mini|300px|Burg Vianden Die Grafschaft Vianden entwickelte sich im Hochmittelalter und fiel durch Heirat und nachfolgende Erbschaft im 15. Jahrhundert an das Haus Nassau. Ihre Stammburg, die Burg Vianden, liegt im Kanton Vianden im Norden des heutigen Luxemburg.

Geschichte Erstmals erwähnt wird 1090 ein Comes de Vianne namens Bertolf, der wohl dem Hause der Grafen von Hamm und Vögte von Prüm angehörte, welches wiederum von den Grafen des Bidgau abstammte.Jules Vannérus: Les anciens dynastes d'Esch-sur-la-Sûre. Luxemburg 1905, S. 82. Laut dem Jesuiten Bertholet stammen die Grafen von Vianden dann von Gerhard von Sponheim ab, dessen Sohn Friedrich I. von Vianden vermutlich der Schwiegersohn Bertolfs war.Jean Bertholet: Histoire ecclésiastique du duché de Luxembourg et comté de Chiny. Luxemburg 1743, 3. Band, S. 334. Jules Vannérus war auch der Meinung, dass Friedrich I. von Vianden ein Schwiegersohn Bertolfs war, jedoch konnte er dessen Familie nicht identifizieren.Jules Vannérus: Les comtes de Vianden. Luxemburg 1905, S. 8. Detlev Schwennicke hält Gerhard von Sponheim selbst für den Schwiegersohn Bertolfs von Vianden und einen Gerhard II. für dessen Sohn und den Vater Friedrichs I.Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln. J.A. Stargardt Verlag, Marburg 1980, S. 7–35. (nach ID: I13147 - Name: N. N. VON VIANDEN. Auf: worldconnect.rootsweb.ancestry.com) Neuere Forschung hingegen geht von einer Abstammung in männlicher Linie aus und sieht die Verbindung mit Sponheim in einer späteren Generation zwischen einer Tochter des Grafen Gerhard I. von Vianden und einem Sohn des Grafen Meginhard von Sponheim.Walther Möller: Stammtafeln Westdeutscher Adels-Geschlechter im Mittelalter. Darmstadt 1933, Band II S. 163.Dominique du Fays: La Maison de Vianden. Des origines à 1337. Mémoire pour l'obtention de Licencié en Histoire 1986/1987 Université de Liège, S. 21.René Klein: Die Verwandtschaft der Grafen von Vianden mit den Grafen von Sponheim. Annuaire de l'Association Luxembourgeoise de Généalogie et d'Héraldique 1996, S. 215.

In der Zeit von 1124 bis 1152 trat Friedrich I., Graf von Vianden und Vogt von Prüm, in Erscheinung. Sein Sohn Friedrich II. heiratete Elisabeth, eine Tochter des Grafen Heinrich I. von Salm, wodurch Friedrich auch Graf von Salm in den Ardennen wurde. Kurz darauf bildete sich ein eigener Familienzweig Salm-Vianden. Mit Heinrich I. erlangte die Familie von Vianden ihren Höhepunkt. Durch seine Heirat mit Margarete von Courtenay konnte Heinrich kurze Zeit die Markgrafschaft Namur übernehmen. 1264 kam die Grafschaft Vianden in Lehnsabhängigkeit der Grafen von Luxemburg. Gottfried I. von Vianden war als Vasall des Herzogs von Brabant Teilnehmer an der Schlacht von Worringen. Mit Heinrich II. erlosch 1337 die ältere Familie von Vianden im Mannesstamm. Durch die Heirat von Simon III. von Sponheim-Kreuznach mit der Erbtochter Maria von Vianden 1346 kam die Grafschaft Vianden bis 1417 in die Hände der Grafen von Sponheim. Nach dem Tod von Elisabeth, der letzten Gräfin der vorderen Grafschaft Sponheim, übernahm Engelbert I. von Nassau-Dillenburg die Grafschaft Vianden.

