Der Artikel Norwegen im christlichen Mittelalter gibt einen Überblick über geschichtliche Ereignisse in Norwegen während des Mittelalters.

Die Söhne Magnus Barfots Magnus Barfot, König von 1093 bis 1103, hatte drei Söhne: Sigurd, Øystein und Olav. Sie wurden alle drei nebeneinander König. Von Olav wissen wir so gut wie nichts. Er starb 1115 gerade 17-jährig, ohne sich irgendwie politisch bemerkbar gemacht zu haben. Øystein kümmerte sich sehr um den Ausbau Bergens und gründete dort das Benediktiner-Kloster Munkeliv. Sigurd war mit 18 Jahren nach Jerusalem gezogen und war damit der erste europäische König, der auf einen Kreuzzug zog. Nach Torarin Stuttfell soll er 1108 mit 60 Schiffen ausgelaufen sein. 3 Jahre später kam er mit einem Splitter des Heiligen Kreuzes zurück, das er von Balduin, dem König des neuen Königreichs Jerusalem in Anerkennung seiner Verdienste erhalten hatte. Es wurde später im Dom zu Nidaros aufbewahrt. Über ihre innenpolitischen Wirkungen ist nichts bekannt. Zu Beginn der Regierungszeit der drei Brüder wurde die Kirche Norwegens 1104 aus dem Erzbistum Hamburg/Bremen gelöst und dem neuen Erzbistum Lund zugeschlagen. König Øystein baute Unterkünfte für die Fischer auf den Lofoten. 1123 starb Øystein und Sigurd war allein König. Ein Steinkopf mit seinem Porträt wurde unter dem Munkeliv-Kloster gefunden. Er gilt als das erste Porträt eines norwegischen Königs. 1129 unterzog sich der Ire Harald Gille (Gilchrist) der Eisenprobe (s. Feuerprobe) um zu beweisen, dass er ein Sohn von Magnus Barfot ist. Er wurde von Sigurd als Bruder anerkannt.

Der Bürgerkrieg Die Quellenlage Snorri berichtet um 1230 ausführlich über seine Quelle. Es handelt sich um eine Saga von Erik Oddsson mit dem Titel Hryggjarstykki. Erik hatte die Ereignisse von 1134 bis 1139 teilweise selbst erlebt, teilweise sich von den Teilnehmern berichten lassen. Das Buch ist verloren, aber viele außer Snorri haben daraus geschöpft. Snorri sagt, Erik habe über Inge, Sigurd, Harald und Magnus „bis zu deren Tod“ berichtet. Aus dem Zusammenhang lässt sich nicht entnehmen, wessen Tod gemeint ist, der Tod von Magnus und Harald Gille 1139, oder Inges Fall 1161. Auf jeden Fall handelt es sich bei Hryggjarstykki um die erste Zeitgenossen-Saga der norwegischen Geschichtsschreibung. Alle Königssagas ab 1130 sind Zeitgenossen-Sagas oder schöpfen aus zeitgenössischen Berichten und sind daher von besonderem Quellenwert. Neben Snorri schöpften auch Morkinskinna und Fagrskinna aus Ottar und anderen zeitgenössischen Aufzeichnungen. Neben diesen Sagas kommt nun eine neue Quellengruppe hinzu: die ältesten norwegischen Gesetze Gulathingslov und Frostathingslov und Teile vom Eidsivathings- und Borgarthingslov, das alte Stadtrecht von Trondheim. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch wichtige Briefe und Dokumente erhalten. Damit steht die Geschichtswissenschaft ab dem Bürgerkrieg auf einer wesentlich solideren Grundlage. Deshalb wird die Zeit vom Bürgerkrieg bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts auch als das „Norwegische Hochmittelalter“ bezeichnet.

Magnus Sigurdsson und Harald Gille Sigurd Jorsalfari hatte seinen unehelichen Sohn Magnus zum König bestimmt und sich den Eid des Volkes gesichert, dass dieses ihn akzeptieren würde. Da kam Harald Gille mit seiner irischen Mutter aus Irland nach Norwegen und behauptete, sein Bruder zu sein und belegte dies durch eine bestandene Eisenprobe als Gottesurteil. Bevor Sigurd ihn als Bruder anerkannte, machte er zur Bedingung, dass Harald weder zu seinen Lebzeiten, noch zu Lebzeiten seines Sohnes Magnus König werden dürfe. Dem Volk erschien dies nach den Sagas als unrechtmäßig, denn es widersprach der Thronfolgeregel, wonach alle Männer, die von einem König abstammten, zur Königsherrschaft gleichberechtigt berufen waren. Die Regelung nützte nach seinem Tode wenig. Schon zu Sigurds Lebzeiten fand Harald bei einigen der lendmenn Unterstützung. Die Sagas schildern Harald Gille als freundlich zu jedermann. Freigebig und umgänglich wie er war, hatte er es leichter, Anhänger zu finden als der als geizig und hochmütig geschilderte Magnus Sigurdsson. Aber beide sollen nach den Sagas nicht besonders klug gewesen sein.

