mini|Caboto, Historiengemälde von Giustino Menescardi (1762), Dogenpalast, Sala dello Scudo

Giovanni Caboto (; * um 1450 in Genua, Gaeta oder Chioggia; † nach 1498) war ein italienischer Seefahrer. Er gilt – nach den Wikingern im 11. Jahrhundert – als erster europäischer Entdecker, der das nordamerikanische Festland erreichte (1497).

Person Venedig mini|Das Haus Giovanni Cabotos in Venedig Über Cabotos Kindheit ist wenig bekannt. Sein Familienname könnte von dem Begriff cabotaggio kommen, der die Küstenschifffahrt bezeichnete.Diesen Zusammenhang legt etwa William Wood: Elizabethan Sea-Dogs. 2008, S. 12 nahe. Vermutet wird, dass hierauf auch der Begriff Kabotage zurückgeht.

Spätestens ab 1461 lebte er in Venedig, wo er 1476 die Anerkennung als Bürger beantragte, was voraussetzte, dass er mindestens seit 15 Jahren dauerhaft in der Stadt ansässig gewesen war.Douglas Hunter: Race to the New World. Douglas & McIntyre 2012, S. 18. 1482 heiratete er die Venezianerin Mattea, mit der er drei Söhne hatte: Ludovico, Sebastiano und Sancio. In Chioggia und im eigentlichen Venedig erwarb und verkaufte er Immobilien, um die seine Nachkommen noch 1551 mit dem venezianischen Rat der Zehn stritten. Er engagierte sich im Gewürzhandel und soll bis nach Mekka gelangt sein. Möglicherweise fasste er dabei den Gedanken, sich dem Anbaugebiet der Gewürze beim nächsten Mal von Osten zu nähern.Matthias Meyn, Eberhard Schmitt et al.: Die großen Entdeckungen (= Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion, Bd. 2). C.H. Beck, München 1984, S. 242 und 249. Die Orientreisen werden allerdings von der britischen Historikerin Alwyn Ruddock bezweifelt.Evan T. Jones: Alwyn Ruddock: 'John Cabot and the Discovery of America'. In: Historical Research, Jg. 81 (2008), Heft 212, S. 224–254, hier S. 230.

Spanien Spätestens 1490 musste Caboto überschuldet aus Venedig fliehen. Er wird dort in einem Brief von 1492 ausdrücklich als „Venezianer“ bezeichnet. Spätestens Mitte dieses Jahres erschien er in Valencia. Von 1492 bis 1493 war er mit Plänen zu Hafenbauarbeiten nahe Valencia befasst, die aber zurückgewiesen wurden. Während seines Aufenthalts in der Stadt kam im April 1493 Christoph Kolumbus durch Valencia, der nach Rückkehr von seiner ersten Reise zu seinem Empfang durch die katholischen Könige nach Barcelona reiste. Zur Jahreswende 1493/94 befand sich Caboto in Sevilla, wo er in der zweiten Jahreshälfte 1494 an einem Brückenbauprojekt mitwirkte, das allerdings vor Ende des Jahres eingestellt wurde.Evan T. Jones: Alwyn Ruddock: 'John Cabot and the Discovery of America'. In: Historical Research, Jg. 81 (2008), Heft 212, S. 224–254, hier S. 230–231. Caboto wollte nun nach einem weiter nördlich gelegenen, kürzeren Weg von Europa nach Cathay suchen, wie man im spätmittelalterlichen Europa im Anschluss an Marco Polos Reisebericht China nannte. Seine diesbezüglichen Sondierungen am Hofe der Katholischen Könige Ferdinand und Isabella sowie bei König Johann II. von Portugal verliefen erfolglos.

