mini|hochkant|Friedrich Dollmann (1941) Friedrich Karl Albert DollmannFranz Thomas, Günter Wegmann: Die Ritterkreuzträger der Deutschen Wehrmacht 1939–1945. Teil 3. Band 4. Osnabrück 1993, S. 367. (* 2. Februar 1882 in Würzburg; † 28. Juni 1944 in Le Mans) war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1940 Generaloberst). Dollmann diente bis zum Ende des Ersten Weltkrieges bei der bayerischen Armee. Danach stieg er in Reichswehr und Wehrmacht schnell auf. Während des Zweiten Weltkrieges befehligte Dollmann die 7. Armee. Sie war zunächst an der deutschen Westgrenze und ab Sommer 1940 im besetzten Frankreich stationiert. Die Leitung der gescheiterten Abwehr der anglo-amerikanischen Landung in der Normandie ab dem 6. Juni 1944 lag in den ersten Tagen maßgeblich in Dollmanns Händen. Nach der Kapitulation der zur Festung erklärten Stadt Cherbourg wurde Dollmann von Hitler seines Kommandos enthoben. Kurz darauf starb er, nach den offiziellen Unterlagen an einem Herzinfarkt, nach anderen Darstellungen beging er Suizid.

Leben Familie Friedrich Dollmann war der Sohn des gleichnamigen Stabsauditeurs der bayerischen Armee und dessen Ehefrau Maria, geborene Kirschbaum.Nikolaus von Preradovich: Die militärische und soziale Herkunft der Generalität des deutschen Heeres (= Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung, Bd. 14). Biblio-Verlag. Osnabrück 1978, S. 94. Dollmann heiratete 1919 Margareta Jaeger, mit der er ein Kind bekam. BeförderungenDermot Bradley (Hrsg.): Die Generale des Heeres 1921–1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 3: Dahlmann–Fitzlaff. Osnabrück 1994. ISBN 3-7648-2443-3, S. 178. 1. November 1899 Fahnenjunker 6. Februar 1900 Fähnrich 4. März 1901 Leutnant 23. Oktober 1910 Oberleutnant 1. Oktober 1913 Hauptmann 1. Oktober 1921 Major 1. April 1927 Oberstleutnant 1. Februar 1930 Oberst 1. Oktober 1932 Generalmajor 1. Oktober 1933 Generalleutnant 1. April 1936 General der Artillerie 19. Juli 1940 Generaloberst

Bayerische Armee Im Alter von 17 Jahren trat Dollmann am 15. Juli 1899 als Fahnenjunker in das 1. Feldartillerie-Regiment „Prinzregent Luitpold“ der Bayerischen Armee ein. Zum 1. Oktober 1900 wurde er zum 7. Feldartillerie-Regiment „Prinzregent Luitpold“ versetzt, das für die nächsten Jahre sein Stammtruppenteil blieb. Während der folgenden Jahre besuchte Dollmann die Kriegsschule in München (1900/01), wurde im Anschluss Leutnant und lernte in der Gewehrfabrik Amberg (1903) sowie in der Artillerie- und Ingenieur-Schule (1904). Danach diente er von 1905 bis 1909 als Abteilungsadjutant in seinem Regiment. Im Sommer 1909 qualifizierte er sich erfolgreich für die Kriegsakademie, die er vom 1. Oktober 1909 bis zum 30. September 1912 besuchte und die ihm die Qualifikation für die Höhere Adjutantur aussprach.Othmar Hackl: Die Bayerische Kriegsakademie (1867–1914). C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung. München 1989, ISBN 3-406-10490-8, S. 424.

Beim Beginn des Ersten Weltkrieges war Hauptmann Dollmann Adjutant der 1. Artillerie-Brigade (seit dem 23. Januar 1913). Er wurde auf dieser Position an der Westfront eingesetzt und übernahm am 19. Oktober 1916 das Kommando über die I. Abteilung des 7. Feldartillerie-Regiments. Nach etwa einem Jahr erfolgte am 5. November 1917 die Versetzung als Zweiter Generalstabsoffizier in den Stab der 6. Infanterie-Division unter Generalleutnant Karl Ritter von Riedl. Aber schon nach wenigen Wochen wurde Dollmann erneut versetzt; diesmal in den bayerischen Generalstab, von wo aus er am 21. Januar 1918 dem Kommando der 6. Armee als Offizier z. b. V. zugeteilt wurde.

Im Verlauf des Krieges wurde Dollmann mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse, dem Bayerischen Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern und Krone sowie mit dem Bayerischen Dienstauszeichnungskreuz II. Klasse ausgezeichnet.Gerd F. Heuer: Die Generalobersten des Heeres. Inhaber höchster deutscher Kommandostellen. Rastatt 1988, S. 46.

