mini| Sammeln ist eine Tätigkeit, welche die systematische Suche, Beschaffung und Aufbewahrung von Gegenständen oder Informationen betrifft. Institutionalisiertes Sammeln besteht im Anlegen eines Fundus in Museen, Bibliotheken oder Archiven. In den Industriestaaten ist Sammeln eine ideelle Beschäftigung geworden. Eine spezielle Art des Sammelns ist die Hortung.
Etymologie Etymologisch hängt sammeln (; Lehnwort: Kollektion) mit dem Lesen, Zusammenlesen oder Zusammentragen () zusammen. Sammeln bedeutet etwas an sich nehmen, zusammentragen und zueinander fügen.Martina Brenner, Sammeln: Zur Bedeutung eines Kulturmusters, 2014, S. 39; ISBN 978-3-8366-4002-2 „Das Sammeln bezeichnet eine Reihe von Tätigkeiten, die in ihrem Zusammenhang untereinander sämtlich etwas mit geistigen Ordnungssystemen zu tun haben …“.Christian Schneegass, Zur Psychologie des Sammelns, in: Sammelbildchen rund um die Welt, 1986, S. 6 Dass nur Dinge sich sammeln lassen,Manfred Sommer, Sammeln: Ein philosophischer Versuch, 2002, S. 103 ff.; ISBN 978-3-518-29206-8 würde den Begriffsinhalt zu stark einschränken, denn auch Informationen oder Nachrichten werden gesammelt.Marc Schmidt, Management – Handlungsmuster erfolgreicher Führungskräfte, 2004, S. 243 Die wichtigen und substanziellen Sammlungen betreffen ästhetische Sammlungen wie Kunstwerke oder Schmuck, dieses Sammeln ist unökonomisch, weil jeder Sammler nur deshalb einen Gegenstand kauft, weil er in seiner Sammlung fehlt und dabei einen überteuerten Preis in Kauf nimmt.Ralf Simon, Die Bildlichkeit des lyrischen Textes, 2011 , S. 325
Alternativ bezeichnet man auch eine menschliche Art der Nahrungsbeschaffung als Sammeln, bekannt als Bestandteil des Begriffs Jäger und Sammler.
Alternativbezeichnungen Ein übereifriger Sammler wird im norddeutschen Raum umgangssprachlich als Zedler bezeichnet, abgeleitet von der ursprünglichen Berufsbezeichnung der Zedlerei oder Zeidlerei, dem Raubsammeln von Honig.
Sammeln als Hobby mini|Ein Briefmarkenalbum dient dem Aufbewahren und der Präsentation von gesammelten, gebrauchten oder druckfrischen Briefmarken. Die Beschäftigung damit wird als Philatelie bezeichnet. Grundsätzlich kann alles gesammelt werden, aus Platzgründen vor allem aber handliche Dinge. Dabei gibt es den systematischen Sammler, der Objekte eines bestimmten eingegrenzten Gebiets (einer Region, Epoche, Gattung bzw. Thematik) oder Produkte eines Herstellers möglichst vollständig besitzen will, und den eher unsystematischen Sammler, der nur die Dinge sammelt, die ihm gefallen oder die ihn an etwas erinnern. Dabei wecken besonders seltene Gegenstände (Raritäten) häufig ein besonderes Interesse bei Sammlern, beliebte Sammelobjekte werden teilweise schon bei der Produktion künstlich verknappt (limited editions – begrenzte Auflagen). Sigismund von Radecki bezeichnete Sammler als Leute, die Seltenes zusammentragen in der Hoffnung, dass es noch seltener wird.
Sammlerprofile zeigen, dass am Anfang häufig ein Zufall stand; durch Geschenke, Erbschaft u. a. war das Interesse an weiterem Erwerb geweckt, dabei spielten ästhetische Gesichtspunkte besonders häufig eine Rolle. Die erste Sammlung wird sehr oft durch weitere Sammlungen erweitert, der ersten Sammlung bleibt der Sammler aber fast immer treu. Ein Sammler bleibt in der Regel sein Leben lang bei seiner Sammeltätigkeit.
