mini|Österreichisches Filmmuseum
Das Österreichische Filmmuseum ist eine 1964 von Peter Konlechner und Peter Kubelka gegründete Kinemathek in Wien. Es befindet sich im Gebäudekomplex der Albertina unweit der Wiener Hofburg. Das Museum beherbergt einen großen Kinosaal, eine Fachbibliothek und mehrere Sammlungen und es ist im Bildungs-, Forschungs- und Ausstellungsbereich tätig. Das Filmmuseum hat die Rechtsform eines Vereins. Seine Tätigkeit wird zu je einem Drittel des Gesamtjahresbudgets von der Republik Österreich,PDF Kunst- und Kulturbericht 2015 https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/III/III_00295/imfname_565415.pdf, S. 26 und S. 358 der Stadt WienGemeinderat, 4. Sitzung vom 28. Jänner 2016, Sitzungsbericht, https://www.wien.gv.at/mdb/gr/2016/gr-004-s-2016-01-28-006.htm, letzter Zugriff: 12. November 2016 und durch Eigeneinnahmen finanziert.
Geschichte
mini|Herz des Museums: Der Kinosaal mini|Beheimatet in der Albertina mini|Museumseingang mit Wappentier
Im Februar 1964 gründeten der unabhängige Filmemacher Peter Kubelka und der Filmenthusiast Peter Konlechner das Österreichische Filmmuseum. Sie hatten sich 1962 bei der „Internationalen Kurzfilmwoche“ kennengelernt, die Konlechner im Rahmen seines Studentenfilmclubs Cinestudio an der Technischen Universität Wien organisierte.Eszter Kondor: Aufbrechen. Die Gründung des Österreichischen Filmmuseums, Wien: Synema 2014, S. 46ff. Ihr Ziel war es, in Österreich ein Zentrum für die Präsentation und Bewahrung der internationalen Filmgeschichte zu etablieren. Im Juni 1964, beim 20. Kongress des Weltverbands der Filmarchive (FIAF) wurde das Filmmuseum als provisorisches Mitglied aufgenommenEszter Kondor: Aufbrechen. Die Gründung des Österreichischen Filmmuseums, Wien: Synema 2014, S. 72. und 1965 als Vollmitglied bestätigt.Eszter Kondor: Aufbrechen. Die Gründung des Österreichischen Filmmuseums, Wien: Synema 2014, S. 79. Nach wechselnden Veranstaltungsorten in den ersten 18 Monaten seiner Tätigkeit, etwa mit dem „Petit Festival Georges Méliès“ samt Ausstellung in einer Galerie in der Nähe des Stephansdoms oder der Retrospektive Sergej Eisenstein samt Ausstellung in der Graphischen Sammlung Albertina,Alexander Horwath (Hrsg.): Das sichtbare Kino. Fünfzig Jahre Filmmuseum: Texte, Bilder, Dokumente, Wien: Synema 2014, S. 36f fand das Filmmuseum 1965 im Gebäude der Albertina seinen dauerhaften Ort für die Filmpräsentation und die Büroräume.Eszter Kondor: Aufbrechen. Die Gründung des Österreichischen Filmmuseums, Wien: Synema 2014, S. 86 ff. Ab Jänner 1968, als dem Filmmuseum die Verwaltung des Kinosaals übertragen wurde, konnten Konlechner und Kubelka das Ziel eines nahezu täglichen Vorstellungsbetriebs realisieren.Eszter Kondor: Aufbrechen. Die Gründung des Österreichischen Filmmuseums, Wien: Synema 2014, S. 87 ff. Die Veranstaltungen des Filmmuseums waren von großem Publikumsinteresse begleitet.Peter Hajek: Wien: mehr als 150 Filmkunst-Fans… In: Kurier vom 4. November 1964.Hans Winge: Avantgarde und Filmmusical. In: Die Presse vom 27. November 1965.Eszter Kondor: Aufbrechen. Die Gründung des Österreichischen Filmmuseums, Wien In: Synema 2014, S. 161 Vor allem die Retrospektiven, die das Filmmuseum seit 1966 im Rahmen der Viennale organisierte, nahmen im deutschsprachigen Raum eine Sonderstellung ein und wurden europaweit gewürdigt.H. W.: Das Festival ohne Heiterkeit. Festwoche des heiteren Films in Wien. In: NZZ. vom 15. April 1966Wolfram Schütte: Kleine Erfahrungen auf der Buñuel-Retrospektive während der Viennale. In: Frankfurter Rundschau vom 8. April 1969.
