mini|Verbreitungsgebiet des Mayathan in Mexiko

Mayathan (Eigenbezeichnung ) oder Yukatekisches Maya () ist eine Maya-Sprache, die in Mexiko auf der Halbinsel Yucatán, im nördlichen Belize und im Norden von Guatemala gesprochen wird.

Klassifikation Mayathan gehört zum yukatekischen Zweig der Maya-Sprachen, zu dem zusätzlich noch Mopan, Itzá und Lakandonisch gehören. Der engste Verwandte des Mayathan ist Süd-Lakandonisch, das nach Charles Hofling von dem näher mit Itzá verwandten Nord-Lakandonisch zu unterscheiden ist. Glottochronologische Daten und historische Beschreibungen von Migrationsbewegungen legen nahe, dass die yukatekischen Sprachen sich innerhalb der Maya-Zivilisation erst ab der Endklassik (ca. 10. Jahrhundert n. Chr.) zuerst in Mopan und die anderen yukatekischen Sprachen aufzuspalten begannen. In der Postklassik (ca. 13. Jahrhundert) und frühen Kolonialzeit (ca. 17. Jahrhundert) lösten sich dann auch Itzá und Lakandonisch von Mayathan. mini|Mayathan

Phonologie Mayathan hat fünf Vokale, die kurz oder lang sein können: a-e-i-o-u (und aa-ee-ii-oo-uu als Langform).

Im Gegensatz zu anderen Maya-Sprachen ist Mayathan eine Tonsprache und weist fünf verschiedene Tonhöhen der Vokale auf. Diese Eigenschaft wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der Geschichte der Sprache erworben und nicht von den anderen Maya-Sprachen verloren.

Ein markantes Merkmal der Maya-Sprachen und somit auch des Mayathan ist die Verwendung von Ejektiven, die in der Schrift seit dem 20. Jahrhundert durch einen Apostroph nach dem Buchstaben ausgedrückt werden, zum Beispiel k'ux k'a k'al (es ist heiß außen).

Mayathan hat folgende Konsonanten:

  Bilabial Alveolar Palatal Velar Glottal normal ejektiv normal ejektiv normal ejektiv normal ejektiv normal Verschlusslaute p  / b   p'   t   t'    k   k'    '    Affrikaten  ts  ts'  ch   ch'       Frikative  s   x    h   Nasale   m     n     n(k)    Liquida  l      Halbvokal     y     w   

Der uvulare Plosiv bzw. , wie er etwa im Quiché, Cakchiquel und Kekchí vorkommt, ist im Mayathan (wie auch im Lakandonischen) mit dem velaren bzw. zusammengefallen.

Grammatik, Syntax Mayathan ist wie alle Maya-Sprachen eine agglutinierende Sprache, in der sowohl Präfixe als auch Suffixe verwendet werden. Die Personenmarkierung am Verb folgt einem teilergativen Muster. Im Inkompletiv hat Mayathan eine Nominativ-Akkusativ-Ausrichtung, im Kompletiv und Subjunktiv dagegen eine Ergativ-Absolutiv-Ausrichtung.

Während die Maya-Sprachen als ursprüngliches syntaktisches Merkmal die Satzstellung VSO (Verb-Subjekt-Objekt) haben, ist das Mayathan eine SVO-Sprache. Die Satzstellung ist jedoch nicht streng festgelegt, so dass oft auch die VSO-Folge verwendet wird.

Die ursprünglichen Zahlwörter des Mayathan basieren wie bei allen Maya-Sprachen konsequent auf einem Zwanzigersystem. Heutzutage sind die Zahlwörter ab vier oder fünf jedoch meist in Vergessenheit geraten, so dass selbst Einsprachige in der Regel auf Spanisch zählen.

Geschichte der Sprache und Schrift Historisch wird Mayathan von einigen Linguisten in Klassisches Mayathan (bis 1545) und Modernes Mayathan (1545-heute) geschieden. Andere Linguisten unterscheiden letzteres weiter in Koloniales Mayathan (1545–1821) und Modernes Mayathan (1821-heute).

Vor der spanischen Eroberung wurde Mayathan in der Maya-Schrift geschrieben. Seit der spanischen Eroberung Yucatáns wird es im lateinischen Alphabet geschrieben.

Als Mexiko 1821 unabhängig wurde, sprach noch nahezu die gesamte Landbevölkerung Yucatáns ausschließlich Mayathan. Während des Kastenkrieges von 1847 bis 1901 war Mayathan die einzige geduldete Sprache im östlichen Teil Yucatáns, der von den Mayas kontrolliert wurde – heute Quintana Roo.

