mini|300px|Übersetzungen des Wortes „Willkommen“ findet man an vielen Orten, die von Ausländern oder Touristen besucht werden, um Menschen aller Nationalitäten willkommen zu heißen mini|300px|Willkommensschild eines Restaurants bei Tieringen, Deutschland (2018) Der Gruß, die Begrüßungsformel, Begrüßungsfloskel, Abschiedsformel und Abschiedsfloskel, ist eine formalisierte oder ritualisierte Geste, Floskel oder ein anderes Ausdrucksmittel zum Einleiten bzw. Abschließen eines Kontaktes. Dadurch unterscheidet man formal zwischen mehr gestischen Grußäußerungen und versprachlichten bzw. verschriftlichten Grußformeln in der zwischenmenschlichen Interaktion.

Die Bezeichnung ist zurückgebildet aus dem Verb grüßen, welches auf das westgermanische grotjan – „zum Reden bringen, sprechen machen“ – zurückgeht. Bestimmte Gesten zeigen die Zugehörigkeit zu bestimmten Gesellschaften, Vereinen oder Bewegungen an.

Mit dem Gruß demonstriert der Grüßende seine Sicht der Beziehung zum Gegrüßten. Die Grußformen sind abhängig von Kultur, Zeit und Mode.

Persönliche Kontakte Bei persönlichen Kontakten wird verbal oder gestisch gegrüßt.

Knigge-gerechtes Grüßen und Begrüßen mini|Knigge-gerechtes Begrüßen mit Handschlag zwischen Frau und Mann Im westlichen Kulturkreis gibt es verschiedene Regelwerke, die Normen über etikettegerechte Verhaltensweisen enthalten; in ihnen wird auch das regional unterschiedliche Grüßen und Begrüßen beschrieben. Bei einer Begrüßung kommt es demzufolge im Gegensatz zu einem Gruß zum Körperkontakt, vornehmlich in Form von Händeschütteln.AKM Onlineservice: Ausgenommen von dem Kontaktgebot sind kollektive Begrüßungen einer Gruppe durch einen Redner. Auch gilt ein Verhalten nur dann als etikettegerecht, wenn der Rangniedere den Ranghöheren, ein Herr die Dame, der Jüngere den Älteren, der Gastgeber den Gast zuerst grüßt etc.vgl. Thomas Schäfer-Elmayer: Früh übt sich - und es ist nie zu spät. Gutes Benehmen für Groß und Klein. Ecowin Verlag, Salzburg, 2006, S. 74 Einen „grußberechtigten“ Menschen, der von dem Betreffenden nachweislich gesehen und erkannt wurde, nicht zu grüßen gilt im westlichen Kulturkreis als Unhöflichkeit. Insofern gibt es auch im Zivilleben in gewisser Weise eine „Grußhöflichkeit“.

Neben Regeln für das Zusammentreffen von Personen gibt es auch Regeln für förmliche Verabschiedungen. Benimmbücher, in denen entsprechende Begrüßungs-, Verabschiedungs- und andere Regeln nachgelesen werden können, werden im deutschsprachigen Raum nach Adolph Knigges Hauptwerk Über den Umgang mit Menschen „Knigge“ genannt. Diese Bezeichnung wird im Internetzeitalter auch für Online-Regelwerke benutzt.

Sprache Verbal geäußerte Grüße sind zum Beispiel „Guten Tag!“, „Tag!“, „Hallo!“, „Grüß Gott!“, „Grüß dich!“ bzw. „Grüß Sie!“, „Grieß Eahna!“ und „Griaß Eich“ im Bairischen und in Österreich, sowie „Grüezi!“, „Grüessech!“ (in Teilen der deutschsprachigen Schweiz), „Servus!“, „Valet!“, „Diener!“ (wird im Itzgründischen benutzt), „Salve!“, „Heil!“, „Ave!“, „Moin!“, „Ahoi!“ „Willkommen!“, „Mahlzeit!“, „Glück auf!“, „Gude!“, „Peace!“, „Salut!“, „High five“ oder „Hi!“. Auch das aus dem Italienischen stammende „Ciao!“ hat sich im deutschen Sprachbereich eingebürgert, ebenso wie das französische Adieu, wenn auch in anderer Bedeutung, nämlich fast ausschließlich als Abschiedsgruß, etwa wie Tschüss.

Ist der Gruß tageszeitabhängig (z. B. „Gute Nacht!“), spricht man von einem Tagesgruß. Im Lötschental und im Goms (Kanton Wallis, Schweiz) wechselt der Gruß gleich viermal: Von frühmorgens bis etwa 8 Uhr gilt „Guätä Morgä!“, danach bis um Mittag „güätä Tag wohl!“. Nach dem Mittagessen bis ca. 20 Uhr wird man mit „Guätä Abe!“ begrüßt. Später gilt „Guet Nacht wohl!“

Manche Grüße gelten sowohl für die Begrüßung wie auch für die Verabschiedung, so kann „Guten Abend!“ lokal auch bedeuten, dass man dem Gegrüßten bei der Verabschiedung eine gute Nacht wünscht. Ein weiteres Beispiel ist in Bayern und Österreich „Servus!“, das sowohl für die Begrüßung als auch für die Verabschiedung gebraucht wird.