Zum Zeitpunkt von Sigurds Tod 1130 war sein Sohn Magnus in Oslo und ließ sich dort sogleich zum König ausrufen. Harald war in Tønsberg und ließ sich auf dem Haugathing in der Stadt ebenfalls zum König ausrufen. Er war im Oslofjord so stark, dass ihn Magnus als Mitkönig akzeptieren musste. Im Herbst 1130 wurden sie beide als Mitkönige auf dem Øyrathing bestätigt. Als die beiden Könige 1133/1134 in Trondheim Überwinterten, kam es fast zu offenem Streit zwischen beiden. Als sie sich trennten, beschloss Magnus, Harald aus dem Land zu vertreiben. Beide hoben im südlichen Teil des Landes Truppen aus, und es kam im August 1134 im nördlichen Båhuslen zur Schlacht von Fyrileiv, der ersten Schlacht des Bürgerkrieges. Aus ihr ging Magnus als Sieger hervor. Der Thronstreit weitete sich auf alle drei nordischen Königreiche aus, da sie alle miteinander durch wechselseitige Heiraten verknüpft waren und auch noch die Herrschaftsambitionen aus der Wikingerzeit über Teile der jeweils anderen Reiche nicht aufgegeben hatten. In diesem Geflecht kam den Königinnen eine besondere Rolle zu. Denn durch sie wurde das Geschlecht weitergeführt, und über die Erbschafts- und Thronfolgeregelungen konnten auch ökonomische Ressourcen die Königshäuser wechseln. Die durch Heirat befestigten Absprachen gaben energischen Königinnen einen großen politischen Einfluss.

mini|Bischof Reinald wird gehängtNach der Niederlage von Fyrileiv suchte Harald Gille Unterstützung beim dänischen König Erik Emune. Damit konnte er rechnen, da Harald Erik im Kampf um dessen Thron unterstützt hatte, als Eriks Onkel Nils mit Hilfe von Magnus Haraldsson von Norwegen versucht hatte, Erik auszuschalten. Kurz nach Neujahr 1135 überfiel Harald Gille Magnus in Bergen mit überlegenen Truppen. Magnus wurde gefangen genommen, und Harald ließ ihn blenden, ihm einen Fuß abhacken und ihn kastrieren. Als Magnus der Blinde brachte er ihn ins Munkeliv-Kloster auf Nidarholm bei Trondheim. Harald glaubte, dass Bischof Reinald das Vermögen seines Bruders Magnus verwalte. Reinald verweigerte die Herausgabe und wurde gehängt.

Aber es gab noch mehr Thronprätendenten, da sich die Könige überall, wo sie hinkamen, Mätressen hielten, deren Söhne ebenfalls thronfolgeberechtigt waren. Schon 1136 trat in Bergen bei König Harald Gille ein Sigurd Slembe auf, der behauptete, ein unehelicher Sohn von Magnus Barfot zu sein. Die Lendmenn von Magnus wollten ihn beseitigen, aber er entkam mit knapper Not. Im Spätherbst kehrte er nach Bergen zurück. Im Dezember tötete er mit einigen Helfern Harald Gille im Bett einer Mätresse und bekannte vorschriftsmäßig öffentlich den Totschlag am nächsten Tag, so dass es kein Mord war, und forderte die Königsherrschaft. Aber nur wenige schlossen sich ihm an, weil die Erschlagung eines Mannes beim Schlaf gleichwohl als „Neidingswerk“ angesehen wurde. Sigurd befreite daraufhin um Neujahr 1137 Magnus den Blinden aus dem Kloster Nidarholm.

