mini|hochkant=1.3|Gruppe von Soldaten der Bundeswehr mit G3 (1983)

Das G3 (Gewehr 3) ist ein Schnellfeuergewehr des deutschen Waffenherstellers Heckler & Koch (HK). Es verwendet die Patrone 7,62 × 51 mm NATO.

Im Jahr 1959 als Standardgewehr (die so genannte „Ordonnanzwaffe“) in der Bundeswehr eingeführt, fand und findet es weiterhin Verwendung in vielen anderen Armeen. Die Waffe wurde im Laufe der Jahre in viele Länder exportiert und in mindestens 15 Ländern in Lizenz gefertigt, wodurch die gebaute Gesamtstückzahl rund 7 Millionen Stück beträgt.

Geschichte mini|links|alt=|G3, erste Version mit hölzernem Schaft, Handschutz und Klappvisier

Das ursprüngliche Konzept des G3 geht auf die Mauser-Entwicklung des Sturmgewehrs 45 (so eine oft verwendete, inoffizielle Bezeichnung) für die Wehrmacht zurück. Erste Prototypen der Mauser-intern zunächst als Gerät 06H bezeichneten Waffe wurden bereits im Frühjahr 1942 erprobt. Beim Konzept des später Sturmgewehr 45(M) genannten Gewehrs handelte es sich im Gegensatz zum in der Wehrmacht eingeführten Sturmgewehr 44 nicht um einen Gasdrucklader, sondern um einen Rückdrucklader mit Rollenverschluss, der aber auf Grund der langwierigen Entwicklungs- und Erprobungsphase erst kurz vor Kriegsende das Prototypenstadium verließ und nicht mehr in Serie produziert wurde. Angaben in der Literatur zufolge wurden aus den noch produzierten Teilen lediglich etwa 30 Waffen nach Kriegsende unter britischer Aufsicht zu Testzwecken montiert.

Teile der für die damalige Entwicklung verantwortlichen Gruppe unter dem Gruppenleiter Erich Illenberger waren Ludwig Vorgrimler und Theodor Löffler, die sich im Jahre 1946 nach Frankreich begaben, um dort im Auftrag der Regierung die Entwicklung an dem Gewehrkonzept fortzusetzen. Ergebnis dieser Entwicklung war die 1949 von Theodor Löffler serienreife, als AME 49 oder Carabine Mitrailleuse 1950 bezeichnete Waffe, die jedoch aus finanziellen Gründen von der französischen Armee nicht mehr beschafft wurde. Vorgrimler zog daraufhin 1950 nach Spanien weiter, wo auf Bitten der spanischen Regierung bei der eigens gegründeten Firma CETME („Centro de Estudios Técnicos de Materiales Especiales“) ein Schnellfeuergewehr auf Basis des beweglichen Rollenverschlusses entwickelt werden sollte.

Bei der Entwicklung wurde – wie schon in Frankreich – zunächst eine für Kurzpatronen wie die 7,92 × 33 mm ausgelegte Waffe konzipiert. Ergebnis war eine zunächst im Kaliber 7,92 × 40 mm CETME gefertigte, als Modelo 2 bezeichnete Waffe. Nachdem bereits im Jahre 1953 erste offizielle Kontakte nach Deutschland geknüpft worden waren, unternahm der Bundesgrenzschutz ab 1954 erste Tests des neuen Gewehrs. Bei der offiziellen Vorführung im Januar 1955 stieß das Kaliber jedoch auf Ablehnung. Die deutschen Verantwortlichen forderten die später auch mit dem belgischen FN FAL (G1) eingeführte Patrone 7,62 × 51 mm NATO. Das daraufhin umkalibrierte, als CETME Model A bezeichnete Gewehr wurde vom Herbst 1956 bis Januar 1957 ausführlichen Truppenversuchen bei der mittlerweile neu aufgestellten Bundeswehr unterzogen. Die daraufhin geforderten Veränderungen der ergonomischen Auslegung von Vorder- und Hinterschaft führten zum CETME Model B. Weitere Änderungen der Visiereinrichtung sowie des Pistolengriffes und der Wegfall des ursprünglich geplanten Zweibeins führten schließlich zu einer dem späteren CETME Model C ähnelnden Waffe. Diese sollte bei der Bundeswehr als Gewehr G3 eingeführt werden und dadurch das erst kurz zuvor beschaffte FN FAL ersetzen, nachdem eine deutsche Lizenzfertigung durch die Herstellerfirma FN abgelehnt worden war. Auch beim G3 standen Lizenzprobleme mit der Firma CETME im Weg, die jedoch durch den Erhalt einer Zweitlizenz, im Gegenzug für Munitionslieferaufträge, durch die niederländische Firma Nederlandse Wapen en Munitiefabrik (NWM) gelöst wurden. Dadurch konnte das G3 ab 1959 als Standardbewaffnung der deutschen Bundeswehr mit vermutlich mehr als einer Million Stück eingeführt werden.

