mini|hochkant|Friedrich Griese mini|hochkant|Friedrich Griese in Der Bücherwurm 18.1933, S. 155 Friedrich August Heinrich Griese (* 2. Oktober 1890 in Lehsten; † 1. Juni 1975 in Lübeck) war ein deutscher Schriftsteller. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt er zeitweise als der bedeutendste Autor mecklenburgischer Heimatliteratur.
Im Nationalsozialismus wurde er als Blut-und-Boden-Dichter hoch geehrt. Als ein solcher wird er heute auch von der Literaturgeschichte gewertet.
Leben Herkunft, Jugend Friedrich Griese wurde als Sohn eines Bauern und späteren Tagelöhners in Lehsten (Domanialamt Stavenhagen/Mecklenburg) geboren. Er besuchte – nachdem er zweimal die Aufnahmeprüfung nicht bestand – die Lehrerseminare in Neukloster und LübtheenGerd Simon, „Art, Auslese, Ausmerze …“ etc. Ein bisher unbekanntes Wörterbuch-Unternehmen aus dem SS-Hauptamt im Kontext der Weltanschauungslexika des 3. Reichs (Publikationen der Gesellschaft für interdisziplinäre Forschung, Bd. 1), Tübingen 2000, S. 26, siehe: . und arbeitete ab 1913 als Volksschullehrer in Stralendorf bei Parchim. Im Ersten Weltkrieg meldete Griese sich freiwillig als Soldat. Nach einer Verwundung fast taub, wurde er 1916 aus dem Kriegsdienst entlassen und arbeitete bis 1926 wieder in Stralendorf als Lehrer. Im Oktober 1916 heiratete er die aus Marne (Holstein) stammende Agnes Mathilde Friederike Rommelé (* 1897), Tochter eines Hamburger Kaufmanns.Trauregister der Kirche in Lancken (Rom (Mecklenburg)), abgerufen über ancestry.com
Weimarer Republik Von Herbst 1926 bis Frühjahr 1931 war Griese Lehrer an einer Knaben-Volksschule in Kiel. Zur Förderung seiner dichterischen Tätigkeit wurde Griese 1931 zum Rektor ernannt und mit vollen Bezügen vom Schuldienst beurlaubt. Ein erstes Buch publizierte er 1921 (Feuer).Dazu siehe: Personenartikel Friedrich Griese in: Kulturportal Mecklenburg-Vorpommern, .
mini|(1932) Er war beeinflusst von skandinavischen (zeitgenössisch-völkisch: „nordischen“) Autoren wie Knut Hamsun, Selma Lagerlöf und Jens Peter JacobsenHans Sarkowicz, Friedrich Griese, in: Killy – Literaturlexikon, Bd. 4, Berlin 2009, S. 411–412. und – nach eigener Aussage – von Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts des deutsch-englischen rassistischen Schriftstellers Houston Stewart Chamberlain.Nach: Stefan Busch, „Und gestern, da hörte uns Deutschland“, Würzburg 1998, S. 36. In seinem ersten Roman Feuer (1921) behandelte er mit autobiographischem Einschlag das Thema „Kriegsheimkehrer“. Schon hier ist Grieses literarisches Hauptthema zu finden, die Mystifizierung des bäuerlichen Lebens und die Verklärung einer agrarisch-vorindustriellen Mecklenburger Welt. Weitere Romane wie „Ur“ (1922), „Das Korn rauscht“ (1923) und „Alte Glocken“ (1925) sowie Theaterstücke folgten. Sein erster großer Romanerfolg war Winter (1927), für den er zwei Auszeichnungen erhielt und der auch nach 1945 mehrfach wieder aufgelegt wurde. Das Buch schildert den Untergang eines mecklenburgischen Dorfes, dem nur ein junges Paar entgeht. „Erdnähe wie kein anderer unter den deutschen Dichtern“ attestierte dem Roman und dessen Verfasser ein zeitgenössischer Rezensent.Joachim Puttkammer, Mecklenburg-Vorpommern. 100 berühmte Köpfe, Erfurt 2011, S. 106. Das Drama Mensch, aus Erde gemacht wurde im November 1932 im Landestheater Stuttgart uraufgeführt, es hatte in der Spielzeit 1933/34 eine spektakuläre Aufführung am Staatlichen Schauspielhaus Berlin.Erwin Breßlein: Völkisch-faschistoides und nationalsozialistisches Drama : Kontinuitäten und Differenzen. Frankfurt/Main : Haag + Herchen 1980, S. 269. Zugl.: Köln, Univ., Diss., 1978 Von 1921 bis 1933 publizierte Griese fünfzehn Bücher. Griese sah sich mit seiner Literatur in einem „Kampf der deutschen Welt mit der fremdländischen, vor allem der östlichen“ (1932),Zit. nach: Hans Sarkowicz, Friedrich Griese, in: Killy – Literaturlexikon, Bd. 4, Berlin 2009, S. 411–412. für die in der Vorstellungswelt der Weimarer Völkischen Bewegung typischerweise „Ostjuden“ standen.
