mini|Der Dampfer Graf Wurmbrand im Hafen von Zadar (um 1900) mini|Die zum Kreuzfahrtschiff umgebaute Thalia befuhr ab 1907 als Vergnügungsdampfer turnusmäßig vor allem Routen im Mittelmeer und der Nordsee sowie dem Europäischen Nordmeer.

Der Österreichische Lloyd (italienisch Lloyd Austriaco) war die größte Schifffahrtsgesellschaft Österreich-Ungarns und des Mittelmeeres. Sie wurde auf Initiative von sieben Triester Versicherungsgesellschaften, der Banco Adriatico di Assicurazioni, Azienda Assicuratrice, Banco Illirico d’Assicurazioni, Banco Adriatico di Assicurazione Generali, Banco di Marittime Assicurazioni, Compagnia degli Amici di Assicuratori und der Società Orientale d’Assicurazioni, nach dem Vorbild des Londoner Lloyd’s ins Leben gerufen. Ein Spezialkomitee, dem u. a. der österreichische Politiker Karl Ludwig von Bruck angehörte, arbeitete die Statuten aus, die von der Zentralstelle der Vereinigten Versicherungsgesellschaften und schließlich der Regierung genehmigt wurden. So konnte 1833 von 19 Seetransportversicherungsgesellschaften, Banken und 127 Einzelaktionären die Gesellschaft mit Sitz in dem mit einem Freihafen ausgestatteten Triest förmlich gegründet werden. Zu den Mitbegründern und Einzelaktionären gehörten neben von Bruck auch Carlo Regensdorff, der Triestiner Bankier Pasquale Revoltella und der Generali-Gründer Joseph Lazarus Morpurgo.

Zweck der Unternehmung war zunächst die Informationsbeschaffung für die teilhabenden Versicherungen. Ab 1836 wurde auch der Postverkehr in der Adria übernommen, womit der Grundstein für die folgende Expansion sowohl im Fracht- als auch im Passagierbereich zu einer der größten Reedereien der Welt gelegt war. Als Wahlspruch wählte man „Vorwärts“, ganz entgegen dem damaligen Trend unter den Reedereien der Welt, lateinische Formulierungen zu verwenden.

Der größte direkte Konkurrent war ab den 1880er Jahren die von Ungarn betriebene und geförderte, jedoch hinsichtlich ihrer Schiffsanzahl und Tonnage deutlich kleinere Schifffahrtsgesellschaft Adria, die ihren Sitz im zur ungarischen Reichshälfte gehörenden Fiume hatte. 1898 kam es zwischen der österreichischen und ungarischen Regierung zum Abschluss eines Übereinkommens zur Aufteilung der Verkehrszonen zwischen dem Lloyd und der Adria. Danach wurden „dem Oesterreichischen Lloyd der Orient, Ostafrika, Indien, China und Japan, der ungarischen Seeschiffahrts-Gesellschaft „Adria“ der Westen, namentlich Italien, Malta, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Nord- und Westafrika (Aegypten ausgenommen) und Nordamerika vorbehalten bleiben. Das Gebiet des schwarzen Meeres ist neutral.“Der Seeverkehr Oesterreich Ungarns. in: Vorarlberger Landes-Zeitung vom 4. März 1898 (Digitalisat).

Dienstsprache war Italienisch, die Prospekte wurden jedoch in deutscher Sprache, für die Levante- und Indien-Ostasien-Linien auch auf Französisch und Englisch abgefasst. Auch tschechischsprachige Werbemittel liegen vor, z. B. für SS Thalia. Die Gesellschaft wurde, wie vergleichbare Reedereien in anderen Staaten auch, mit hohen staatlichen Subventionen bedacht, weshalb das Unternehmen nicht zuletzt wegen verschiedener Verpflichtungen von staatlicher Seite als „halbstaatlich“ bezeichnet werden kann.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges ging der Österreichische Lloyd in italienischen Besitz über und wurde von 1921 bis 2006 als Lloyd Triestino (Triestiner Lloyd) weiterbetrieben. 2006 wurde der Lloyd Triestino in Italia Marittima umbenannt.

Geschichte + Die Flotte des Österreichischen Lloyds im Jahre 1848(ausschließlich Raddampfer, insgesamt 24) Schiffsname gebaut in Stapellauf Tonnage (in t) PS Arciduca Francesco Carlo Venedig 1833 133 40 Arciduchessa Sofia Triest 1833 141 50 Maria Dorotea Triest 1834 212 70 Ferdinando I. Triest 1836 284 100 Arciduca Ludovico London 1837 310 100 Arciduca Giovanni London 1837 349 120 Principe Metternich Triest 1837 473 140 Conte Mittrowsky Triest 1837 237 60 Elleno (ex Principe Metternich) Triest 1837 357 120 Baron Eichhoff Triest 1837 361 100 Mahmudiè Triest 1838 467 120 Dalmata (ex Conte Stürmer) Triest 1838 211 60 Stambul (I) Triest 1838 620 160 Conte Stürmer (ex Seri Pervas) Triest 1839 469 140 Barone Kübeck Triest 1842 229 70 Arciduca Federico Bristol 1842 394 120 Imperatore Triest 1843 545 160 Imperatrice Triest 1844 545 160 Conte Kolowrat Triest 1845 330 100 Austria Triest 1847 763 360 Trieste Triest 1847 448 160 Venezia Triest 1847 448 160 Italia Triest 1847 728 260 Germania Triest 1847 728 260

