mini|GT6N in Berlin mini|3 GT6M-ZR in Jena mini|Innenausstattung mini|Unteransicht mit Motor, Kardanantrieb und Drehgestell (Meterspurversion)
Als GTxN/M/S/K (Gelenk-Triebwagen mit x Achsen für Normalspur/Meterspur/Schmalspur/Kapspur) wird ein Niederflur-Straßenbahn-Typ bezeichnet, der von MAN und von AEG hergestellt und verkauft wurde. In den folgenden Jahren wurden die Fahrzeuge von Adtranz bzw. Bombardier produziert. Dem technischen Grundkonzept nach handelt es sich um einen Niederflur-Kurzgelenkwagen.
Der normalspurige Prototyp wurde 1989 von MAN/AEG für Bremen hergestellt. Drei weitere folgten 1990 (der erste) und 1991 (die beiden anderen) für München. 1993 wurde für Augsburg der meterspurige Prototyp von MAN/AEG hergestellt.
Alle von der AEG in Serienproduktion hergestellten Fahrzeuge sind werkseitig mit einem Hublift oder einer Rollstuhlrampe ausgestattet.
Die ersten Fahrzeuge wurden 1989 gebaut, die letzten verließen 2009 die Werkhallen. In der dritten Generation wurden die Fahrzeuge zwischen 2005 und 2021 gebaut.
Erste Generation mini|Fahrverhalten eines GT6N/M/S beim Kurveneinlauf Der bekannte Niederflurwagen Typ „Bremen“ (GTxN/M/S) entstand in Ableitung des 1959 bei Hansa Waggonbau in Bremen entwickelten Kurzgelenkwagens in mehreren Schritten. Ende der 1980er Jahre interessierten sich die Verkehrsbetriebe in Bremen und München für eine Weiterentwicklung des Kurzgelenkwagens zu einem zeitgerechten Niederflurwagen. An Beiwagen hatte man kein Interesse mehr, da sie aus Sicherheitsgründen nicht beliebt sind. 1985 baute MAN GHH einen Bremer Gelenktrieb- und einen Gelenkbeiwagen in den dreiteiligen Versuchsträger mit der Nummer 561 um. Mit den Erfahrungen konstruierte man dann Ende der 1980er Jahre die ebenfalls dreiteiligen Prototypen des Niederflurwagens Typ GT6N.
Um den Durchgang auch im Bereich der Drehgestelle niederflurig bei 350 mm über der Schienenoberkante gestalten zu können, wurden Radsätze ohne durchgehende Radsatzwelle gewählt. Es ist dabei jedes Drehgestell mit einem angetriebenen und einem antriebslosen Radpaar ausgeführt. Dasjenige ohne Antrieb ist dabei ein typischer Losradsatz, die Räder sind also gegeneinander verdrehbar und erzeugen keinen Sinuslauf. Die Antriebsräder dagegen sind über Getriebe und eine unter dem Wagenboden liegende Welle torsionssteif verbunden. Damit der Antrieb lediglich der Hälfte der Radsätze ausreicht, sind die Drehgestelle nicht exakt mittig unter den Wagenkästen platziert und asymmetrisch belastet, so dass mehr Last auf den Antriebsrädern liegt, wodurch 65 % Antriebs-Adhäsion erreicht werden. Die Motoren befinden sich nicht im Drehgestell, sondern sind an den Wagenkästen befestigt und treiben die Radsätze über eine Gelenkwelle an. Sie befinden sich jeweils an einem Ende eines Wagenteils seitlich. Somit gibt es im Gegensatz zu anderen Niederflurfahrzeugtypen nicht nur Radkästen, sondern auch Motorkästen, welche die Türanordnung und die Aufteilung des Fahrgastraums zusätzlich einschränken. Insbesondere können sich bei Fahrzeugen mit beidseitigen Türen nur an einer Stelle je Wagenteil zwei Türen einander direkt gegenüber befinden.
In der dreiteiligen Variante ist das vordere Gelenk nicksteif und das hintere nickbeweglich ausgeführt, so dass das Fahrzeug ein stabiles Nickverhalten aufweist, aber auch Kuppen und Wannen befahren kann. Beim Bremer GT8N sind das vordere und das hintere Gelenk nickbeweglich und das in der Mitte nicksteif ausgeführt.
