Czermna (deutsch: Tscherbeney, 1525–1937 auch Deutsch Tscherbeney; ; später auch: Veliká ČermnáMarek Šebela, Jiři Fišer: České Názvy hraničních Vrchů, Sídel a vodních toků v Kladsku. In: Kladský sborník 5, 2003, S. 379.) ist ein Ortsteil der Stadtgemeinde Kudowa-Zdrój (Bad Kudowa) im Powiat Kłodzki in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Bis 1674 bildete es eine Einheit mit dem jenseits der Grenze zu Tschechien liegenden Malá Čermná (Kleintscherbeney). Nach dem Übergang an Preußen 1763 gehörte es zusammen mit mehreren Dörfern zum sogenannten Böhmischen Winkel.

Geographie miniatur|Tscherbeney: Kirche und Pfarrhaus Czermna liegt einen Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Kudowa-Zdrój im Tal der Czermnica (Tscherbeneyer Bach), der in den zum Heuscheuergebirge gehörenden Wilden Löchern (Błędne Skały) entspringt, sich jenseits der Landesgrenze bei Brné mit der Brlenka vereint und südlich von Velké Poříčí (Groß Poritsch) in die Metuje (Mettau) mündet. Das typische Langdorf erstreckt sich über fünf Kilometer entlang der tschechischen Grenze. Es ist im unteren Teil dicht besiedelt und steigt in einer breiten Mulde allmählich an. Weiter oben wird das Tal durch einen tiefen Einschnitt zwischen zwei Bergen – dem Schweinsrücken () im Osten und dem Efeuberg (Bluszczowa) im Westen – geteilt. Hier beginnt das dünner besiedelte Oberdorf. Das engere Tal gehört durch seine bergige Landschaft zu einem der schönsten dieser Umgebung.

Im Unterdorf besteht ein Grenzübergang für den kleinen Grenzverkehr in das angrenzende Malá Čermná (Kleintschermna), einen Ortsteil von Hronov, über den auch die Radwanderweg Heuscheuergebirge führt. Kurpark und Kurteich von Kudowa-Zdrój schließen an das Unterdorf unmittelbar an.

Geschichte Das spätere Tscherbeney gehörte bis 1477 zum altböhmischen Königgrätzer Kreis. Zusammen mit Machau und den Enklaven Zbečník (Sbetschnik) und Rokytník (Roketnik) gehörte es zur Herrschaft Machau, die im Besitz der Vladiken des Adersbacher Zweiges der Berka von Dubá war. Erstmals erwähnt wurde es 1354 in den Konfirmationsbüchern des Erzbistums Prag, zu dessen Sprengel es gehörte. In diesem Jahr wurde der Pfarrer von Machau durch den (namentlich nicht bekannten) „plebanus de Czrmney“ in sein Amt eingeführt. Aus der Tatsache, dass der Ort schon eine Kirche und einen Pfarrer hatte, kann geschlossen werden, dass er zu dieser Zeit eine regionale Bedeutung hatte und seine Gründung vermutlich schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgt war. Zusammen mit 36 weiteren Pfarreien gehörte es zum kirchlichen Dekanat im ostböhmischen Dobruška, das dem Königgrätzer Archidiakonat unterstand.

Da schon in frühester Zeit auf dem Dorfgebiet zwei Lehnsgüter bestanden, die zeitweise unterschiedliche Besitzer hatten, wurden die Pfarrer häufig durch zwei Patrone präsentiert: Nach dem Tod des Pfarrers Racek präsentierte am 28. November 1359 Johann von Adersbach (Hanuš z Adršpachu) den Pfarrer Nikolaus („Nicolaus, presbyter de Budina“), der vom Hronower Pfarrer Jakob Mauritz eingeführt wurde. Pfarrer Nikolaus tauschte 1363 mit Zustimmung der Patrone Johann/Jan und Leo/Lév seine Stelle in „Czirmna“ mit dem Pfarrer Johann aus Řetová (Ritouia)Jetzt im Okres Ústí nad Orlicí. im Bistum Leitomischl. Nachfolger wurde 1364 mit Zustimmung der Patrone Johann/Jan und Zawisch/Záviš von Adersbach Johann von Vidonice (Jan z Vidonic), der vom Dekan von Dobruška eingeführt wurde. 1378 tauschte Pfarrer Johann sein Amt mit Zustimmung der Patrone Johann von Dubá und Leo von Adersbach sowie des Vznata von Skuhrov mit dem Pfarrer Ulrich/Oldřich von Richemberg. Nach dem Tod des Pfarrers Hynčík 1401 präsentierte der damalige Besitzer der Herrschaft Nachod Jetřich (Dietrich) von Janowitz, als Pfarrer von „Czrmpna“ den Przibisko aus Cowacz (Přibík z Kovač), dem 1404 Wenzel/Václav, Sohn des Paulus von Náchod (Venceslaus natus Pauli) folgte. Während der Hussitenkriege erlosch die Pfarrei.

