mini|Die Gegner Österreich als Elefant und Preußen als Löwe mini|Eine Begegnung zwischen Friedrich dem Großen und Kaiser Joseph II. im Jahr 1769: Im Jahr 1857 verbildlichte Adolph Menzel in diesem Gemälde die Hoffnung großer Teile des Bürgertums auf eine österreichisch-preußische Zusammenarbeit.
Als deutscher Dualismus oder preußisch-österreichischer Dualismus wird der Gegensatz zwischen der Habsburgermonarchie und dem Königreich Preußen bezeichnet, die von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis 1866 die beiden bedeutendsten Mächte im Heiligen Römischen Reich und im Deutschen Bund waren und um die Vorherrschaft in Deutschland stritten. Dabei wechselten sich Zeiten der Rivalität mit solchen der Kooperation zwischen beiden Großmächten ab, bis sich Preußen am Ende durchsetzte.
Als Kernland der Habsburger, die seit 1437 fast alle römisch-deutschen Kaiser stellten, war Österreich traditionell die wichtigste Macht im alten Reich und nach 1815 im Deutschen Bund. Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg krönte sich 1701 mit Billigung des Kaisers in Königsberg, der Hauptstadt des souveränen Herzogtums Preußen zu dessen König. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm I. baute eine schlagkräftige Armee auf, die dessen Sohn Friedrich II. wiederum nutzte, um seine teils innerhalb, teils außerhalb der Reichsgrenzen liegenden Territorien erheblich zu vergrößern und Preußen als fünfte europäische Großmacht zu etablieren. 1740 eroberte er das bis dahin österreichische Schlesien und behauptete seine Eroberung im Siebenjährigen Krieg (1756–1763).
Trotz aller zeitweiligen Zusammenarbeit blieb Preußen der Rivale, der zumindest gleichberechtigt mit Österreich in Deutschland führen wollte. Die Zusammenarbeit verhinderte zunächst eine tiefgreifende Reform des Deutschen Bundes, wie die nationale Bewegung in Deutschland sie forderte. Während der Revolution von 1848 und vor allem in der Herbstkrise 1850 ging es um die Frage, ob Österreich überhaupt einem deutschen Nationalstaat angehören konnte. Österreich versuchte einen kleindeutschen Nationalstaat unter preußischer Führung zu verhindern und machte der Nationalbewegung das Angebot eines Großösterreich aus ganz Österreich und Deutschland.
Setzte sich Österreich in der Herbstkrise 1850 noch durch, so hatte Preußen in den kommenden anderthalb Jahrzehnten seine Position in Deutschland wirtschaftlich und kulturell verstärken können. Vorschläge zu einer Bundesreform versandeten. Nachdem Österreich und Preußen gemeinsam im Deutsch-Dänischen Krieg die dänische Herrschaft über Schleswig und Holstein beendet hatten, nahm Preußen schließlich 1866 die Verwaltung dieser beiden Herzogtümer zum Anlass, den offenen Konflikt zu suchen. Es besetzte entgegen den Absprachen mit Österreich das österreichisch verwaltete Holstein. Österreich strengte eine Bundesexekution gegen den Friedensstörer Preußen an, die in den Deutschen Krieg Juli/August 1866 mündete.
Nach dem Sieg Preußens musste Österreich die Auflösung des Bundes akzeptieren. Preußen gründete zunächst 1867 den Norddeutschen Bund. Österreich versuchte noch einen Wiedereintritt in Deutschland. Allerdings traten während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1871 die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund bei. Dieser benannte sich in Deutsches Reich um. Spätestens ab diesem Zeitpunkt gehörte Österreich nicht mehr zu Deutschland. Im Zuge der Neuordnung des europäischen Bündnissystems auf dem Berliner Kongress im Jahre 1878 wurde die alte Rivalität mit dem Zweibund beigelegt.
Unterschiede zwischen Österreich und Preußen Staat mini|Wappen des Kaisertums Österreich mini|Mittleres Wappen Preußens
Während die preußische Monarchie ein junges Staatsgebilde war, das infolge der Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg aus der Fusion des Kurfürstentums Brandenburg mit dem Königreich Preußen entstand, galt Österreich als traditionell vorherrschende Macht des Heiligen Römischen Reichs, dessen Herrscherhaus seit der Krönung Albrechts II. durchgehend den Kaiserthron innehatte. Preußen sah man ursprünglich hingegen eher als Emporkömmling unter den deutschen Staaten an, das noch weniger als Österreich ein zusammenhängendes Staatsgebiet hatte.
