miniatur|Radio Maryja in Toruń, 2005 miniatur|hochkant|Denkmal von Johannes Paul II. vor dem Hauptquartier von Radio Maryja, von Gennadij Jerszow 2014 Radio Maryja ist ein nationalkonservativer katholisch geprägter Radiosender in Polen mit Sitz in Toruń. Der Sender ist das größte Medium eines Mediennetzwerkes, zu dem auch der Satellitenfernsehsender TV Trwam, die Tageszeitung Nasz Dziennik, eine private Medienhochschule und viele lokale Gemeindegruppen gehören.

Geschichte Gegründet wurde der Sender am 8. Dezember 1991 vom polnischen Redemptoristen-Pater und Medienunternehmer Tadeusz Rydzyk. Erste Ausstrahlungen fanden im Frühjahr 1992 statt. Der Sender meldet sich mit den Worten: „Hier ist Radio Maryja, die katholische Stimme in Deinem Haus. Gelobt seien Jesus Christus und die Jungfrau Maria.“ Nach Eigenangaben wird das Programm von sechs Priestern, drei Nonnen und rund 200 Laienhelfern produziert und von Spenden und Sponsoren finanziert. Es besteht hauptsächlich aus Gebeten wie dem Rosenkranz und Kirchenliedern, die durch Reportagen, Kommentare und Hörerstunden ergänzt werden. In den Gesprächsrunden wird mit Vertretern aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Kultur diskutiert.

Radio Maryja ist nicht Mitglied der World Family of Radio Maria, die aus rund 50 Sendern in 40 Ländern besteht.World family of Radio Maria (Radiomaria.org):

Verbreitung und Verbreitungswege Bis Ende 1993 erhielt Radio Maryja knapp 120 lokale Sendelizenzen in Polen. 1994 wandelte der zuständige Landesrat für Rundfunk und Fernsehen diese in eine landesweite Lizenz um. Via Satellit ist Radio Maryja in anderen europäischen Staaten und den USA zu empfangen. Auf der offiziellen Homepage gibt es einen Link zum Live-Streaming, der es ermöglicht, den Sender via Internet zu hören.

Im Jahr 2005 lag der Marktanteil des Senders in Polen bei 2,34 Prozent und fiel bis 2008 auf 1,78 Prozent. Im Jahr 2011 lag der Marktanteil des Senders bei 2,15 Prozent, was etwa 830.000 täglichen Hörern entspricht. Damit gelangte Radio Maryja auf den 5. Platz in der polnischen Radiolandschaft. Der Anteil der Hörer zwischen 60 und 75 Jahren lag 2011 bei 48,26 Prozent, gefolgt von der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen mit 36,04 Prozent. Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren hatten einen Anteil von etwa 4,59 Prozent.

Netzwerk und Finanzierung Wegen undurchsichtiger Eigentums- und Finanzierungsverhältnisse steht Radio Maryja seit seiner Gründung in der Kritik. Gegründet von Tadeusz Rydzyk, einem Pater des polnischen Redemptoristenordens, ist es heute Teil eines katholischen Netzwerks. Zu Rydzyks Unternehmen gehören unter anderem das Satellitenfernsehen TV Trwam, die Tageszeitung Nasz Dziennik, eine private Medienhochschule und eine Vielzahl von Gemeindeorganisationen. Allein Radio Maryja betreibt polenweit rund 400 Büros, die von Freiwilligen betrieben und von sogenannten „geistlichen Betreuern“ beaufsichtigt werden.

Da der Sender in Polen den besonderen Status der Gemeinnützigkeit genießt, muss er nicht die sonst üblichen Lizenzgebühren von 7,6 Millionen Złoty (ca. zwei Millionen Euro) pro Jahr entrichten, sondern nur 20 Prozent dieser Summe. Dieses Privileg ist mit einem Werbeverbot verbunden, das der Sender laut Experten aber nicht einhält.

Nach Angaben der im Dezember 2023 gebildeten neuen Regierung unter Donald Tusk ist Radio Maryja in den vorangegangenen acht Jahren von den vorhergehenden Regierungen, die von der Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) geführt wurden, mit mindestens 400 Millionen Złoty (rund 93 Millionen Euro) subventioniert worden.Ujawniamy, jak PiS pompował państwowe pieniądze do Tadeusza Rydzyka. Przekazano ponad 400 mln zł wyborcza.biz, 8. Dezember 2023.

Kritik an Radio Maryja Politischer Einfluss Dem Sender wird vorgeworfen, sich einseitig und parteiisch in die polnische Politik einzumischen. Konservativ-katholische Parteien wie PiS und die Liga Polnischer Familien (LPR) wurden im Wahlkampf von ihm unterstützt. Pater Rydzyk, der die Hochschule für Sozial- und Medienkultur (Wyższa Szkoła Kultury Społecznej i Medialnej) in Toruńhttp://eu.thenews.pl/3/25/Artykul/118498,%E2%80%9ERadio-Maryja%E2%80%9C-einflussreicher-als-der-Ministerpr%C3%A4sident- wie auch den Fernsehsender TV Trwam leitet und die Zeitung Nasz Dziennik gründete, wird Parteinahme vorgeworfen.

Die Kritik am Sender richtet sich vor allem dagegen, dass Programminhalte einen europaskeptischen,Österreichischer Rundfunk: ORF: Polnischer Medien-Ethikrat kritisiert „Radio Maryja“ scharf; Meldung vom 3. April 2006. antisemitischen und fremdenfeindlichen Charakter aufweisen. Insgesamt gingen beim nationalen Landesrundfunkrat knapp 40 Beschwerden gegen Radio Maryja ein.