Nationalsozialismus mini|(1935) Grieses Erfolgszeit als Autor begann mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten und ihre Bündnispartner. „Nach 1933“ wurde er „offiziell empfohlen“.Stefan Busch, „Und gestern, da hörte uns Deutschland“, S. 37. Die von ihm propagierte „Einheit zwischen dem Blut und dem Boden“Griese: Mein Leben. Von der Kraft der Landschaft, Berlin 1934, S. 64. als nationale Lebensgrundlage machte ihn zu einem wichtigen Vertreter der NS-Literatur. 1933 unterzeichnete er mit weiteren 87 deutschen Schriftstellern das an Adolf Hitler gerichtete Gelöbnis treuester Gefolgschaft.Joseph Wulf: Literatur und Dichtung im Dritten ReichReinbek 1966, S. 112. Nach der Umwandlung der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste zur „gesäuberten“ Deutschen Akademie der Dichtung wurde Griese im Mai 1933 als neues Akademie-Mitglied berufen.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 179. Er leitete dort den Ausschuss für Fragen des Schul- und Hochschulwesens.Hans Sarkowicz/Alf Mentzer: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biographisches Lexikon, Erw. Neuauflage, Hamburg/Wien 2002, S. 192.
In der Folge erhielt und akzeptierte er nach Meinung des Literaturwissenschaftlers Karl Otto Conrady mehr Preise als jeder andere Schriftsteller im Dritten Reich.Karl Otto Conrady: Ein Disput um eine Preisverleihung an Friedrich Griese: sind wir wieder so weit? In: ders.: Literatur und Germanistik als Herausforderung. Skizzen und Stellungnahmen, Frankfurt am Main 1974, S. 215–226, hier: S. 217f. Für 1937 und 1939 sind Beiträge Grieses auf Tagungen des NS-„Amts für Schrifttumspflege“ im Amt Rosenberg belegt. Am 15. September 1941 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Oktober desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.835.491).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/11911605
1934 erhielt er gemeinsam mit Konrad Beste den Lessingpreis, was damit begründet wurde, er stelle die „Doppelgestalt des deutschen Schicksals, das Schicksal 'Blut und Boden' und das Schicksal 'Krieg'“ weltanschaulich wie künstlerisch auf einem Niveau „hoch über dem Durchschnitt der allgemeinen Heimat- oder Kriegsschriftstellerei“ dar. Mit ihm werde ein Dichter ausgezeichnet, „der aus Blut und Boden schafft“. Dabei sei Griese „wegweisend“.Hanna Leitgeb, Der ausgezeichnete Autor. Städtische Literaturpreise und Kulturpolitik in Deutschland 1926–1971, Berlin u. a. 1994, S. 125; vgl. auch: Hellmuth Langenbucher: Dichter im Dritten Reich – Friedrich Griese. In: Neues Volk, Mai 1936, S. 27, nach: Joseph Wulf: Literatur und Dichtung im Dritten Reich, Reinbek 1966, S. 353. Unter den neuesten mecklenburgischen Autoren – so 1938 – sei er derjenige, der „die Ureigenschaft des Bauern“, nämlich dessen „Sesshaftigkeit und größte Liebe zur Scholle“ am kraftvollsten gestalte. Es trete dem Leser bei ihm überall der mecklenburgische Bauer „in seiner Liebe zu Grund und Boden“ entgegen.Fritz Krüger, Der Bauer in der mecklenburgischen Epik, Rostock 1938, S. 25. Vielleicht sei er „der bedeutendste deutsche Bauerndichter der Gegenwart“ (1939).Albert Meerkatz, Erläuterungen zu Friedrich Griese: Das letzte Gesicht, Leipzig 1939, S. 55.
1935 wurde er in die überarbeitete Auflage des „Deutschen Führerlexikons“ aufgenommen.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 179.