In den 1860er-Jahren, als die Industrialisierung den europäischen Kontinent erreichte, schaffte es Österreich als Großmacht nicht, mit Großbritannien und Frankreich wirtschaftlich mitzuhalten, und wurde sogar von den deutschen Nachbarstaaten inklusive Preußen (relativ am Anteil der Weltindustrieproduktion gesehen) überholt. Das Industrialisierungsniveau stieg in Österreich weniger stark als bei den anderen europäischen Großmächten (ausgenommen Russland). Gründe hierfür sind zum einen die konservative Politik Österreichs (Restauration) seit dem Wiener Kongress, zum anderen ein geringer nationaler Zusammenhalt sowie die Geographie Österreichs.
Militär Militärisch gesehen war der preußische Staat dem österreichischen voraus. In Preußen gab es nach der preußischen Heeresreform ein modernes Wehrpflichtigenheer, dessen Offiziere nach persönlichen Leistungen befördert wurden und auch bürgerlicher Herkunft sein konnten. In Österreich dagegen waren die habsburgerischen Streitkräfte vom Adel geprägt, der die Offiziersposten nicht nach persönlicher Leistung, sondern häufig nach dem Dienstalter besetzte.
Auch die Struktur der preußischen Armee war ein Vorteil: Die Wehrpflicht lag bei drei Jahren, während man anschließend vier Jahre der Reserve angehörte. So konnte Preußen sieben Jahrgänge einziehen und den Nachteil wettmachen, dass es weniger Einwohner zählte. Außerdem setzte Preußen mehr auf Qualität statt Quantität; ein preußischer Gefreiter war grundsätzlich gut ausgebildet und ausgerüstet. Zudem arbeitete der preußische Generalstab Fehler der Vergangenheit auf und sorgte für Verbesserungen.
Dass in Preußen die Industrialisierung eher und rascher Einzug hielt als in Österreich, hatte auch starken Einfluss auf Ausrüstung und Bewaffnung der Armeen.
Insgesamt war Preußen viel stärker militarisiert als Österreich, der Einfluss des Heeres war so stark, dass eine Redensart sagte, dass „andere Staaten ein Militär hätten, in Preußen jedoch das Militär einen Staat“.
Staatsphilosophie Auch der Glaube trennte die beiden Staaten. Das protestantische und aufgeklärte Preußen stand zu dem katholischen und absolutistischen Österreich in Opposition. Gehorsam und Selbstdisziplin – freiwillige Selbstbindung – waren im Beamtentum und in der preußischen Armee wichtiger als Glaube, der wiederum in Österreich maßgeblich war. Im fernen Königsberg hatte Immanuel Kant der Vernunft den Vorrang vor der Offenbarung zugewiesen. Die Katholiken in Schlesien und Westpreußen, im Ermland und (bis zum Kulturkampf) auch in der Rheinprovinz hatten es gut. Nicht schlechter ging es den Juden, die in Berlin, Breslau und Königsberg die größten Gemeinden Deutschlands hatten.
In Österreich herrschte Joseph II. nach dem Prinzip des aufgeklärten Absolutismus: „Alles für das Volk; nichts durch das Volk“. Im Gegensatz zu dieser feudalen Ordnung Österreichs war Preußen ein Verfassungsstaat moderner Prägung.
Ein wesentlicher Unterschied war auch, dass Preußen sich mehr auf innerdeutsche Angelegenheiten konzentrierte, während Österreich mit dem Verfall des Osmanischen Reiches nach Süden und Osten expandierte, und in diesem neuen Vielvölkerstaat waren Krisen und Konflikte absehbar; denn zwischen den Deutschen, Ungarn, Slawen, und vielen anderen Nationalitäten herrschten – wie auch im zersplitterten Deutschland zwischen den zahlreichen Herrschaftsgebieten und Kleinfürsten – oft Uneinigkeit und divergierende Interessen. Im Unterschied zu Preußen, das einen deutschen Nationalstaat außenpolitisch verwirklichen konnte, konnten die Habsburger das multikulturelle Staatsgebilde im Zeitalter des dominierenden Nationalismus innenpolitisch nicht festigen.
