mini|190px|Kaiser Alexander I. von Russland (Gemälde von Stepan Schtschukin, 1809)rahmenlos|zentriert|150px|klasse=skin-invert-image

Alexander I. Pawlowitsch Romanow (; * in Sankt Petersburg; †  in Taganrog) war KaiserIm zeitgenössischen Sprachgebrauch als auch im Ausland blieb es bis 1917 üblich, weiter vom Zaren zu sprechen, was sich auch im Bewusstsein der Nachwelt erhalten hat. Damit wurde weniger auf den geltenden Würdeanspruch des Kaiserreiches als vielmehr auf das Fortleben der russischen Wirklichkeit in Form des Moskauer Zarenreiches gezielt, das als Grundlage des neuen Imperiums diente. Dies führte im 19. Jahrhundert zu einer nicht quellengerechten Begriffssprache in der Literatur und zu einem überkommenen Begriffsapparat in der deutschen Literatur. Hans-Joachim Torke: Die russischen Zaren. 1547–1917. S. 8. Hans-Joachim Torke: Die staatsbedingte Gesellschaft im Moskauer Reich. Leiden, 1974, S. 2. Reinhard Wittram: Das russische Imperium und sein Gestaltwandel. In: Historische Zeitschrift, 1959, Band 187, Heft 3 (Juni), , S. 568–593, S. 569. von Russland (1801–1825), König von Polen (1815–1825), erster russischer Großfürst von Finnland (1809–1825) schneeland.com aus dem Hause Romanow-Holstein-Gottorp und von 1801 bis 1807 sowie von 1813 bis 1818 Herr von Jever.

Kindheit und Jugend Alexander I. war der älteste Sohn des Kaisers Paul I. und seiner zweiten Gemahlin, Maria Fjodorowna, geborene Prinzessin Sophie Dorothee von Württemberg.

Weich und sentimental, zeigte er sich wohlwollend und für Ideale begeistert, aber auch schwach und unbeständig, und schon früh begann seine Bereitschaft, alles Unangenehme beiseitezuschieben. Sein Vater Paul I., seit 1796 Kaiser, behandelte Alexander misstrauisch und willkürlich. Für seine Ausbildung sorgte seine Großmutter Kaiserin Katharina II. Er wurde unter der Leitung des freisinnigen Schweizer Freimaurers Frédéric-César de la Harpe nach rousseauschen Grundsätzen erzogen. Dieser konnte sein Vorhaben, den jungen Großfürsten in der Staatskunst auszubilden, nicht beenden. Zarin Katharina erschien es wichtiger, dynastische Zukunftsfragen in Erwägung zu ziehen. Bereits im Herbst 1792 ließ sie zwei badische Prinzessinnen „zur Ansicht“ nach Sankt Petersburg kommen.

Am wurde Großfürst Alexander im Alter von 15 Jahren mit der Prinzessin Louise von Baden vermählt. Die Braut war 14 Jahre alt und erhielt nach ihrem Übertritt zum orthodoxen Glauben den Namen Elisabeth Alexejewna.

1796 starb Katharina II., und Alexanders Vater bestieg als Paul I. den russischen Kaiserthron. Ab diesem Zeitpunkt begann für Alexander eine Zeit der Demütigungen und Drangsalierungen durch den Vater. Nun geriet er langsam unter den Einfluss seiner Mutter, der sein ganzes Leben lang anhalten sollte.

Kaiser von Russland mini|Kaiser Alexander I. um 1801, Gemälde von Wladimir Lukitsch Borowikowski Als Alexander durch die Ermordung seines Vaters am auf den Thron gelangte, war er, obwohl er von dem Mord weder gewusst noch ihn gebilligt hatte, doch anfangs von Rücksichten auf die Mörder Subow, von der Pahlen und von Bennigsen abhängig. Sie gingen alle straffrei aus. Ernst Lubitsch verfilmte 1928 unter dem Titel Der Patriot die Umstände der Verschwörung.

Später erlangte das sogenannte Triumvirat aus Pawel Stroganow, Nikolai Nowossilzew und Adam Czartoryski den bedeutendsten Einfluss auf ihn.