Zwischenkriegszeit Nach dem Waffenstillstand von Compiègne (11. November 1918) kehrte Dollmann im Zuge der Demobilisierung am 17. Dezember 1918 auf seinen ursprünglichen Posten als Adjutant der 1. Feldartillerie-Brigade zurück. In den nächsten Monaten hatte er, bedingt durch die Revolutionszeit, rasch aufeinander folgenden Dienststellungen inne. Am 16. März 1919 wurde er in das Ministerium für militärische Angelegenheiten berufen und dort zur Friedenskommission des Generalstabes kommandiert. Dies war wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass er sowohl Englisch als auch Französisch sprach.Samuel W. Mitcham, Gene Mueller: Hitler’s Commanders. London 1992, S. 125. Nachdem diese abgeschlossen war, diente er ab dem 13. Juni in der Zentralstelle des Generalstabes, bevor er ab dem 4. Juli wieder im Ministerium arbeitete. Ab dem 1. Oktober 1919 diente Dollmann schließlich als Generalstabsoffizier im neu eingerichteten Gruppenkommando IV der Vorläufigen Reichswehr in München. Diesen Posten behielt er ein Jahr lang.

Ab dem 1. Oktober 1920 wurde Dollmann kurzzeitig als Adjutant des Artillerie-Kommandeurs 21 eingesetzt, bevor er ab dem 1. Januar 1921 im Stab des Artillerieführers VII verwendet wurde. Erst am 1. April 1923 erfolgte eine neue Verwendung, als Dollmann zum Stab der 7. (Bayerische) Division versetzt wurde. Am 1. Dezember 1927 gelangte er, nachdem er wenige Monate zuvor zum Oberstleutnant befördert worden war, zur Einarbeitung in die I. Abteilung des 7. (Bayerisches) Artillerie-Regiments nach Würzburg. Am 1. Februar 1928 übernahm er diese Einheit als Kommandeur. Nach mehr als anderthalb Jahren gab er das Kommando ab und übernahm zum 1. Oktober 1929 den Posten des Chefs des Generalstabes der 7. (Bayerische) Division. Während der nächsten Jahre folgten einige Verwendungen in höheren Artilleriekommandos. Er kommandierte als Oberst das 6. (Preußisches) Artillerie-Regiment (ab 1. Februar 1931) in Minden, war Artillerieführer VII (ab 1. Oktober 1932) und anschließend als Inspekteur der Artillerie im Reichswehrministerium (ab 1. Februar 1933). Im Oktober 1933 stieg er zum Generalleutnant auf. Nach einer kurzen Verwendung als Kommandeur der Heeresdienststelle Kassel (ab 1. Oktober 1934) wurde er zum 1. Mai 1935 Befehlshaber des Wehrkreises IX mit Sitz in Kassel und Kommandierenden General des IX. Armeekorps ernannt. In dieser Position stieg er 1936 in den Rang eines Generals der Artillerie auf.

Dollmann und der Nationalsozialismus Historiker, die sich mit Dollmann befasst haben, waren sich ursprünglich weitgehend einig, dass der General selbst kein Nationalsozialist gewesen sei, auch wenn er pro-Nazi attitudes („pro-Nazi-Einstellungen“) gezeigt habe.Richard Brett-Smith: Hitler’s Generals. London 1976, S. 102; Samuel W. Mitcham, Gene Mueller: Hitler’s Commanders. London 1992, S. 126 f. Der Historiker Klaus-Jürgen Müller schrieb 1969, alle Erlasse von Dollmann hätten „einen besonderen nationalsozialistischen Impetus“.Klaus-Jürgen Müller: Das Heer und Hitler. Stuttgart 1969. S. 193, Anm. 421. und deshalb „doch eine stärkere Hinneigung zum Nationalsozialismus angenommen werden“ müsse.Klaus-Jürgen Müller: Das Heer und Hitler. Stuttgart 1969, S. 202, Anm. 264.