Zusammen mit Machau gelangte Tscherbeney vermutlich 1405 an die Herrschaft NachodGeschichte Machau (tschechisch). 1477 gliederte Herzog Heinrich d. Ä., dem seit 1472 die Herrschaften Nachod und Hummel sowie die Grafschaft Glatz gehörten, das gesamte Kirchspiel Tscherbeney, zu dem damals die Dörfer Straußeney, Bukowine, Jakobowitz und Lipoltov (das spätere Kudowa) gehörten, in die Herrschaft Hummel ein. Im gleichen Jahr inkorporierte Herzog Heinrich d. Ä. die Herrschaft Hummel in seine Grafschaft Glatz ein. Zugleich übertrug er die Herrschaft Hummel 1477 seinem Anhänger, dem sächsischen Adeligen Hildebrand von Kauffung als ein erbliches Lehen. Unter den in dem entsprechenden Dokument vom 12. Juni genannten Städtchen und Dörfern, die damals zur Herrschaft Hummel gehörten, wird auch „Črmna“ «mit Ausnahme der beiden Lehen, die Wir zur Herrschaft Nachod überführt haben» („kromě dvého manstvie v též vsi, kteréž jsmy k Náchodu obrátili“) aufgeführt. Da das Land wegen der Hussitenkriege teilweise entvölkert war, wurde vermutlich unter Hildebrand von Kauffung die bis dahin unmittelbar zum Königreich Böhmen gehörende Herrschaft Hummel und damit auch Tscherbeney, vermehrt mit Deutschen besiedelt.Jaroslav Šůla: Jména obyvatel homolského panství v XVI. a XVII. století jako doklad etnicity obyvatel regionu. In: Český koutek v Kladsku. Kladský sbornik, supplementum 5, Trutnov 2008, S. 153–208, hier S. 170. Vermutlich deshalb ist bereits für das Jahr 1525 die Ortsbezeichnung «Deutsch-Tscherbeney» belegt.

Die 1477 unter Herzog Heinrich d. Ä. bei der Herrschaft Nachod verbliebenen Lehensgüter von Tscherbeney wurden an Vasallen vergeben, die zum niederen Adel gehörten. Sie waren verpflichtet, im Notfall Dienst zu Fuß mit der Armbrust und mit einer für einen Schützen geeigneten Rüstung auf der Burg Náchod zu leisten, wo ihnen wie den Burgbediensteten das Recht der Verpflegung zustand. Die den Lehensnehmern ehemals gewährten Privilegien wurden 1477 bestätigt.Jan Čižek, Jiří Slavík: Manská soustava nachodského hradu. In: Castellologica Bohemica 8, Jahrgang 2002, S. 67–88. Die beiden auf Tscherbeneyer Gebiet liegenden Lehen waren: Das erste Lehnsgut war ein Vorwerk (poplužní dvůr), das vermutlich schon in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestand. Seine genaue Lage ist bis heute nicht bekannt. Es wird jedoch angenommen, dass es sich an der Stelle oberhalb der Kirche befand, an der Anfang des 19. Jahrhunderts das einstöckige Pfarrhaus mit Mansarddach errichtet wurde.Jan Čižek, Jiří Slavík: Manská soustava nachodského hradu. In: Castellologica Bohemica 8, Jahrgang 2002, S. 78. Zu diesem Lehnsgut gehörten 1,5 Hufen Wald, sechs Ruten Wüstung, sechs Untergebene sowie das Kirchenpatronat. Seit 1447 gehörte dieses Lehen den Nachkommen des Tamchyn von Doubrawitz und war 1456 im Besitz des Nachoder Hauptmanns Wenzel/Václav Vrtimák von Rokytník, der 1465 im ältesten Stadtbuch von Náchod als königlicher Junker mit Sitz in Tscherbeney („zeman královy milosti seděním v Čermné“) bezeichnet wird. Ihm folgte Rafuš von Všestary (Rafuš z Všestar)Dieser war vermutlich ein Nachkomme des Königgrätzer Patriziers Rafael (Rafuš) Glattner, der nach 1395 Schulze (rychtář) von Königgrätz und zudem Burggraf von Pottenstein war. Während der Hussitenkriege emigrierte er nach Glatz, wo er stellvertretender Burggraf war. Rafael Glattner wurde mit dem Prädikat „z Chotělic“ geadelt und besaß wahrscheinlich auch Všestary, nach dem sich seine Nachkommen nannten., der 1496 sein Lehnsgut mit allem Zubehör dem Hildebrand von Kauffung verkaufte. Herzog Heinrich d. Ä. hatte den Verkauf bereits am 6. April 1496 auf seinem Glatzer Schloss genehmigt und zugleich eingewilligt, dass dieses Gut von der Herrschaft Nachod gelöst und ebenfalls der Herrschaft Hummel eingegliedert wird.Martín Šandera: Jindřich I. Minsterberský – První hrabě Kladský a jeho majetková základna. In: Kladský sborník 6, 2004, S. 16.

