Der Derry City Football Club (irisch: Cumann Peile Chathair Dhoire) ist ein 1928 gegründeter Fußballverein aus der nordirischen Stadt Derry. Die Vereinsfarben sind rot und weiß. Heimspielstätte ist das Ryan McBride Brandywell Stadium. Die Spieler sind unter dem Beinamen „Candystripes“ bekannt.
Der Verein nahm früher am Spielbetrieb der nordirischen Irish Football League teil und wurde dort einmal Meister und dreimal Pokalsieger. Aufgrund der gewaltsamen Auseinandersetzungen im Nordirlandkonflikt zog sich der Verein 1972 aus der nordirischen Liga zurück. Seit 1985 nimmt Derry City als einziger nordirischer Fußballverein am Ligasystem der Republik Irland teil. Dort gewann Derry City zweimal die Meisterschaft und sechsmal den Pokal.
Geschichte Die Vorgeschichte (1902–1928) Der im Jahre 1902 gegründete Derry Celtic Football Club wurde im Jahre 1913 aus der Irish Football League gewählt. Durch diese Abstimmungsniederlage war die Stadt Derry für einige Jahre ohne Erstligafußball. Diese Abstinenz wurde durch den Ersten Weltkrieg, den Osteraufstand und die Teilung Irlands verlängert. Die Teilung Irlands führte zur Gründung von zwei Fußballverbänden und zwei Fußballligen. Die Bewohner der Stadt Derry waren irritiert darüber, dass ihre Stadt keinen Fußballverein in der ersten nordirischen Liga hatte. Die benachbarte Stadt Coleraine, die nur ein Viertel der Einwohner von Derry hat, hatte seit der Aufnahme ihres FC Coleraine in die nordirische Liga einen solchen Erstligaverein.
Die ersten Jahre in der nordirischen Liga (1929–1949) 1928 versammelte sich eine Gruppe von Fußballfans und gründete einen neuen Verein. Die Gründerväter waren der Meinung, dass der Vereinsname „Celtic“ zu sehr irisch-nationalistisch geprägt und daher die unionistische Minderheit der Stadtbevölkerung nicht ansprechen würde.derrycityfc.net: Der Streit um den offiziellen Namen der Stadt war zur damaligen Zeit noch kein Politikum wie viele Jahre später.bbc.co.uk: City name row lands in High Court Während die katholischen Nationalisten die Stadt als „Derry“ bezeichnen, wird die Stadt von den protestantischen Unionisten „Londonderry“ genannt. Daher entschied man sich für den Namen Derry City. Am 9. Mai 1928 trat Derry City den North West Football Association bei. Etwa zwei Wochen später fuhr eine Delegation des Vereins zum jährlichen Treffen der Irish-Football-League-Verein und bewarb sich um die Aufnahme in die Liga. Derrys Antrag wurde abgelehnt, weil die Bewerbung zwei Tage nach dem Fristablauf eingegangen war.
Ein Jahr später wurde Derry City in die Irish Football League aufgenommen und nahm den Platz des Vereins Queen’s Island ein. Pläne für den Kauf eines eigenen Stadions scheiterten aufgrund des engen Zeitplans. Die Stadt Derry wies dem Verein das Brandywell Stadium zu. Bis heute spielt Derry City in diesem Stadion. Am 22. August 1929 feierte Derry City mit einem Heimspiel gegen den FC Glentoran sein Debüt in der Irish Football League. Durch ein Tor von Peter Burke führte City zur Halbzeit mit 1:0, verlor aber noch mit 1:2. Der erste Sieg wurde am 7. September 1929 eingefahren. Bei Newry Town gewann City mit 3:2. Die erste Saison wurde auf dem fünften Platz beendet.
Der erste „Star“ des Vereins war Jimmy Kelly, der 1930 verpflichtet wurde. Innerhalb von 21 Jahren erzielte er 363 Tore für Derry und wurde irischer und nordirischer Nationalspieler. 1932 griff der Club erstmals nach der Meisterschaft. Drei Spieltage vor Saisonende führte City die Tabelle an, nur um die verbleibenden Spiele zu verlieren. Trotz 107 erzielter Saisontore wurde City nur Vierter. Nach der Saison wurden die Trikots der Mannschaft verändert. Von nun an trugen die Spieler weiße Trikots und schwarze Hosen. Schon nach einem Jahr erhielten die Trikots rote Streifen. Die Trikots ähnelten denen des englischen Vereins Sheffield United. Bis auf eine kurze Unterbrechung Ende der 1950er Jahre tragen die Spieler noch heute diese Trikots. Durch die roten Streifen entstand der Spitzname „Candystripes“.
