mini|Das Ludwig-Nissen-Haus mini|Eingang des Ludwig-Nissen-Hauses

Das Nordfriesland Museum. Nissenhaus Husum ist das zentrale Museum für den Kreis Nordfriesland und die Stadt Husum. Es befindet sich im Ludwig-Nissen-Haus, einem Gebäude, das aus dem Nachlass Ludwig Nissens an die Stadt Husum übertragen wurde.

Nach umfassenden Renovierungsarbeiten präsentierte sich das Nissenhaus seit der Wiedereröffnung am 31. März 2007 als NordseeMuseum Husum mit dem Schwerpunkt Kultur- und Naturraum Nordseeküste. Im Ludwig-Nissen-Haus befindet sich seitdem auch die Stadtbibliothek. 2016 wurde aus dem NordseeMuseum das „Nordfriesland Museum. Nissenhaus Husum“.

Die Ausstellung Das NordseeMuseum präsentierte sich ab 2007 unter dem Oberthema Klimawandel einst und jetzt – von Rungholt, Sturmfluten, Deichbau und dem Leben am Meer. Die Ausstellung ist seit der Modernisierung rollstuhlgerecht. Sie zeigte den Besuchern mit einem interaktiven Konzept die Natur und Kultur der Region. Die untergegangene Siedlung Rungholt bildete dabei den Aufhänger für den Themenbereich Leben an der Küste. Darunter fielen folgende Einzelthemen: Naturgewalten und Küstenschutz, Lebenskultur in Nordfriesland, Alltag auf den Halligen und Naturkunde.

Eine weitere Abteilung gilt dem Museumsstifter Ludwig Nissen und seiner Sammlung, von der das Museum Ausschnitte zeigt. Dort sind auch Landschaften und Porträts von bekannten einheimischen Malern wie Carl Ludwig Jessen, Hans Peter Feddersen, Jacob Alberts, Willy Graba, Ingwer Paulsen und Albert Johannsen zu sehen. Ein weiterer Bereich steht für Sonderausstellungen zur Verfügung.

Zur Wiedereröffnung 2007 wurde ein Film über die Ausstellung gedreht, in dem Land und Leute sowie wichtige Erwerbsquellen wie Fischfang, Landwirtschaft, Windkraft und der Tourismus vorgestellt werden. Zusätzlich wurde ein Café eingerichtet, das vom Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk (TSBW) betrieben wird.

Vom 24. Mai 2026 bis 7. März 2027 bringt das Museum die Sonderausstellung Rio Reiser - aufgewacht und rebelliert. Gezeigt werden unter anderem aus dem Nachlass im Marbacher Archiv entliehene Zeitdokumente, Fotografien, Objekte und Autographen ebenso wie Songtexte, Audioinstallationen und musikalische Quellen gegliedert in elf Themenbereiche.Sonderausstellung anlässlich des 30. Todestages von Rio Reiser, museumsverbund-nordfriesland.de, abgerufen am 2. Juni 2026

Das Museumsgebäude Architektur mini|Das Ludwig-Nissen-Haus von vorn mini|Ludwig-Nissen-Haus von der Seite Das dreistöckige Museumsgebäude wurde in den Jahren 1934 bis 1937 nach Plänen errichtet, die bereits zehn Jahre alt waren. Der Stifter Ludwig Nissen hatte noch zu Lebzeiten 1924 einen Wettbewerb für das von ihm gewünschte Volkshaus ausgeschrieben. 118 Entwürfe aus ganz Norddeutschland gingen ein. Der ursprünglich vorgesehene, von Säulen getragene Dreiecksgiebel über dem Eingangsportal erschien dann jedoch nicht mehr „monumental“ genug. Das Preisgericht unter Vorsitz von Erich Blunck vergab drei Preise zu je 2.500 Reichsmark und empfahl fünf Entwürfe zum Ankauf für jeweils 500 Reichsmark. Ausgeführt wurde der angekaufte Entwurf des Eiderstedter Architekten Georg Rieve. Seine Überarbeitung vom Juni 1934 zeigt im hohen Westgiebel der charaktervollen Eingangsfassade drei Rundbögen. Sie nahmen drei symbolträchtige, expressionistische Keramiken (Seepferd, Adler und Tritonstier) des Kieler Bildhauers Alwin Blaue auf, welche die heimische Landschaft versinnbildlichen. Im Jahre 1967 mussten sie aus konservatorischen Gründen entfernt werden. Verbunden mit den Renovierungsarbeiten wurden jedoch auch die Keramiken aufbereitet und sind seitdem wieder an ihrem alten Platz zu finden. Das Haus blieb jedoch lange ein Torso. In Verlängerung der Eingangsrotunde nach Osten war ein Theater- und Konzertsaal vorgesehen. Der Zusammenbruch der Stiftungsfinanzen verhinderte die Bauausführung. Am 6. Februar 1986 jedoch konnte schließlich der schon vor 62 Jahren geplante Ostflügel mit der Hilfe der Landesregierung, des Kreises Nordfriesland und der Stadt Husum ergänzt und das nun vollendete Museumsgebäude der Öffentlichkeit übergeben werden. Im Jahre 2006 wurde das Ludwig-Nissen-Haus nach Plänen des Architekten Gregor Sunder-Plassmann grundlegend umgebaut und im Folgejahr als NordseeMuseum wiedereröffnet.

