Rar. 1). Zur Bibliothek zählen auch über 5 Millionen digitalisierte Bände.
Zum Bestand zählen zahlreiche Drucke des 16. Jahrhunderts sowie biblische Unzial-, Minuskelhandschriften und Lektionare. Zum Weltdokumentenerbe der UNESCO gehören das 2003 aufgenommene Perikopenbuch Heinrichs II., die 2009 aufgenommene Hohenems-Münchener Handschrift A, das 2003 aufgenommene Evangeliar aus dem Bamberger Dom, das 2003 aufgenommene Evangeliar Ottos III., die 2005 aufgenommene Bibliotheca Corviniana, das 2023 aufgenommene Masnawi von Dschalāl ad-Dīn Rūmī sowie der 2025 aufgenommene Babylonische Talmud.
Innerhalb des Zusammenschlusses „Sammlung Deutscher Drucke“ hat sie die Aufgabe, eine möglichst vollständige Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums von 1450 bis 1600 aufzubauen. Sie ist Fachinformationsdienstbibliothek der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Bereiche Vor- und Frühgeschichte, Byzanz, Klassische Altertumswissenschaft, Neuzeitliches Griechenland, Rumänische sowie Albanische Sprache und Literatur, Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa, allgemeine Geschichte, Geschichte Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Frankreichs und Italiens sowie Musikwissenschaft und bis Ende 2014 als Sondersammelgebiet die Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft.Bayerische Staatsbibliothek Projekte, abgerufen am 31. Juli 2019
Die Bayerische Staatsbibliothek ist als UN-Depotbibliothek von den Vereinten Nationen anerkannt.
Digitale Angebote Als Innovationszentrum für digitale Informationstechnologie und -services hat die Bayerische Staatsbibliothek auch umfangreiche Internetprojekte initiiert. Bereits 1997 wurde das Münchener Digitalisierungszentrum eingerichtet. Mit der Bereitstellung des konvertierten Blattkatalogs 1841–1952 und des Inkunabelkatalogs 1450–1500 ist heute der gesamte Druckschriftenbestand der Bayerischen Staatsbibliothek online recherchierbar. Im Rahmen des Dokumentlieferdienstes eBooks on Demand werden auf Bestellung vollständige elektronische Kopien urheberrechtsfreier Bücher bereitgestellt. Am 7. März 2007 gab der damalige Generaldirektor Rolf Griebel bekannt, dass Google Books für die Staatsbibliothek den Bestand digitalisieren wird, soweit er nicht dem Urheberrecht unterliegt.„Google digitalisiert in Bayern: Mit Hybridantrieb ins Netz“, FAZ, 8. März 2007.
Bei der Bayerischen Staatsbibliothek ist auch das Literaturportal Bayern angesiedelt, die Internet-Präsenz für die Literatur in Bayern mit einem Überblick über die Literaturlandschaft Bayerns. Es wird getragen und begleitet vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und unterstützt von der Landeshauptstadt München. Zu den Angeboten zählen Autoren-, Institutionen- und Preislexika ebenso wie Berichte, Blogs und Publikationen zu aktuellen literarischen Themen, Veranstaltungen und Entwicklungen. Die Website ging am 16. Juli 2012 online. Das Literaturportal ist ein eigenständiges Angebot, das auch über die Personensuche des Kulturportals bavarikon recherchierbar ist. Es handelt sich um eine Kooperation mit der Monacensia, Bibliothek und Literaturarchiv der Stadt München.