1936 erreichte Derry das Finale des nordirischen Pokals. Nach Verlängerung stand es unentschieden, so dass ein Wiederholungsspiel die Entscheidung bringen musste. Hier war der Finalgegner Linfield erfolgreich. Erst 1949 kehrte City in das Pokalfinale zurück. Dieses Mal war Derry erfolgreich und schlug Glentoran mit 3:1.derrycityfc.net: Glentoran ging in Führung. Durch Tore von Hugh Covlan und Matt Doherty drehte Derry das Spiel. Nach einer Verletzung musste Jimmy Kelly vom Platz getragen werden. Die Mannschaftsärzte konnten ihn erfolgreich behandeln, so dass Kelly auf den Platz zurückkehren konnte. Barney Cannon sorgte für den 3:1-Endstand.
Die 1950er und 1960er Jahre Nach dem Pokalsieg 1949 ging es sportlich nach unten. 1954 wurde Derry nur Drittletzter, erreichte aber erneut das Pokalfinale. Wieder hieß der Gegner Glentoran und wieder ging Derry als Außenseiter in das Spiel. Sowohl das Finale als auch das erste Wiederholungsspiel endeten unentschieden. Das zweite Wiederholungsspiel konnte Derry durch ein Tor von Con ONeill für sich entscheiden.rte.ie: Derry City's FAI Cup history Zwischen 1956 und 1962 trugen die Spieler von Derry City neue Trikots, die vom Aussehen her denen der Wolverhampton Wanderers ähnelten. Die Trikots brachten aber keine Erfolge. 1961 wurde die Gehaltsobergrenze abgeschafft und die Spieler von Derry City wurden zu Halbprofis.
Im Jahre 1964 konnte Derry zum dritten Mal den nordirischen Pokal gewinnen. Wieder hieß der Gegner Glentoran. Während des Jahres blieb die Mannschaft in 47 Spielen in Folge ungeschlagen. Durch den Pokalsieg qualifizierte sich Derry erstmals für den Europapokal. In der ersten Runde des Europapokals der Pokalsieger war gegen Steaua Bukarest Endstation. In der Meisterschaft war man erfolgreicher. Nach einem 5:1-Sieg über den FC Ards war die erste und einzige nordirische Meisterschaft perfekt. Fay Coyle wurde Torschützenkönig und Doug Wood Fußballer des Jahres. Ebenfalls 1965 trat Derry bei einem Freundschaftsspiel gegen die Spanische Fußballnationalmannschaft in Madrid an. Die spanische Auswahl gewann mit 3:1.
Durch die Meisterschaft qualifizierte sich Derry für den Europapokal der Landesmeister. In der ersten Runde traf man auf Lyn Oslo, verlor in Norwegen aber zunächst mit 5:3. Im Rückspiel konnte der Verein die Partie allerdings zu seinen Gunsten drehen und schließlich mit 5:1 gewinnen. Derry war damit die erste nordirische Mannschaft, die den Einzug in die zweite Runde eines Europapokalbewerbs geschafft hatte.derrycityfc.net: Doch in der nächsten Runde warteten ungeahnte Schwierigkeiten auf den Verein, die das Verhältnis zum nordirischen Verband IFA auf eine harte Probe stellen sollten. Wenige Tage nach dem Erfolg im Europapokal erklärte die IFA das Brandywell-Stadion als zu unsicher für die Austragung von Europapokalspielen, ungeachtet der Tatsache, dass der Verband diese Bedenken vor dem Heimspiel gegen Oslo nicht vorgebracht hatte.
