mini|klasse=skin-invert-image|Signatur von Walter Moers Walter Moers [] (* 24. Mai 1957 in Mönchengladbach) ist ein deutscher Comiczeichner, Illustrator und Schriftsteller. Er ist Erfinder der Figur des Käpt’n Blaubär und wurde mit seinen Zamonien-Romanen zum europäischen Bestseller-Autor.

Leben Nach eigenen Angaben beendete Walter Moers seine Schullaufbahn vorzeitig und verdiente seinen Lebensunterhalt darauf zunächst mit Gelegenheitsarbeiten. Er begann eine kaufmännische Lehre, beendete diese allerdings nicht. Zu den Gelegenheitsarbeiten zählten erste zeichnerische Aufträge, wie kleine Gutenachtgeschichten für das „Sandmännchen“. Seine zeichnerischen Fähigkeiten eignete sich Moers im Selbststudium an.

Walter Moers ist verheiratet und lebt seit 1992 in Hamburg. Er gilt als öffentlichkeitsscheu, tritt nicht auf, gibt seine wenigen Interviews per E-Mail und lässt sich selten fotografieren. Die einzigen Aufnahmen, die von ihm existieren, sind ältere Fotografien und ein kurzer Film im Archiv des NDR, der Moers 1994 auf einer Ausstellung zeigt. Auch die wenigen Bilder stammen teilweise aus der Zeit vor 2000 und bei einigen ist strittig, ob die dargestellte Person wirklich Walter Moers ist. Sein Umgang mit der Öffentlichkeit ist inzwischen zu einer Art Markenzeichen geworden, sodass er häufig als „Phantom“ betitelt wird.Auf der Suche nach dem Phantom: Walter Moers, Bericht im NDR (online bei youtube). Daher müssen biographische Angaben zu Moers mit Vorsicht behandelt werden, da es wenig wirklich gesicherte Quellen gibt. In Anbetracht der Drohbriefe, die Moers von Rechtsradikalen infolge der Veröffentlichungen seiner Adolf-Comics erhielt, dient ihm diese Öffentlichkeitsscheu auch als Schutz.

Werk Geschichten für Kinder mini|Käpt’n Blaubär und Hein Blöd auf der Gera in Erfurt. Diese Skulptur steht für die Bekanntheit der Figuren. 1988 erschien die erste Geschichte um Käpt’n Blaubär, die seitdem weite Verbreitung im Fernsehen, in Kinderbüchern, Hörspielen und als Musical fand.

Eine andere in Buch und Fernsehen (Wolff und Rüffel) bekannte Figur für Kinder wurde das allwissende Genie Schimauski, das allen möglichen gestellten und nicht gestellten Fragen auf den Grund zu gehen vermag. Schimauski, dann allerdings als Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, und Käpt’n Blaubär finden eine komplexe Weiterentwicklung in den vorrangig für Erwachsene gedachten Zamonien-Romanen.

Comics Moers veröffentlicht seit 1984. Seine erste Publikation erschien im deutschen Comic-Fanzine PLOP.Walter Moers auf der Seite des Goethe-Instituts Madrid Viele Werke erschienen damals in den Satirezeitschriften Kowalski und Titanic und – wenigstens einmal – in Der Rabe. Die Titanic veröffentlichte 2001/2002 einige Folgen von Deadman, dem toten Superhelden.

Moers’ bekannteste Comicfiguren sind: Das kleine Arschloch, ein altkluger und respektloser kleiner Junge, der den Erwachsenen grundsätzlich überlegen ist. Der alte Sack, ein todgeweihter Rentner im Rollstuhl, der seine Umgebung auf sarkastische Art kommentiert. Adolf, die Nazi-Sau, eine Satire, die Adolf Hitler in die heutige Welt versetzt und ihn durchgehend als erbärmliche, lächerliche Figur darstellt. Der Fönig, ein „Moerschen“ für Erwachsene über Krieg, Frieden, Fellatio und Cunnilingus.

Zamonien-Romane

Walter Moers’ Zamonien-Romane sind Werke der Fantasyliteratur, die als literarische Fragmente der Zamonien-Welt präsentiert werden. Im Verlauf der Veröffentlichungen wurde Moers’ Autorschaft fiktiv immer weiter reduziert, vom Verfasser und Helfer (Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär) über den Herausgeber und Illustrator (Ensel und Krete, Die Stadt der Träumenden Bücher) bis hin zum Herausgeber zweiter Stufe (Der Schrecksenmeister; siehe Herausgeberfiktion).