Das zweite Lehnsgut war ein kleiner Rittersitz. Es war ein Erblehen, das als „Hartwig“ (Hartvík) bzw. „Černík“ und von 1525 bis 1674 auch als „Malá Německá Čermná“ bezeichnet wurde. Es bestand aus einer Feste (Tvrziště, auch Tvrdiště) und lag im südlichen Teil von Tscherbeney, dem späteren Kleintscherma. Dieses Lehngut war in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Besitz des Ernst/Arnošt von Krawa. Ihm folgte Georg/Jiřík von Všestary, von dem es auf dessen Söhne Rafuš und Alexius/Aleš überging. Wie sich aus einer Urkunde vom 2. Juni 1477 ergibt, verkauften sie die Feste an Herzog Heinrich d. Ä. auf Náchod, der darauf einen Freihof errichtete, zu dem u. a. Äcker, Wiesen, Wälder und Teiche sowie alles, was ursprünglich im Besitz der Feste war, gehörte. Nachfolgend vergab er es als Erblehen seinem Diener Simon Sudlitz von Žernov. Er bekleidete von 1474 bis 1480 das Amt des Náchoder Burggrafen und 1491/1500 des Burghauptmanns. Dessen Tscherbeneyer Lehngut Černík bzw. Hartwig ist in einem Eintrag der Landtafel aus dem Jahre 1500 enthalten. 1513 erbte es Jan, ein Sohn des Simon Sudlitz, der seinem Bruder Jakob/Jakub eine Feste mit einem Hof sowie das wüste Dorf Passendorf überließ, das seit 1494 mit diesem Lehngut verbunden war. Am 25. Januar 1525 verkaufte Jakob von Sudlitz dieses Lehngut sowie Passendorf dem Besitzer der Herrschaft Nachod, Johann Špetle von Pruditz (Jan Špetle z Prudic a ze Žlebů), der das erworbene Gut seinem Burghauptmann Tobias Slansky von Doubrawitz (Tobiáš Slanský z Doubravic) schenkte und es zugleich emphyteutisch umsetzte. 1544 erbte es dessen Sohn Bohuslav Slansky von Doubrawitz. 1592 war der Černík-Hof in der Hand des Vladiken Wenzel/Václav Amcha von Borovnice auf Deutsch-Tscherbeney, der ein Verwandter des Bohuslav von Doubrawitz war. Ende des 16. Jahrhunderts war dieses Gut im Besitz der Sendražský von Sendražice. 1653 verkaufte es Bohuslav Adam von Sendražice dem Heinrich von Bubna, von dem es 1667 der Ritter Karl Christoph von Ullersdorf (Karel Kryštof z Ullersdorfu) erwarb. Erst mit dem Erwerb des Freihofs bzw. Rittersitzes Černík/Hartwig („svobodný dvůr nebo rytířské sidlo zvané Hartvik“) durch die Stadt Náchod im Jahre 1674 entstand das eigenständige Dorf Kleintscherma bzw. Malá Čermná, das nun politisch nicht mehr zur Grafschaft Glatz gehörte.

Ab 1541 war die Herrschaft Hummel und damit auch Tscherbeney im Besitz des Johann von Pernstein. Um diese Zeit muss die Herrschaft Tscherbeney, zu der die Dörfer Deutsch-Tscherbeney, Straußeney, Bukowine, Jakobowitz sowie das spätere Bad Kudowa gehörten, von der Herrschaft Hummel, die sich in Auflösung befand und bald danach Kammergut wurde, gelöst worden sein. Das ergibt sich aus einer erst unlängst in Breslau aufgefundenen Urkunde, mit der am 1. Dezember 1551 Kaiser Ferdinand I. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen bestätigte, dass der 1548 verstorbene Johann von Pernstein als Pfandherr der Herrschaft Hummel dem Heinrich Přepyšsky von Richemberg (Jindřich Přepyšský z Rychemberka) das Dorf «Deutsch-Tscherbeney» mit einigen Dörfern geschenkt und diese dann seiner Grafschaft Glatz, deren Pfandherr er seit 1537 war, inkorporiert habe.Jaroslav Šůla: Jména obyvatel homolského panství v XVI. a XVII. století jako doklad etnicity obyvatel regionu. In: Český koutek v Kladsku. Kladský sbornik, supplementum 5, Trutnov 2008, S. 153–208, hier S. 173. Vermutlich besaßen die Přepyšsky von Richemberg die Herrschaft Tscherbeney bis zum Verkauf an die protestantischen Herren von Stubenberg, die es ihrer Herrschaft Neustadt an der Mettau inkorporierten. Jedenfalls wurde Tscherbeney ab den 1590er Jahren von Neustadt aus verwaltet. Da die Untertanen die Religion ihrer Herrschaft annehmen mussten, diente die Kirche von Tscherbeney nunmehr als evangelisches Gotteshaus.