Nach Mecklenburg kehrte Griese 1935 zurück. Der Reichsstatthalter und spätere Gauleiter Friedrich Hildebrandt veranlasste, dass ihm die mecklenburgische Landesregierung die Markower Wassermühle bei Parchim schenkte. Zuvor hatte Griese im Juli 1934 Hildebrandt durch den Schweriner Forstgeometer Willy Bolland ein von seiner Frau Agnes handgebundenes Exemplar seines Buches „Der Herzog“ überreichen lassen, begleitet von einem vom 5. Juli datierenden vierseitigen Handschreiben. Darin Griese: „Ich selbst habe nur den einen Wunsch, einmal wieder nach Mecklenburg zu-rückkehren zu können, dort ein wenig Land und ein Häuschen zu haben, irgendwo an einem kleinen See mit Wald in der Nähe.“ Am 7. August 1934 schrieb Hildebrandt dem Parchimer Rechtsanwalt Fritz Tiedemann von seiner Absicht, „für Herrn Friedrich Griese die Parchimer Markower Mühle zu kaufen“ und dafür „aus dem mir zur Verfügung stehenden Kulturfond den notwendig werdenden Betrag zur Verfügung zu stellen“. Er bat Tiedemann, im Zusammenwirken mit dem Parchimer Bürgermeister Rudolf Prestien die dafür notwendigen Verhandlungen mit Ministerpräsident Friedrich Scharf zu führen.Zeittafel Friedrich Griese. Fritz-Reuter-Literaturmuseum, Sammlung Hans-Joachim Griephan. Auf dem ihm geschenkten Grundstück ließ Griese auf eigene Kosten sein Wohnhaus „Reth-Hus“ errichten.
Die Auflagenzahlen seiner Bücher stiegen in den 1930er Jahren auf mehrere hunderttausend, woran auch Sonderausgaben für die Wehrmacht einen großen Anteil hatten.Stefan Busch, „Und gestern, da hörte uns Deutschland“, Würzburg 1998, S. 37. In dem Aufsatz Unsere Arbeit ist GlaubeFriedrich Griese, Unsere Arbeit ist Glaube (Schriftenreihe der NSDAP. Volkheit und Glaube, Bd. 2), Berlin 1940. äußerte er sich nicht erzählerisch, sondern weltanschaulich im Sinne der Volksgemeinschaftspropaganda. Er unterschied zwischen „wertvollen Völkern“ und „wertvollen Menschen“ und solchen anderer Kategorie,Diese und die folgenden Zitate und Paraphrasen siehe: Friedrich Griese, Unsere Arbeit ist Glaube (Schriftenreihe der NSDAP. Volkheit und Glaube, Bd. 2), Berlin 1940, S. 10, 12, 22f., 24ff., 70. sah bei der Kriegsniederlage und der Revolution 1918 „fremde und fast tödlich wirkende Gifte“ am Werk, die den deutschen Volkskörper „zermürbt“ hätten. Die Weimarer Republik habe beinahe in den drohenden „Volksuntergang“ geführt. Zum Glück „(griff) einer an der entscheidenden Stelle an“, nämlich so dass „alle Mithelfer wurden, einig in dem Willen, den Einzelnen, Volk und Menschheit weiterzubringen.“ Dieser eine habe die Sammlung aller Kräfte gegen die ausbeuterischen Feinde erreicht. Damit sei dieser nicht beim Namen genannte Führer „in den Blutstrom der Vergangenheit“ eingetaucht. Dafür, dass mit dem Untergang Weimars in der „deutschen Jugend“ wieder der starke Sinn für lebendige Zucht und Ordnung hätte geweckt werden können, sei „der straff geschulterte Spaten“ des Reichsarbeitsdiensts „der sinnfällige Beweis unserer Zeit“. Nun sei „Freiheit wieder Freiheit“, Treue und Ehre seien wieder hohe Güter, Pflicht und Verantwortlichkeit in der Gemeinschaft des Volkes wiederhergestellt: „Die Volkheit wuchs“. Die Schrift Unsere Arbeit ist Glaube erschien in der „Schriftenreihe der NSDAP“. Dabei handelte es sich um in Millionenauflage publiziertes Schulungsmaterial der NSDAP.Hans Norbert Fügen, Wege der Literatursoziologie, Neuwied 1968, S. 328; Nationalsozialistische Monatshefte, Bd. 14, 1943, S. 314. Zudem trat Griese mit eindeutig propagandistischen Beiträgen auch für Tageszeitungen hervor.Friedrich Griese: Stellt das Licht höher. In: Rostocker Anzeiger vom 31. Dezember 1941, zit. in: Ernst Münch: Von Bauernherzögen, Dorffürsten, Edelmannskehlen, kleinen Herren und adligen Bauern. Das widerspruchsvolle Bild des mecklenburgischen Adels im Werk Friedrich Grieses. In: Wolf Karge (Hrsg.): Adel in Mecklenburg. Schriftenreihe der Stiftung Mecklenburg, Wissenschaftliche Beiträge 3, Rostock, Hinstorff 2013, S. 146ff. Griese war 1936/37 Herausgeber der Mecklenburgischen Monatshefte. Die von Will Vesper herausgegebene führende NS-Literaturzeitschrift Die Neue Literatur lobte ihn 1938 als „Dichter des ewigen Bauerntums, nordischen Schicksalsgefühls und nordischer Formgebung“.Eduard Zarncke, Will Vesper (Hrsg.), Die Neue Literatur, Band 39, Jg. 1938, S. 78.