Geschichte 1740–1866 Vorgeschichte des Dualismus Nachdem Kaiser Karl VI. am 20. Oktober 1740 gestorben war und ein männlicher Nachkomme in der habsburgischen Familie fehlte, trat Maria Theresia gemäß der Pragmatischen Sanktion von 1713 die Nachfolge als Herrscherin über die habsburgischen Territorien an. Doch nicht alle europäischen Fürsten erkannten die Pragmatische Sanktion an, so auch Friedrich II. von Preußen. Als Gegenleistung für die Anerkennung forderte er aufgrund alter Verträge Schlesien von Österreich. Am 11. Dezember 1740 stellte er Maria Theresia diesbezüglich ein Ultimatum.
Schlesische Kriege 1740–1742 und 1744/1745 mini|König Friedrich II. von Preußen
Ohne die Antwort auf das Ultimatum abzuwarten, marschierte Preußen am 16. Dezember 1740 in Schlesien ein und löste so den Ersten Schlesischen Krieg und den Österreichischen Erbfolgekrieg aus, da andere europäische Mächte ebenfalls Anspruch auf die habsburgischen Territorien erhoben. Es gelang den Österreichern nicht, Friedrich II. am Erwerb von Schlesien zu hindern. Nach der verlorenen Schlacht bei Chotusitz sah sich Maria Theresia gezwungen, mit Preußen Frieden zu schließen, auch um den gleichzeitigen Erbfolgekrieg zu Gunsten Österreichs beenden zu können. Daher schloss sie mit Friedrich den Vorfrieden von Breslau und den Frieden von Berlin, in denen Ober- und Niederschlesien sowie die Grafschaft Glatz an Preußen fielen; zum Ausgleich übernahm Preußen die schlesischen Schulden.
Nachdem 1742 die Kaiserkrone an den bayerischen Kurfürsten Karl VII. gefallen war, gelang es Österreich, Bayern zu besetzen und ein Bündnis mit Großbritannien zu schließen. Daher fürchtete Friedrich II., Österreich könne von Preußen die Rückgabe Schlesiens fordern.
Deswegen fiel er im August 1744 in Böhmen ein und eröffnete so den Zweiten Schlesischen Krieg. Zwar konnte Prag erobert werden, doch Nachschubprobleme und die Hinhaltetaktik der Österreicher, die einer Entscheidungsschlacht geschickt auswichen, zwangen die preußische Armee zum Rückzug nach Schlesien, das nun seinerseits bedroht war. Da Preußen sich in der Defensive jedoch erfolgreich gegen Österreich und dessen Verbündete behaupten konnte, kam es 1745 zum Frieden von Dresden, in dem die Bestimmungen des Friedens von Berlin noch einmal bestätigt wurden. Friedrich II. erkannte im Gegenzug Franz Stephan, den Ehemann Maria Theresias, als römisch-deutschen Kaiser an, nachdem Karl VII. gestorben war.
Vom Schlesischen zum Siebenjährigen Krieg 1745–1763 Nach dem Frieden von Dresden war Preußen nicht mehr am Österreichischen Erbfolgekrieg beteiligt, der erst 1748 mit dem Frieden von Aachen endete, worin die europäischen Mächte die Pragmatische Sanktion und Maria Theresia als Thronerbin anerkannten. Preußen wurde im Friedensvertrag noch einmal Schlesien bestätigt. Nach 1748 führte Maria Theresia in ihren Ländereien, ausgenommen Ungarn, Reformen durch, um den Staat zu verbessern und die Militärstärke zu heben, damit sie wieder in den Besitz Schlesiens kommen könnte. Außenpolitisch versuchte sie, geleitet von Staatskanzler Kaunitz, Preußen zu isolieren, indem sie Bündnisse mit Russland und mit Frankreich schloss (Renversement des alliances). Nachdem die Reformen Wirkung gezeigt hatten, bereitete sie die österreichische Armee auf einen Einmarsch in Preußen vor.
mini|Europa zur Zeit des Siebenjährigen Krieges