Nicolas Sébastien Anelka (* 14. März 1979 in Le Chesnay bei Versailles) ist ein ehemaliger französischer Fußballspieler. Der 69-fache Nationalspieler und Europameister von 2000 war in verschiedenen europäischen Topligen bei Spitzenklubs erfolgreich. Zu seiner Titelsammlung gehören aus der Zeit in England zwei Premier-League-Trophäen (1998 und 2010) und drei FA-Cup-Ausgaben (1998, 2009 und 2010) mit zunächst dem FC Arsenal sowie später dem FC Chelsea. Dazwischen gewann er 2000 mit Real Madrid die Champions League und fünf Jahre darauf mit Fenerbahçe Istanbul die türkische Meisterschaft. Nach einem kurzen Intermezzo ab 2012 beim chinesischen Klub Shanghai Shenhua mit ersten Erfahrungen als Co-Trainer wechselte der Stürmer kurz nach dem Jahreswechsel 2012/13 zum späteren italienischen Meister Juventus Turin und im Sommer 2013 zu West Bromwich Albion. 2014 folgte der Schritt nach Indien zu Mumbai City; dort wurde er im Juli 2015 zum Cheftrainer befördert.

Karriere Im Verein Paris SG (1995–1997): Die Anfänge Als C-Jugendlicher kam Nicolas Anelka, der bei einem Amateurklub seines Wohnortes spielte, in die nationale Ausbildungsstätte (Institut National de Formation im Centre technique national Fernand-Sastre) nach Clairefontaine, wo er unter anderem auf die beiden etwas älteren Talente Louis Saha und Thierry Henry traf. Von dort holte ihn der Paris Saint-Germain FC, für den er sein erstes Punktspiel in der Division 1 am 7. Februar 1996, noch als 16-Jähriger, gegen die AS Monaco bestritt. Der ehrgeizige Sturm forderte für sich einen Stammplatz, den ihm aber weder Trainer Luis Fernández noch dessen Nachfolger Ricardo Gomes zusagen mochten; schließlich hatte PSG sich im Sommer 1996 mit Patrice Loko, Youri Djorkaeff, Xavier Gravelaine und dem Panameer Julio César Dely Valdés gerade im Offensivbereich namhaft verstärkt.Thierry Berthou: Histoire du Paris Saint-Germain Football Club (1904–1998). Pages de Foot, Créteil 1998, ISBN 2-913146-00-7, S. 357 Ein Jahr später wechselte Anelka nach England zum FC Arsenal, bei dem Arsène Wenger im Oktober 1996 das Traineramt übernommen hatte – er folgte dabei seinen kurz zuvor verpflichteten Landsleuten Rémi Garde und Patrick Vieira. Den Transfer des talentierten Nachwuchsnationalspielers im März 1997 begleiteten einige Misstöne, da die Unterzeichnung des Profivertrags in Paris vor Beginn der Volljährigkeit nicht möglich war und Wenger somit „nur“ eine Ausbildungsentschädigung von etwas mehr als 500.000 Pfund aufwenden musste. Die Angelegenheit entschärfte sich letztlich durch Anelkas Aussage, dass er seine sportliche Zukunft nicht in Frankreich gesehen hatte und er den in Aussicht gestellten Sechsjahresvertrags in jedem Fall abgelehnt hätte. Insgesamt war Anelka in zehn Erstligaspielen für PSG zum Einsatz gekommen, davon acht in der Saison 1996/97 bei einem Torerfolg – nebst jeweils einer Partie im Ligapokal und im Europapokal der Pokalsieger.Thierry Berthou: Histoire du Paris Saint-Germain Football Club (1904–1998). Pages de Foot, Créteil 1998, ISBN 2-913146-00-7, S. 487

FC Arsenal (1997–1999): Der Durchbruch Anelka debütierte für Arsenal per Einwechslung gegen den FC Chelsea. Dabei spielte er auf Anhieb die Stärken aus, die gleichsam in Schnelligkeit und einer guten Ballbehandlung lagen, und wurde mit noch drei weiteren „Joker“-Einsätzen vor Ablauf der Saison 1996/97 belohnt. Der sportliche Durchbruch folgte in der Spielzeit 1997/98, als er mit Arsenal das Double aus englischer Meisterschaft und FA Cup gewann. Dabei war er besonders nach Weihnachten 1997 ein wichtiger Faktor, als er den verletzten Ian Wright zu vertreten hatte und neun Pflichtspieltore beisteuerte. Dazu zählten entscheidende Treffer, unter anderem gegen Manchester United (3:2) und Coventry City (2:2). Sein Tor im FA-Cup-Viertelfinale gegen West Ham United rettete sein ab der 32. Minute dezimiertes Team ins Elfmeterschießen und legte den Grundstein für den späteren Endspieltriumph gegen Newcastle United (2:0) – dort traf er zum Endstand. Aufgrund seiner charakteristischen Spielweise, mit der er gegnerische Abwehrspieler durch Körpertäuschungen überdurchschnittlich oft auf dem falschen Fuß erwischte, fiel ihm der Spitzname „französischer Maradona“ zu.