Inge Krokrygg und Sigurd Munn mini|Die familiären Verflechtungen zwischen den norwegischen und dänischen Königen zu Beginn des 12. Jahrhunderts mini|Sigurd Slembe wird gefoltert. Die Lendmenn um Harald Gille fürchteten, dass Sigurd Slembe nach Trøndelag, wo sein mütterlicher Clan lebte und wo er außerdem hoffen konnte, Anhänger von Magnus d. Blinden zu gewinnen, gehen würde und sandten Eilboten dorthin. Sie erreichten, dass der 4-jährige uneheliche Sohn von Harald Gille, Sigurd Munn auf dem Øyrathing zum König ausgerufen wurde (Den Beinamen „munn“ erhielt er wegen seines verunstalteten Mundes). Einer der führenden Männer auf dem Thing war Ottar Birting, den die Königinwitwe Ingrid später ehelichte. Ihr zweijähriger Sohn Inge Krogrygg (= der Bucklige) wurde auf dem Borgarthing im Oslofjord zum König ausgerufen. So kam es zu einem neuen Doppelkönigtum nach den Interessen der Aristokratie. Sigurd Slembe sammelte eine Truppe in Oppland, wurde aber von den Getreuen Konig Inges bei Minne geschlagen, worauf er fast nach Wikingerart plündernd umherzog, bevor er sich nach Dänemark absetzte. In diesen Wirren griff der dänische König Erik Emune Oslo an, plünderte es und brannte es nieder. Als Entsatz kam, zog er wieder ab. Im Sommer 1138 zogen Sigurd und Magnus von Dänemark aus und plünderten an der Küste Südnorwegens. Sie überwinterten dort und fuhren im Dezember 1139 mit einer dänisch-norwegischen Flotte in den Oslofjord. Dort begegneten sie den vereinigten Kräften von den Kinder-Königen Sigurd und Inge. Sie wurden in der Schlacht von Holmengrå geschlagen. Magnus d. Blinde wurde in der Schlacht getötet, Sigurd Slembe aber gefangen und zu Tode gefoltert.

1142 wurde ein weiterer unehelicher Sohn von Harald Gille namens Øystein, geboren in der Mitte der 1120er Jahre, nach Norwegen geholt. Er brachte sein eigenes Gefolge mit. Als die beiden Kinder heranwuchsen, erhielten sie ebenfalls jedes sein eigenes Gefolge. Kurz nach 1150 zog Øystein nach den britischen Inseln, unterwarf die Orkneys und räuberte nach alter Wikingerweise in England und Schottland.

Mit dem Heranwachsen von Inge und Sigurd kamen Spannungen zwischen den beiden auf, was wohl im Wesentlichen auf die jeweiligen Ratgeber zurückzuführen ist, die den Einfluss ihres jeweiligen Herrn auf Kosten des anderen auszudehnen suchten. Das gilt besonders für den Kreis um Inge als dem einzigen, dessen Mutter ebenfalls Königin war. Sie suchten Unterstützung bei der Kirche. Gleichwohl kam es zunächst nicht zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden.

Erzbistum Nidaros Auch in der Kirche tat sich einiges: Englische Mönche gründeten 1146 das Zisterzienserkloster Lysekloster bei Bergen und 1147 das Mariakloster (ebenfalls zisterziensisch) auf Hovedøya. 1152 sandte Papst Anastasius IV. den Kardinalbischof Nikolaus Breakspear als Bevollmächtigten nach Norwegen. Dort errichtete er in Nidaros eine norwegische Kirchenprovinz mit einem Erzbischof. Es ist anzunehmen, dass dazu ein längerer diplomatischer Vorlauf erfolgte. Die Quellen berichten lediglich, dass sich König Sigurd Jorsalfari für die Schaffung eines Erzbistums in Norwegen eingesetzt habe. Norwegen war in vier Bistümer geteilt, hinzu kamen die Bistümer auf den Färöern und auf Grönland. Außerdem konnte die Kirche durch Einführung des Zehnten auf eine stabile finanzielle Grundlage verweisen. Unter Sigurd und seinen Brüdern war es zu einer religiösen Erneuerungsbewegung gekommen, und von der Ostküste Englands aus wurden viele Klöster gegründet. Diese wiederum brachten die Strömungen der kontinentaleuropäischen Reformbewegungen nach Norwegen. Nikolaus Breakspear war selbst Augustiner. Politisch ging der Kirchenprovinz als erstes 1103/1104 die Ausgliederung der Kirchenprovinz Lund aus dem Erzbistum Hamburg/Bremen voraus, zu der dann auch Norwegen geschlagen wurde. 1130 benötigte die Kurie deutsche Hilfe und unterstellte als Gegenleistung Norwegen vorübergehend wieder Hamburg/Bremen. Es gibt Anzeichen dafür, dass Norwegen und Schweden schon früher aus dem Erzbistum Lund hätten ausgegliedert werden sollen. Immerhin wird in alten Bischofslisten als erster norwegischer Erzbischof Reidar aufgeführt, der aber nach den isländischen Annalen auf der Heimreise nach der Weihe 1151 gestorben ist. Die Errichtung eines Erzbistums in Trondheim lag auch im Interesse der norwegischen Könige, insbesondere die Einbindung der norwegisch beanspruchten Inseln im Westen. Immerhin hatten die Häuptlinge der Orkneys, der Hebriden und der Insel Man zu Beginn der 1150er Jahre König Inge in Bergen besucht. Außerdem war im Februar 1152 der römisch-deutsche König Konrad III. gestorben, und der spätere Kaiser Friedrich Barbarossa aus dem antigregorianischen Lager stand zur Wahl. Die Ausgliederung der norwegisch-schwedischen Kirchenprovinzen aus einer deutschen Machtsphäre lag nahe.