Mit stratifikatorischer Gesellschaftsorganisation, dem Fehlen von Industrie, der Dominanz des Handwerks, ritterähnlichen Kämpfern, Zauberern, Alchemie und Fabelwesen sowie einem âventiureähnlichen Abenteuerbegriff wird dem Phantasiereich Zamoniens ein mittelalterliches bis frühneuzeitliches Setting zugeschrieben.

Die Bücher zeichnen sich durch ihre intermediale und intertextuelle Aufmachung aus. So finden sich viele Bezüge auf andere Werke der Literatur, des Films und der Musik (siehe Abschnitt: Sprache und Stil). Die Parallelen werden teilweise so deutlich, dass die Zamonien-Romane als „Plagiatspoesie“ und „Kopierkunst“ bezeichnet wurden. Zur Intermedialität trägt aber auch die Kombination aus Karten, Abbildungen und Texten bei, in welcher die Romane verfasst sind. Als Zielgruppe werden sowohl jugendliche als auch erwachsene Leser angegeben, auch wenn anzunehmen ist, dass Moers die Werke primär für Erwachsene intendiert.

Chronologie Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär

Als erster Zamonien-Roman erschien das Buch 1999 in Anlehnung an die Figur Käpt’n Blaubär. Im Gegensatz zu dem großväterlichen Erzähler aus der Sendung mit der Maus ist Blaubär im Buch noch jung und zielt mit seiner Art von Geschichten auf ein zumindest jugendliches, wenn nicht erwachsenes Lesepublikum ab. Moers war enttäuscht, wie sich die Fernsehfigur Blaubär und seine Serie nach seinem Fortgang entwickelt hatte, und „wollte zeigen, welche Möglichkeiten der Blaubär bietet, wenn man ihn und sein Publikum mal wirklich strapaziert.“ Die besondere Charakteristik Käpt’n Blaubärs bzw. seiner Lebensgeschichte liegt in den Schilderungen der fiktiven Welt Zamoniens, die, auf eigens entwickelter Landkarte detailliert vorgestellt, Heimstätte unzähliger Fabelwesen, aber auch genialer Wissenschaftler ist.

Ensel und Krete

Der zweite Zamonien-Roman Ensel und Krete erschien 2000 und führt erstmals den Dinosaurier Hildegunst von Mythenmetz als vorgeblichen Verfasser auf. Walter Moers inszeniert sich selbst folgerichtig nur als „Übersetzer“ des Werkes aus dem Zamonischen ins Deutsche. Der Roman dreht sich um das Geschwisterpaar Ensel und Krete, welche auf der Suche nach einem Abenteuer den zivilisierten Bereich von Bauming verlassen. Als die zwei jungen Halbzwerge tiefer und tiefer in den Großen Wald vordringen, treibt sie der Hunger in ein kleines Haus. Der Roman und sein Titel sind merklich von dem Grimmschen Märchen Hänsel und Gretel inspiriert.

Rumo & Die Wunder im Dunkeln

Der dritte Roman der Reihe, Rumo & Die Wunder im Dunkeln, erschien 2003 und gilt als recht brutal. Das Buch dreht sich um den jungen Wolpertinger Rumo, welcher seinem „silbernen Faden“ (der Spur des Wolpertingerweibchens Rala) durch den Kontinent Zamonien folgt und dahinter sein Glück vermutet. Aufgrund der Brutalität wurden dem Roman gewisse „Splatter-Qualitäten“ zugeschrieben und die Eignung für Kinder in Frage gestellt. Moers wies die Vorwürfe unter Verweis auf die Brutalität der Märchen der Gebrüder Grimm zurück.

Die Stadt der Träumenden Bücher

Im Jahr 2004 erschien der vierte Band der Reihe, Die Stadt der Träumenden Bücher, erneut mit Hildegunst von Mythenmetz als vermeintlichem Verfasser in der Hauptrolle. Der Roman dreht sich um ein geniales Manuskript eines unbekannten Autors, welches den jungen Dichter Hildegunst von Mythenmetz nach Buchhaim treibt. Einmal in den Klauen dieser buchverrückten Stadt, wird Mythenmetz immer tiefer hineingesogen in ihre labyrinthische Welt, in der Lesen noch eine wirkliche Gefahr ist, in der rücksichtslose Bücherjäger nach bibliophilen Schätzen gieren, Buchlinge ihren Schabernack treiben und der mysteriöse Schattenkönig herrscht. Am Ende dieses Buches fordert Walter Moers seine Leser dazu auf, ihm bei der Entscheidung zu helfen, welches Buch er als Nächstes aus der zamonischen Sprache „übersetzen“ solle. Zur Auswahl stellt er das zweite Abenteuer von Mythenmetz in den Katakomben von Buchhaim und eines seiner Abenteuer in der Friedhofsstadt Dullsgard.