In Mittel- und Norddeutschland verbreitet (und sich zunehmend auf Süddeutschland ausdehnend) ist „Tschüss!“ oder „Adschüs!“, im Rheinland „Tschö!“.

In Berlin ist morgens ein schlichtes „Mojen!“, tagsüber „Tach!“ und zur Abendszeit „Abend!“ (oder auch „'n Abend!“ für „einen schönen guten Abend!“) gebräuchlich. Die standarddeutschen („hochdeutschen“) Begrüßungsformeln finden allerdings auch hier immer breitere Anwendung.

In Ostfriesland und Schleswig-Holstein ist „Moin!“, in Hamburg und Bremen auch in der verdoppelten Form: „moin-moin!“ eine den ganzen Tag über gültige Begrüßungsformel (möglicherweise eine Kurzform von friesisch „moi morn!“ – wörtlich übersetzt: „schönen Tag!“).

In der Schweiz, Südtirol, Österreich und in Altbayern gibt es die Gruß-Formel „bhüeti!“ oder „bhüeti Gott!“ („behüte dich Gott!“), in Österreich, Südtirol und Altbayern „pfüet di!“, „pfiat di!“ oder „pfiat di Gott!“ ausgesprochen. Parallel dazu auch „pfiat ina (Got)!“ („behüte Sie Gott!“), und „pfiat eich (Got)!“ bzw. „pfiat enk (Got)!“ („behüte euch Gott!“).

Gesten Unter gleichrangigen Personen Verneigung, Verbeugung demonstriert Respekt. Das Händeschütteln (der Handschlag) (Europa) drückt Verbundenheit auf gleicher Augenhöhe aus. mini|Der Handschlag Umarmung als gesteigerte Form, Verbundenheit zu zeigen Der Kuss bestätigt eine Zusammengehörigkeit in besonderem Maße Abgeleitet hiervon ist der Wangenkuss bzw. das Aneinanderreiben der Wangen aus der morgenländischen Kultur. Das Berühren mit den Ellenbogen hat sich während der COVID-19-Pandemie als Ersatz für den Handschlag etabliert. Einander zuzunicken oder den Hut zu lüften, demonstriert in unterschiedlichem Maße gesellschaftliche Anerkennung unter Gleichgestellten. Die erhobene rechte offene Hand (den Indianern zugeschrieben) symbolisiert, dass der Grüßende friedfertig ist (keine Waffe hat). Das Erheben der offenen rechten Handfläche oder der Handkante zur rechten Stirnseite ist ein üblicher militärischer Gruß. Das Erheben der offenen rechten Hand und anschließendes Berühren des eigenen linken Oberkörpers (Herzposition) mit der rechten Faust bedeutet One Peace, One Love und ist unter Reggae-Leuten üblich.

Unter Personen verschiedenen Rangs Niederwerfung (auch: Proskynese), Fuß- und Kniefall oder die einseitige Abnahme der Kopfbedeckung symbolisieren Unterwerfung der männliche Diener und der weibliche Knicks symbolisieren hohen Respekt Hände auf unterschiedlichen Höhen (zum Gruß eines Höhergestellten: Hände oberhalb des Kopfes; bei einem Gleichgestellten: auf Kopfhöhe; bei Niedrigergestellten: unter Kopfhöhe)

Der Humanethologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt hat aufgrund interkultureller Vergleiche auch Anhaltspunkte für angeborene Grußformen beschrieben (siehe Augengruß).

