Die North-Carolina-Klasse war eine Klasse von zwei Schlachtschiffen der United States Navy. Die North Carolina und die Washington waren die ersten US-amerikanischen Schlachtschiffe, die nach dem Abschluss des Washingtoner Flottenvertrags gebaut wurden und verkörperten das erste Glied einer neuen Generation schneller Schlachtschiffe, die in der Lage waren, Flugzeugträger zu begleiten. Beide Schiffe wurden wenige Monate vor dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg bei der Marine in Dienst gestellt und blieben bis 1947 in der Flotte. Haupteinsatzgebiet war der pazifische Kriegsschauplatz, die Washington operierte 1942 einige Monate im Nordatlantik. Das Typschiff ist seit 1962 als Museumsschiff erhalten, ihr Schwesterschiff wurde 1961 abgewrackt.

Geschichte Vorgeschichte Zum Ende des Ersten Weltkriegs war die Schlachtschiffflotte der US-Marine beträchtlich gewachsen, etliche weitere Schiffe befanden sich auf verschiedenen Werften noch im Bau. Mit dem Abschluss des Washingtoner Flottenvertrages 1922 musste der Bau weiterer Schiffe eingestellt werden, so wurden die sechs Schlachtschiffe der South-Dakota-Klasse noch auf den Hellingen abgebrochen, vier der sechs Schlachtkreuzer der Lexington-Klasse erfuhren das gleiche Schicksal, lediglich zwei der vorhandenen Rümpfe durften zu Flugzeugträgern umgebaut werden. In den folgenden Jahren wurde die Flotte nur sporadisch modernisiert, Neubauten von Schlachtschiffen wurden überhaupt nicht getätigt, auch weil das Londoner Zusatzprotokoll zum Flottenvertrag von 1930 für zu ersetzende Schiffe ein Alter von mindestens 26 Jahren vorsah.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1921–1997. Internationaler Schlachtschiffbau. S. 255. Damit würden die ältesten Schiffe der US-Marine, die Schlachtschiffe Arkansas und New York, frühestens 1938 beziehungsweise 1940 durch Neubauten ersetzt werden.

Zur Begrenzung durch die Flottenverträge, die eine maximale Verdrängung von 35.000 ts sowie ein maximales Kaliber von 35,6 cm vorsahen, kam die Auseinandersetzung mit der erstarkenden Luftwaffe um die in Zeiten der Weltwirtschaftskrise knappen Finanzen. Erst unter Präsident Roosevelt ab 1933 erhielt die Marine die finanziellen Mittel, die notwendig waren, um die dringend notwendige Modernisierung der Flotte einzuleiten.

Planungen mini|links|Schema Das Bureau of Construction & Repair hatte bereits in den 1920er-Jahren verschiedene Entwürfe für neue Schlachtschiffe untersucht. Dabei wurde auch eine Anordnung der schweren Artillerie wie auf den Schiffen der Nelson-Klasse in Betracht gezogen. Ab 1935 forderte die US-Marine für die neuen Schlachtschiffe dann eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Knoten, um sie zusammen mit Flugzeugträgerverbänden einsetzen zu können. Diese Überlegungen wurden aber kurze Zeit später wieder aufgegeben und eine Geschwindigkeit von 27 bis 28 Knoten mit zugleich besserem Panzerschutz gefordert. In der Folgezeit wurden verschiedene Entwürfe vorgelegt, auch wurden britische Vorschläge für ein Schlachtschiff mit nur 25.000 ts Verdrängung und 305-mm-Geschützen untersucht. Diese Entwürfe erwiesen sich aber für die Bedürfnisse der US-Marine als zu klein. Bis 1936 entstanden 38 verschiedene Entwürfe, die Mehrzahl davon umfasste eine maximale Ausnutzung der Verdrängungsgrenzen von 35.000 ts sowie 356-mm-Geschütze wie bei der britischen King-George-V-Klasse in drei Türmen in verschiedener Anordnung. Im November 1936 entschied sich die Marineführung für einen Entwurf mit 356-mm-Artillerie,Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1921–1997. Internationaler Schlachtschiffbau. S. 256. nachdem bereits im Juni der Kongress die Mittel zum Bau der Schlachtschiffe genehmigt hatte., Stand: 2. Oktober 2008 Nachdem Anfragen an Japan wegen der Begrenzung des Kalibers auf 356 mm unbeantwortet geblieben waren und Grund zu der Annahme bestand, dass die Japaner nicht nur 406-mm-Geschütze, sondern weitaus größere Kaliber bei ihren Neubauten verwendeten, wurde am 21. Juni 1937 beschlossen, die amerikanischen Schlachtschiffneubauten ebenfalls mit neun 406-mm-Geschützen auszustatten.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1921–1997. Internationaler Schlachtschiffbau. S. 257. Drei Tage später wurde endgültig der Bau der beiden Schlachtschiffe beschlossen.