Eine große Zahl von Sammlern strebt ehrgeizig nach Wissen über ihre Gegenstände und versucht über Ausstellungen und Publikationen ihre Kenntnisse und Erkenntnisse weiterzutragen (s. o. = systematischer Sammler). Viele Sammler organisieren sich in Vereinen. Auch Tauschbörsen werden veranstaltet, wo die Sammler miteinander Kontakt aufnehmen können und Sammlerstücke austauschen oder kaufen. In beliebten Sammelgebieten können Händler damit ihren Lebensunterhalt verdienen, und viele Objekte werden auch aus kommerziellem Interesse eigens für Sammler in limitierten Auflagen (mit Sammlerzertifikat) hergestellt. Einige besonders begehrte Hersteller organisieren eigene Sammlerklubs mit Sonderangeboten.
mini| Sammeln (im Gegensatz zum Anhäufen) bedeutet auswählen. Kritische Auswahl (sammelwürdig; Original oder Imitat) setzt Kenntnisse voraus. Mit dem Umfang der Sammlung wächst das Spezialwissen des Sammlers. Dies betrifft auch die richtige Lagerung und Pflege der Sammelobjekte, manche Sammler eignen sich im Laufe der Zeit umfangreiche Kenntnisse auf dem Gebiet der Restaurierung an und setzten beschädigte Objekte selbst in Stand.
Fundquellen für Sammler sind oft Auktionen, Flohmärkte, Antiquitätenläden oder Antiquariate und zunehmend Online-Angebote. Das Internet hat besondere Bedeutung für Sammler sehr exotischer Dinge, die sich so einfach und schnell weltweit austauschen können. Seltenheit, Beliebtheit und Erhaltungsgrad bestimmen den Preis.
Einige Sammelstücke werden aufgrund ihres hohen Wertes gefälscht (siehe dazu Fälschung, Kunstfälschung, Briefmarkenfälschung).
Populäre Sammelgebiete
Es gibt eine Vielzahl von Gegenständen, die gesammelt werden können. Dazu zählen etwa historische Aktien und andere Wertpapiere, Anlagemünzen, Ansichtskarten, Anstecknadeln, Antiquitäten, Armbanduhren,J. R. Auberson: Die Sammlerkurse von Armbanduhren. Nizza 1992. Aufkleber, Autogrammkarten, Automobile (insbesondere Oldtimer), Auto- oder Eisenbahnmodelle, Banknoten, Brauereiwerbemittel nebst Bierdeckeln/Bierfilzen, Bierdosen oder -flaschen, Bierkrügen, Blechspielzeug (z. B. Schuco-Autos), Briefmarken, Briefpapier, Bücher, Bügeleisen, Comics, Devotionalien, Fotografien, Feuerzeuge (z. B. Zippos), Füllfedern, Gemälde, Grafiken, Handtaschen, Insekten, Kaffeerahmdeckel, Kameras (insbesondere Leicas), Keramik, Flaschen-Kronkorken, Lesezeichen, Militaria, Mineralien und Fossilien, Modellautos, Münzen und Medaillen, Musikinstrumente, Porzellan, Radios, Sammelbilder, Schallplatten, Schmetterlinge, Schmuck, Schuhe, Schreibmaschinen, Servietten, Spardosen, Spielzeug, Spielwürfel, Streichholzschachteln, Telefonkarten, Uhren, Figuren aus Überraschungseiern, Waffen, Zeitungen und Zigarettenbilder.
Wissenschaftliches Sammeln Sammeln ist nicht immer nur reine Freizeitbeschäftigung, sondern ist eine Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die bedeutendsten Forscher, wie Alexander von Humboldt oder Charles Darwin um nur zwei zu nennen, waren zumeist schon in ihrer Kindheit als eifrige Sammler bekannt. Eine Wissenschaftliche Sammlung bezeichnet man zumeist als Studien- oder Forschungssammlung, die meist nur für Fachleute oder auf Anfrage zugänglich ist. Wird sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ist es eine Schausammlung.
Die wissenschaftliche Sammeltätigkeit ist in vielen Bereichen, wie etwa bei Schmetterlingen, heute weitgehend durch Gesetze reglementiert. Manche Sammelgebiete sind, wie z. B. die Numismatik als Historische Hilfswissenschaften anerkannt. In praktisch allen Wissensbereichen sind Literatursammlungen bzw. Bibliotheken und ebenso Archive von Bedeutung.
Die Grenzen zwischen hobbymäßigem und wissenschaftlichem Sammeln sind allerdings fließend, manche Sammler besitzen ein großes Fachwissen auf ihrem Gebiet und publizieren ihre Erkenntnisse, mitunter auch auf wissenschaftlichem Niveau. Solche Sammler stellen ihre Kollektion oft auch Forschern für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung. Zudem gehen manche privat zusammengetragenen Sammlungen später durch Verkauf oder Erbschaft an wissenschaftlich ausgerichtete Institutionen wie Museen und Archive über. Hier können sie eine willkommene Bereicherung sein, da den genannten Institutionen oft nur noch sehr geringe finanzielle Mittel für Ankäufe zur Verfügung stehen und private Sammler oftmals mehr Geld und Zeit in den Aufbau ihrer Sammlung stecken, als es den genannten Institutionen möglich ist.