Darüber hinaus hat die Bibliothek zahlreiche mobile Apps entwickelt: Famous Books – Treasures of the Bavarian State Library: Die Bibliothek präsentiert kostbarste Spitzenstücke aus ihrem reichhaltigen Altbestand. Oriental Books – Oriental Treasures of the Bavarian State Library: Die App enthält 20 Prachthandschriften aus der umfangreichen Orientsammlung der Bibliothek. Ludwig II. – Auf den Spuren des Märchenkönigs: Die Location-Based-Services-App präsentiert eine Vielfalt multimedialer Informationen zum „Märchenkönig“ Ludwig II. von Bayern mit Augmented-Reality-Features. Die Applikation wird in Kooperation mit der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen angeboten. Bayern in historischen Karten: Historische Kartenwerke aus der europaweit bedeutenden Kartensammlung der Staatsbibliothek werden in Form eines Location-Based-Services für die mobile Nutzung bereitgestellt. Die App wurde in Zusammenarbeit mit dem Haus der Bayerischen Geschichte, der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen und dem Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung entwickelt und gefördert vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Dichterwege – Auf den Spuren von Jean Paul: Die App wurde anlässlich des 250. Geburtstags von Jean Paul in Kooperation mit dem Verbundprojekt Jean-Paul-Weg in Oberfranken und dem Verein Jean Paul 2013 als digitaler Wanderführer auf den Spuren des Dichters Jean Paul entwickelt. bavarikon3D: Mit dieser App präsentieren führende bayerische Kulturinstitutionen ausgewählte Kunstobjekte als 3D-Digitalisate. Unter den ersten ausgewählten 3D-Objekten befinden sich Skulpturen, Plastiken, historische Globen und mittelalterliche Handschriften. Deutsche Klassiker in Erstausgaben: 30 Erstausgaben deutschsprachiger Klassiker werden in drei verschiedenen Ansichten, darunter eine innovative Hybrid-Ansicht, zur Verfügung gestellt. In der Hybrid-Ansicht wird die mitunter schwer lesbare Fraktur- oder Mischschrift der Originalbuchseiten binnen Sekunden durch die Auswahl einer modernen Schriftart leicht lesbar.
Geschichte Gründung mini|links|hochkant|Der Heiligen Leben Winterteil – Seite aus einer Handschrift aus dem Kloster Weihenstephan (um 1475)
Gegründet wurde die Bibliothek 1558 im Kanzleigewölbe am Alten Hof in München als HofbibliothekOtto Hartig: Die Gründung der Münchener Hofbibliothek durch Albrecht V. und Johann Jakob Fugger (= Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse. 27.3). München 1917. von Herzog Albrecht V. durch den Ankauf zweier Sammlungen: zum einen des Nachlasses des österreichischen Juristen, Orientalisten und kaiserlichen Kanzlers Johann Albrecht Widmanstetter, der aus orientalischen Handschriften und Drucken, Ausgaben klassischer Autoren und Werken aus den Bereichen Theologie, Philosophie und Rechtswissenschaft bestand, zum anderen der Sammlung des Augsburger Patriziers Johann Jakob Fugger, die 1571 erworben werden konnte. Fugger hatte Agenten beauftragt, in Italien, Spanien und den Niederlanden Bände mit Handschriften und Drucken zu sammeln. Dies wurden mehr als 10.000 Bände. Gleichzeitig hatte er in Venedig Handschriften kopieren lassen. Außerdem hatte Fugger 1552 die Handschriften- und Inkunabel-Sammlung des Arztes und Humanisten Hartmann Schedel erworben, die eine der reichsten humanistischen Privatbibliotheken nördlich der Alpen war. Betreut und organisiert hatte die Fugger-Sammlung zunächst der Antwerpener Arzt Samuel Quicchelberg (1529–1567). Er hatte die Aufstellungsordnung der Hofbibliothek Augsburg übernommen. Später wurde die Sammlung von dem Bibliothekar Wolfgang Prommer (1545–1606) betreut, der sie sowohl alphabetisch als auch nach Stichworten katalogisierte. Der Nürnberger Aegidius Oertel wurde 1561 der erste Bibliothekar. Die hauptsächlichen Nutzer der Bibliothek waren die 1559 nach München geholten Jesuiten.
Wilhelm V. führte die Sammlung mit weiteren Ankäufen fort: spanische Drucke aus dem Nachlass des Tiroler Ritters Anselm Stöckel (1583) die Sammlung des Augsburger Ratsherrn Johann Heinrich Herwarth von Hohenberg, die reich an Musikdrucken ist (1585) Humanistenbibliothek des Augsburger und Eichstätter Domherrn Johann Georg von Werdenstein (1592)
Flüchtung im Dreißigjährigen Krieg und Bestandszuwachs durch die Säkularisation