In den Reihen Derry Citys wurde für die Entscheidung der IFA sektiererische Motive ausgemacht, die mit fortschreitender Zuspitzung des Nordirlandkonflikts immer unverhohlener in den Vordergrund rückten. So war es für die protestantisch geprägte IFA offenbar nur schwer zu ertragen, ausgerechnet einen katholisch-nationalistischen Verein in der zweiten Runde des Europapokals zu sehen. Eine Anfrage beim Verband zu möglichen Verbesserungsmaßnahmen am Stadion blieb unbeantwortet. Stattdessen wurde Derry City anheimgestellt, Heimspiele im Europapokal künftig in Belfast auszutragen oder ersatzweise im Stadion des protestantisch geprägten Coleraine FC, das sich überdies in einem kaum besseren Zustand als das Brandywell-Stadion befand. Letztlich wies Derry das Ansinnen des Verbandes zurück, trat aber dennoch zum Hinspiel beim Zweitrundengegner RSC Anderlecht in Brüssel an, wo man mit 9:0 unterlag. Vor dem geplanten Rückspiel inspizierte eine belgische Delegation das Brandywell-Stadion, brachte aber keinerlei Einwände vor, während auch die UEFA im Zustand des Stadions keinen Hindernisgrund für die Austragung eines Europapokalspiels erkannte. Die Letztentscheidung wurde jedoch der IFA übertragen, die allerdings auf ihrem Standpunkt beharrte. In der Folge sah sich Derry City gezwungen, auf die Austragung des Rückspiels ganz zu verzichten und sich aus dem laufenden Bewerb zurückzuziehen, womit Anderlecht kampflos in die nächste Runde einzog.guardian.co.uk: My team – Derry City: An interview with Martin McGuinness Das Verhältnis zwischen Derry City und dem nordirischen Verband sollte sich nicht mehr verbessern.espn.com:
Derry im Zeichen des Nordirlandkonflikts (1969–1985) Bis weit in die 1960er Jahre verliefen Spiele im Brandywell-Stadion für die meisten nordirischen Vereine problemlos. Trotz der politischen Unterschiede gab es keine Ausschreitungen oder Gewalttaten. Dies änderte sich im Jahre 1969, als sich die Unruhen in der Provinz in bürgerkriegsähnliche Zustände verwandelten. Fußballspiele zwischen Mannschaften mit katholischen und protestantischen Hintergrund bekamen eine neue Dimension. Das Brandywell-Stadion lag außerhalb der Reichweite der Royal Ulster Constabulary und der britischen Armee, so dass das Stadion immer mehr zu einer unsicheren Zone wurde. Das Stadion von Derry City war nur einen Steinwurf entfernt von den Schauplätzen des „Battle of the Bogside“ (1969) und des Bloody Sunday (1972).
Auch wenn Derry City ein nationalistisch-katholisch geprägter Verein ist, spielte die Religion keine Rolle bei der Frage, ob ein Spieler für Derry spielen konnte oder nicht. Bei Derry City wurden die Trikots von Spielern beider Konfessionen getragen.
Am 25. Januar 1969 mussten die Fans des FC Linfield von der Polizei aus dem Brandywell-Stadion evakuiert werden, nachdem es im Stadion zu Ausschreitungen kam. Es war bis zum Jahr 2005 das letzte Spiel beider Mannschaften in Derry. 1971 erreichte Derry City erneut das Pokalfinale, unterlag aber gegen den FC Distillery mit 0:3. Im September 1971 erreichte der Konflikt einen neuen Tiefpunkt. Eine Gruppe Jugendlicher, die keinerlei Verbindungen zum Verein hatte, setzte den Mannschaftsbus von Ballymena United in Brand. Immer mehr Vereine schlossen sich aus Sicherheitsgründen Linfields Weigerung, in Derry zu spielen, an. Auch die Royal Ulster Constabulary erklärte das Brandywell-Stadion als unsicher. Derry wollte daraufhin seine Heimspiele in Limavady oder Ballybofey austragen. Beide Spielorte wurden vom Verband abgelehnt. Ballybofey kam für den Verband nicht in Frage, da es sich hier um einen Ort in der Republik Irland handelt.
Als letzten Ausweg wurde die Stadt Coleraine als neuer „Heimspielort“ auserkoren. Coleraine ist mehrheitlich protestantisch-unionistisch und liegt etwa 50 Kilometer von Derry entfernt. Da viele Fans aus politischen und finanziellen Gründen nicht nach Coleraine fahren wollten, musste Derry City mit schwindenden Zuschauerzahlen und finanziellen Problemen kämpfen. Im Oktober 1972 beantragte der Verein bei der Liga die Wiederzulassung des Brandywell-Stadions als Heimspielstätte. Dabei wurde Derry vom FC Portadown unterstützt. Der Liga wurde ein Bericht der Sicherheitskräfte vorgelegt, nachdem das Brandywell-Stadion nicht mehr und nicht weniger gefährlich ist als andere Stadien in der Liga. Auf einer Ligasitzung kam es zu einer Abstimmung. Fünf Vereine stimmten für Derrys Antrag, sechs dagegen. Der FC Coleraine enthielt sich, so dass der Antrag abgelehnt wurde. Am 13. Oktober 1972 zog sich der Verein aus der nordirischen Liga zurück.