Der Spiegel bezeichnete das Museum schon 1967 als „eine der agilsten Cinémathèquen Europas“, im Jahr darauf schrieb Enno Patalas: „An einem solchen Programm kann sich ein Filmbewusstsein wirklich entwickeln. Eher könnte ein Wiener Cinephiler auf alle Kinos der Stadt verzichten als auf die Programme des Filmmuseums – diese bedeuten keine historisierende Ergänzung zum Kinospielplan, sondern dessen positives Gegenmodell.“Patalas, Enno, „Tagebuch“, Filmkritik, März 1968.
Im Februar 1974 wurde ein 24-stündiges Jubiläumsprogramm präsentiert: „10 Jahre Filmmuseum. Werke aus der Sammlung“.Programm Februar 1974 PDF, letzter Zugriff 12. November 2016. Darin spiegeln sich neben dem laufenden Museumsauftrag (einen repräsentativen Überblick über die Epochen, Stilformen und Gattungen des Films zu geben) auch mehrere thematische Schwerpunkte, die seit der Gründung entwickelt wurden: internationaler Avantgardefilm; sowjetischer Revolutionsfilm; Filmkomiker der 1910er bis 1930er Jahre (u. a. mit der Wiederentdeckung der Marx Brothers);Eszter Kondor: Aufbrechen. Die Gründung des Österreichischen Filmmuseums, Wien: Synema 2014, S. 15. Film als zeithistorisches Dokument; Filmpropaganda; die klassischen amerikanischen Filmgenres; deutschsprachiges Filmexil.
Ende 2001 traten Peter Kubelka und Peter Konlechner in den Ruhestand. Zu ihrem Nachfolger wurde der Kurator und Autor Alexander Horwath bestellt, der die Leitung am 1. Jänner 2002 übernahm. Er behielt die grundlegende Ausrichtung des Hauses bei, erweiterte das inhaltliche Spektrum der Programmarbeit und die Anzahl der Vorführungen, intensivierte die Sammlungs- und Restaurierungstätigkeit und verstärkte die Bereiche Vermittlung, Forschung und Publikationen. Im Jahr 2005 wurde das Österreichische Filmmuseum mit dem Österreichischen Museumspreis ausgezeichnet.
Im Jahr 2014 realisierte das Filmmuseum anlässlich seines 50-jährigen Bestehens insgesamt 21 verschiedene Projekte, die unter anderem auf die Geschichte, die Gründer, die Sammlungen und Positionen des Hauses, aber auch auf Zukunftsfragen Bezug nahmen.Projekte 50-Jahr-Jubiläum letzter Zugriff 12. November 2016. Im selben Jahr wurden alle seit 1964 gezeigten Programme im Programmarchiv des Filmmuseums online verfügbar gemacht.Programmarchiv ab 1964 letzter Zugriff 12. November 2016.
Der Vorstand des Österreichischen Filmmuseums hat im November 2016 Michael Loebenstein, zuvor Geschäftsführer des National Film and Sound Archive (NFSA) in Australien, zum Direktor des Filmmuseums ab 1. Oktober 2017 bestellt.Neuer Direktor bestellt letzter Zugriff 8. März 2017.
Die Künstlerin VALIE EXPORT wurde im Sommer 2021 vom Vorstand des Filmmuseums zum ersten Ehrenmitglied ernannt.
Im Dezember 2024 wurde das Filmmuseum LAB (gesprochen läb, kurz für Labor) für das Depot und die Digitallabors im Arsenal bezogen. Die alte Anlage in der Heiligenstädter Straße soll aufgelassen und in die neue Anlage übersiedelt werden.
Am 24. September 2025 wurde das neue Filmmuseum der Öffentlichkeit vorgestellt.
Direktoren
1964 bis 2001: Peter Konlechner und Peter Kubelka 2002 bis September 2017: Alexander Horwath ab Oktober 2017: Michael Loebenstein
Aufgabe des Museums Die Aktivitäten der Institution sind an den grundsätzlichen Aufgaben eines Museums orientiert: Sammlung und Bewahrung – Forschung und Vermittlung – Ausstellung. Dem Medium entsprechend, finden die Ausstellungen des Filmmuseums auf der Kinoleinwand statt. Der betreffende Ausstellungsraum, das Kino des Filmmuseums, befindet sich im Gebäude der Albertina. Die Werke aus der Geschichte des Films (und anderer Formen des Bewegtbilds) werden im jeweiligen Originalmedium und in Originalsprache gezeigt. Der Filmregisseur Martin Scorsese fungiert seit 2005 als Ehrenpräsident des Museums.