Im 20. Jahrhundert wurde die traditionelle, auf dem Spanischen basierende Orthographie durch eine moderne Rechtschreibung ersetzt, die statt der bisherigen Schreibweisen c/qu, k, hu und h die Buchstaben k (einheitlich, da [q] zu [k] geworden), w und den Apostroph ' für Ejektive verwendet.

Heutige soziolinguistische Situation mini|350px|Sprachverlust beim Mayathan im mexikanischen Bundesstaat Yucatán: Sprecheranteile bei Alten und Kindern im Vergleich (Volkszählungsdaten von 2000)

Im Lauf des 20. Jahrhunderts hat sich die Situation stark verändert: Trotz seiner verhältnismäßig hohen Sprecherzahl (von den indigenen Sprachen Mexikos ist Mayathan nach dem Nahuatl die zweitgrößte) ist die Sprache bedroht, da sie in großen Teilen des Sprachgebiets nicht mehr an Kinder und Jugendliche weitergegeben wird. In einigen abgelegenen Gebieten Yucatáns – insbesondere entlang der Grenze zwischen den Bundesstaaten Yucatán und Quintana Roo – ist sie noch vital.

Nach der Volkszählung 2000 in ganz Mexiko wurde Mayathan von 800.291 Menschen ab 5 Jahren gesprochen, 2010 waren es nur noch 786.113 Personen ab 5 Jahren. Von diesen sprachen 721.530 (91,78 %) auch Spanisch. Die Zahl der Sprecher ab 3 Jahren betrug 795.499. In Yucatán waren es 492.297 Sprecher (26,72 % der Bevölkerung des Bundesstaats), in Quintana Roo 181.781 (14,81 %) und in Campeche 86.406 (11,21 %). 45.093 Kinder zwischen 3 und 9 Jahren sprachen Mayathan, was 5,67 % aller Mayathan-Sprecher ab 3 Jahren ausmacht, während 14,71 % der Gesamtbevölkerung Mexikos ab 3 Jahren 3–9 Jahre alt sind. Für alle indigenen Sprachen in Mexiko beträgt der Anteil 3–9-jähriger Kinder 12,35 %, so dass Mayathan zu den überdurchschnittlich gefährdeten Sprachen Mexikos gehört.INEGI 2010: Censo de Población y Vievienda 2010, abgerufen am 25. März 2011

Im Bundesstaat Yucatán spricht (Stand: 2010) noch in 52 von 106 Municipios eine Mehrheit die indigene Sprache; über 90 % liegt der Anteil noch (beim höchsten Anteil beginnend) in Tahdziú (98,98 %), Mayapán, Chikindzonot, Chacsinkín, Tixcacalcupul, Chankom, Chemax (90,75 %, mit insgesamt 33.490 Einwohnern größtes unter diesen Municipios), Chichimilá, Tixmehuac und Tekom.

Im Bundesstaat Quintana Roo ist Felipe Carrillo Puerto das Municipio mit dem höchsten Anteil an Mayathan-Sprechern und neben José María Morelos das einzige von elf mit einer mayathansprachigen Mehrheit. In Felipe Carrillo Puerto sprachen laut 2010 durchgeführter Volkszählung 46.663 von 69.208 Personen ab 3 Jahren, also 67,42 %, die indigene Sprache. 5.999 Personen (12,86 % aller Mayathan-Sprecher bzw. 8,67 % der Gesamtbevölkerung) sprachen kein Spanisch. Von allen 12.260 Kindern in Felipe Carrillo Puerto zwischen 3 und 9 Jahren sprachen allerdings nur 5.800 oder 47,31 % ihre indigene Sprache; immerhin 1.363 dieser Kinder (23,50 % aller mayathansprachigen Kinder bzw. 11,12 % aller Kinder dieser Altersgruppe) sprachen kein Spanisch. Die Benutzung der Mayathan-Sprache korreliert in dieser Region offensichtlich mit der Zugehörigkeit zum Kult des Sprechenden Kreuzes, der aus der Zeit des Kastenkrieges stammt, so dass in traditionellen Dörfern der Cruzoob wie z. B. Tixcacal Guardia (Municipio Felipe Carrillo Puerto) oder Xocén (Municipio Valladolid) die Maya-Sprache am stärksten vertreten ist. Jedoch geht auch in diesen Gemeinden bei den jungen Generationen das Interesse an der Maya-Religion stark zurück, wobei hier ein direkter Zusammenhang der Abkehr von der Religion mit einem Sprachwechsel zum Spanischen nachgewiesen werden konnte.Carsten Otto (2009): Bilingualismus in Felipe Carrillo Puerto, Quintana Roo, Mexiko. Dissertation, Universität Hamburg