Bau mini|links|Die North Carolina an der Ausrüstungspier, April 1941 Die Bauaufträge für die beiden Schlachtschiffe der North-Carolina-Klasse ergingen am 1. August 1937 an die beiden marineeigenen Werften Brooklyn Navy Yard in Brooklyn, New York sowie Philadelphia Navy Yard in Philadelphia, Pennsylvania. Die Kiellegung der North Carolina erfolgte am 27. Oktober 1937, die Washington wurde am 14. Juni 1938 auf Kiel gelegt. Nach fast zwei Jahren Bauzeit lief die Washington am 1. Juni 1940 vom Stapel, die North Carolina folgte zwölf Tage später. Beide Schiffe wurden im Frühjahr 1941 nach 41 respektive 35 Monaten Gesamtbauzeit von der US-Marine in Dienst gestellt.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1921–1997. Internationaler Schlachtschiffbau. S. 253. Bei der Fertigung der Schiffe wurde zum ersten Mal im großen Stil das Lichtbogenschweißverfahren zur Gewichtsreduktion bei der Verbindung der Schiffssegmente eingesetzt. Die Baukosten pro Schiff betrugen über 76 Millionen US-Dollar.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1921–1997. Internationaler Schlachtschiffbau. S. 258.

Einsatz Beide Schiffe wurden 1942 für einsatzbereit erklärt, die Washington wurde im März 1942 zur Verstärkung der britischen Home Fleet in den Nordatlantik entsandt, wo sie bis Juni Konvois begleitete. Im Anschluss wurde sie ab September wie ihr Schwesterschiff im Pazifik eingesetzt. Beide Schiffe nahmen an fast allen Operationen während der folgenden Jahre teil, sie operierten zumeist als Begleitschiffe der Fast Carrier Task Force. In der Nacht vom 14. auf den 15. November versenkte die Washington in der Seeschlacht von Guadalcanal das japanische Schlachtschiff Kirishima. Die Feuerleitung der schweren Geschütze, die neun Volltreffer auf dem japanischen Schiff landeten, wurde vollständig durch die Radaranlagen der Washington übernommen.

Beschädigungen mini|Die Washington mit eingedrücktem Bug unterwegs an die US-Westküste Die North Carolina wurde am 15. September 1942 von einem Torpedo des japanischen U-Bootes I-19 getroffen, die Explosion riss ein etwa 30 Quadratmeter großes Loch in die Backbordseite des Schlachtschiffs. Sechs Besatzungsmitglieder des Schlachtschiffs wurden getötet. Trotz Wassereinbruchs und Schlagseite blieb die North Carolina einsatzfähig und konnte nach Notreparaturen aus eigener Kraft nach Pearl Harbor fahren, wo die Schäden während eines Werftaufenthalts vollständig repariert wurden.

Am 1. Februar 1944 kollidierte die Washington vor Kwajalein mit der Indiana. Dabei wurde das Vorschiff etwa 20 Meter weit eingedrückt und zerstört, die Reparaturen im Puget Sound Navy Yard dauerten bis in den Juni.

Verbleib Nach dem Kriegsende blieben beide Schiffe noch bis zum 27. Juni 1947 in der Flotte, dann wurden sie ausgemustert und der Reserveflotte überstellt. Die Washington wurde 1960 aus den Schiffsregistern gestrichen und im folgenden Jahr verschrottet. Die North Carolina wurde zwei Jahre nach ihrer Streichung aus den Listen zum Museumsschiff. Sie liegt am Ufer des Cape Fear River in Wilmington, North Carolina.

Modifikationen 1954 wurden aufgrund einer Forderung des Ship Characteristics Board Untersuchungen angestellt, ob sich die Schiffe durch Umbauten für schnelle Flottenoperationen eignen würden. Die dazu notwendige Geschwindigkeit von 31 Knoten hätte eine Verdopplung der Antriebsleistung notwendig gemacht. Der dafür notwendige Platzbedarf hätte durch den Ausbau des achteren Geschützturmes gedeckt werden sollen. Auch die Installation von Gasturbinen als Booster wurde untersucht. Die umfangreichen Änderungen am Rumpf und der Antriebsanlage hätten pro Schiff Kosten von 40 Millionen US-Dollar verursacht. Aus diesem Grund wurden diese Pläne nicht weiter verfolgt.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1921–1997. Internationaler Schlachtschiffbau. S. 264.

