mini|hochkant|Eingangsbereich mit SFI-Logo Das Santa Fe Institute (SFI) ist ein privates gemeinnütziges Forschungs- und Lehrinstitut für Komplexitätswissenschaft in Santa Fe, New Mexico.
Geschichte Das SFI wurde 1984 gegründet, um in interdisziplinärer Grundlagenforschung eine Theorie komplexer adaptiver Systeme in Physik, Biologie, Technik und Sozialwissenschaften zu erarbeiten. Die Gründungsmitglieder waren George Cowan (Präsident 1984–1991), David Pines, Stirling Colgate, der Nobelpreisträger Murray Gell-Mann, Nicholas Metropolis, Herbert L. Anderson, Peter Carruthers und Richard Slansky, bis auf Pines und Gell-Mann alle Wissenschaftler des Los Alamos National Laboratory.
Das Institut sieht sein ursprüngliches Ziel als erreicht an, da die Theorie komplexer Systeme inzwischen ein etablierter Forschungsgegenstand ist, dem sich weltweit eine Anzahl wissenschaftlicher Institute widmen. Als gegenwärtige Arbeitsthemen nennt das Institut kognitive Neurowissenschaft, Computersimulation in Physik und Biowissenschaften, ökonomische und soziale Wechselwirkungen wie kollektive Intelligenz, evolutionäre Dynamik, Netzwerkdynamik und Robustheit.
Die Hinwendung zu ökonomischen Fragen sei ursprünglich aufgrund privater Spenden und finanziellen Schwierigkeiten bei der Fortführung physikalischer Grundlagenforschung erfolgt. 1990 etwa erhielt das Institut eine Großspende von Robert Maxwell in Höhe von 100.000 US-Dollar, woraufhin dessen Tochter Christine Maxwell Mitglied des Aufsichtsrats wurde. Mitgründer George Cowan trat demnach zurück, weil die Themensetzung des SFI sich schneller geändert habe als diese sich wissenschaftlich behandeln ließ.
Seit 2015 ist der Komplexitätsforscher David Krakauer Präsident der Einrichtung.
Rezeption und Trivia Wissenschaft Das Santa Fe Institute ist ein Fallbeispiel für sozialwissenschaftlich tätige, aus Privatwirtschaft und Industrie finanzierte Einrichtungen. Laut Erik Baker (Harvard-Universität) habe das Institut spätestens in den frühen 2000er-Jahren einen vom Behaviourismus (Neo-Hayekianismus) geprägten Archetyp eines Wissenschaftlers geschaffen, den Baker als „Santa Fe Institut-Libertären“ (Santa Fe Institute libertarian) beschreibt. Demnach umfasse die Institutszugehörigkeit das Selbstverständnis, Lösungen zu präferieren, die keine Top-Down-Politiken erforderten. Als solches sei das SFI ein Raum, in dem sich Eliten der Schaffung einer „neuen politisch-ökonomischen Ordnung“ verschrieben.
Der Investigativjournalist Dave Troy berichtete 2025, die von 2005 bis 2010 erschienene russische Buchreihe Project Russia nenne das US-Verteidigungsministerium und die CIA als Auftraggeber des Instituts. Im Global Go To Think Tank Index der University of Pennsylvania belegt die Einrichtung in den Kategorien „Wissenschafts- und Technologie-Policy“ und „Transdisziplinarität“ jeweils Platz 25 weltweit.
Popkultur Rolling Stone beschrieb das SFI als „world's most unlikely genius club“ (unvergleichbarste Gelehrtenvereinigung der Welt) mit einer „Justice League of renegade geeks“ (Gerechtigkeitsliga vagabundierender Geeks).
Der in Jurassic Park auftretende fiktive Charakter Ian Malcolm ist im Roman Wissenschaftler des Instituts. Die Fortsetzung Vergessene Welt beginnt mit einer kurzen Beschreibung des SFI.
Sonstige Laut Ghislaine Maxwell machte sie den SFI-Mitgründer Murray Gell-Mann mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt. Medienberichten zufolge habe Epstein die als möglicher Tatort bekannte und wenige Kilometer entfernte Zorro Ranch in den 1990er Jahren aufgrund der Nähe zum SFI bezogen. Auch Epstein gehörte zu den Financiers des Instituts.