Territorium Die Tabelle der zur Grafschaft Vianden gehörenden Orte ist aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Die Ortsnamen in Klammern sind aus einem überlieferten Kataster aus dem Jahr 1771. Die Zuordnung zu dem Verwaltungsbezirken der Meiereien sind einer Aufstellung aus dem Jahr 1832 entnommen. Die Zugehörigkeit zu den Pfarreien stammen aus einer Zusammenstellung des Historikers Fabricius. Alle Pfarreien gehörten zum Erzbistum Trier: Altscheid, Biersdorf, Karlshausen, Mettendorf und Nusbaum zum Dekanat Bitburg; Eisenbach, Fuhren, Geichlingen, Körperich, Kruchten, Roth, Stolzemburg und Wallendorf zum Dekanat Mersch. Ort Meierei Pfarrei heute Altscheid Geckler Altscheid Altscheid Ammeldingen (Ameldingen) Wallendorf Wallendorf Ammeldingen an der Our Bauler ? Geichlingen Bauler Berscheid Karlshausen Karlshausen Berscheid Bettel Geichlingen Fuhren Tandel (Luxemburg) Biesdorf (Bisdorf) Wallendorf Wallendorf Biesdorf Bierendorf (Birendorf) Lahr Mettendorf Lahr Biwels (Bivels) Karlshausen Fuhren Putscheid (Luxemburg) Brecht Mettendorf Wißmannsdorf Brecht Burg Mettendorf Mettendorf Burg Dauwelshausen (Davelshausen) Karlshausen Karlshausen Dauwelshausen Enzen ? Nusbaum Enzen Fuhren Geichlingen Fuhren Tandel (Luxemburg) Freilingen Freilingen Nusbaum Nusbaum Geichlingen Geichlingen Geichlingen Geichlingen Gemünd Karlshausen Eisenbach Gemünd Gentingen Geichlingen Körperich Gentingen Halsdorf Mettendorf Mettendorf Halsdorf Herbstmühle Karlshausen Karlshausen Herbstmühle Hoesdorf (Hesdorf) Wallendorf Wallendorf Reisdorf (Luxemburg) Hommerdingen Geichlingen Kruchten Hommerdingen Hüttingen (Hettingen) Lahr Mettendorf Hüttingen bei Lahr Karlshausen (Carlshausen) Karlshausen Karlshausen Karlshausen Keppeshausen (Koppeshausen) Karlshausen Stolzemburg Keppeshausen Kewenig (Chevenich) ? Kruchten Körperich Körperich Geichlingen Körperich Körperich Kruchten (Cruchten) Wallendorf Kruchten Kruchten Lahr Lahr Mettendorf Lahr Longsdorf Geichlingen Fuhren Tandel (Luxemburg) Mettendorf Mettendorf Mettendorf Mettendorf Nasingen (Nosing) Geckler Geichlingen Nasingen Niedergeckler (Niederjeckler) Geckler Mettendorf Niedergeckler Niederraden (Nieder-Raden) Geckler Mettendorf Niederraden Niedersgegen (Nieder-Gegen) Wallendorf Körperich Körperich Niederweiler Geckler Biersdorf Niederweiler Niehl (Niel) Mettendorf Mettendorf Niehl Nusbaum (Nosbaum) Freilingen Nusbaum Nusbaum Obergeckler (Oberjeckler) Geckler Mettendorf Obergeckler Oberraden (Ober-Raden) Geckler Mettendorf Fischbach-Oberraden Obersgegen (Ober-Gegen) Karlshausen Roth Körperich Rodershausen Karlshausen Roth Rodershausen Roth Geichlingen Roth Roth an der Our Scheitenkorb (Schüttenkorf) ? Karlshausen Scheitenkorb Seimerich Geichlingen Körperich Körperich Sevenig (Sevenich) Karlshausen Karlshausen Sevenig bei Neuerburg Sinspelt ? Mettendorf Sinspelt Wallendorf Wallendorf Wallendorf Wallendorf Walsdorf Karlshausen Fuhren Tandel (Luxemburg)

Grafen von Vianden Haus Vianden Gerhard (um 1100) Gerhard I. von Clerf (1129–1156) Friedrich I. (gen. 1124–1150) Siegfried I. (gen. 1154–1163) Friedrich II. (gen. 1163–1184) ⚭ Elisabeth von Salm Friedrich III. (gen. 1187–1217) ⚭ Mechthild von Neuerburg Heinrich I. (gen. 1214–1252), Nachkommen siehe unten Siegfried II. (gen. 1215–1242) Friedrich I. Herr von Neuerburg ⚭ Cäcilie von Kobern Friedrich II. Herr von Neuerburg ⚭ Irmgard von Esch Friedrich III. Herr von Neuerburg Robin Herr von Kobern ⚭ Elisabeth von Eppstein Dietrich Herr von Brandenburg Gerhard (Anfangs Kleriker), Herr von Hamm ⚭ Ida von Burscheid Mathilde ⚭ 1) mit Graf Lothar I. von Hochstaden, 2) mit Graf Heinrich von Duras und Loos Hermann Wilhelm I. Graf von Niedersalm Gerhard Abt von Prüm und Stavelot-Malmedy Adelheid von Vianden