mini|links|alt=|G3, norwegische AG-3-Version mit Schaft und Handschutz aus Kunststoff und Dioptertrommelvisier

Die Waffe wurde im Laufe der Jahre ständig weiterentwickelt. Neben der Einführung weiterer Versionen, beispielsweise mit einer einschiebbaren Schulterstütze, gab es kleinere und größere Modifikationen. So wurden an Vorder- und Hinterschaft Holz- durch Kunststoffbauteile und die ursprüngliche Visiereinrichtung durch die HK-typische Trommelvisierung ersetzt. Dazu kam kurz vor Einführung des G36 bei der Bundeswehr noch eine Überarbeitung in zwei Punkten: Ein Hülsenabweiser sollte abgeschossene Hülsen vom Schützen weg nach vorne/unten lenken, und ein neues Griffstückgehäuse aus Kunststoff ließ den Sicherungshebel besser einrasten.

Nach fast 40-jähriger Nutzung des G3 durch die Bundeswehr wurde im Dezember 1997 die Ablösung durch das neue G36 beschlossen. Im Zuge der Umrüstung wurde ein Großteil der Waffen, zumeist ältere Jahrgänge, seit 2002 vernichtet, um eine ungewollte Verbreitung in Krisenregionen durch nicht mehr nachvollziehbare Folgeverkäufe zu verhindern. Trotzdem befinden sich in den Depots der Bundeswehr auch weiterhin mehrere hunderttausend G3-Gewehre für den Fall der Landesverteidigung, die auch weiterhin gewartet und aktualisiert werden, zum Beispiel durch das Nachrüsten des oben genannten Hülsenabweisers. Außerdem sind auch in den Waffenkammern vieler Bundeswehreinheiten immer noch G3-Gewehre vorhanden und einsatzbereit.

Beschreibung und Aufbau Konzept mini|Schnittdarstellung des Verschlusses

Das G3 ist ein RückdruckladerWolfgang Pietzner, Waffenlehre, 1. Ausgabe: – Grundlagen der Systemlehre. Arbeiten zu Studium und Praxis im Bundesgrenzschutz, Teil 4, Lübeck 1998, S. 14. (nicht zu verwechseln mit dem Prinzip des Rückstoßladers) mit feststehendem Lauf und beweglich abgestütztem Rollenverschluss. Es kann sowohl Einzelfeuer als auch Dauerfeuer schießen. Die Waffe verwendet zur Patronenzufuhr gerade Stangenmagazine aus Aluminium oder Stahlblech mit 20 Patronen Fassungsvermögen.

Die theoretische Feuergeschwindigkeit beträgt 600 Schuss/min. Je nach Ausführung und verwendeter Munition beträgt die Mündungsgeschwindigkeit etwa 800 m/s bei 2900 bis 3400 Joule Mündungsenergie. Vor Auslieferung durchlief jedes Gewehr Funktionskontrollen und einen Probebeschuss. Dabei wurden mit besonders präzise laborierter Anschussmunition fünf Schüsse auf ein Ziel in 100 Meter Entfernung abgegeben. Der Streukreis der Geschosse durfte dabei nicht größer als 120 Millimeter sein. mini|Display-Illustration eines in seine Baugruppen zerlegten („Field strip“) G3 A3 mit weiterem Zubehör

Baugruppen Wie die meisten Infanteriewaffen kann das G3 mit einfachen Handgriffen ohne Werkzeug in seine Hauptbaugruppen zerlegt werden. Dazu müssen vier Bolzen entfernt werden. Außerdem sind einige der sechs Baugruppen weiter in ihre einzelnen Bauteile zerlegbar: Gehäuse mit Rohr, Lade- und Visiereinrichtung Gehäuse mit darin eingepresstem Rohr und Visiereinrichtung (Trommelvisier & Rundkorn) Mündungsfeuerdämpfer, austauschbar gegen Manöverpatronengerät Verschluss Verschlussträger Verschlusskopf mit Auszieher Steuerstück Schlagbolzen Schlagbolzenfeder Griffstück, vollständig Griffstück Abzugskasten Sicherungshebel Schulterstütze mit Bodenstück Handschutz Magazin

Repetierbetrieb Ist die Waffe fertiggeladen, d. h. dem vor dem Lauf befindlichen Patronenlager wurde eine Patrone zugeführt und der Verschluss verriegelt, kann nach dem Entsichern ein Schuss abgegeben werden. Durch Zurückziehen des Abzuges wird das im Abzugskasten integrierte Schlagstück frei und schlägt auf den Schlagbolzen. Dieser trifft auf das Zündhütchen der Patrone, es entzündet die Pulverladung, und die entstehenden Pulvergase treiben das Geschoss durch den Lauf.