Andererseits kann eine solche Sammlung auch zu einer erheblichen Belastung werden, wenn ein Sammler beispielsweise mit der Übergabe seiner Stücke an ein Museum die Bedingung verknüpfen möchte, dass alle Objekte dauerhaft ausgestellt werden sollen oder ganz erhebliche Kosten für eine Restaurierung aufgebracht werden müssten, die den Wert der Sammlung übersteigen.
Geschichte mini|Fundstücke aus dem Kesslerloch im Museum zu Allerheiligen, ausgestellt sind auch Schmuckstücke der Steinzeitjäger aus Fossilien mini|San – ein Volk von Jägern und Sammlern – mit Wurzelknolle, einer typischen Sammelfrucht
Neben der Nahrung (Beeren, Kräuter, Pilze) suchten die frühen Menschen als Jäger und Sammler den Feuerstein zum Anfertigen von Waffen, später Kupfererze, Eisen und Gold, womit auch die ersten Schatzkammern entstanden. Darüber hinaus sammelten die Menschen auffällige Gegenstände und Materialien aus der Natur, etwa fossile Muschelschalen oder Bernstein zum Anfertigen von Schmuck oder Gagat zum Anfertigen von Skulpturen wie etwa die Venusfigurinen vom Petersfels. Ebenfalls sehr früh sammelte man die Tontafeln in Archiven später Papyri und Handschriften in Bibliotheken.
Wunderkammern entstanden bereits im Mittelalter und später kamen Kuriositäten- und Naturalienkabinette hinzu.Vgl. auch Julius von Schlosser: Die Kunst- und Wunderkammern der Spätrenaissance. Ein Beitrag zur Geschichte des Sammelwesens. Leipzig 1908.
Im 17. Jahrhundert war das Sammeln ein Vanitas-Motiv, und die „Sammlung“ diente in einschlägigen Darstellungen als mahnendes Beispiel der Eitelkeit und Besessenheit. Mit dem Absolutismus, der mit einer starken Aufwertung der Organisation in allen Lebensbereichen verbunden war, kam jedoch die Vorstellung auf, dass Sammelleidenschaft nicht nur zu Chaos, sondern auch zu Ordnung führen könne. Statt als wahllose Gier zu gelten, die sich bloß als Machtbeweis oder Selbstbezichtigung ausstellen konnte, durfte nun ein besonderes Verständnis für das Gesammelte öffentliche Anerkennung finden.
In Museen, die seit dem späteren 18. Jahrhundert entstanden, erhält das Sammeln seinen offiziellen Rahmen. Durch den öffentlichen Charakter verloren die Sammlungen ihren egoistischen Anstrich und bekamen etwas Gemeinnütziges. Sie gehen in vielen Fällen auf Privatsammlungen von Fürsten und weiteren Herrschern zurück, welche damit einst ihre Macht demonstrierten. Zum Beispiel waren Rudolf II. und August der Starke als begeisterte Sammler bekannt. Für Museumssammlungen ist die systematische Dokumentation der Fundumstände und des Gebrauchskontexts der Dinge wesentlich. Im Museum geht es allerdings nicht nur ums Sammeln und Dokumentieren, Archivieren und Konservieren, sondern auch um pädagogische Präsentation (Museumspädagogik), Wissensvermittlung und Forschung. Die ersten Zoos entstanden als Menagerien. Mit dem Beginn der Industrialisierung kamen die ersten Sammlungen von Volkskunst zusammen, ebenfalls zumeist initiiert durch privat engagierte Sammler. Es entstanden auf dieser Grundlage die heute für alle Regionen typischen Heimatmuseen bzw. Freilichtmuseen. mini|Ausstellung der Schwarzwaldsammlung von Oskar Spiegelhalder im Franziskanermuseum in Villingen
Auch Gelehrte und Wissenschaftler sind als Sammler in Erinnerung geblieben: Petrarca etwa vermachte seine riesige Büchersammlung der Republik Venedig mit der Bedingung, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Zuge der Aufklärung wurde die Anschauung immer wichtiger und eine große Anzahl pädagogisch ausgerichteter Sammlungen zu den unterschiedlichen Gebieten entstanden, sogenannte Kabinette. Sie waren in Klöstern, etwa Kremsmünster in Oberösterreich, aber auch an Universitäten angesiedelt. Johann Wolfgang von Goethe karikierte sich und seine Sammelleidenschaft in dem Dialog Der Sammler und die Seinigen als ein Beherrscher, der „die Welt nach seiner Idee“ modelliert. Er erhob sich also nicht über die traditionellen Vanitas-Vorstellungen. In der Geologie befasste Goethe sich vor allem mit dem Aufbau einer Mineralien-Sammlung, die bei seinem Tode auf 17.800 Steine angewachsen war, zudem soll er eine Kunstsammlung mit über 25.000 Einzelstücken besessen haben.