England mini|Cabotos englischer Schutzbrief von 1496 1496 finden die Quellen Caboto in England, wo er einen Sponsor für sein Vorhaben suchte, eine Westroute nach China zu finden. Dabei wurde er anscheinend von der italienischen Gemeinschaft in London und insbesondere von Augustinermönchen unterstützt. Namentlich der Mönch Fra Giovanni Antonio Carbonara (oder: de Carbonariis), der zuvor mit diplomatischen Missionen zwischen König Heinrich VII. von England und dem Mailänder Herzog Ludovico Sforza bzw. dem Heiligen Stuhl betraut war, soll sich aus Interesse an der Missionierung der Bewohner der Länder, die man zu finden hoffte, für ihn eingesetzt haben. Evan T. Jones: Alwyn Ruddock: 'John Cabot and the Discovery of America. In: Historical Research, Jg. 81 (2008), Heft 212, S. 224–254, hier S. 231–234. Francesco Guidi-Bruscoli: John Cabot and his Italian financiers. In: Historical Research, Jg. 85 (2012), Heft 229, S. 372–393, hier S. 388.

Mit seiner Hilfe gelang es ihm am 5. März 1496, einen Schutzbrief von Heinrich VII. für sich und seine drei Söhne zu erhalten: Demnach war es Cabot gestattet, mit fünf Schiffen auf eigene Kosten von Bristol aus zu starten, um neues Land zu entdecken, „das bis zu dieser Zeit allen Christen unbekannt“ sei. Damit versuchte Heinrich einen Konflikt mit den Katholischen Königen zu vermeiden, denn die von Columbus kurz zuvor entdeckte Karibik war den Christen ja nunmehr nicht mehr unbekannt.„which before this time were unknown to all Christians“; online. Newfoundland and Labrador Heritage Website; abgerufen am 6. Februar 2019; zitiert nach Peter Pope: The Many Landfalls of John Cabot. University of Toronto Press, Toronto 1997, ISBN 978-1-4426-8169-9, S. 14 (abgerufen über De Gruyter Online). Spanien und Portugal hatten 1494 im Vertrag von Tordesillas die Welt zur Kolonisation unter sich aufgeteilt, Entdeckungsreisen anderer Staaten waren darin nicht vorgesehen. Dementsprechend nervös berichtete der spanische Botschafter am englischen Hof im Januar 1496 an die Katholischen Könige von der Ankunft von „einem wie Kolumbus“ in London, der eine Unternehmung „wie die nach Indien“ plane. Finanziert wurde Cabot durch eine Dependance der Florentiner Bardi-Bank in London.Francesco Guidi-Bruscoli: John Cabot and his Italian financiers. In: Historical Research, Jg. 85 (2012), Heft 229, S. 372–393. Seine Finanziers scheinen kein allzu großes Vertrauen in Cabots Vorhaben gehabt zu haben, denn ihre Investitionen reichten für die Ausrüstung statt der königlich genehmigten fünf Schiffe nur für die eines einzigen, mit etwa 20 Mann Besatzung eher kleinen Schiffes.Urs Bitterli: Die Entdeckung Amerikas. Von Kolumbus bis Alexander von Humboldt. C.H. Beck, München 1991, S. 150 f.

mini|Nachbau der Matthew, mit der Caboto 1497 Nordamerika erreichte mini|Karte mit einem möglichen Verlauf von Cabotos zweiter Reise mini|Die Cabotstraße zwischen Neufundland und Cape Breton Island

Entdeckungsfahrten Die Literatur geht überwiegend von drei Entdeckungsreisen aus.Arthur F. Kinney/David W. Swain/Eugene D. Hill/William A. Long (Hrsg.), Tudor England: An Encyclopedia, 2001, S. 101