Der Schrecksenmeister

Der fünfte Zamonien-Roman, Der Schrecksenmeister, erschien 2007. Es handelt sich wieder um einen Roman von Hildegunst von Mythenmetz, den Moers aus dem Zamonischen „übersetzt“ hat, und der an die Novelle Spiegel, das Kätzchen aus dem Zyklus Die Leute von Seldwyla von Gottfried Keller angelehnt ist. Der Roman dreht sich um das Krätzchen Echo, welches, um nicht in der kranken Stadt Sledwaya zu verhungern, sein Leben an den Schrecksenmeister Eißpin verkauft. Zwar von alchemistischen Künsten umgeben und als Teil der Mästung auf höchstem kulinarischen Niveau verwöhnt, sucht Echo trotzdem einen Weg, den Pakt zu brechen und sich vor Eißpin zu retten.

Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Im Jahr 2011 erschien der sechste der Zamonien-Romane mit dem Titel Das Labyrinth der Träumenden Bücher. Da Moers im Vorfeld den Verlag gewechselt hatte, erschien das Buch im Knaus Verlag. Es handelt sich um eine Fortsetzung des vierten Bandes.Pressetext zu Das Labyrinth der Träumenden Bücher auf penguinrandomhouse.de, abgerufen am 12. Oktober 2021. Nachdem Hildegunst von Mythenmetz ein mysteriöses Schreiben erreicht, kehrt er in das neuerbaute Buchhaim zurück. Er begegnet alten Freunden, wie dem Lindwurm Ovidios und den Antiquaren Hachmed Ben Kibitzer und Inazea Anazazi, aber auch neuen Phänomenen und Wundern der Stadt. Doch der Roman ist „unvollendet“: Der Band sei, wie man erst im Nachwort erfährt, lediglich die sogenannte Ouvertüre für das zweite Abenteuer des Hildegunst von Mythenmetz. Die eigentliche Geschichte zum Buchtitel beginnt erst im letzten Kapitel, ihre „Übersetzung“ aus dem Zamonischen wird für den nächsten Band angekündigt, der ursprünglich im Oktober 2014 erscheinen sollte.zamonien.de: Aus dem Labor Dem Buch wird teils Selbstplagiierung und mangelnde Originalität vorgeworfen, da die Geschichte der Stadt der Träumenden Bücher zu großen Teilen wiederholt und die Reise von Hildegunst von Mythenmetz nach Buchhaim erneut erzählt wird.

Bereits 2011 kündigte Moers an, dass diese Fortsetzung den Titel Das Schloss der träumenden Bücher tragen werde.Was Walter Moers in seinem Giftschrank verbirgt Interview mit Walter Moers vom 20. Oktober 2011 in der Welt Nachdem das Erscheinen des Bandes aber auf unbestimmte Zeit verschoben worden war, wurde stattdessen 2015 ein anderer Mythenmetz-Roman namens Die Insel der Tausend Leuchttürme angekündigt. Eine erste Leseprobe tauchte 2019 im Zamonien-Roman Der Bücherdrache auf.

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Am 20. März 2017 kündigte Wolfgang Ferchl, Moers’ Verleger, in einem Onlinevideo schließlich ein weiteres Werk mit dem Titel Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr an. Dieser siebte Zamonien-Roman wurde am 28. August 2017 veröffentlicht. Er handelt von Prinzessin Dylia, der schlaflosesten Prinzessin von ganz Zamonien, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt. Eines Nachts erhält sie Besuch von dem alptraumfarbenen Nachtmahr Havarius Opal, einem sowohl beängstigenden als auch sympathischen Gnom, welcher ankündigt, sie in den Wahnsinn zu treiben. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereithält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Im Gegensatz zu fast allen vorangegangenen Werken stammen die Illustrationen in diesem Buch nicht von Moers selbst, sondern von Lydia Rode.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste

Im November 2018 wurde der Briefroman Weihnachten auf der Lindwurmfeste veröffentlicht. Das Buch handelt von einem Bericht aus dem Briefwechsel zwischen Hildegunst von Mythenmetz und dem Buchhaimer Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer, in welchem ein Fest geschildert wird, das Moers an das Weihnachtsfest erinnerte. Die Lindwürmer Zamoniens begehen es alljährlich und nennen es „Hamoulimepp“. Während dieser drei Feiertage steht die Lindwurmfeste ganz im Zeichen der beiden Figuren „Hamouli“ und „Mepp“, die unserem Weihnachtsmann und dem Knecht Ruprecht ähneln.

Der Bücherdrache