Adelspolitik Einer der Gründe für den Sturz Pauls I. war dessen Adelspolitik: Er hatte die Steuerfreiheit des russischen Adels aufgehoben und versucht, die 1762 abgeschaffte Dienstpflicht des Adels wiedereinzuführen. Nach dem Staatsstreich, der Alexander auf den Zarenthron brachte, erwartete der Adel eine andere Adelspolitik von ihm. Dem kam Alexander nach, indem er als eine seiner ersten Handlungen die Gültigkeit der Adelsurkunde von 1785 in vollem Umfang bekräftigte. Gegenüber dem polnischen Adel setzte Alexander allerdings auf Kontinuität zur Politik seines Vaters. Er setzte die Adelsüberprüfung in den polnischen Provinzen fort, hob jedoch die Frist, die Paul auf das Jahr 1802 terminiert hatte, auf, so dass der Druck von den Adligen genommen wurde, ihren Adelsnachweis innerhalb der nächsten Monate beizubringen. Alexander reagierte damit auch auf die zahlreichen Eingaben polnischer Adliger, in denen sie den Verlust ihrer Dokumente durch Aufstände oder Brände beklagten oder darauf hinwiesen, dass sich ihre Adelsurkunden als Folge der Teilungen Polens in ausländischen Archiven befänden.

Reformtätigkeit Seiner Persönlichkeit entsprechend war sein Bemühen vornehmlich auf die innere Entwicklung Russlands gerichtet. In der ersten Hälfte seiner Regierung, namentlich während der ersten Jahre, war er eifrig bestrebt, das Finanzwesen seines Reichs zu ordnen, die geistige Bildung zu fördern und das harte Los der Leibeigenen zu mildern. Er hob die Leibeigenschaft in Estland, Livland und Kurland auf.Susan P. McCaffray: Confronting Serfdom in the Age of Revolution: Projects for Serf Reform in the Time of Alexander I. In: Russian Review, 2005, 64#1, S. 1–21; . Zudem führte er in diesen Gebieten eine mit dem Institut der Gemeindegerichte verbundene Bauernordnung ein. Leibeigene zum Verkauf auszustellen oder in den Zeitungen anzubieten wurde 1801 verboten, ihre Freilassung und Ansiedlung in den Städten erleichtert. Um sich diesen und anderen Reformen widmen zu können, war Alexander anfangs bemüht, kriegerische Einmischungen in die europäischen Angelegenheiten zu vermeiden.

Außenpolitische Haltung bis zum Friedensvertrag mit Napoleon Bereits 1802 schloss er mit König Friedrich Wilhelm III. von Preußen einen herzlichen Freundschaftsbund (Zusammenkunft in Memel, Juni 1802), dem beide bis an ihr Lebensende treu blieben.

mini|links|Empfang beim Frieden von Tilsit 1807: Außenminister Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, Napoleon Bonaparte, Kaiser Alexander I., Königin Luise und ihr Gatte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Gemälde von Nicolas Gosse.

Gleichzeitig trat Alexander mit Napoleon Bonaparte, damals Erster Konsul der Französischen Republik, in enge politische Beziehungen mit dem Ziel, die Angelegenheiten Europas in gegenseitigem Einverständnis friedlich zu regeln. 1804 kam es jedoch zum Bruch mit Frankreich. Alexander unterstützte 1805 Österreich, verließ aber nach der Schlacht bei Austerlitz das Bündnis gegen Napoleon. 1807 erneuerte er den Kampf zugunsten Preußens, allerdings erst, als sein Verbündeter den größten Teil seines Territoriums bereits verloren hatte.

Als die französischen Truppen den preußischen und russischen Truppen an den Ufern der Memel gegenüberstanden, schloss Alexander den Frieden von Tilsit. Diesem Friedensschluss ging die berühmte Zusammenkunft des russischen und des französischen Kaisers am 25. Juni 1807 in einem in der Mitte des Flusses schwimmenden Pavillon voraus. Alexander, der für Napoleons glänzende persönliche Eigenschaften die größte Bewunderung hegte, ließ sich von diesem zum zweiten Mal für den Gedanken einer gemeinsamen Leitung der europäischen Angelegenheiten gewinnen.

Während des Erfurter Fürstenkongresses im Oktober 1808 wurde der Bund mit Frankreich erneuert und Alexander der Besitz der Türkei versprochen, gegen die er einen Krieg siegreich fortsetzte. Die französische Rückendeckung nutzte Alexander, um Schweden im Russisch-Schwedischen Krieg 1808–1809 durch eine kühne militärische Operation, die Überquerung des zugefrorenen Bottnischen Meerbusens in drei Heeressäulen (1809) zu schlagen. Im Vertrag von Fredrikshamn 1809 musste Schweden Finnland und die Åland-Inseln an Russland abtreten.