Grafen von Vianden Heinrich I. (gen. 1214–1252) ⚭ Margarete von Courtenay Friedrich † 1247 ⚭ Mathilde von Salm Heinrich von Schönecken 1248–1299, Begründer der Linie Schönecken, die 1370 ausstirbt Peter, Dompropst in Lüttich und Köln Heinrich, Dompropst in Köln, Bischof von Utrecht Philipp I. (gen. 1250–1271) ⚭ Marie von Perwez Heinrich 1262–1270 Gottfried I. (gen. 1278–1307) Philipp II. (gen. 1306–1315) ⚭ Adelheid van Arnsberg Heinrich II. (gen. 1317–1337) ⚭ Maria von Dampierre Maria (* um 1337; † 1400), ⚭ Graf Simon III. von Sponheim († 1414) Adelheid († nach 1381), ⚭ Otto II. von Nassau-Siegen († 1350 oder 1351) Margarethe ⚭ Arnold V. von Loon Philip Engine Yolanda Mathildes ⚭ N. von Posaga (?)

Haus Sponheim 1400–1417: Elisabeth von Sponheim-Kreuznach († 1417), ⚭ I) Graf Engelbert III. von der Mark († 1391), ⚭ II) Kurprinz Ruprecht Pipan von der Pfalz († 1397)

Haus Nassau 1417–1442: Engelbert I. von Nassau-Dillenburg (* 1370; † 1442) 1442–1475: Johann IV. von Nassau-Dillenburg (* 1410; † 1475) 1475–1504: Engelbert II. von Nassau-Dillenburg (* 1451; † 1504) 1504–1516: Johann V. von Nassau-Dillenburg (* 1455; † 1516) 1516–1538: Heinrich III. von Nassau-Breda (* 1483; † 1538) 1538–1544: Renatus von Oranien-Nassau (* 1519; † 1544) 1544–1566: Wilhelm I. von Oranien-Nassau (* 1533; † 1584) 1566–1604: Peter Ernst I. von Mansfeld (* 1517; † 1604) (Grafschaft von Philipp II. von Spanien konfisziert) 1604–1618: Philipp Wilhelm von Oranien-Nassau (* 1554; † 1618) 1618–1625: Moritz von Oranien-Nassau (* 1567; † 1625) 1625–1647: Friedrich Heinrich von Oranien-Nassau (* 1584; † 1647) 1647–1650: Wilhelm II. von Oranien-Nassau (* 1626; † 1650) 1650–1702: Wilhelm III. von Oranien-Nassau (* 1650; † 1702) 1702–1711: Johann Wilhelm Friso von Nassau-Dietz (* 1687; † 1711) 1711–1751: Wilhelm IV. von Oranien-Nassau (* 1711; † 1751) 1751–1795: Wilhelm V. von Oranien-Nassau (* 1748; † 1806)

Sonstige bekannte Mitglieder des Hauses Vianden Gerhard von Vianden (1184–1212), Abt von Prüm und Stavelot-Malmedy Heinrich I. (Utrecht) († 1267), Bischof von Utrecht Yolanda von Vianden (* um 1231; † 1283), Priorin im Kloster Marienthal Adelheid von Vianden († 1376), verheiratete Gräfin von Nassau-Dillenburg, ⚭ Otto II. von Nassau-Siegen

Nebenlinien Schönecken Neuerburg Hamm Brandenburg Niedersalm Kobern

Wappen Das erste Wappen der Grafen von Vianden war: in rot ein silbernes Herzschild. Als Anspruch auf das Erbe der Markgrafschaft Namur, nahm Philipp I. dann das Wappen dieser Grafschaft an: in gold ein schwarzer Löwe, überzogen von einem roten Stab. Sein Sohn Gottfried I. wiederum nahm aus noch nicht ganz geklärten Gründen das Wappen seines mütterlichen Großvaters Gottfried von Löwen, Herr von Perwez an: in rot ein silberner Balken.

Literatur John Zimmer: Die Burgen des Luxemburger Landes. Band I, Luxemburg 1996, ISBN 2-919883-06-2.

Weblinks Die Grafen von Vianden bei www.castle-vianden.lu Stammbaum der Grafen von Vianden ab Gerhard von Sponheim auf genealogy.euweb.cz Stammbaum der Grafen von Vianden ab Gerhard von Sponheim auf fmg.ac (auf Englisch)

Einzelnachweise Clomes: Versuch einer statistisch-geographischen Beschreibung des Großherzogthums Luxemburg, Schmit-Bruck, 1840, S. 8 (Google Books) Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 34

Vianden Vianden, Grafschaft

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