Finanzierung Das Santa-Fe-Institut ist in den USA als gemeinnützige 501(c)(3)-Organisation anerkannt und erhält finanzielle Förderung öffentlicher und privater Einrichtungen, von letzteren das Institut erheblich abhängig ist. Der Value-Investor Bill Miller spendete mehrere Millionen US-Dollar. Nach ihm sind ein Campus, ein Lehrstuhl, Stipendien, sowie das Miller-Omega-Programm benannt. Zu den durch das Applied Complexity Network (ACtioN) organisierten, regelmäßigen Förderern gehören unter anderem Accenture, die Boston Consulting Group, Clarivate, Deloitte, Google, die Omidyar Group, die Principal Financial Group, UBS, Takeda, Shopify, Stripe und die Sandia National Laboratories.
Kooperierende Forschende und Ehemalige W. Brian Arthur Robert Axelrod Per Bak Samuel Bowles David Campbell John L. Casti James Crutchfield J. Doyne Farmer Murray Gell-Mann Herbert Gintis Brian Goodwin John H. Holland Stuart Kauffman Edward Alan Knapp, Präsident 1991–1995 Christopher Langton Manfred Laubichler Robert May Kai Nagel Hans Joachim Schellnhuber Peter Schuster Jürgen Jost Peter F. Stadler Stefan Thurner Geoffrey West, Präsident 2005–2009 Zu Fellows des Instituts gehören wiederholt auch Schriftsteller und Kunstschaffende wie Andrea Wulf, um die Forschungsarbeiten zu reflektieren oder transdisziplinär zu kooperieren.
Siehe auch Komplexes System Systemdenken Institute for Scientific Interchange in Turin. Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden. Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg. Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen.
Medien Literatur Fach- und Einzelbeiträge zur Einrichtung
Dan Dillon: A Review of the Santa Fe Institute. Institutional and Individual Qualities of Expert Interdisciplinary Work. Harvard Graduate School of Education, Cambridge, MA, 2001. (online verfügbar; PDF)
Fabrizio Li Vigni: The failed institutionalization of “complexity science”: A focus on the Santa Fe Institute’s legitimization strategy. In: History of Science. Band 59, Nr. 3, 2020, S. 344–369. doi:10.1177/0073275320938295ff Fabrizio Li Vigni: Hayek at the Santa Fe Institute. Origins, Models, and Organization of the Cradle of Complexity Sciences. In: Centaurus. Journal of the European Society for the History of Science. Band 64, Nr. 2, 2022, S. 443–481. doi:10.1484/J.CNT.5.131461
Zeitungsberichte
Gene Levinson: In the Eye of Complexity. In: World & I. Band 11, Nr. 4, April 1996, , S. 196–202. Nick Romeo: Brain Camp. Where Cormac McCarthy and other Geniuses talk Big Ideas. In: Newsweek. Band 159, Nr. 8, 20. Februar 2012, , S. 58.
Populärwissenschaftliche Monographien Roger Lewin, Die Komplexitäts-Theorie, Hoffmann & Campe, 1993. Gernot Ernst: Komplexität. „Chaostheorie“ und die Linke. 2., erweiterte Auflage. Schmetterling Verlag, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-89657-653-8, S. 116 f.
Primärquellen David C. Krakauer (Hrsg.): Worlds Hidden in Plain Sight. The Evolving Idea of Complexity at Santa Fe Institute 1984–2019. SFI Press, Santa Fe 2019, ISBN 978-1947864146. David Pines (Hrsg.): Emerging Syntheses in Science. Proceedings of the Founding Workshops of the Santa Fe Institute. SFI Press, Santa Fe 2019, ISBN 978-1947864054.
Das Institut veröffentlicht englischsprachige Schriftenbände und Einzelpublikationen über den eigenen Verlag SFI Press.
Dokumentationen Pernille Rose Grønkjær (Regie): Lösungen. Die Welt neu denken. Dokumentarfilm, Dänemark, 2021, 111 min. Kmele Foster: Inside the Real Genius Club. The Santa Fe Institute. Reportage, Big Think, Vereinigte Staaten 2023, 43 min.
Weblinks Offizielle Website
Einzelnachweise
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