GT4N-ZR/GT4K-ZR/GT6M/GT6M-ZR/GT6N/GT6N-ZR/GT6S/GT8N Typen: GT4N-ZR GT4K-ZR GT6N/M/S GT6N/M-ZR GT8N Baujahre: 1997–2009 2002–2006 1989–1997 1995–2003 1993–1996 Anzahl: 7 12 237 94 78 Hersteller: Adtranz, Niigata Transys Bombardier, Niigata Transys MAN, AEG, Adtranz, Bombardier Wagenkastenlänge: 18.550 mm 18.000 mm (Okayama)18.400 mm 26.800 mm 26.500 mm (N) 26.800 mm (M) 35.400 mm Wagenkastenbreite: 2.350 mm 2.400 mm (Okayama)2.450 mm 2.300 mm Wagenkastenhöhe: 3.390 mm 3.047 mm 3.290 mm Bodenhöhe: 350 mm 360 mm Einstiegshöhe: 300 mm Achsstand: 1.850 mm Raddurchmesser: 650 mm 662 mm Sitzplätze: 24 20 (Okayama)30 58 (N) 62 (M) 60 (S) 46, 50* 82–85 Stehplätze: ca. 36 65 (Okayama)50 87–97 97–104 123–132 Antriebsleistung: 2×100 kW 3×100 kW (N,M)3×95 kW (S) 3×100 kW 4×84 kW Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h Gewicht: 21.000 kg 31.000 kg (N)29.000 kg (M)29.900 kg (S) 31.500 kg (M)31.600 kg (N) 36.500 kg oder 38.000 kg
Meterspur (GT6M) Stadt Einrich-tungstyp Zweirich-tungstyp Gesamt Augsburg (GT6M)11011 Frankfurt (Oder) (GT6M)808 Jena (GT6M-ZR)03333 Mainz (GT6M-ZR)01616 Zwickau (GT6M)12012 Gesamt314980
GT6M in Augsburg Am 29. Januar 1993 wurde ein Prototyp (MAN/AEG) vom GT6M nach Augsburg geliefert, der die Nummer 601 erhielt. Er wurde am 27. Juli 1993 vom TÜV Süd für den Linienverkehr freigegeben. Ursprünglich sollte der Prototyp an die Augsburger Serienfahrzeuge angeglichen werden. Nachdem der Wagen aber am 7. Dezember 1995 einen schweren Unfall im Frontbereich gehabt hatte, wurde dieses Vorhaben verworfen. Der Schaden hätte repariert werden können. Man entschied sich jedoch dann doch für ein Ersatzfahrzeug aus der Serienproduktion. Daraufhin wurde der Prototyp ausgemustert und am 23. Dezember 1995 an den Hersteller nach Nürnberg zurückgegeben. 2001 kam das Fahrzeug zu Siemens nach Krefeld. Der weitere Verbleib des Fahrzeugs ist unbekannt. Die Augsburger Bestellung wurde am 18. Dezember 1995 von zehn Fahrzeugen, um ein Fahrzeug, auf elf Fahrzeuge (Adtranz) erhöht. Bis Ende Oktober 1996 wurde die Auslieferung von elf Fahrzeugen abgeschlossen. 611 war ursprünglich als vierteiliges, also als achtachsiges Fahrzeug (GT8M) geplant. Dieses Vorhaben wurde jedoch verworfen.
Aufgrund des problematischen Kurvenverhaltens sowie der sehr geringen Fahrzeugkapazität wurden keine weiteren GT6 für Augsburg geordert.
Von 2013 bis 2015 lief die Modernisierung aller elf Fahrzeuge, dabei wurden neue Haltestangen, neue Polsterbezüge und TFT-Bildschirme verbaut.
Ab 2023 wird die gesamte Serie für rund 245.000 Euro je Fahrzeug nach Zagreb verkauft.
GT6M in Frankfurt (Oder) mini|Typ GT6M in Frankfurt (Oder) Im September 1993 war ein Triebwagen aus Zwickau (die SVZ haben zwölf GT6M von MAN) zu Testfahrten in Frankfurt. 1994 wurden zwei Triebwagen und 1995 wurden sechs Triebwagen geliefert (MAN/AEG). Die Option auf weitere fünf Fahrzeuge wurde nicht eingelöst. Vom 26. März 1994 bis zum 25. April 1994 war der Wagen 303 zu Testzwecken in Helsinki.
2004 wurde das erste Fahrzeug (Tw 303) umlackiert (lindgrün). Weitere sollten folgen, jedoch aufgrund von Sparmaßnahmen nicht weiter verfolgt.
GT6M-NF in Zwickau weitere Infos im Artikel Straßenbahn Zwickau mini|Typ GT6M in Zwickau Die GT6M sind in Zwickau seit 1993 in Betrieb. 1994 mussten wegen einer Entgleisung eines Fahrzeuges alle zwölf Fahrzeuge bis zur Klärung der Ursache außer Betrieb genommen werden. Ansonsten betreiben die Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau (SVZ) die Fahrzeuge ohne weitere Störungen. Jena und Frankfurt (Oder) testeten in den 1990er-Jahren den Wagen 901 der SVZ auf ihren Liniennetzen.
Aufgrund der Gebrauchsspuren entschieden sich die SVZ dafür, die zwölf Niederflurwagen zu modernisieren. Im Juli 2019 traf der Triebwagen 907 als erster modernisierter Wagen in Zwickau ein. Es wurden technische Komponenten instand gesetzt, erneuert sowie der Fahrgastraum neu gestaltet. Außerdem fanden Anpassungen an die Barrierefreiheit in den Fahrzeugen statt. Ein Einsatz für mindestens weitere 16, max. 20 Jahre ist geplant.