So hielt er in einem Erlass vom 8. Februar 1935 seine Offiziere dazu an, enger mit der NSDAP zu kooperieren. Im letzten Abschnitt des Schreibens forderte er sogar, „Offiziere, die sich nicht voll und ganz innerlich und äußerlich den Forderungen des nationalsozialistischen Staates fügen können, aus der Wehrmacht zu entfernen.“Klaus-Jürgen Müller: Das Heer und Hitler. Stuttgart 1969, S. 170. Wie aus einem weiteren Erlass vom 28. Januar 1936 hervorgeht, forderte Dollmann von seinen Dienststellen, den unbedingten Führungsanspruch der NSDAP anzuerkennen und darauf hinzuwirken, dass die Gesinnung und Haltung eines jeden Offiziers „positiv und nationalsozialistisch“ werde.Klaus-Jürgen Müller: Das Heer und Hitler. Stuttgart 1969, S. 193. Die Ehefrauen der Offiziere sollten sich aktiv in der NS-Frauenschaft einbringen.Richard Brett-Smith: Hitler’s Generals. London 1976, S. 103. Er befahl, in den Offiziersmessen Bilder von Kaiser Wilhelm II. zu entfernen, sie allenfalls in Traditionsräumen aufzuhängen und stattdessen Bilder von Hitler aufzuhängen.Samuel W. Mitcham, Gene Mueller: Hitler’s Commanders. London 1992, S. 126. Obwohl selbst Katholik, nahm Dollmann auch die Militärgeistlichen nicht von seinen Forderungen zur Kooperation mit dem NS-Regime aus.Klaus-Jürgen Müller: Das Heer und Hitler. Stuttgart 1969, S. 202. Im März 1936 schrieb er zum Beispiel: „Die Wehrmacht als einer der Träger des nationalsozialistischen Staates verlangt von Ihnen als Militärpfarrer jederzeit ein klares und rückhaltloses Bekenntnis zu Führer, Staat und Volk.“

Nach Ansicht der Historiker Samuel W. Mitcham und Gene Mueller waren Dollmanns Beförderungen seit 1936 wesentlich auf sein politisches Engagement zurückzuführen. Allerdings habe er später während der Besatzungszeit in Frankreich Zweifel am Nationalsozialismus bekommen.Samuel W. Mitcham, Gene Mueller: Hitler’s Commanders. London 1992, S. 127 f.

Zweiter Weltkrieg Am Westwall mini|hochkant|General der Artillerie Dollmann bei der Besichtigung von Stellungen am Isteiner Klotz (Frühjahr 1940)

Einige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Dollmann am 27. August 1939 Oberbefehlshaber der 7. Armee,Die oft zu findende Darstellung, Dollmann sei erst Ende Oktober Oberbefehlshaber der 7. Armee geworden, ist falsch. Generaloberst Wilhelm von Leeb berichtete schon am 29. August von Dollmann als Befehlshaber des Armeeoberkommandos 7; vgl. Wilhelm Ritter von Leeb: Tagebuchaufzeichnungen und Lagebeurteilungen aus zwei Weltkriegen. hrsg. von Georg Meyer. Stuttgart 1976, S. 169. die im Bereich der Heeresgruppe C (Generaloberst Wilhelm Ritter von Leeb) am Oberrhein zum Schutz der deutschen Westgrenze eingesetzt wurde. Dort waren die französischen Truppen fast inaktiv (Sitzkrieg#Saar-Offensive). Dollmanns Verbände sollten in dieser Phase einen bevorstehenden deutschen Angriff gegen den oberen Rhein und die Schweiz vortäuschen. Zu diesem Zweck ließ Dollmann viele Truppenverlegungen und Täuschungsmanöver durchführen; diese erfüllten ihren Zweck.Karl-Heinz Frieser: Blitzkrieg-Legende. Der Westfeldzug 1940. München 1996, S. 308 f.

Erst in der letzten Phase des Westfeldzuges (→ Fall Rot) kam Dollmanns Armee zum Einsatz. Die Heeresgruppe C ging am 14. Juni 1940 zur Offensive gegen die Rhein-Linie vor. Die 7. Armee nahm Colmar und Straßburg ein und durchbrach am äußersten linken (südlichen) Flügel der Front die französische Maginot-Linie. Danach gelang ihr in der Nähe der Grenze zur Schweiz die Vereinigung mit der Panzergruppe Guderian, womit die etwa 200.000 Mann starke französische Heeresgruppe 3 (2., 3., 5. und 8. Armee) eingeschlossen wurde. Frankreich kapitulierte am 22. Juni 1940.Kurt von Tippelskirch: Der Zweite Weltkrieg. Bonn 1956, S. 90–93. Die Offensive der 7. Armee war angesichts des sich abzeichnenden Zusammenbruchs der französischen Armee eigentlich unnötig geworden. Allerdings sollte das als „urdeutsch“ angesehene Elsaß-Lothringen propagandistisch wirksam erobert und nicht bloß besetzt werden.Hans Umbreit: Der Kampf um die Vormachtstellung in Westeuropa. In: Klaus A. Maier, Horst Rohde, Bernd Stegemann, Hans Umbreit (Hrsg.): Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent. Stuttgart 1979, S. 305.

Am 19. Juli 1940 zeichnete Hitler zahlreiche hohe Generäle aus. Es gab zahlreiche Beförderungen. Dollmann wurde Generaloberst, nachdem er bereits am 24. Juni das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes erhalten hatte.

Besatzungszeit in Frankreich