Es gibt auch eine 1992 vollendeteMaya, Yucatec: A language of Mexico. M. Paul Lewis, Gary F. Simons, Charles D. Fennig (eds.), 2014: Ethnologue: Languages of the World, Seventeenth edition. Dallas, Texas: SIL International. vollständige Bibelübersetzung auf Mayathan.Maya-Bibel auf YouVersion Diese von protestantischen Übersetzern verwirklichte Maya-Bibel wird allerdings laut einer Recherche von 2007 in der katholischen Kirche nicht verwendet und auch andernorts nur gelegentlich gelesen. Als größte Hindernisse beim Lesen werden fehlende Maya-Lesekenntnisse der Mayas sowie komplizierte, schwer verständliche Sätze in den Bibeltexten genannt.Michal Brody: Un panorama del estatus actual del maya yucateco escrito. Desacatos – Revista de Antropologia Social, Nr. 23. S. 275–290. Hier S. 278. Centro de Investigaciones y Estudios Superiores en Antropología Social, Ciudad de México 2007. Lokale katholische Priester halten Gottesdienste nur auf Spanisch. All dies führt dazu, dass Maya die Bibel auf Spanisch und nicht in der protestantischen Version auf Mayathan lesen.Lars Kirkhusmo Pharo (2017) The Politics of Missionary Scriptural Translations. De Gruyter, Berlin/Boston 2018, S. 154.

Seit 2003 ist Mayathan gemeinsam mit 61 weiteren indigenen Sprachen in Mexiko als „Nationalsprache“ anerkannt und der Staat zu seiner Förderung verpflichtet. Seit einigen Jahren gibt es an manchen Schulen auch „Interkulturelle zweisprachige Erziehung“ (Educación Intercultural Bilingüe) EIB, wozu auch einige Materialien auf Mayathan für die Primarschule für Mayasprachige sowie zum Spracherwerb als Zweitsprache erstellt worden sind.

Ende 2019 beschloss der Kongress des Bundesstaats Yucatán einstimmig, dass Mayathan (lengua maya) an allen Schulen als Pflichtfach unterrichtet werde. Der Abgeordnete Luis Loeza Pacheco hob die Notwendigkeit dieser Maßnahme vor dem Hintergrund des raschen Rückgangs der Mayathan-Sprecherzahlen hervor.Enseñanza de lengua maya será obligatorio en Yucatán. Haz Ruido, 4. Dezember 2019. Die einstimmig beschlossene Änderung an der Regionalverfassung sieht den obligatorischen Unterricht dieses Faches an Primar- und Sekundarschulen im Bundesstaat vor.Yucatán hace obligatoria la enseñanza del maya en primaria y secundaria. México desconocido, 9. Dezember 2019, abgerufen am 27. August 2025.

Literatur auf Mayathan mini|Der Dresdner Codex, ein Beispiel vorspanischer Literatur im Mayathan

Vorkoloniale Literatur Schriftliche Zeugnisse des Mayathan, niedergeschrieben in der Maya-Schrift, lassen sich in die Jahrhunderte vor der Conquista zurückverfolgen. In Stein gemeißelte Inschriften reichen bis in die Zeit vor Christi Geburt zurück, sind aber vor allem in anderen Maya-Sprachen verfasst. In den Inschriften von Chichen Itzá und anderen Stätten im Norden Yucatáns finden sich insbesondere in der Endklassik (ca. 800 bis 1000 n. Chr.) aber auch bereits frühe Merkmale der yukatekischen Sprachen. Von den Maya-Codices sind nach den Bücherverbrennungen durch den Bischof von Yucatán, Diego de Landa, im 16. Jahrhundert nur vier übrig geblieben: Der Pariser Codex mit 22 Seiten, der Dresdner Codex mit 74 Seiten, der Madrider Codex mit 112 Seiten und der Codex Grolier mit 10 erhaltenen von ursprünglich wahrscheinlich 20 Seiten. Diese vier Codices sind zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert auf Amatl-Papier entstanden und enthalten sowohl Merkmale des Mayathan als auch Merkmale von Ch'ol-Sprachen. Die Eigenbezeichnung der Maya für ihre Bücher war "Huun", sie wurden anhand ihrer Form und ihres Inhalts genauer unterteilt, z. B. eteb huun „Handbuch“, pic huun „Manuskript“ und haklahil huun „Gedenkbuch“.

Kolonialzeitliche Literatur