Erste Reise Sommer 1496 – Sommer 1496 (?): Am 5. März 1496 erteilte König Heinrich VII. einen Patentbrief an Cabot und seine drei Söhne Lewis (Ludovico), Sebastian (Sebastiano) und Sancio (Sancius), mit fünf Schiffen unter königlicher Flagge die östlichen, westlichen und nördlichen Meere zu erkunden. Ausgenommen waren damit die dem Vertrag von Tordesillas unterworfenen Gebiete, deren Entdeckung Spanien und Portugal vorbehalten war. Ungewiss ist, ob Cabot den Auftrag im selben Jahr ausführte. Eine Historikermeinung verneint dies und verweist auf die zweite Reise als Erfüllung des Patents,Charles Edwards Lester, Lester's History of the United States, Band 1, 1883, S. 311 die andere Auffassung geht davon aus, dass er im Sommer 1496 in See stach. Die Fahrt sei ein Misserfolg gewesen, weil ihn seine Mannschaft wegen Nahrungsmangel und schlechtem Wetter per Mehrheitsbeschluss zur Rückkehr zwang. Hierzu war sie durch die Rôles d’Oléron berechtigt.Peter Pope, The Many Landfalls of John Cabot, 1997, S. 15; ISBN 978-1-4426-8169-9 Diese Nachricht schrieb John Day an Christoph Columbus, der über Cabots Reise informiert werden wollte. Fraglich ist auch, ob die Söhne mit an Bord der gefährlichen Reise waren, denn der jüngste Sohn Sebastian war erst 12 Jahre alt.

Zweite Reise 2. Mai 1497 (Bristol) – 6. August 1497 (Bristol): Cabot („John Kabotto“) musste für die Seereise dem König 20 % seiner Erlöse abgeben. Ein aktueller Schutzbrief wird nicht erwähnt, was dafür spricht, dass dies Cabots erste Reise war. Deshalb wird diese Reise im Jahre 1497 als Ausführung des Schutzbriefes vom 5. März 1496 angesehen.Henry Stevens, Sebastian Cabot-John Cabot, 1870, S. 18

Im Mai 1497 brach Cabot mit der Karavelle Matthew erneut von Bristol auf. Nach 35 Tagen Seereise traf er am 24. Juni 1497 auf Festland und mehrere Inseln, deren südlichste er für die mythische Insel der sieben Städte hielt. Er ging ein einziges Mal an Land, wo genau, ist unbekannt: In Frage kommen mehrere Orte der nordamerikanischen Ostküste zwischen Labrador und Maine. Wahrscheinlich war es Neufundland oder die Kap-Breton-Insel an der Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms. Caboto hatte den Eindruck, dass das Land bewohnt war, denn er fand einen Pfad, eine Feuerstelle und einen geschnitzten und bunt bemalten Stock. Aus Furcht, auf zahlenmäßig überlegene Ureinwohner zu treffen, verzichtete er auf einen Erkundungsgang ins Landesinnere. Daher pflanzte er die königliche und die päpstliche Fahne am Strand auf und nahm das Land für England in Besitz. Etwa einen Monat segelte er die kanadische Küste entlang und durch die später nach ihm benannte Meerenge. Die Rückfahrt trat er von etwa der Stelle an, wo er an Land gegangen war, und erreichte nach fünfzehn Tagen die Bretagne – sein Steuermann hatte einen Kurs zu weit südlich genommen. Am 10. August 1497 war Cabot wieder in Bristol. Am 23. August wurde er in London von Heinrich VII. empfangen und hoch geehrt: Er erhielt den Titel Großadmiral, mit dem auch Kolumbus geehrt worden war, seidene Kleidung und eine Belohnung von zehn Pfund Sterling. Später wurde ihm auch eine Jahresrente ausgesetzt.Urs Bitterli, Die Entdeckung Amerikas. Von Kolumbus bis Alexander von Humboldt. C.H. Beck/München, 1991, S. 151 f.; Peter Pope, The Many Landfalls of John Cabot, University of Toronto Press/Toronto, 1997, ISBN 978-1-4426-8169-9, S. 24–40 (abgerufen über De Gruyter Online).

Die Matrosen schwärmten von der großen Menge Fisch, die man in den neu entdeckten Gewässern fangen könnte, während Cabot eine Weltkarte und einen selbst gefertigten Globus vorlegte, nach denen er weit über das Land am Don hinaus bis ins Land des Großkhans gelangt war. Er kündigte an, bei seiner nächsten Reise noch weiterzufahren, bis er „Cipangu|Zipangu“ erreichte, also Japan. Außerdem werde er dafür sorgen, dass London für den Gewürzhandel wichtiger werde als Alexandria.

Dritte Reise