Elizabeth ist ein britischer Historienfilm von Shekhar Kapur aus dem Jahr 1998 über Königin Elisabeth I. Die Filmbiografie konzentriert sich auf die jungen Jahre der englischen Monarchin und die Anfangszeit ihrer Regentschaft. Die Weltpremiere fand am 8. September 1998 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig statt. Der australischen Schauspielerin Cate Blanchett gelang in der Titelrolle, für die sie ihre erste Oscar-Nominierung und mehrere Filmpreise erhielt, der internationale Durchbruch. Im Jahr 2007 erschien eine Fortsetzung über die späteren Jahre von Elisabeths Herrschaft unter dem Titel Elizabeth – Das goldene Königreich.

Handlung Im England des Jahres 1554 ist der englische König Heinrich VIII. bereits seit sieben Jahren tot. Das Land ist geteilt in Katholiken und Protestanten. Heinrichs älteste Tochter Maria, eine überzeugte Katholikin, herrscht als Königin. Da sie kinderlos ist, fürchten die Katholiken, dass Marias junge Halbschwester Elisabeth, eine Protestantin, die Thronfolge nach ihr antreten wird. Um dies zu verhindern, wird Elisabeth unter dem Vorwurf der Häresie, des Verrats und der Verschwörung mit Thomas Wyatt festgenommen und in den Tower von London gesperrt. Nach einem Zwiegespräch mit Maria, die Elisabeth vergeblich das Versprechen abzuringen versucht, im Falle ihrer Thronbesteigung dem katholischen Glauben im Land die Macht zu sichern, wird Elisabeth unter Hausarrest gestellt. Als sich 1558 eine vermeintliche Schwangerschaft Marias als Tumor herausstellt und sie daran stirbt, wird Elisabeth zur neuen Königin ernannt.

Angesichts leerer Staatskassen und der Bedrohungen von außen durch Frankreich und Spanien wird Elisabeth nach ihrer Krönung von ihrem loyalen Freund und Berater William Cecil nahegelegt, so bald wie möglich zu heiraten, einen Erben zu bekommen und so ihre Macht zu festigen. Der aus dem französischen Exil zurückgekehrte Sir Francis Walsingham soll ihr zudem als Berater und Kopf eines Spionagenetzwerks fortan tatkräftig zur Seite stehen. Erste Heiratsangebote der Spanier und Franzosen werden von Elisabeth jedoch ignoriert. Sie will sich lieber weiterhin mit Robert Dudley, dem Earl of Leicester, treffen, mit dem sie seit Längerem eine heimliche Liaison verbindet.

Als Marie de Guise in Schottland ihre französischen Truppen verstärkt, drängen Elisabeths Berater, allen voran der machthungrige Herzog von Norfolk, zum Krieg. Elisabeth gibt nur widerwillig nach. In der folgenden Schlacht werden ihre Truppen vernichtend geschlagen. Daraufhin wird ihr erneut das Angebot gemacht, den Herzog von Anjou zum Mann zu nehmen, um damit einen Frieden mit Frankreich zu gewährleisten. Im Hinblick auf ihre geschwächte politische Position willigt sie schließlich ein, Anjou zu treffen, und lädt ihn zu sich nach England ein. Auch erkennt sie, dass ihr Volk niemals zur Ruhe kommen wird und ihr Thron unsicher bleibt, solange die Kämpfe zwischen Katholiken und Protestanten in ihrem Land andauern. Es gelingt ihr, ein Religionsgesetz zu verabschieden, durch das der anglikanische Protestantismus vereinheitlicht und zur alleinigen Staatsreligion erklärt wird. Der Vatikan bezeichnet Elisabeth daraufhin als „Dienerin der Gottlosigkeit“ und reagiert mit einem Erlass des Papstes, der Elisabeth den Thron abspricht und jedem Bürger, der den Versuch unternimmt, die Königin zu ermorden, die Aufnahme ins Himmelreich zusichert.

Elisabeth empfängt schließlich den Herzog von Anjou, der mit seiner frivolen und vulgären Art bei ihr sofort auf Missfallen stößt. Bei einem königlichen Fest mit anschließendem Feuerwerk wird ein Anschlag auf Elisabeth verübt. Zurück in ihren königlichen Gemächern erfährt sie von Cecil, dass Dudley bereits verheiratet ist, was zum Bruch mit diesem führt. Auch lehnt sie Anjou, den sie bei einem privaten Gelage in Frauenkleidern antrifft, endgültig als Ehemann ab. Als eine ihrer Hofdamen während eines Schäferstündchens mit Dudley ein mit Gift versetztes Kleid trägt, das als Geschenk der Franzosen für Elisabeth bestimmt war, und qualvoll darin stirbt, begibt sich Walsingham nach Schottland, um sich dort heimlich mit Marie de Guise zu treffen und dieser eine mögliche Allianz vorzugaukeln. Am nächsten Morgen wird de Guise in ihrem Bett ermordet aufgefunden.