Mit offenkundig gewachsenem Selbstbewusstsein absolvierte Anelka in der Saison 1998/99 die nächsten Entwicklungsschritte. Die von ihm gezeigten Leistungen brachten ihm dabei 1999 den Titel des besten Jungprofis in England sowie die Nominierung in die Mannschaft des Jahres (PFA Team of the Year) ein. Nach Wrights Abgang bildete er mit Dennis Bergkamp ein Offensivtandem und in Ligaspielen traf er 17-mal, darunter entscheidende Tore in engen Partien sowie ein Hattrick gegen Leicester City. Neben den Stürmerqualitäten überzeugte er durch seine Balleroberungsqualitäten, indem er häufiger als für damalige Torjäger üblich gegnerische Abwehrspieler attackierte.

Real Madrid (1999–2000): Probleme mit sportlichem Happy End Zur Saison 1999/2000 ging Anelka in die spanische Primera División zu Real Madrid. Er wurde mit diesem Wechsel nach René Petit (während des Ersten Weltkriegs), Louis Hon und Raymond Kopa in den 1950ern, Lucien Muller in den 1960ern sowie damals noch aktuell Christian Karembeu zum sechsten französischen Spieler in der Vereinsgeschichte von Real Madrid. Mit Karembeu sowie den kamerunischen Mannschaftskameraden Samuel Eto’o und Geremi fand er schnell Anschluss und Ansprechpartner in der neuen Umgebung, aber die Probleme wurden ebenfalls offenkundig. Den großen Erwartungen, die sich aus einer hohen Ablösesumme speisten, konnte Anelka von Beginn an nicht entsprechen, zumal unter Trainer John Toshack die Ergebnisse insgesamt enttäuschten. Dazu kam Anelkas Weigerung, die spanische Sprache nachhaltig zu lernen, wodurch er sich von seinen Mitspielern isolierte.„Madrid made me mad – Anelka“ (BBC Sport) Sportlich schien es ihm insgesamt schwerzufallen, sich auf das spanische Spiel einzustellen und so blieben die Erfolgserlebnisse lange aus. Erst Anfang Januar 2000 unter Toshacks Nachfolger Vicente del Bosque machte er bei der Klub-Weltmeisterschaft mit drei Toren auf sich aufmerksam, darunter ein Doppelpack gegen Corinthians São Paulo (2:2). In der anschließenden Partie gegen Raja Casablanca verletzte er sich jedoch dermaßen schwer am Knie, dass er sechs Wochen ausfiel.„Football: A Real blow for Anelka“ (The Mirror über thefreelibrary.com)

Er kehrte zum Clásico gegen den FC Barcelona zurück und erzielte dort sein erstes Ligator für Real.„Nicolas Anelka: Vom schwarzen Schaf zum Volksheld“ (SPIEGEL Online) An seiner Außenseiterposition änderte dies jedoch wenig und die Probleme mündeten darin, dass sich Anelka drei Tage lang weigerte, am Training teilzunehmen. Del Bosque suspendierte Anelka daraufhin für 45 Tage und belegte den „Sünder“ zudem mit einer hohen Geldstrafe. Die Affäre, die mit einer seltsam anmutenden Flucht im Kofferraum aus Madrid und per Flugzeug in seine Pariser Heimat eine medienwirksame Zwischenepisode hatteArtikel „Prototyp ohne Seele“ (Der Spiegel, Ausgabe 25/2000), endete mit Anelkas Entschuldigung, wonach Del Bosque die vereinsinterne Sperre nach einem Drittel der Zeit aufhob – dazu hatten den Klub Verletzungssorgen im Angriff geplagt. Ein wenig versöhnlich ging für ihn die Saison 1999/2000 schließlich zu Ende, als er besonders im Champions-League-Halbfinalduell mit dem FC Bayern München zwei wichtige Tore zum Einzug ins Endspiel schoss – sowohl den ersten Treffer im Hinspiel zum 2:0-Sieg als auch das entscheidende Auswärtstor beim 1:2 in München. Danach war er im Finale, das er mit seinen Mannen 3:0 gegen den FC Valencia siegreich gestaltete, in der Startelf vertreten, wenngleich ihm ein eigener Treffer versagt blieb und er nach 79 Minuten für Manolo Sanchís ausgewechselt wurde.