Bei den weit auseinandergehenden Interessen der beiden Staaten dauerte indes diese Eintracht nicht lange, und 1812 kam es von neuem zum Bruch.

Krieg gegen Napoleon und der Wiener Kongress mini|300px|Kaiser Alexander I., Gemälde von Franz Krüger (1812) Anfangs schien auch Russland im Russlandfeldzug 1812 Napoleon zu unterliegen, und nach der Einnahme von Moskau verzweifelte Alexander fast an der Fortführung des Krieges. Indessen gelang es dem ungebrochen optimistischen Freiherrn vom Stein, ihn umzustimmen und seine Begeisterung neu anzufachen. Alexander erklärte, die Waffen nicht niederlegen zu wollen, ehe Napoleon gestürzt sei. Dessen Friedensangebote wurden zurückgewiesen und die religiöse und nationale Begeisterung der Russen wachgerufen. Das mehr dem Hunger und der Kälte als den Waffen weichende französische Heer wurde auf seinem Rückzug hart bedrängt und fast vernichtet.

Alexanders Entschluss zur Fortführung des Krieges begünstigte die Erhebung Deutschlands, die ohne seine Unterstützung kaum möglich gewesen wäre. In den Befreiungskriegen übte Alexander als der mächtigste unter den verbündeten Herrschern großen Einfluss aus, sowohl auf die militärischen Operationen als auch bei der schonenden Behandlung Frankreichs und der Rückführung der Bourbonen.

1814 bemühte sich der Kaiser beim Wiener Kongress um die Eintracht unter den Fürsten und um die Herstellung einer festen Ordnung. Als damaliger Vertreter liberaler Ansichten suchte er persönlich und durch den Freiherrn vom Stein auf die Regelung der deutschen Verhältnisse durch die Wiener Schlussakte einzuwirken. Auch setzte er durch, dass die Neutralität der Schweiz anerkannt wurde,Geneviève Lüscher: Geburtshelfer der neutralen Schweiz. In: NZZ am Sonntag, 19. April 2015. und verschaffte den ionischen Inseln republikanische Selbstständigkeit (vgl. Republik der Ionischen Inseln). In gleichem Sinn gab er Polen, das ihm durch die Entscheidung des Wiener Kongresses zugefallen war, eine freisinnige Verfassung.

Haltung und Ansehen während der letzten Regierungsjahre Der Freimaurerei gegenüber skeptisch gesinnt, gab Alexander I. ein Gutachten über die Tätigkeiten der Freimaurerlogen in Auftrag. Angefertigt wurde es durch Ignaz Aurelius Feßler, der 1809 als Professor der orientalischen Sprachen und der Philosophie an die Alexander-Newskij-Akademie in Sankt Petersburg berufen wurde, den Unterrichtsminister Graf Rasumowsky, den Polizeiminister Balaschew und den demokratischen Staatssekretär Michail Michailowitsch Speranski. In dessen Folge wurde die Freimaurerei 1810 in Russland genehmigt, und Alexander I. trat selbst dem Bund bei.Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. Auflage. Herbig Verlag, ISBN 3-7766-2478-7.

mini|links|Kaiser Alexander I. im Jahre 1824. George Dawe, 1826, Schloss Peterhof.

Unter dem Einfluss der großen Begebenheiten dieser Zeit und auf Anregung der ihn damals in ihre Mystik ziehenden Juliane von Krüdener entstand bei dem christlich-frommen Zaren zuerst die Idee der Heiligen Allianz, durch deren Verwirklichung er den Frieden der Welt auf einer von den bisherigen politischen Bündnissen abweichenden Grundlage festzustellen trachtete. Sie wurde aber zur Handhabe für die politische Reaktion und steigerte die Unzufriedenheit mit der bestehenden Ordnung, statt die Gemüter zu beruhigen. Alexander I., dadurch erschreckt und, wie es scheint, durch böswillige Einflüsterungen gegen die Völker mit Misstrauen erfüllt, versuchte mit anderen Fürsten gewaltsame Gegenmittel. Man beriet und beschloss in diesem Sinn auf den Kongressen zu Troppau (1820), Laibach (1821) und Verona (1822), und Alexander bot willig die Hand, mit den Aufständen auch den politischen Fortschritt der Völker zu unterdrücken.