Als Elisabeth Cecil in den Ruhestand schickt – sie will nur noch ihrem eigenen Rat folgen – warnt er sie vor ihren politischen Feinden. Mit Hilfe von Walsingham kann sich Elisabeth jedoch gegen ihre Gegner behaupten. Eine vom Herzog von Norfolk angeführte und vom Vatikan unterstützte Verschwörung, die Maria Stuart an ihrer Stelle auf den Thron setzen soll, wird aufgedeckt und alle Beteiligten der Intrige werden hingerichtet. Nur Dudley, der sich mit dem spanischen Botschafter zusammengetan und sich damit den Katholiken angeschlossen hatte, will sie verschonen, um stets daran erinnert zu werden, wie nah sie der Gefahr gekommen war. Entschlossen, nie einem Mann untertan zu sein und nicht mehr von Gefühlen geblendet zu werden, lässt sich Elisabeth die Haare abschneiden und nach dem Vorbild der Jungfrau Maria zurechtmachen. Vor ihrem Hofstaat verkündet sie, mit England verheiratet zu sein, und besteigt als jungfräuliche Königin den Thron.

Hintergrund Produktion Für den indischen Regisseur Shekhar Kapur war Elizabeth der erste englischsprachige Spielfilm.David Rooney: Elizabeth. In: Variety, 9. September 1998. Laut eigener Aussage sei es ihm bei der Umsetzung des Stoffs weniger um historische Fakten als um die menschliche Seite hinter der Fassade der englischen Königin gegangen. „Ich musste eine Entscheidung treffen: ob ich wollte, dass historische Details oder die Emotionen und der Kern der Geschichte überwiegen“, so Kapur.“I had to make a choice: whether I wanted the details of history or the emotions and essence of history to prevail.” Shekhar Kapur zit. nach Rosanna de Lisle: Shekhar Kapur – The original Elizabethan. In: The Independent, 27. September 1998. Die historischen Ereignisse, vor allem die vielen Komplotte gegen Elisabeth, seien so komplex gewesen, dass eine historisch korrekte Darstellung innerhalb eines zweistündigen Films zu sehr auf Kosten von Elisabeths Charakterzeichnung gegangen wäre.Rosanna de Lisle: Shekhar Kapur – The original Elizabethan. In: The Independent, 27. September 1998.

Für die Hauptrolle sah Kapur ursprünglich die Schauspielerin Emily Watson vor, die das Angebot jedoch ablehnte.Army Archerd: ‘Jackie’ thesp sez she’s no ‘Elizabeth’. In: Variety, 17. Februar 1999. Zwischenzeitlich war auch Kate Winslet für die Rolle der Elisabeth im Gespräch. Kapur entschied sich schließlich für die Australierin Cate Blanchett, nachdem er sie in einem Trailer zu dem Film Oscar und Lucinda (1997) gesehen hatte.Rosanna de Lisle: Her Brilliant Career. In: The Independent, 29. März 1998. Im Zuge ihrer Vorbereitung las Blanchett Originaltexte über die englische Monarchin, konzentrierte sich dabei aber wie Kapur mehr auf den menschlichen Aspekt ihrer Figur. „Der Film ist eher metaphorisch im Bezug darauf, was es heißt, Königin zu sein“, so Blanchett.“The film is more a metaphorical thing about what it means to be queen.” Cate Blanchett zit. nach Rosanna de Lisle: Shekhar Kapur – The original Elizabethan. In: The Independent, 27. September 1998.

Für das Szenenbild und die Ausstattung des Films waren John Myhre und Peter Howitt verantwortlich. Die Kostüme entwarf Alexandra Byrne. Als Produzenten traten Tim Bevan, Eric Fellner und Alison Owen in Erscheinung. Neben Bevans Tochter Daisy Bevan in der Rolle von Arundels Tochter traten auch Owens Kinder in kleinen Nebenrollen im Film auf: Alfie Allen als Arundels Sohn sowie Sarah Owen und Lily Allen als Hofdamen. Jahre später erlangte Lily Allen Bekanntheit als Popsängerin und Alfie Allen als Darsteller des Theon Graufreud in der HBO-Serie Game of Thrones.