Sonderformen Als weitere Grußformen haben sich u. a. entwickelt: als (beispielsweise kirchlichen) Segensgruß die ausgebreiteten nach vorn gestreckten Arme das Victory-Zeichen, gebildet durch den abgespreizten Zeige- und Mittelfinger. Es wurde durch Winston Churchill populär und zum Markenzeichen seines Siegeswillens im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland. die demonstrativ zum Kampfesgruß erhobene geballte Faust der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts. Nach ihrer Spaltung in Kommunisten und Sozialdemokraten haben – so wird überliefert – die Kommunisten mit der rechten, die Sozialdemokraten mit der linken Faust gegrüßt. Für Anfang der 1930er ist eine Unterscheidung belegt, wonach die Kommunisten den Arm im rechten Winkel hielten mit der Faust in Kopfhöhe, während Sozialdemokraten den Arm durchstreckten.Noch in den 1980ern trugen mehrere sozialdemokratische Parteien die Faust mit Rose als Symbol (beispielsweise die französischen Sozialisten bzw. die Jungsozialisten). Dieses Symbol wird auch heute noch von der Sozialistischen Internationale und sozialistischen Jugendorganisationen wie den Jusos in der SPD genutzt. Buchdrucker, Schriftsetzer, Lithographen und andere „Jünger der Schwarzen Kunst“ grüßten und grüßen sich bis in die Gegenwart sowohl mündlich als auch schriftlich mit dem Buchdruckergruß „Gott grüß die Kunst“, auf den „Gott grüße sie“ erwidert werden sollte. Beachtenswert ist, dass im Gegengruß das „sie“ klein geschrieben wird, denn es bezieht sich auf die Kunst, nicht auf den Grüßenden. Erstmals gedruckt wurde der einleitende Buchdruckergruß 1740 erwähnt.Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst und Schriftgießerey, mit ihren Schriften, Formaten und allen dazu gehörigen Instrumenten abgebildet auch klärlich beschrieben, und nebst einer kurzgefaßten Erzählung vom Ursprung und Fortgang der Buchdruckerkunst, überhaupt, insoderheit von den vornehmsten Buchdruckern in Leipzig und andern Orten Teutschlandes im 300 Jahre nach Erfindung derselben ans Licht gestellet. Mit einer Vorrede Herrn Johann Erhard Kappens, Prof. Eloqu. Publ. in Leipzig und des großen Fürsten-Collegii Collegiatens daselbst. Vier Theile. Leipzig, bey Christian Friedrich Geßner. 1740 (), 40, 41, 45. Den Hitlergruß oder „Deutschen Gruß“ entlehnten die Nationalsozialisten dem Gruß des Faschisten Benito Mussolini, welcher wiederum seinen Gruß dem saluto romano entlehnte. Der wahrscheinlichere Ursprung ist aber die militärische „Grußform außerhalb geschlossener Gebäude ohne Kopfbedeckung“ des Kaiserreiches. Da die Kleiderordnung der Reichswehr jedoch so geändert wurde, dass außerhalb von Gebäuden und Fahrzeugen immer eine (militärische) Kopfbedeckung zu tragen sei, war diese Grußform „frei“ und wurde von den Nationalsozialisten übernommen. Schmiedegesellen auf der Walz werden bei Betreten der Schmiede und beim Fragen um Arbeit mit „Katzenkopf?“ begrüßt. Die richtige Antwort des Gesellen („Stück davon!“) entscheidet dann, ob er ein wirklicher Zunftgeselle oder ein ‚windiger Bruder‘ ist, also über Aufnahme oder Abweisung. – Diese Erkennungsriten sind oft, aber nicht immer Grüße; ein wandernder Töpfergeselle musste im Zweifel einen Krug henkeln; usf. Beim Gruß der Pfadfinder werden die drei mittleren Finger der rechten Hand rechts vom Körper nach oben gestreckt, während der Daumen über dem kleinen Finger liegt und die Handinnenseite dem gegenüber zugewandt ist. Ein Handschlag erfolgt mit der jeweils linken Hand, wobei sich die Hände nicht nur mit den Daumenbeugen, sondern auch mit dem neben dem kleinen Finger liegenden Spalt zusammengefügt werden.

mini|„Lokführergruß“

Lokführer, Fahrdienstleiter, Gleisarbeiter etc., aber auch Straßenbahnführer und Buslenker zumindest desselben Unternehmens grüßen sich während der Fahrt untereinander mit einer erhobenen Hand. Ähnliches war in den 1970–1980ern unter Citroën 2CV-Fahrern üblich. In der heutigen Zeit wird das sogenannte „Lokführer-Begrüßungslicht“ verwendet, was bedeutet, dass man das Spitzensignal abblendet. Dabei wird mit einmaligem bis mehrmaligem Abblenden in kurzen Abständen der entgegenkommenden Triebfahrzeugführer gegrüßt. Lkw-Fahrer grüßen einander mitunter mit Scheinwerfern oder Kompressorhörnern am Kabinendach, nachts bei wenig Verkehr unter Umständen sogar über den Mittelstreifen hinweg andeutungsweise mit Aufblenden, was den Nebeneffekt des Wachhaltens hat. Um 1980 hat man sich nach Begegnung eventuell am Rufkanal 9 des CB-Funks angerufen, sich vorgestellt, gegrüßt und kurz ein paar Worte gewechselt. Weitere typische Maßnahmen von (Berufs-)Kraftfahrern dienen dagegen in erster Linie nicht dem Grüßen, sondern der Sicherheit an unübersichtlichen Stellen: Vor schlecht einsehbaren Kurven wird auf-/abgeblendet, um sich per Widerschein des Scheinwerfers anzukündigen, oder es wird auch gehupt. Postauto-Busse in der Schweiz verwendeten insbesondere auf Passstraßen ein eigenes Folgetonhorn vor Engstellen. Motorradfahrer grüßen sich meist durch Zeigen der linken Hand, die rechte bleibt am Gasdrehgriff und damit auch bremsbereit.