GT6M-ZR in Jena mini|Typ GT6M-ZR in Jena mini|Dach eines GT6M-ZR in der Betriebshalle Jena-Burgau mini|Typ GT6M-ZR in Łódź 33 Fahrzeuge vom Typ GT6M-ZR waren in Jena im Einsatz. Zehn von ihnen sind von AEG (601–610), neun weitere sind von Adtranz (Nr. 611–619) und 14 von Bombardier (Nr. 620–633) gebaut worden. Diese Triebwagen sind Zweirichtungsfahrzeuge.
Diese Fahrzeuge lösten die Gotha- und Rekowagen am 12. Juli 2003 nach einer Einsatzdauer von über 30 Jahren ab. Das erste Fahrzeug mit der Nummer 601 wurde 1995 in Jena angeliefert. 1996 folgten neun weitere Fahrzeuge. Damit war die Lieferung von AEG abgeschlossen. 1997 folgte dann die Lieferung von neun Fahrzeugen von Adtranz. Diese reichten jedoch nicht aus, um die alten Gotha- und Rekowagen (der Typen ET 57/EB 57 und TZ 70/1/BZ 70/1) aus dem Betrieb zu nehmen. 2002 und 2003 erfolgte dann die Lieferung von Bombardier.
Ab Herbst 2023 wurden zunächst zehn Fahrzeuge der Baujahre bis 1997 mit hohen Laufleistungen für etwa 30.000 Euro je Stück nach Łódź verkauft, da Jena geräumigere Fahrzeuge beschafft. Im ersten Quartal 2025 sollen acht weitere Wagen folgen.
Normalspur (GT4N/GT6N/GT8N) Stadt Einrich-tungstyp Zweirich-tungstyp Gesamt Berlin (GT6N/GT6N-ZR)10545150 Bremen (GT8N)78078 München (GT6N/R2.2)70070 Norrköping (GT6N)4(1 ex Bremen3 ex München)04 Nürnberg (GT6N)14014 Kumamoto (GT4N-ZR)077 Gesamt27152323
GT6N und GT6N-ZR in Berlin mini|Typ GT6N-ZR (4. Serie) in Berlin
Am 20. Oktober 1992 wurden die Rahmenbedingungen zur Beschaffung von 120 Straßenbahnwagen beschlossen. Der erste Wagen mit der Nummer 1001 wurde am 23. August 1994 an die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) angeliefert. Da es bei den ersten Fahrgasteinsätzen zu Problemen kam, erfolgte der nächste planmäßige Einsatz erst am 14. November 1994. Die erste Serie umfasste 29 Einrichtungswagen. Die zweite Serie umfasste 41 Einrichtungswagen. Die dritte Serie umfasste 45 Einrichtungswagen und 15 Zweirichtungswagen. Die vierte Serie umfasst 30 Zweirichtungswagen. Am 2. April 2003 wurde der letzte Wagen geliefert. Die letzte Serie besaß im Vergleich zu den bisherigen Lieferungen folgende Änderungen: Klimaanlage auch für den Fahrgastraum getönte Fensterscheiben im Fahrgastraum hochgezogene Dachblende um den gesamten Wagen herum gläserne Fahrerkabinenrückwand vollverglaste Türen LCD-Zugzielanzeige mit Kameras zur Videoüberwachung schallabsorbierende Matten im gesamten Unterbodenbereich elektrisch höhenverstellbare Fußtaster im Fahrerraum Im Februar 2004 machte die Straßenbahn Norrköping (Schweden) Berlin das Angebot für 9 Millionen Euro fünf Niederflurfahrzeuge zu kaufen, davon wären zwei vom Typ GT6N und drei vom Typ GT6N-ZR gewesen. Berlin lehnte den Verkauf aber ab.
GT8N in Bremen mini|GT8N in Bremen Nachdem bereits seit Juli 1990 ein Prototyp des Typs GT6N mit der Nummer 801 (später 3801) im Linieneinsatz gestanden war, entschied man sich für die Bestellung von 78 Straßenbahnen des Typs GT8N. Am 9. Oktober 1993 traf die erste vierteilige Niederflurstraßenbahn mit der Nummer 3001 in Bremen ein. Ein paar Tage später am 15. Oktober wurde sie der Öffentlichkeit vorgestellt. Auffallend ist der Hublift an der ersten Tür. Die Auslieferung der Serie zog sich bis 1996 hin. Das Fahrzeug mit der Nummer 3067 schied im Jahr 2001 unfallbedingt aus. Die GT8N lösten die alten Hansa-Wagen ab und wurden auf allen Bremer Straßenbahnlinien eingesetzt.
Zwischen 2007 und 2012 wurden die Fahrzeuge modernisiert, dabei wurden die Fahrzeuge an das Design der Nachfolgergeneration GT8N-1 Bremen angepasst. 33 Fahrzeuge wurden mechanisch modernisiert. 17 Fahrzeuge wurden elektrisch modernisiert und erhielten eine neue Antriebstechnik mit IGBT-Traktionsumrichtern. Knapp 50 Fahrzeuge erhielten neues Sitzpolster. 63 Fahrzeuge bekamen eine komplette Fahrertür, ähnlich wie die GT6N in Berlin. Alle Fahrzeuge wurden bis 2012 mit TFT-Innenanzeigen und LED-Außenanzeigen ausgestattet.