mini|222x222px|G3, Rollen­verschluss (geschlossen) mit Steuerstück im Schnittmodell, Druck­ausgleichs­rillen im Patronen­lager sichtbar mini|Abgefeuerte G3 Patronenhülsen mit den typischen Schmauchspuren durch die Druck­ausgleichs­rillen

Gleichzeitig drücken die Pulvergase, die wegen des sich im Lauf befindenden Geschosses nicht aus dem ansonsten geschlossenen Laufsystem entweichen können, auf die Patronenhülse. Die dabei auf den Verschlusskopf übertragene Kraft, die eine Rücklaufbewegung desselben zur Folge hat, wird über die im Verschlusskopf integrierten Verschlussrollen zum Teil auf das Waffengehäuse, zum anderen über das Steuerstück auf den Verschlussträger übertragen. Speziell abgestimmte Winkelverhältnisse der Flächen des Steuerstückes erzeugen eine mechanische Übersetzung mit einem Verhältnis von 1:3,4 und verlangsamen dabei den Austritt der Verschlussrollen aus den Widerlagern und damit die Rücklaufbewegung des Verschlusskopfes. Dadurch wird gewährleistet, dass die vom Verschluss abgestützte Hülse den Lauf so lange abdichtet, bis das Geschoss die Laufmündung verlassen hat.

mini|Patronenlager ohne (links) und mit (rechts) Druck­ausgleichs­rillen

Da beim Schuss der Verschlusskopf nicht blockiert ist, sondern kontinuierlich geringfügig nach hinten läuft, muss vermieden werden, dass die Hülse durch den Gasdruck überstreckt und als Konsequenz zerrissen wird. Ursächlich ist, dass der Gasdruck nicht nur nach hinten auf den Patroneninnenboden wirkt, sondern auch radial den Hülsenschaft gegen die Patronenkammerinnenwände presst und einen Reibschluss herstellt. Zudem bewirkt der Gasdruck an den Hülsenschultern eine nach vorne gerichtete Kraft. Das Ausfahren der Hülse aus dem Patronenlager ist nur gegen diese beiden Widerstände möglich. Ist der Kraftunterschied zwischen Rückdruck als austreibende Kraft und Liderungsreibung plus dem Gasdruck an der Hülsenschulter auf der anderen Seite größer, als die Festigkeit des Hülsenmaterial, droht ein Reißen des Hülsenmaterials. Um die Widerstandskräfte zu reduzieren, werden bei Waffen mit übersetztem Masseverschluss Druckausgleichsrillen im vorderen Teil des Patronenlagers eingefräst. Der Außendruck an Teilen des Patronenlagers wird damit dem Innendruck im Hülsenkonus und dem zylindrischen Teil der Hülse angeglichen. Die Oberfläche, an der hemmende Reibung entstehen kann, wird deutlich reduziert.

Nach vollständigem Eintritt der Verschlussrollen in den Verschlusskopf gleitet der Verschluss im Waffengehäuse weiter nach hinten. Nachdem das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat, wird die Patronenhülse noch vom Resteigengasdruck nach hinten vollständig aus dem Patronenlager herausgedrückt. Anschließend läuft die Patronenhülse mit ihrem Boden gegen einen links unten feststehenden Auswerfer und wird seitlich nach rechts oben ausgeworfen.

mini|Für das HKG3 bei der Bundeswehr verwendete Munitions­arten im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO

Der weiter zurücklaufende Verschlussträger drückt den Schlaghahn nach unten in dessen Ausgangsstellung, wo er in eine Fangklinke einrastet. Gleichzeitig wird die Schließfeder gespannt und dadurch die restliche Rücklaufenergie des Verschlusses aufgenommen und gespeichert. In der hintersten Position wird der offene Mittelbereich zwischen den Lippen des Magazins freigegeben und der Druck der Magazinfeder schiebt die oberste Patrone gegen eine der beiden Magazinlippen. Die gespannte Schließfeder drückt den Verschlussträger wieder nach vorne in die Ausgangsstellung, wobei durch die Vorderkante des Verschlusskopfes eine neue Patrone aus dem Magazin in das Patronenlager geschoben wird. Der Hülsenboden rutscht in die zylindrische Einsenkung des Verschlusskopfes, und der gefederte Auszieher greift dabei in die Ausziehrille der Patrone. Die Verschlussrollen werden durch die schrägen Flächen des Steuerstückes aus dem Verschlusskopf heraus in die sogenannten Abstützflächen des Waffengehäuses gedrückt und verriegeln damit den Verschluss. Dadurch ist die Waffe wieder schussbereit.