Antisemitismusvorwurf Angaben des polnischen Medien-Ethikrates zufolge behauptete der Sender mehrmals, Juden schlügen wirtschaftlichen Vorteil aus dem Holocaust. Marek Edelman, der den Aufstand im Warschauer Ghetto organisiert hatte, forderte die polnische Regierung im Jahr 2006 zum Einschreiten gegen den Sender auf: „Seit 16 Jahren besteht in Polen Radio Maryja, das in seinen politischen Programmen Fremdenhass, Chauvinismus und Antisemitismus verbreitet. Ich fordere energisches Vorgehen, damit solche Propaganda im freien Polen keinen Platz hat, damit im freien Polen alle Bürger unabhängig von Geschlecht, Glauben oder Nationalität gleich sind und sich heimisch fühlen.“netzeitung.de: ; Meldung vom 6. April 2006.

In einer im Nachrichtenmagazin Wprost abgedruckten Tonbandaufnahme eines Vortrags bezeichnete Rydzyk, der Gründer des Senders, Lech Kaczyński als „Betrüger, der sich der jüdischen Lobby fügt.“netzeitung.de: ; Meldung vom 9. Juli 2007.

Im Mai 2011 wurde Radio Maryja erneut vom staatlichen Rundfunkrat wegen zweier implizit antisemitischer Beiträge gerügt.Polen: Antisemitismus-Vorwürfe an Radio Maryja, Die Presse, 10. Mai 2011

Veruntreuung von Spendengeldern In den Jahren 1997 und 1998 wurden einige Millionen Złoty an Spenden ohne die entsprechende Genehmigung des Innenministeriums gesammelt, die für die Rettung der Werft Danzig bestimmt waren. Pater Tadeusz Rydzyk verspekulierte das Geld an der Börse, wie die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza aufdeckte. Die Opposition im polnischen Parlament forderte ein Untersuchungsverfahren.Carsten Lißmann: Machtkampf mit den Bibelfunkern; in: Die Zeit, Ausgabe vom 16. April 2006.

Vorwurf der Schleichwerbung und Wirtschaftsdeals Der Landesrat für Rundfunk und Fernsehen befasste sich mehrfach mit dem Vorwurf, Radio Maryia betreibe Schleichwerbung für der Stiftung Lux Veritatis nahestehende Einrichtungen, doch blieben die Untersuchungen ohne konkrete Folgen.Klaus Ziemer: Das politische System Polens. Eine Einführung. Springer, Wiesbaden 2013, S. 269

Ende der 1990er Jahre hatte der Sender Spenden in Form von Anteilsscheinen eines nationalen Investitionsfonds gesammelt. Damit sollte die Danziger Werft vor dem drohenden Boykott bewahrt werden. Nachdem diese Rettungsaktion nicht erfolgreich war, tauchten Teile des von Rydzyk gesammelten Vermögens als millionenschwere Fehlinvestition in einem laut der Wochenzeitung Die Zeit zwielichtigen Aktiengeschäft um eine Stettiner Baufirma wieder auf.Carsten Lißmann: Machtkampf mit den Bibelfunkern www.zeit.de, 4. Januar 2014

Verhältnis zum Vatikan Nach vielfachen Rügen, die jedoch nicht zu einem entschiedenen Vorgehen der katholischen Kirche Polens geführt hatten, hieß es in einem 2006 öffentlichgewordenen Schreiben des Vatikans an die polnischen Bischöfe: „Der Heilige Stuhl bittet die polnischen Bischöfe dringend, die durch einige Sendungen und Aktivitäten des Radios verursachten Schwierigkeiten zu überwinden.“ Die katholische Kirche des Landes müsse gegen den Sender vorgehen, verlangte der päpstliche Nuntius.

Nach der Intervention des Vatikans und der Aufforderung eines „entschiedenen Vorgehens“ sollte der Sender einen katholischen Programmbeirat erhalten, der nach Angaben der polnischen Bischöfe „kontrollieren und politische Propaganda verhindern“ sollte.netzeitung.de: ; Meldung vom 4. Mai 2006. Der je hälftig vom Episkopat und dem Redemptoristenorden besetzte Programmbeirat wurde mittlerweile eingerichtet.Gerhard Gnauck: Pater Rydzyk, Radio Maryja und der Antisemitismus, Die Welt, 12. Januar 2010

Der Erzbischof von Krakau, Kardinal Stanisław Dziwisz, forderte bei einer Sitzung der polnischen Bischofskonferenz am 25. August 2007 eine Neubesetzung der Vorstände des von Rydzyk kontrollierten Radio Maryja sowie der Fernsehstation Trwam. Rydzyk bedrohe die Einheit der polnischen Kirche.

Verweise Weblinks

Internetpräsenz von Radio Maryja (poln.) Marek Szepan: Wunschkonzert. Der polnische Sender Radio Maryja bietet ein Programm für alle, die mal etwas Rechtes hören wollen; Jungle World vom 18. August 1998 Carsten Lißmann: Machtkampf mit den Bibelfunkern; in: Die Zeit, Ausgabe vom 16. April 2006 Rafał Maszkowski: Inny świat – obraz Żydów w Radiu Maryja. «A different World: The Jews as Seen by Radio Maryja»; Jewish History Quarterly (Kwartalnik Historii Żydów), 4 (2006), S. 669–687 (polnisch) Der Lügenjäger. Warum Herr Maszkowski Radio Maryja hört. Von Malgorzata Zerwe und David Z. Mairowitz, Feature Deutschlandfunk vom 10. Juli 2009 Wdh. am 5. Februar 2016. Abgerufen am 5. Februar 2016. Webseite von Radio Maryja-Kritiker Rafał Maszkowski: https://www.radiomaryja.pl.eu.org/ (polnisch)

Fußnoten Rzeczpospolita, Radio Maryja znów rośnie w siłę, 11. Juli 2011

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