Neben seiner Filmsammlung beherbergt das Filmmuseum eine öffentliche Fachbibliothek, Foto-, Plakat- und Schriftgutsammlungen sowie zahlreiche Spezialsammlungen (u. a. zu Filmemachern wie Dziga Vertov oder Michael Haneke). Es engagiert sich zudem im Bildungs- und Forschungsbereich und betreibt ein Ausstellungsprogramm mit rund 700 Kinovorstellungen pro Jahr. Die Reihen „Was ist Film“ (seit 1996), „Die Utopie Film“ (zwischen 2005 und 2017) und „Collection on Screen“ (seit 2021) stellen im Sinne einer revolvierenden „Dauerausstellung“ wesentliche Beispiele des Mediums Film vor.PDF Jahresbericht des Österreichischen Filmmuseums 2015, https://www.filmmuseum.at/jart/prj3/filmmuseum/data/uploads/Filmmuseum%20Jahresbericht%202015.pdf, letzter Zugriff: 12. November 2016
Programmatik mini|Eingang zum „Unsichtbaren Kino“ mini|Kinosaal in schwarz-weiß
Die Gründer des Museums verstanden Film als wichtigste Ausdrucksform der Moderne sowie als wichtigste zeitgeschichtliche Quelle des 20. Jahrhunderts. Als Vorbilder galten ihnen die Cinémathèque Française, das National Film Archive in London und die Filmabteilung des Museum of Modern Art in New York.Geschichte: https://www.filmmuseum.at/ueber_uns/geschichte, letzter Zugriff 12. November 2016 Die Filmpräsentation ohne nostalgische Verniedlichung, in Originalsprache, ohne Musikbegleitung und ohne verfälschende Vorführmodalitäten wurde als Standard gesetzt: „Filme sind mit gleicher Obhut und gleichem Respekt wie Gemälde oder Plastiken zu sammeln, zu bewahren und zu präsentieren. Filmen gebührt der Stellenwert und die Behandlung von Kunstwerken. Filme sind spezifische Produkte des geschichtlichen Gedächtnisses. Sie müssen wie historisches Quellenmaterial, wie Dokumente bewahrt und gezeigt werden.“„25 Jahre Österreichisches Filmmuseum“, Presseaussendung, November 1989, In: Eszter Kondor: Aufbrechen. Die Gründung des Österreichischen Filmmuseums, Wien: Synema 2014, S. 131
Zum 25-Jahr-Jubiläum des Hauses wurde 1989 das „Unsichtbare Kino“ nach dem Konzept von Peter Kubelka eröffnet: ein schwarz-in-schwarz gehaltener Vorführsaal, eine „Seh- und Hörmaschine“, die höchstmögliche Konzentration auf das filmische Ereignis selbst anstrebt.Tomicek, Harry: Das „Unsichtbare Kino“ Überlegungen zum Wahrnehmungsraum des Films, NZZ, 9. November 1989 Kubelka hatte bereits 1970 bei der Eröffnung der Anthology Film Archives in New York sein Konzept des „Unsichtbaren Kinos“ realisiert. 2003 erfuhr der Filmsaal des Filmmuseums eine grundlegende Sanierung und Neugestaltung durch Erich Steinmayr und Friedrich Mascher und heißt seitdem „Das Unsichtbare Kino 3“.Das Unsichtbare Kino https://www.filmmuseum.at/ueber_uns/das_unsichtbare_kino, 12. November 2016 Seither ist das Filmmuseum auch mit einer komplett erneuerten Bild- und Tontechnik ausgestattet, die es erlaubt, neben den gängigen Bildformaten der Filmgeschichte die zeitgenössischen Ton- und Videosysteme wiederzugeben. Mit der Durchsetzung des „Digitalen Kinos“ im kommerziellen Bereich (2009–2012) hat das Filmmuseum sein präsentationstechnisches Spektrum auch um dieses Medium erweitert.Technische Ausstattung: https://www.filmmuseum.at/ueber_uns/das_unsichtbare_kino/technische_ausstattung, letzter Zugriff: 12. November 2016
Das Österreichische Filmmuseum vertritt das Prinzip, dass der Film selbst (als Artefakt und als Projektionsereignis, im Archiv wie in der Vermittlungs- und Ausstellungstätigkeit) Priorität vor den Derivaten und Faksimiles des Films hat. Es zeigt daher Werke aus der Geschichte des Films grundsätzlich in analoger Kinoprojektion und ist um Kopien im jeweiligen Originalformat bemüht (35-mm- und 16-mm-Film). Video- und digitale Arbeiten sowie Fernsehproduktionen werden in Videoformaten bzw. digital projiziert, Sonderfälle eigens ausgewiesen.Mission Statement: https://www.filmmuseum.at/ueber_uns/mission_statement, letzter Zugriff: 12. November 2016