Gründung und erste Geschäftsjahre Zusammenschluss Triestiner Versicherungsgesellschaften (1. Sektion) Zweck des 1833 nach dem Vorbild des Londoner Lloyd gegründeten Österreichischen Lloyd war zunächst, Händler und Schiffsspediteure mit aktuellen Informationen über verschiedene Märkte und den Seehandel in Europa und Asien zu versorgen. Das „Marine-Auskunfts-Bureau“ trug zunächst den Namen „K.K. Oesterreichische Lloyd“. Die Informationen erlangte das Unternehmen aus einem Netz von verschiedenen Handelskorrespondenten und Zeitungen, die regelmäßig den Hafen von Triest erreichten. Zudem sollte der Schiffsverkehr im Triestiner Hafen notiert werden, und im Auftrag des Staates hatte der zeitaufwändige und von Verzögerungen gekennzeichnete Posttransport mit von der k. u. k. Kriegsmarine beigestellten Segelschiffen durchgeführt zu werden. Der ersten Direktion gehörten die folgenden Herren an: Joseph Bousquet, Karl von Bruck, L. M. Brucker, Giannichesi, Grant, Kohen, Meksa, Padovani, Premuda, Carl Regensdorff, Rodrigues da Costa, Guglielmo Sartorio, Schnell Griot und Vucetich.

Für das erste Geschäftsjahr wurde folgende Statistik veröffentlicht:

Dampfschiffahrtsgesellschaft (2. Sektion)

Um am internationalen Seefracht- und -passagierverkehr teilzunehmen, führte der Österreichische Lloyd am 2. August 1836 den Unternehmensbereich Verfrachtung ein.Neue Gestaltung des Österreichischen Lloyds in Triest. Triest 1836. (online)

Die „Dampfschiffahrtsgesellschaft des Österreichischen Lloyd“ (ital. „Società di navigazione a vapore del Lloyd Austriaco“) wurde rasch zum Kerngeschäft des gesamten Unternehmens. Daher gilt dieses Datum auch als Gründungsjahr des Österreichischen Lloyd. Das Gründungskapital betrug in Konventionsmünze eine Million Florentiner Gulden. In der Gründungsurkunde hieß es: „Zweck der Gründung sollte es sein, Triest mittels Dampfbooten in Verbindung mit den Echellen (Hafenplätzen) des Orient zu bringen.“Für spätere Zeiträume ist auch eine Beteiligung des Kaisers Franz Joseph I. nachgewiesen. So hielt er in seinem Privatvermögen 1906 insgesamt 430 Aktien zu 1.000 Kronen und 1909 bereits 1.100.Bruno Astori, Giuseppe Stefani: Il Lloyd Triestino. Contributo alla storia Italiana della navigazione marittima. Verona 1938, S. 397

Für den neuen Unternehmensbereich wurden aus England drei Dampfschiffe à 120 PS und drei Dampfer mit je 100 PS angekauft. In Triest wurden Werkstätten eingerichtet und in ausländischen Häfen Kohlelagerplätze angemietet. Das erste Schiff, das an den Österreichischen Lloyd ausgeliefert werden konnte, war die in London gebaute „Arciduca Ludovico“. Die in der Flottenliste angegebenen Schiffe früheren Baujahres stammen von einer fusionierten Vorgängergesellschaft, die unter englischem Einfluss stand. Die erste Fahrt des nun als Reederei auftretenden Unternehmens startete am 15. Mai 1837 um 5 Uhr nachmittagsHistorisch-topographisches Reisehandbuch für die Besucher dieser Stadt und ihrer Umgebungen. Triest 1857, S. 43. vom Molo San Carlo in Triest. An Bord des innerhalb von 14 Tagen nach Konstantinopel über die Zwischenhäfen Ancona, Korfu, Patras, Piräus, Syra und Smyrna steuernden Schiffes befanden sich 53 Passagiere.

mini|350px|Fahrpläne des ÖL von 1842 für alle befahrenen Routen (50 × 64 cm) Der Österreichische Lloyd richtete seine Tätigkeit insbesondere auf den Orient und betrieb die ersten Fracht- und Personentransporte nach Häfen im gesamten Mittelmeerraum. Bereits im ersten Betriebsjahr wurden 79 Reisen (58 zwischen Triest und Venedig, 21 nach Griechenland, Türkei und Ägypten) mit insgesamt 7.967 Passagieren und 35.205 Briefen verzeichnet. Die ersten Seeverbindungen nach Konstantinopel wurden bereits 1837 aufgenommen. In der ersten Generalversammlung beschloss man aufgrund des erfolgreichen Starts den Ankauf zweier weiterer Schiffe sowie die Erhöhung des Grundkapitals auf 1,5 Millionen Gulden. Die Lloyd-Schiffe fuhren auch in die Levante, nach Griechenland und Ägypten. Mit dieser Erweiterung des Liniennetzes wurde der Lloyd vom Staat zur Errichtung von Postexpeditionen in den größeren Städten angewiesen. Ab 1842 war der Lloyd zum Hissen der Post-Flagge berechtigt und Offizieren sowie Mannschaft das Tragen von Uniformen gestattet. Die anfangs gewählte Farbe grün war jedoch äußerst unbeliebt und wurde nach wenigen Jahren, nicht zuletzt aufgrund der Verwechslungsgefahr mit den ebenfalls grünen Uniformen der russischen Handelsmarine, gegen die international und auch bei der k. u. k. Kriegsmarine üblichen blau-weißen Uniformen umgetauscht.

Literarisch-artistische Abteilung (3. Sektion)

mini|140px|Briefbogen der Redaktion der Journale des Österreichischen Lloyd