Dreharbeiten mini|Krönungsporträt von Elisabeth I. Die Dreharbeiten begannen Anfang September 1997 und fanden in England statt. Als Drehort der Schlacht zwischen den Truppen von Elisabeth und Marie de Guise diente Alnwick Castle in Northumberland, wo auch die Szenen mit den auf dem Scheiterhaufen brennenden protestantischen Märtyrern am Anfang des Films und Elisabeths Festnahme entstanden. Im nahegelegenen Chillingham Castle wurden Innenaufnahmen gedreht. Weitere in Northumberland gelegene Drehorte waren Bamburgh Castle, Warkworth Castle, das im Film die Verliese des Tower of London ersetzte, und Aydon Castle, das für Szenen mit Walsingham und John Ballard genutzt wurde. Als Vorplatz des Tower of London diente Bolton Castle in North Yorkshire, wo auch die Szene entstand, in der Elisabeth den Herzog von Anjou in Frauenkleidern entdeckt.Vgl. movie-locations.com mini|links|Die Durham Cathedral, der Drehort des königlichen Hofs Haddon Hall in Derbyshire wurde als herrschaftliches Anwesen genutzt, auf dem Elisabeth im Film aufgewachsen ist und wo sie ihren Hausarrest absitzen muss. Ihre Krönungszeremonie wurde an Stelle der Westminster Abbey im York Minster in York inszeniert. Das Kostümdesign sowie Haare und Make-up von Elisabeth und die Kameraeinstellung dieser Szene wurden von ihrem überlieferten Krönungsporträt inspiriert. Das im Film stattfindende Fest auf der Themse wurde im Burggraben vor Raby Castle in Durham inszeniert. Die Durham Cathedral mit ihren markanten großen Säulen war der Drehort für einen Großteil der Innenaufnahmen, die Elisabeths königlichen Hof zeigen und damit den 1698 durch einen Großbrand zerstörten Palace of Whitehall repräsentieren.

Das im Tudorstil erbaute Herrenhaus Dorney Court in der Nähe von Maidenhead in Berkshire war im Film der Wohnsitz des Grafen von Arundel, wo dieser und John Ballard gegen Ende des Films gefangen genommen werden. Als Drehort für die Feierlichkeiten nach Elisabeths Krönung und für die letzte Szene mit Elisabeth als jungfräulicher Königin diente das Landmark Arts Centre im Londoner Stadtteil Teddington, das 1889 als Kirche im Stil der Neugotik erbaut worden war. Weitere Aufnahmen wurden in Leeds Castle in Kent und in Middle Temple in London sowie in den Shepperton Studios gedreht.

Historische Abweichungen Der Film ist an historische Tatsachen angelehnt, erlaubt sich jedoch für eine dramatischere Erzählweise der Handlung Abweichungen und künstlerische Freiheiten im Bezug auf Personen und Ereignisse, die zum Teil hinzugedichtet wurden oder erst Jahre später stattfanden.Carole Levin: Elizabeth: Romantic Film Heroine or Sixteenth-Century Queen?. In: Perspectives on History, 1. April 1999. Deutliche Abweichungen von den historischen Tatsachen ergaben sich bei der Darstellung von William Cecil. Im Film erscheint er als alter Mann, während er in Wirklichkeit nur 13 Jahre älter war als Elisabeth.Alex von Tunzelmann: Elizabeth I Rules Over Time and Space. In: The Guardian, 21. September 2011. Tatsächlich hegte er stets Heiratspläne mit der Königin, doch diese führten nicht dazu, dass er entlassen wurde. Cecil war Elisabeths wichtigster Berater bis zu seinem Tod im Jahr 1598.

Im Film konfrontiert Cecil, der spätere Baron Burghley, Elisabeth zudem mit der Tatsache, dass Robert Dudley verheiratet ist. Tatsächlich wusste Elisabeth längst von seiner Ehe und zeigte sich dennoch öffentlich mit ihm, was in ganz Europa zu Gerede führte. Dudleys Frau, Amy Robsart, war schwer (wahrscheinlich an Brustkrebs) erkrankt, erlag jedoch nicht ihrem Leiden, sondern starb unter mysteriösen Umständen – durch den Sturz von einer Steintreppe. Robert Dudley wurde des Mordes verdächtigt und kam, obwohl nun Witwer und frei, wegen des Skandals als Ehemann für Elisabeth nicht mehr in Frage. Dudley hat zudem nie an einer Verschwörung gegen Elisabeth teilgenommen. Er war ihr bis zu seinem Tod treu ergeben.