Der Stifter mini|hochkant|Porträt Ludwig Nissen (1855–1924) Stifter des Ludwig-Nissen-Hauses war der aus Husum gebürtige Diamantenhändler Ludwig Nissen durch sein Testament vom 12. Juni 1922, das am 29. Februar 1928 rechtskräftig wurde. Das Gebäude sollte ein an nordamerikanischen Vorbildern orientiertes Volkshaus mit Museum, Bibliothek und Kunstgalerie sein. Diese Ziele flossen auch in die Stiftungsurkunde ein, die ebenfalls am 29. Februar 1928 rechtskräftig wurde. Die Stiftung von 2,5 Millionen Reichsmark sowie von Museumsgut sollte der Institution Unabhängigkeit garantieren gegenüber sich wandelnden politischen und wirtschaftlichen Strömungen. Die Witwe Kathie Nissen stockte den Stiftungsbetrag 1930 auf insgesamt drei Millionen Reichsmark auf.

Geschichte Zeit des Nationalsozialismus Am 2. November 1933 erfolgte die Grundsteinlegung des Hauses. Der Bau wurde in der Folgezeit unter Verantwortung von Heinrich Clasen (1887–1969), dem persönlichen Treuhänder Ludwig Nissens und Vorsitzenden des Kuratoriums der Nissen-Stiftung sowie Landrat des Kreises Husum, durchgeführt. Als Sekretär der Nissen-Stiftung fungierte in dieser Zeit Lorenz Conrad Peters (1885–1949). Trotz der Amtsenthebung von Clasen als Landrat durch die Nationalsozialisten, verbunden mit der Versetzung nach Königsberg und später Allenstein und Stettin, blieb er dem Kuratorium der Nissen-Stiftung erhalten. Gleiches gilt für den national gesinnten Peters, der erst 1940 aufgrund seiner Mitgliedschaft bei den Freimaurern zwangspensioniert wurde.Sörensen: Politische Entwicklung. S. 321 und 178Sörensen: Husum. Eine politisierte Provinzstadt (1914–1949). In: Geschichte Husums. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. S. 217LAS Abt. 761 Nr. 17542 Clasen fuhr während seiner Zeit in Stettin mindestens einmal im Monat nach Husum, um die Stiftungsgeschäfte zu erledigen. Weitere Mitglieder des Kuratoriums waren die Herren Thomas Thomsen als Rechtsanwalt und Notar, Arthur Peters und Heinrich Nissen. Am 13. Juni 1935 wurde Fritz Tidelski (* 25. Februar 1900; † 26. Mai 1968) für den Posten des Museumsdirektors ausgewählt, den er am 1. August antrat. Tidelski führte den Aufbau und die Leitung des Nissenhauses bis zum 1. Juni 1945 aus.Tidelski: Das Nissenhaus in Husum. Eine Chronik 1933–1947.