Paris Saint-Germain (2000–2001): Die Rückkehr Nach nur einem Jahr verließ Anelka Madrid. An der Rückkehr nach Paris hatten französische Vereinsfunktionäre bereits seit Beginn von Anelkas Problemen in der spanischen Hauptstadt gearbeitet, und letztlich leistete PSGs Hauptaktionär Pierre Lescure die notwendige Überredungskunst, um Anelka zur Unterzeichnung eines Siebenjahresvertrags zu bewegen. Ende Juli 2000 einigten sich die Parteien und Anelka fand sich anfänglich in einer verjüngten Mannschaft von PSG gut zurecht, was im Verein Hoffnungen auf den Gewinn der ersten Meisterschaft nach 1994 weckte. Schnell rückten jedoch erneute Unstimmigkeiten in den Vordergrund und die einheimischen Medien begannen vor allem, die Probleme in den aus den Banlieues stammenden Spielern zu sehen. Als Trainer Philippe Bergeroo nach einer Niederlage gegen CS Sedan durch Luis Fernández ersetzt wurde, bedeutete dies für Anelka ein weiteres Mal den Anfang vom Ende bei einem Verein. Die Spannungen mit dem neuen Trainer (FourFourTwo), der schon 1996 bei Anelkas Abgang bei PSG beschäftigt war, traten dabei so offen zutage, dass die Satiresendung Les Guignols de l’info von Canal+ diese häufig über die Parodie „Nico et Luis“ thematisierten.vgl. auf diversen Videoplattformen wie z. B. dieser Da gleichsam deutlich wurde, dass sich Anelka in dem neuen System nicht zurechtfand und der öffentliche Druck in einen Medien-Hype mündete, einigte man sich, dass Anelka Ende Dezember 2001 nach nur zwei Ligatreffern in der Saison 2001/02 für sechs Monate nach England an den FC Liverpool ausgeliehen werden sollte.„Anelka makes his mark“ (BBC Sport)

FC Liverpool (2001–2002): Kurzepisode als Leihspieler Anelka gab am Boxing Day 2001 gegen Aston Villa seinen Einstand für die „Reds“ und nach dem ersten Tor gegen Birmingham City im FA Cup blieb besonders der Auftritt im Merseyside Derby gegen den FC Everton in Erinnerung, als ihm in der Nachspielzeit der Ausgleichstreffer gelang. In einer Angriffsformation mit Emile Heskey und Michael Owen kämpfte er mit Liverpool lange um die englische Meisterschaft, die dann jedoch trotz neun Siegen aus den letzten zehn Saisonspielen an Arsenal ging.„Nicolas ANELKA – Liverpool FC – Biography 2001/02“ (Sporting Heroes) Anelkas tadellose Darbietungen veranlassten Trainer Gérard Houllier im Anschluss nicht dazu, das Leihgeschäft in eine dauerhafte Anstellung umzuwandeln. Während sich Liverpool auf den bei der WM 2002 auffälligen Senegalesen El Hadji Diouf festlegte, entschied sich Kevin Keegan vom Konkurrenten und Aufsteiger Manchester City dazu, die notwendigen 13 Millionen Pfund aufzuwenden, um Anelka von PSG „loszueisen“. (Internetpräsenz des FC Liverpool)

Manchester City (2002–2005): Der Torjäger In Manchester war Anelka auf Anhieb Stammspieler und in der Saison 2002/03 absolvierte er alle Partien. Dabei gelangen ihm vierzehn Ligatore, die meisten davon zu Beginn der Runde, bevor ihm gemeinsam mit seinen neuen Mannschaftskameraden etwas „die Luft ausging“. Besonders spektakulär waren die beiden Treffer gegen seinen vormaligen Klub FC Liverpool in Anfield, darunter das Siegtor in der Nachspielzeit.

Konstanter zeigte er sich in der folgenden Spielzeit 2003/04, in der Anelka 25 Pflichtspieltore erzielte. Damit war er in seiner Mannschaft, die in der Premier League gerade einmal den 16. Platz belegte, bester Torjäger. Dass die Teamleistungen Anelkas Ansprüchen nicht genügten, zeigten sich dann im Verlauf seines dritten Jahres für Manchester City. Während er sich weiter in guter Form zeigte, mehrten sich die Spekulationen um einen möglichen Weggang und so zog es ihn kurz vor Ende der Wechselfrist im Rahmen der Wintertransferperiode Ende Januar 2005 in die Türkei zu Fenerbahçe Istanbul.

Fenerbahçe Istanbul (2005–2006): Türkischer Meister