Eine weitere Studie schlug anhand der Erfahrungen, die die Amerikaner mit dem erbeuteten Flottenversorger Dithmarschen, der als Conecuh bei der Navy in Dienst gestellt wurde, vor, die Schlachtschiffe zu schnellen Flottenversorgern umzubauen. Kosten von 25 Millionen US-Dollar pro Schiff und eine geringe Wirtschaftlichkeit und Effizienz im Vergleich mit der Conecuh führten zum Ende des Projekts.

Technik Rumpf und Aufbauten mini|Brückenaufbauten, Turmmast und Kommandoturm der North Carolina Die Schiffe der North-Carolina-Klasse waren die ersten Schlachtschiffe, die der neuen Schiffsarchitektur der US-Marine entsprachen. Sie besaßen ein durchgehendes Hauptdeck, das so genannte „Flushdeck“ und einen gestrakten Bugsteven. Die Schiffe waren an der Konstruktionswasserlinie 217,46 Meter lang, die Länge über Alles betrug 221,90 Meter. Die Breite in der KWL lag bei 31,80 Metern, die maximale Breite, begrenzt durch die Schleusenkammern des Panamakanals bei 33,90 Metern. Das Länge-Breite-Verhältnis des Rumpfes betrug somit 6,82. Die Konstruktionsverdrängung lag mit 36.600 Standardtonnen über der im Flottenvertrag festgelegten Grenze von 35.000 ts. Die Einsatzverdrängung inklusive Munition, Treibstoff und Wasser lag bei maximal 44.800 ts. Der Konstruktionstiefgang lag bei 9,65 Metern, der Tiefgang bei Einsatzverdrängung lag bei 10,82 Metern.

Der Rumpf war zu etwa einem Drittel elektrisch geschweißt. Der Spantenabstand betrug 1,219 Meter, der Rumpf war in 21 wasserdichte Abteilungen und sechs Decks unterteilt. Erstmals verfügte er über keinerlei Bullaugen, was die Sicherheit erhöhte, unter Deck aber eine Zwangsbelüftung erforderlich machte.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1921–1997. Internationaler Schlachtschiffbau. S. 259

Die fünf Decks hohen Aufbauten in Dreiturmauslegung mit den beiden Einzelschornsteinen erstreckten sich über das mittlere Drittel der Schiffslänge. Den Abschluss der Brückenaufbauten bildete ein 15 Meter hoher Turmmast, der die auf den älteren Schlachtschiffen verwendeten „Papierkorbmasten“ ablöste. Er trug die Radaranlagen der Schlachtschiffe sowie an der Spitze einen Entfernungsmesser.

Panzerung mini|links|Washington im Bau, zu sehen die Längs- und Querschotte Kernstück der Panzerung der Schlachtschiffe war der Decksaufbau, der 134 Meter lang und maximal 21 Meter breit war. Er umfasst lebenswichtige Schiffssysteme wie die Antriebsanlagen und Munitionskammern unter Deck sowie den Kommandoturm in den Aufbauten. Erstmals waren bei der North-Carolina-Klasse auch die Ruderanlage sowie der Wellentunnel gepanzert, um die Beweglichkeit und Manövrierfähigkeit auch unter Feindbeschuss zu erhalten.

Die maximale Stärke der Seitenpanzerung betrug 305 mm, sie war um 15° aus der Senkrechten geneigt, um steil einfallende Granaten abzulenken und die Panzerungsstärke zu erhöhen. Die Seitenpanzerung verjüngte sich nach unten auf 167 mm, unterhalb davon setzte ein 1,6 Meter breiter Seitenwulst an, der die Explosionsenergie auftreffender Geschosse von den Schiffssystemen fernhalten sollte. Im Bereich der Munitionskammern sicherte ein weiteres, 95 mm starkes Torpedoschott als „Zitadelle in der Zitadelle“ die Munitionsvorräte. Der Schiffsboden war durchgängig als Doppelboden, im Bereich der Zitadelle als Dreifachboden ausgelegt. 282 mm starke Panzerschotten schlossen die Zitadelle vorn und achtern ab.

Der Torpedoschutz aus den seitlichen Panzerschotten und den davorliegenden Kammern, die teilweise als Brennstoffbunker genutzt wurden, sowie der Doppel- und Dreifachboden sollten Torpedo- und Minentreffer mit bis zu 317 kg Sprengstoff abfangen, ohne Schäden an lebenswichtigen Schiffssystemen zu hinterlassen.