Ab 1935 wurde das Museum innerhalb kurzer Zeit zum größten überregionalen Museum an der Westküste Schleswig-Holsteins auf- und ausgebaut. Das Haus wurde mit einem Aufwand von zirka 500.000 Reichsmark errichtet. 1932 verfügte die Stiftung über einen Besitz von Werten von fast einer Million US-Dollar. 1.000.000 Reichsmark wurden angelegt, um aus den Erträgen dieses Kapitals die Unterhaltung des Hauses und der Sammlungen sowie ihrer Ergänzungen zu sichern. Ein großer Teil der Vermögenswerte verblieb in Amerika, insbesondere die im Geschäft steckenden Werte, die sich allein auf mehr als 500.000 Dollar beliefen. Die Nissen-Stiftung besitzt eine an Zahl und Wert bedeutende Gemäldesammlung, die teilweise aus dem Besitz Ludwig Nissens stammen und seit 1931 in Deutschland ist.Nr. 16 der Schriften des Nissenhauses Weitere Werke im Museum stammen von heimischen Künstlern, die von der Stiftung erworben wurden. Von der Stadt Husum erhielt das Nissenhaus etwa 500 Gemälde, Zeichnungen, Skizzen aus dem Nachlass des Malers Richard von Hagn.Nr. 18 der Schriften des Nissenhauses Darüber hinaus vermachte Professor Conrad Fehr der Stiftung eine Sammlung eigener Werke und Paul Wassily schenkte dem Museum seine Sammlung mit Bildern von Heimatkünstlern.L. C. Peters: Das Nissenhaus in Husum in Buten un binnen. Niederdeutscher Heimatbrief Nr. 2, Frühjahr 1941 Dazu kommt der Nachlass Carl Ludwig Jessen, der bis 1937 aus der Hinterlassenschaft der Witwe in das Nissenhaus gelangte.Konrad Grunsky-Peper, Klaus Lengsfeld und Ernst Schlee: Gemaltes Nordfriesland - Carl Ludwig Jessen und seine Bilder. Husum 1983 Am 8. und 9. Mai 1937 wurde das Nissenhauses eröffnet und die Storm-Gedächtnisstätte eingeweiht. Wenig später wurden in der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ aus der Sammlung des Museums drei Bilder von Willem Grimm, Hans Grohs und Paul Kayser beschlagnahmt. Der Verbleib des Bildes von Kaiser ist unbekannt. Die beiden anderen Bilder wurden vernichtet.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin

Im Südflügel des Hauses befand sich eine Abteilung des Marschenbauamtes, die staatliche Forschungsstelle Westküste (eine Behörde des Ministeriums für Landwirtschaft), die sich mit den praktischen und wissenschaftlichen Fragen der Landgewinnung im Bereich der schleswig-holsteinischen Westküste befasste.Kreisarchiv NF Bestand J 19 Nr. 58 Im August 1941 wurde Tidelski auf Drängen der NSDAP zur Wehrmacht und Einsatz in Russland einberufen. Er hatte sich wiederholt nicht den Forderungen der Partei gebeugt.LAS-Dr.Tidelski Abt. 460.6 Nr. 200 Nach der Einberufung Tidelskis zum Militärdienst war das Nissenhaus ohne Führung. Der Museumsmeister Kurt Hepprich übernahm den museumstechnischen Teil, das Musealische und die Verwaltung wurde unter der Regie des Kuratoriums, insbesondere von Rechtsanwalt Thomas Thomsen übernommen. Insgesamt fanden bis Kriegsende 17 Ausstellungen statt.Nissenhaus, Liste der Ausstellungen, ab August 1937 Bis 15. Juli 1944 wurde das Museumsgut um 874 Ankäufe und Schenkungen erweitert.Nissenhaus - Zugangsverzeichnis für Museumsgut, 1936–1992 Das Nissenhaus war vom 12. Mai 1945 bis 12. September 1946 durch britische und amerikanische Besatzungstruppen belegt. Auf der Sitzung des Kuratoriums am 12. Juni 1945 „wird mit Genugtuung festgestellt, daß es der Stiftung gelungen ist, durch die Wirrungen des Krieges hindurch zu wirken. Es hat allem Bemühen der NSDAP, Einfluß auf die Stiftung zu gewinnen, erfolgreich Widerstand leisten können.“Nissenstiftung, Sitzungen des Kuratoriums - Erstes Protokollbuch der Nissenstiftung, 26. März 1928 bis 16. Dezember 1954 Im Juni 1946 kehrte Tidelski aus Krieg und Internierung nach Husum zurück. Das Kuratorium entschied, die weitere Zusammenarbeit zu beenden, da Tidelski Mitglied der NSDAP gewesen war. Im gegenseitigen Einvernehmen erklärten die Nissen-Stiftung und Tidelski das Angestelltenverhältnis mit Wirkung vom 1. Juli 1945 als beendet.

In der Nachkriegszeit bis 1982 mini|Skulptur „Klabautermann“ von Walter Rössler (1967) neben dem Vorplatz des Haupteingangs (2009 in Reparatur) Ab 1947 leitete der Naturwissenschaftler Erich Wohlenberg (* 12. März 1903; † Oktober 1993) das Nissenhaus.Klaus Lengsfeld: Erich Wohlenberg (1903–1993) [Nachruf], In: Nordfriesisches Jahrbuch. Neue Folge Band 29, 1993, S. 7 Wohlenberg vertiefte als WattforscherHauke Bietz: Von Queller zum Neuland. Erich Wohlenberg als Pionier der deutschen biologischen Landgewinnung. In: Forschungszentrum Terramare Berichte Nr. 16. 2006, S. 9–13 die geologisch-historischen Sammlungen zur Geschichte der Westküste. 1951 und 1957 veranstaltete das Museum Ausstellungen von Werken des Malers Erwin Bowien.

Das Ludwig-Nissen-Haus 1982–2002